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St. Sebastiani-Kapelle

(kirche.jpg; 11 kB)
Die kleine Kirche, die heutige Sebastiani-Kapelle, war die erste Kirche der Gemeinde. Sie wurde nach der Säkularisation im Bau begonnen und 1808 geweiht. Vorher hatte Gaustadt nur eine kleine Kapelle, die 1773 geweiht, nur dem Pfarrer und den Ministranten Platz bot. Die Bevölkerung konnte nur im Freien vor der Tür stehen. Häufig hat der Wind in der Kapelle die Kerzen ausgeblasen. Erst 1808 wurde dann, wie schon gesagt, die kleine Kirche gebaut und dem heiligen Joseph geweiht. Ausgestattet wurde sie mit "Säkularisationsgut" der aufgelösten Klöster, z.B. des Dominikaner- und Karmelitenklosters. So kam der Dachreiter der kleinen Kirche von der Maternkapelle.

Die weitere Ausstattung stammte aus zusammengetragenem, zusammengekauftem Kirchengut. Der Name Sankt Joseph leitet sich von einem Altar ab, der aus diesem Fundus stammte. Dieser Altar ist dann um die Jahrhundertwende an die Karmeliten-Kirche nach ihrer Neueröffnung zurückgegeben worden.

An der Weihe dieser Kapelle maßgebend beteiligt war ein Gaustadter Priester, einer der "berühmten" Gaustadter Johann Baptist Leicht. Er war Subregens des Priesterseminars, hatte den philosophischen Doktortitel und war Kaplan in der oberen Pfarre in Bamberg. Er sorgte dafür, daß Gaustadt die kleine Kirche bekam. Einen Bischof gab es zu dieser Zeit in Bamberg -1808 - nicht, diese Stellung war vakant.
Deshalb nahm der Regens des Priesterseminars Dr. Stapf, der unmittelbare Vorgesetzte des Dr. Leicht, die Weihe der Kirche vor.

Die Werktagsgemeinde trifft sich zum Gottesdienst.
Die Werktagsgemeinde trifft sich zum Gottesdienst.
Die Familie Leicht ist in Gaustadt sehr bekannt, sie besaß früher die „Bürgerbräu“, die heute den Wörners gehört. Eine direkte Pfarrstelle war die kleine Kirche natürlich nicht, der eigentliche Gottesdienst fand an hohen Festtagen ab 1806 in der Pfarrkirche in Bischberg statt. Die eigentliche Betreuung der Gaustädter Bürger durch die Kirche wurde durch das Kloster Michelsberg vollzogen. Die Gaustadter Bauern unterstanden der Dorfherrschaft des Klosters und wurden von ihm mit Grund und Boden belehnt. Dafür hatten die Bauern an das Kloster Abgaben zu entrichten, den sogenannten "Zehnten". Diese Abgaben waren von Hof zu Hof verschieden. Es wurden so pro Hof z.B. das Fastnachtshuhn, eine bestimmte Menge Getreide unter Berücksichtigung der Größe des Anwesens und der Qualität des Bodens als Abgaben festgelegt und unterschieden. Die Bauern waren zwar keine Eigentümer des Bodens, aber freie Leute. Die Ritter hatten für ihren geliehenen Grund und Boden -das Gut also - Wehrdienst, Gestellung und Ausrüstung von Fußvolk usw. zu leisten.

Vor der Renovierung: in den 50er-Jahren wurde die Sebastiani-kapelle von der evangelischen Gemeinde als regelmäßiger Gottesdienstraum benutzt.
Vor der Renovierung: in den 50er-Jahren wurde die Sebastiani-kapelle von der evangelischen Gemeinde als regelmäßiger Gottesdienstraum benutzt.
Ähnlich war es auch in Gaustadt: Der Leichthof in der heutigen Martin-Ott-Straße war die Abgabestelle der Abgaben für das Kloster Michelsberg, deshalb wurde dieses Anwesen Herrenhof genannt. Zu den Eigenheiten dieses Abgabesystems gehörte es auch, daß bei einem Todesfall auf einem dieser Höfe das "Besthaupt", also das beste Stück Vieh als "Erbschaftssteuer" abzuführen war. Das bedeutete für die betroffene Familie ein zusätzlicher Verlust, hier natürlich materieller Art. Das Kloster Michelsberg übernahm bemerkenswerter Weise nicht die seelsorgerische Betreuung des Dorfes. Man meinte wohl, eine Dorfherrschaft könne nicht gleichzeitig Betreuer der Gemeinde sein.

