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Ein Pfarrer geht und "ein Super-Gaustadter geht verloren"
Am Fronleichnamstag verabschiedete eine große Gemeinde ihren Pfarrer Matthias Wünsche aus der Pfarrei St. Josef in Gaustadt. Vor seinem Neustart in Erlangen pilgert der Priester zu Fuß nach Rom.
Große und kleine Pfarreiangehörige verabschiedeten sich von Pfarrer Matthias Wünsche.

Wehmut ja, aber keine tränenreiche Traurigkeit prägte diese Abschiedsfeier in der portugiesischen Gaststätte Volksgarten am Fronleichnamstag. Eine große Schar wollte ihrem Pfarrer Matthias Wünsche danke sagen für 15 Jahre segensreiches Wirken in der Gaustadter Gemeinde St. Josef. Zum 1. September wechselt er in die Pfarrei Herz Jesu Erlangen.

Doch zuvor nimmt Wünsche eine Sabbatzeit: Am morgigen Sonntag startet er zu einer Pilgerreise nach Rom. Zu Fuß will er über die Alpen marschieren. Und damit der Wallfahrer für diese Tour auch bestens ausgerüstet ist, überreichten ihm Pfarrgemeinderatsvorsitzender Johannes Siedler und Kirchenpfleger Gerhard Öhlein einen wetterfesten Rucksack, ein Erinnerungsalbum mit Fotos aus dem Pfarrleben und einen vierstelligen Geldbetrag als Abschiedsgeschenk.

Siedler rückte die lange Zeitspanne in den Fokus, die Wünsche in Gaustadt verbracht hat: "In diesen 15 Jahren gab es drei Päpste, fünf Bundespräsidenten, drei amerikanische Präsidenten, drei Bundeskanzler und zwei Erzbischöfe", zählte der PGR-Vorsitzende auf.

Einzig in Gaustadt scheine mehr Kontinuität zu herrschen, wenngleich sich auch hier viel verändert habe. Es sei ein Seelsorgebereich mit der Pfarrei St. Josef und St. Martin gegründet worden, dessen Leitender Pfarrer Matthias Wünsche gewesen sei. An der ERBA erwuchs ein neues Baugebiet mit Integrationsaufgaben, die zwei Gemeindekindergärten entwickelten sich zu Kindertagesstätten, für die Wünsche auch verantwortlich zeichnete.

Johannes Siedler würdigte auch das reiche Engagement des Pfarrers für den interreligiösen Dialog in Bamberg. Was Daniela Reinfelder, Vorsitzende des Bürgervereins Gaustadt, so aufgriff: "Danke für die super Zusammenarbeit in unserem Kampf für Bunt in Bamberg."

Gabi Mahr, Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB)-Zweigverein St. Josef-Gaustadt, bescheinigte Pfarrer Wünsche, dass er die Gemeinde "sehr geprägt hat". Launig fügte Mahr hinzu, dass der Pfarrer dabei oft an die Romanfigur Don Camillo erinnert habe: "Es fehlte nicht an dem einen oder anderen Peppone", warf sie einen Spot auf so manches Kämpfchen im Hintergrund.

Pfarrer Wilfried Geyer von der Gaustadter evangelischen Gemeinde St. Matthäus erinnerte an gemeinsame Aktivitäten wie den Gottesgarten der Religionen auf der Landesgartenschau oder gelungene ökumenische Gottesdienste. "Es wird uns Evangelischen etwas fehlen, wenn du nicht mehr da bist", wandte sich Geyer an seinen katholischen Kollegen. Er bat die versammelte Gemeinde St. Josef, "dass die Lücke nicht zu groß wird".

Für die Gemeinde St. Martin dankte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rotraud Wielandt für alles, "was Sie als Leitender Pfarrer für uns getan haben", für "viele gute Predigten und für die Zeit, die Sie uns in schwieriger Situation ohne Pfarrer und mit baufälliger Kirche geschenkt haben". Seine "außergewöhnliche Art der Vertretung" habe er in "ruhiger, besonnener Weise geleistet".

Neben den Reden sorgten verschiedene musikalische Einlagen für Kurzweil. Die Blaskapelle St. Josef Gaustadt spielte zünftige Weisen, die Winzlinge der Kindergärten St. Sebastian und St. Josef gaben mit ihren Erzieherinnen Pfarrer Wünsche einen gesungenen Abschiedsgruß mit auf den Weg, und die "Gaustadt sisters" brachten mit ihrer Showeinlage à la Sister Act den Saal zum Toben.

Sie wurden nur noch von den "Gaustadt brothers" getoppt, die stimmgewaltig und hinterfotzig ihr Lied "Oh hängt ihn auf" darboten. Szenenbeifall gab es für die Strophe "Ein Super-Gaustadter geht uns verloren, für Erlangen ein Held wird neu geboren".

Der "Super-Gaustadter" Wünsche verabschiedete sich kurz und schmerzlos: "Die Übergabe ist gemacht, mein Schreibtisch ist leer." Er hege große Zuversicht, "dass Sie es schaffen", sagte er der Versammlung: "Es liegt an Ihnen, dass die Gemeinde in Gaustadt lebendig bleibt." Und der scheidende Pfarrer rief: "Danke für 15 gute Jahre", auf die er "mit hoffnungsvoller Perspektive" zurückschaue.

Die Gemeinde St. Josef bleibt nicht dauerhaft verwaist: Am 1. September tritt Solomon Sahayaraj die Nachfolge Wünsches an. Bislang war der indische Priester Kaplan in Herzogenaurach.

Datum: 03.06.2013
Autor: Marion Krüger-Hundrup Fränkischer Tag