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Die Renovierung der Gaustadter Pfarrkirche St. Josef aus der Sicht des Architekten

Innenreovierung der Katholischen Pfarrkirche St. Josef in Gaustadt.

aus der Festschrift: Altarweihe in Gaustadt St. Josef vom 19. Dezember 1999

Bernhard Badum, Ulrich Schertel, Bamberg, Architekten

Für einen Architekten ist die Renovierung und Neugestaltung einer Kirche wohl die größte Herausforderung seines Berufsbildes.

Im Frühjahr 1998 wurden wir durch die Kirchenverwaltung mit dem damaligen Pfarrer Dr. Josef Zerndl, der eigentlich die Umgestaltung und Renovierung einleitete, ermöglicht und vorangetrieben hat, mit den Architektenleistung für die Innenrenovierung der Kath. Pfarrkirche betraut.

Die Kirche St. Josef zu Gaustadt wurde 1899 - 1906 von Architekt Fuchs (Bamberg) im neugotischen Baustil errichtet.

Sie wurde in den 30-er Jahren eingreifend instandgesetzt. Im Innern sind im Laufe der Zeit verschiedene originale Bestandteile verloren gegangen. So fehlen die ursprünglichen Lampen, die Chorschränke mit dem dazugehörigen Stufenpaket, die Rahmen der Kreuzwegstationen, die originalen Beichtstühle. Die Verglasung wurde ausgetauscht. An Stelle der Rautengläser aus Kathedralglas mit verschiedenen Färbungen traten Wabenfenster aus glattem Material mit gleicher Farbstellung. Auch die große Türöffnung zwischen Turm und Kirchenschiff wurde durch eine Aluminium-Glas-Konstruktion in ärmlicher Weise verändert. Die Kirche wurde seinerzeit völlig neu getüncht und bereinigt. Die hölzerne Decke wurde ebenfalls ihrer dekorativen Farbigkeit beraubt, sie wurde mit viel Mühe peinlichst genau abgebeizt. Weitgehendst unberührt blieb der als typische geltende und mittlerweile sehr selten gewordene Terrazzoboden.

(altar_14.jpg; 372 kB)
Die Wünsche der Pfarrgemeinde waren groß, nicht alles konnte in die Tat umgesetzt wurden.

Verwirklicht werden konnten:

1. Altarraumneugestaltung

2. Austausch der Fenster, die wie Gasthausfenster wirken

3. Austauschen und erneuern der überalterten Bankheizung, die bei manchen Besuchern Verbrennungen verursachte

4. Neueinrichtung der Lautsprecheranlage

5. Erneuerung der Beleuchtung

6. Neutünchung der Raumschale, hier war natürlich der Urzustand größter Wunsch

(altar_15.jpg; 133 kB)
zu 1. Der aus Teilen des Beichtstuhles zusammengesetzte Zelebrationsaltar stand auf einem Altarpodest, überzogen mit Nadelfilzmaterial. Hier sollte eine Klärung in der Weise stattfinden, daß die nicht befriedigenden Materialien der als provisorisch empfundenen Einbauten sich in die übrige Kirche besser einordnen.Unter Hinzuziehung des in Gaustadt schon bekannten Bildhauers Friedrich Koller aus Laufen wurden verschiedene Lösungsmöglichkeiten vorgestellt und auch mit der Kirchengemeinde diskutiert. Viele Abende wurden hierfür aufgewendet, lange Fahrten zwischen Laufen und Gaustadt in Kauf genommen. Noch zu Pfarrer Dr. Zerndl's Zeiten und auf Drängen von ihm, wurde ein Phantommodell erstellt, um die Kirchenbesucher zu überzeugen. Über moderne Kirchenraumgestaltung wurden ebenso Vorträge von Frau Dr. Kahle für die Gemeinde abgehalten. Das Engagement der vielen Beteiligten war für den Architekten immer Ansporn.

zu 2. Das Austauschen und Erneuern der Fenster war nach eingehenden Untersuchungen, Archivbesuchen und Fotosammlungen sowie Absprachen mit dem Landesamt für Denkmalpflege, jetzt schon mit Herrn Dr. Schelter, noch eine der einfacheren Aufgaben.