Deshalb wurde die Seelsorge an die "Obere Pfarre“ vergeben. Nicht an den Dom, denn der war ja keine Pfarrei, sondern an die nächstgelegene Pfarrkirche. So wurde Gaustadt seit 1599 - durch Kirchenbücher, Taufmatrikel und ähnliche Unterlagen bezeugt - von der "Oberen Pfarre“ seelsorgerisch versorgt. Auch die Beerdigungen mußten deshalb auf dem zur Kirche gehören - den Friedhof stattfinden. Es wird berichtet, daß zur Zeit der napoleonischen Kriege ein Leichenzug aus Gaustadt von französischen Truppen mehrfach gestört und angehalten worden ist. Bei der Neugliederung der Kirchenverhältnisse nach der Säkularisation 1802/1803 etwa, wurde Gaustadt 1806 der Pfarrei Bischberg zugeteilt, obwohl der Dom Pfarrkirche geworden war. Die Verlegung nach Bischberg erfolgte deshalb, weil der dortige Pfarrer um Erhöhung seiner Stolgebühren gebeten hatte. Die Einnahmen eines Pfarrers haben damals selten ausgereicht ihren Mann zu ernähren. Der Pfarrer lebte damals nur von Gebühren für Trauungen, Taufen, Seelenmessen, Beerdigungen usw...

So wurde ab 1.Januar 1806 die Bevölkerung Gaustadts von der Kirche in Bischberg mitbetreut. Die Gaustädter haben diese Zuordnung als einen sozialen Abstieg empfunden. Dann wurde der Gottesdienstgang durch den Bau der kleinen Kirche - der heutigen Sebastiani-Kapelle - erleichtert, der Gottesdienst von einem Kaplan und seit 1830 von dem Universitätsprofessor Dr. Martinet am Sonntag gehalten. Die Gaustädter brauchten dann nur an großen Feiertagen, bei Trauungen und Beerdigungen nach Bischberg. Die Kirche auf dem Michelsberg wurde nicht zur Pfarrkirche umgewandelt, weil sonst auf engstem Raum zu viele Kirchengebäude Pfarreien gehabt hätten. Da wäre außer der Michaelskirche auch noch die Jakobskirche, auch zu einem Kloster gehörend, zu nennen. Die Michaelskirche sollte ursprünglich abgerissen werden, wie die Annakirche auf der Schranne und die Martinskirche auf dem Maxplatz. Man wollte Raum schaffen für Plätze. Der jetzige Maxplatz war früher Friedhof und Kirchplatz zugleich. Auch die vielen Kapellen sind verschwunden, die in Mengen in der Stadt Bamberg standen. Der Dom wurde - wie schon erwähnt - auch Pfarrkirche, weil der Bischof nicht mehr Landesherr war und die ganze Hofhaltung, die Beamtenschaft und die Übrige Verwaltung wegfiel. Der Bischof verlor die Neue Residenz und bezog das klei-nere Palais der Kurie St. Paul, das heute noch schräg gegenüber der Domschule steht.

Link zur Homepage: St. Josef, Gaustadt

 Darstellung von Andreas Stenglein

Der Artikel befasst sich mit vielen Begebenheiten, die sich einst in Gaustadt zugetragen haben, nur nicht explizit mit der Geschichte der Sebastianikapelle, wie man nach der Überschrift schließen sollte. Ich will das nun tun.

Nach Dr. Adam Martinets Aufzeichnungen stand bis 1738 „neben dem Bronnenhaus auf der Stelle, wo heutzutage die Kapelle steht, eine kleine Kapelle von Holz zu Ehren des hl. Sebastian. Zwischen der Brunnenstube und dieser Kapelle befand sich das Bildnis des hl. Sebastian unter freiem Himmel“ (Gaustadter Ortschronik, Seite 193 ff.).

Anstelle dieses Bauwerks, das nichts anderes als eine Art Feldkapelle war, wurde 1738 eine etwas größere Kapelle gebaut, die dann 1808 durch die heute noch stehende ersetzt wurde. Die Grundsteinlegung fand am 28. April statt, die Einweihung am 7. Oktober. Vorgenommen wurde sie vom Regens des Bamberger Priesterseminars, dem Geistlichen Rat Franz Stapf , weil der Bischofsstuhl nach dem Tod des Fürstbischofs Buseck (+1805) bis zum Abschluss des Konkordats zwischen dem Vatikan und Bayern 1817/18 nicht besetzt war. Mitkonsekrator war Georg Leicht (und nicht Johann Baptist Leicht). Er war das neunte Kind des Brauers Johann Leicht und dessen Frau Barbara, geb. Hofmann, der das Obere Wirtshaus (und nicht die Bürgerbräu) besaß. Ob er zu den „berühmten Gaustadtern“ gehörte, lasse ich dahingestellt. Die Brauerei bekam 1821 der Bruder Johann Baptist (*12.1.1800), der sie 1858 an Heinrich Zang aus Gleusdorf veräußerte. Ein anderer Bruder, Johann Georg (*10.1.1771), erwarb um 1800 das schwiegerelterliche Anwesen Stirnlein in der Martin-Ott-Straße 12, das sich seit dieser Zeit in Leicht’schem bzw. Brahmann’schem Besitz befindet.

