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Die Baugeschichte der Pfarrkirche

aus der Festschrift: Altarweihe in Gaustadt St. Josef vom 19. Dezember 1999

Autor: Agnes Först

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gehörte Gaustadt zur Pfarrei Bischberg. Die Gründung einer eigenen Pfarrei verdankt Gaustadt dem Geistlichen Rat und Professor Dr. Adam Martinet (1800 - 1877).

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Die Ansiedlung der Mechanischen Baumwollspinnerei und -weberei in Gaustadt brachte eine große Veränderung der Bevölkerung mit sich. Die Zahl der Bewohner nahm so schnell zu, dass die erbaute Sebastianikapelle die Leute bald nicht mehr fassen konnte. Aus dieser Not heraus entstand 1888 unter Pfarrer Rattler der Kirchenbauverein. Den Bauvertrag für die neue Kirche unterschrieben Pfarrer Rattler, Bürgermeister Leicht, Andreas Brießmann, Jakob Rädlein, Michael Haßfurther und Johann Knoblach.

Am 17. 9. 1899 legte Erzbischof Josef v. Schorck den Grundstein. Der Architekt Hofbauer erstellte den Plan und die Bauausführung unterstand der Firma D. Fuchs. Der 1902 fertiggestellte Bau ist 58 m lang, 20,8 m breit, und hat eine Firsthöhe von 20 m und eine Turmhöhe von 60,8 m. Den Mitteln für den Bau mit 110.693,69 M, darunter an Spenden 36.600 M und an Staatszuschüssen 31.400 M, standen Ausgaben von 193.415,87 M entgegen.

Einer der Altäre mit Zubehör wurde von der Baumwoll-Spinnerei und Weberei Barnberg der Kirche zunächst leihweise überlassen und dann im Jahre 1929 geschenkt. Die vier Glocken der Kirche lieferte die Firma Lotter in Bamberg. Von denen wurden zwei 1917 zu Kriegszwecken beschlagnahmt, so dass nur die Josefsglocke (Ton F, 720 kg) und die Michaelsglocke (Ton B, 311 kg) übrig blieben. Im April 1906 wurde zur Einstimmung auf die feierliche Einweihung der neuen Pfarrkirche eine Volksmission abgehalten. In der Einladung zu dieser können wir finden:

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Die Kirche wurde von Erzbischof Friedrich Philipp v. Abert zu Ehren des Hl. Josef am 6. Mai 1906 eingeweiht. Im Bamberger Tagblatt konnte man dazu folgenden Artikel lesen:

Bereits 1926 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig. Der Außenputz am Turm, an den Seitenschiffen und am Chor wurde erneuert. Ausführende waren die Firma Stöcker und Schoberwalter aus Nürnberg. An den Türen und am Sockel wurden die Sandsteine abgeschliffen, gewaschen und danach wieder gestrichen, was, wie der Chronist feststellt, ihnen die Farbe frischen Sandsteins" wieder gab und zu ihrer Konservierung beitragen sollte.

Ein großer Tag für die Pfarrei Gaustadt war der 10. Oktober 1926. An diesem Tag ließen erstmals zwei neue Glocken ihren Ton erschallen und wurden geweiht. Sie ersetzten die im ersten Weltkrieg "geopferten" und wurden wie die beiden Vorgängerinnen von der Fa. Lotter gefertigt und geliefert. Am Tag vorher waren sie in einem feierlichen Zug auf einem Viergespann nach Gaustadt gebracht worden. Beide Ereignisse wurden von Chor und Musikkapelle musikalisch begleitet.

In der schwierigen Zeit der 30-er Jahre wurde vom Kirchenrat beschlossen, den Innenanstrich der Kirche zu erneuern. Es war sehr schwierig, die notwendigen Gelder einzutreiben. Oftmals wurden die Kollekten dafür bestimmt und von jedem volljährigen arbeitenden Katholiken wurde 1 RM Kirchgeld eingezogen. So konnte die Kirche innen abgewaschen und mit weißer Farbe gestrichen werden. Dabei wurde die farbige Bemalung einfach übertüncht.

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Beweggründe hierfür sind aus den Akten nicht zu entnehmen. Am Kirchweihsonntag, den 26. 9. 1937, erstrahlte die Kirche in neuem Glanze. (vgl. Zeitungsbericht). Bald nach Beginn des Überfalls auf Polen wurde im Oktober 1939 das Glockengeläut eingeschränkt: eine halbe Stunde vor Sonnenauf- und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang durften keine Glocken läuten und überhaupt war das Glockengeläut auf das Notwendige zu beschränken. Deshalb wurde zum zweiten Gottesdienst nicht mehr geläutet. Nach dem siegreichen Polenfeldzug allerdings wurde das Geläute politisch missbraucht: eine Woche lang mussten die Glocken täglich von 12 - 1 Uhr geläutet werden.

Die "Kriegsandachten" mittwochs und samstags wurden auf 5 Uhr vorverlegt, damit den Verdunklungsvorschriften Rechnung getragen werden konnte. Zunächst benutzte man nur Kerzen und im Spätherbst wurde die Kirche so verdunkelt, dass man wieder Licht anmachen konnte und zwar wurden die oberen Fenster mit Autoreifen bedeckt und die unteren mit einem Papiervorhang, der tagsüber hinaufgerollt werden konnte.