zu 3. Die alten Heizstäbe der Bankstrahlheizung lagen ohne jegliche Abschirmung frei unter den sehr aufwendig verzierten Bänken, was eine große Verletzungsgefahr bedeutete. Die Kirchenbesucher kamen durch eine Bemusterung der neuen Bankheizung zur Entscheidung, einem geschlossenen Heizungssystem den Vorzug zu geben. Problem war die Neuverlegung der hierfür benötigten Elektrokabel, die im Terrazzoboden eingebaut werden mußten. Aber Bamberg hat seine guten Handwerker. Eine der noch sehr wenigen Fachfirmen für Terrazzobodenbeläge in der Bundesrepublik, die Firma Revelant, hat uns den Boden wieder sauber hergerichtet.

zu 4. Die in die Wände in unterschiedlichen Höhen eingebauten Lautsprecher waren ohne richtige Ausrichtung und sorgten für eine unbefriedigende Beschallung. Durch eine Vielzahl an Schallkörpern hat man versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Die neue Anlage ist durch modernste Meßmethoden ausgelotet worden. Führende Hersteller haben ihr Wissen eingearbeitet.

zu 5. Die vorhandenen Industriescheinwerfer in der Holzdecke waren außerordentlich befremdlich. Eine Erneuerung mit Pendelleuchten, die gestalterisch mit neuen Materialien an die Neugotik angelehnt sind, wurden entworfen, bemustert und vom Schlosser hergestellt. Die Farbgestaltung der Leuchten wurde nach den Fensterverbleiungen gewählt, sie sind verzinnt.

zu 6. Die Raumschale: viel diskutiert und mittlerweile überzeugend renoviert! Voruntersuchungen ergaben doch noch Farbreste der ehemaligen Gesamtausmalung. Doch muß hier erst auf die Entwicklung und bis zur Entscheidung eingegangen werden.

Die ersten Termine mit dem Landesamt für Denkmalpflege, damals noch Herr Dr. Pause waren für viele ernüchternd. Herr Dr. Pause ist verstorben, seine Vertretung übernahm Frau Dr. Faber. Der erste Besuch in der Kirche legte fest: Keine Wiederherstellung der Ausmalung. Im Herbst 1998 übernahm Herr Dr. Schelter die denkmalschützerische Betreuung des Stadtgebiets von Bamberg. Der erste Besuch in der Kirche kommt zum Ergebnis: Die Wiederherstellung der Bemalung ist wünschenswert. Der Architekt beginnt erneut mit seinen Ausführungsvorbereitungen. Es ist zu bemerken, daß die Gaustadter Kirche als letzte Pfarrkirche eine neugotische Ausgestaltung im Erzbistum Bamberg erhalten hatte.

Der Kreuzweg
Der Kreuzweg, seiner neugotischen Rahmung beraubt, seine Farbigkeit übermalt, das künstlerisch wertvollste Ausstattungsteil, das noch vorhanden ist.

Ein Kunstwerk.
Die Innenrenovierung der Kath. Pfarrkirche St. Josef wurde Ende 1998 unter Herrn Pfarrer Dr. Josef Zerndl begonnen. Dieser Teilabschnitt umfaßte im wesentlichen Erneuerung der bleiverglasten Fenster in den Seitenschiffen, sowie Sanierung des Terrazzobelages im Chorraum. Die Hauptrenovierungsarbeiten begannen am 19. April dieses Jahres unter Herrn Pfarrer Matthias Wünsche. Aller Voraussicht nach werden diese zum 19. Dezember 1999 abgeschossen sein. Die Architekten bedanken sich für die äußerst gute und harmonische Zusammanarbeit bei Herrn Pfarrer Dr. Josef Zerndl, Herrn Pfarrer Matthias Wünsche sowie den Kirchenverwaltungsmitgliedern Frau Brodmerkel, Herrn Öhlein, Herrn Ferch, Herrn Wunsch, Herrn Krug, Herr Rebhan, Frau Röckelein Herrn Hümmer (Mesner) und Frau Häfner, (Pfarrsekretärin). Bei den Herren Dr. Schelter, Herrn Lischke, Herrn Schmitz, Frau Körner. bei den ausftihrenden Malern, Elektrikern, Schreinern, Steinmetzen, Fensterbauern, Schlossern, Mauerer, Putzern, Zimmerern, (hoffentlich haben wir keinen vergessen), bei allen die durch Arbeit, Zuspruch und Unterstützung beigetragen haben, das Werk zu vollenden.

Möge Gott allezeit seine schützende Hand über diese Gotteshaus halten.