Benediziert wurde die Kapelle zu Ehren des hl. Josef und nicht mehr zu Ehren des hl. Sebastian, weshalb es eigentlich falsch ist, von der Sebastianikapelle statt von der Josefikapelle zu sprechen. Am besten wäre es wohl, sie ganz einfach als alte Kirche im Unterschied zur 1906 errichteten neuen Kirche zu bezeichnen.

Stapf und seinem Subregens Leicht ist es zu verdanken (wie in der einschlägigen Grundstücksurkunde nachzulesen ist), dass ein Geistlicher des Seminars den Gottesdienst in Gaustadt für die damaligen 302 Seelen halten konnte. Nichts anderes! Mehr braucht nicht hineingeheimnisst zu werden. Ab 1818 versah der Banzer Exkonventual P. Anselm Reuschel den Gottesdienst.

Gaustadt hat kirchlich nie zum Kloster Michelsberg, sondern zur Oberen Pfarre gehört und ist bei der Säkularisation und der damit verbundenen Neuregelung der Kirchenbezirke am 23. Dezember 1805 zur Pfarrei Bischberg gekommen. Weitere Ausführungen hierzu erspare ich mir, weil sich mancher Unsinn einfach nicht ausrotten lässt.

NB: Maßgeblichen Anteil an der Neuorganisation der Bamberger Diözese im Zuge der Säkularisation hatten als Landesdirektionsräte die beiden Brüder Stenglein Ignaz (*29.12.1745 Lichtenfels) und Christian Wilhelm (*18.11.1752 Herzogenaurach). Ignaz ist Geistlicher (Dr. theol. und Professor) gewesen, Christian Wilhelm promovierter Jurist. Er war mit Regens Stapfs Schwester Eleonore (*4.2.1771) verheiratet und hat um diese Zeit das Haus Nummer 59 (heute: Gaustadter Hauptstraße 37) besessen.

[1] 9749.  Stapf, Franz aus Bbg., Dr. phil., geb. 2. Mai 1766, Alumnus 9. Aug. 89, ordiniert 29. Juni 90, Kooperator Pretzfeld 9. Sept. 90 (auch Pfarrverweser daselbst), Kaplan U. L. F. Bbg. 12. Okt. 92; Pfarrer Pettstadt 15. Nov. 1799, Regens im Klerikal-Seminar Bbg. 16. Dez. 1805, auch Professor der Moral und Pastoral am Lyzeum, seit 9. März 1810 auch der Dogmatik, seit 22. Dez. 1805 (der letzte fürstliche) geistliche Rat. Er verfaßte eine manuskriptliche Pfarrgeschichte von Pettstadt, war Mitarbeiter am Diözesankatechismus von 1812, gab eine Schrift „Geistesübung für Geistliche“ (nach dem franz. Discours sur le saint ministère) heraus. Weitere Schriften: Die geistlichen Weihen, Bbg. 1817; Ausführliche Predigtentwürfe nach dem Katechismus 1816 (III. Auflage 1821); Theoretischer und praktischer Unterricht von Testamenten 1819; Vollständiger Pastoralunterricht über die Ehe 1820 (mehrere Auflagen); Handbuch zum Katechismus (4. Aufl. 32). Er starb 8. Aug. 1820. Das Seminar erhielt außer seinen Büchern 10000 fl. [= Florin = Gulden]; zur Gründung einer Seelmesse in Fürth stiftete er 1000 fl.

  [2] 6019.  Leicht, Georg aus Gaustadt, Dr. theol., geb. 28. Okt. 1777, ordiniert 8. Okt. 1801, Kaplan U. L. F. in Bamberg 6. März 03, Subregens 3. Febr. 06, Sekretär des Konsistoriums in Ehesachen, wurde 7. Mai 1813 Pfarrer in Hollfeld, Dechant und Dekanat-Schul-Inspektor; 1820 Pfarrer in Stadtsteinach, ebenfalls Dechant und Dekanat-Schul-Inspektor, + daselbst 20. August 1833. 

 

Die persönlichen bzw. beruflichen Daten sind dem General-Personal-Schematismus für die Erzdiözese Bamberg (von Friedrich Wachter) entnommen.
Bezüglich der Familie Leicht und der Gaustadter Wirtshäuser verweise ich auf meine einschlägigen (auch beim Bürgerverein abgedruckten) Publikationen und auf meine Website.

 Andreas Sebastian Stenglein, im März 2006
Bamberg-Gaustadt
www.andreas-stenglein.de
Der Hofrat Johann Josef Stenglein und seine Abkömmlinge