Trotz des Krieges gelang im September 1941 die Orgelreparatur. 1941 verschärften die nationalsozialistischen Machthaber ihre Eingriffe in das kirchliche Leben: vor 10 Uhr vormittags durften keine Gottesdienste sein. Deshalb wurde um 13.30 Uhr Predigt und Amt mit Beichtgelegenheit und Kommunionempfang gehalten; der Hauptgottesdienst fand am Abend um 19.15 Uhr statt.

Ende Dezember 1941 wurden drei der vier Glocken abgezogen. Da in jeder Kirche nur eine läutfähige Glocke verbleiben sollte, blieb in Gaustadt nur die Josefsglocke. Sie ist als einzige des ursprünglichen Geläutes bis heute vorhanden. 1943 wurden die Weihwasserkessel aus Messing durch Marmorbecken ersetzt.

Einige Jahre nach dem Krieg genügte das Geläute der einen kleinen Glocke den Leuten nicht mehr und so beschloss die Kirchenverwaltung im Jahre 1949, drei neue Glocken aus Stahl anfertigen zu lassen, die am 25. 9. geweiht wurden. In der Pfarrchronik lesen wir: "Am Samstag 24. September sollten die Glocken hier eintreffen. ... Die vielen gesprengten Brücken machten für den weiten Weg allerlei Umleitungen notwendig. Man wartete zuerst mit Geduld bis mittag, dann mit Ungeduld bis zum Abend. ... Endlich zur Mitternachtsstunde hörte man besonders lautes Autogeräusch und alles rannte an die Fenster. Wahrhaftig, das waren die Glocken und bis das Auto am Kirchplatz anlangte, war der Platz gefüllt mit Neugierigen. Die Zeltplanen wurden vorsichtig zur Seite geschoben und man entzifferte: Sancta Maria, Sankt Michael, Sankt Georg bittet für uns."

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In den 50-er Jahren wurde die Kirche abschnittsweise erneuert und überholt. Man begann 1953 mit dem Einbau einer Heizung, womit das Überlandwerk Oberfranken beauftragt wurde. Damit nicht zuviel Heizkraft verschwendet werde, baute man an den Eingängen Windfanganlagen. Den Zuschlag dafür sowie für den Einbau von Chorstühlen und Podesten erhielt die ortsansässige Firma Bergmann. Im Jahre 1954 wurde die Kommunionbank durch die Firma Krug aus Gaustadt umgestaltet und ein neues Kirchengestühl an den Seiten von der Fa. Bergmann erstellt. Die Heizung wurde 1955 weiter ausgebaut, so dass die Gaustadter in ihrer Kirche nicht mehr frieren mussten.

Zum 50. Jahrtag der Kirchweihe 1956 wurde am westlichen Kirchenausgang eine Ehrentafel mit den Namen der bisher in dieser Kirche wirkenden Pfarrer angebracht. Ebenso begann die Gaustadter Firma Grimm-Lechner mit der Um- und Neudeckung des Kirchendaches.

Im Jahre 1957 wurde eine größere Kirchenrenovierung beschlossen, u. a. sollte eine neue Lichtanlage eingebaut werden. Die Finanzierung der angenommenen knapp DM 40.000 war weitgehend gesichert. Der Rest wurde durch eine Hauslistensammlung erbracht.

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Der höchste Posten, nämlich die Lichtanlage, war notwendig, weil die vorhandene mit schlechtem Nachkriegsmaterial verlegt worden war. Der Gemeindelichtwart Georg Schmitt arbeitete in seinem Urlaub unentgeldlich mit, um die Montagekosten zu verringern. 1959 wurden dann noch 65 Kirchenstühle gepolstert.

Nach dem zweiten vatikanischen Konzil stellte die Katholische Aktion den Antrag zur Aufstellung eines tragbaren Altartisches zwischen Hochaltar und Kommunionbank, damit die Messe der Bevölkerung zugewendet gefeiert werden könne.

1965 wurde eine Lautsprecheranlage angeschafft, die bei der Fronleichnamsprozession erstmals eingesetzt wurde. In diesem Jahr wurde auch über bauliche Veränderungen durch die Neuordnung der Liturgie gesprochen, vor allem wurde an de Umgestaltung des Altarraumes gedacht.

1966 musste die Kirche gegen die aufsteigende Feuchtigkeit neu drainiert werden. Auch die Kirchenfenster mussten zum Teil erneuert werden. Die dafur durchgeführte Haussammlung erbrachte DM 6.000.

Die Fa. Grimm und Lechner erhielt 1968 den Auftrag zur Ausbesserung des Turmdaches. Außerdem beschloss man, dass im Zuge dieser Renovierungsmaßnahrne der Aufbau zum Turm durch ein Oberlicht aus Glasbausteinen abgeschlossen werden solle.

Die Umgestaltung des Altarraumes im Sinne der Liturgiereform wurde zu Beginn der 70-er Jahre vorgenommen. Es war klar, dass es sich bis zu einer endgültigen Kirchenrenovierung um ein Provisorium handeln würde. Man hätte allerdings nicht gedacht, dass dieses Provisorium, das noch mehrmals leicht verändert wurde, über 20 Jahre anhalten würde. Erst jetzt wird mit der Renovierung der Pfarrkirche die Umgestaltung des Altarraumes endgültig abgeschlossen.