Home | Gaustadt | Bürgerverein | Presse | Vereine | Kirchen | Parteien | Institutionen | Firmen | Kontakt
  Druckversion   Seite versenden

Verwaltung und Schule im 19. Jahrhundert

Gaustadt hatte um die Jahrhundertwende -1800- 200 Einwohner. Die eigentliche Ausdehnung begann erst, als sie "Spinnerei" gegründet wurde. Der Betrieb lief aber erst 1858 richtig an. Die Ausdehnung ging vom Ortskern auf die "Spinnerei" zu in Richtung Osten, auf Bamberg zu also. Auch das erweiterte Gaustadt wurde, wie auch gleich nach der Säkularisation, fast demokratisch verwaltet. Im Jahre 1806 wurde in Bamberg ein Landratsamt gegründet, damals Königlich Bayrisches Beziksamt genannt. ( Zwischen 1802 und 1806 war es noch die Kurfürstliche Bayrische Verwaltung 1). Die königliche Verwaltung Bambergs wurde in das Bezirksamt 1 und das Bezirksamt 2 unterteilt. Es gab einen westlichen und einen östlichen Bereich. Gaustadt gehörte folglich zum Bezirksamt 2. Ein Bezirksamtmann, ein Jurist, stand den Bezirken vor. Die Bürgermeister der Dörfer wurden anfangs von den Bezirksämtern bestimmt. Später wurden sie von der Bevölkerung gewählt. Leider gibt es Über die Zeit von 1803 bis 1858 sehr wenig Berich-te, weil die Gemeindeabrechnungen unauffindbar sind. Allerdings haben diese Dr. Martinet bei seiner Niederschrift seiner Dorfchronik noch vorgelegen. Bis 1802 geben die Zinsbücher des Kloster Michelsberg genaue Auskunft über die Verhältnisse der Gemeinde Gaustadt. Danach fehlen, wie gesagt, sämtliche Aufzeichnungen. So ist auch über die Gründungszeit der "Spinnerei“ wenig an Dokumenten zu finden. Der Übergang von der Lehnsherrschaft zur "freien" Selbstherrschaft scheint nicht leicht gewesen zu sein. Die Demokratisierung, wenn man überhaupt davon sprechen kann, begann erst mit der „Bayrischen Verfassung", die 1818 geschaffen wurde. Diese Verfassung war überhaupt die erste, die man im deutschsprachigen Raum einführte. Dem König mußte diese Verfassung erst abgerungen werden. Ihm wurde zugestanden, alles, was ihm nicht paßte, zu widerrufen, bzw. abzulehnen. Es gab damals noch keine Parteien im heutigen Sinne, nur die Landstände hatten so etwas ähnliches, wie die Aufgabe einer Opposition.

Die Schreibarbeiten, die jetzt auch in den kleinen Gemeinden anfielen, wurden vom Lehrer miterledigt. Dadurch konnte er sein geringes Salär aufbessern. Da die Bevölkerung für den Unterhalt des Lehrers aufkommen mußte, war die Bezahlung eines Lehrers auf dem Dorf sehr schlecht. So schrieben sie auch Eingaben an die "Hochwohllöbliche Regentschaft", an den "Allergnädigsten Herrn Fürstbischof“, aber ihre Schreiben fanden bei der oberen Verwaltung selten Beachtung, Selbst die Bitte um eine Erweiterung des Kirchenraumes wurde nicht beachtet, obwohl eine Vergrößerung doch im Interesse des Fürstbischofs gelegen hätte. Hier stand die Verkleinerung der Pfarrei in Bischberg dagegen. Die Vergrößerung des Dorfes nach der Gründung der "Spinnerei" führte auch zu einer Erhöhung der Zahl der Kinder. Die Schule im alten Gaustadt war im sogenannten "Hirtenhäusel“ untergebracht, das gegenüber der heutigen Brauerei Wörner, der damaligen Bürgerbräu lag. In diesem Haus befand sich auch der "Schulsaal" . Außerdem wohnte auch der Gemeindehirte und der "Flurer" dort. Da Gaustadt damals 200 bis 300 Einwohner hatte, reichte diese Unterbringung. Alle Kinder, Mädchen und Jungen wurden hier "unterrichtet". Die Lehrer wurden, wie schon gesagt, nicht vom Staat, sondern von der Gemeinde unterhalten. Sie alle waren damals also ganz arme "Schlucker". Sie stammten meist aus dem Handwerk, waren ehemalige Maurer, Steinmetze oder Schreiner, die meistens nur wenig das Schreiben, Lesen und Rechnen beherrschten. Sie mußten, um überhaupt leben zu können, Nebenfunktionen übernehmen. So hatte der "Lehrer" das Aveläuten, das Vorbeten in der Betstunde, das Prozessionsführen usw., zu übernehmen. Sie klagten deshalb beim Kloster Michelsberg über ihre schlechte Bezahlung, von der sie nicht leben konnten. Natürlich bekamen sie von den Bauern auch Lebensmittel. Aber in Gaustadt waren die Höfe nicht groß, so daß kaum ausreichende Abgaben gemacht werden konnten. Trotzdem wurden bis in das 20. Jahrhundert hinein bei Schlachtungen dem Lehrer immer ein Stück Fleisch überbracht. Das war nicht als Bestechung gedacht, sondern als Zubuße zu dem geringen Ein-kommen die Leute. Auch der Pfarrer bekam ja dann immer ein sehr gutes Stück Fleisch. Der alte Schulsaal im Hirtenhaus reichte nicht mehr aus. Der zweite Schulsaal wurde im jetzigen "Rathhaus" untergebracht. Das Rathaus befand sich in dem Gebäude, in dem das spätere Kraftfahr-Zulassungsamt untergebracht war. Unten war die Gemeindeverwaltung, darüber der Schulsaal. Als auch dieser Raum nicht mehr ausreichte, hat die "Spinnerei" eine Schule auf eigene Kosten auf ihrem Gelände erbaut, einen Lehrer angestellt und die Kinder der Arbeiter der Firma - mit Erlaubnis des Staates - dort unterrichten lassen.

Im Dorf waren vorher bis zu 80 Kinder in einem Raum zusammengepfercht. So konnte der Unterricht von einem einzigen Lehrer kaum ordentlich durchgeführt werden. Wie üblich bei Behörden, wurde die Erweiterung der Schule im Dorf hinausgezögert, bis die "Spinnerei" selbst Abhilfe schuf, um die Dorfschule zu entlasten. Die Oberaufsicht über beide Schulen hatte die Geistlichkeit. Die Schulen in Bamberg und auch in Gaustadt waren christliche Gemeinschaftsschulen. Die evangelischen Kinder aus Gaustadt und Umgebung mußten in die Martinsschule in Bamberg. Erst 1935/36 wurde die Trennung nach Konfessionen aufgehoben. Da die sogenannte evangelische Zentralschule in Bamberg lag, hatten die Eltern dieser Kinder aus der Umgebung Schulgeld zu zahlen. Das führte dazu, daß die "Spinnerei" ihren dritten Wohnblock auf Bamberger Gebiet baute, um zu verhindern, daß die Kinder der evangelischen Arbeiter für den Schulbesuch 30 Goldmark bezahlen mußten. Diese Häuser hießen in Gaustadt deshalb "Ketzerblock". Ältere Gaustadter erinnern sich noch, daß alle Jahre in die Schule ein Pfarrer, der geistliche Rat Karmann aus Lisberg kam, um den Lehrer und die Kinder zu visitieren. Der Lehrer hat natürlich, nachdem der Besuch angekündigt worden ist, durch besondere Strenge und großen Fleiß das auszugleichen versucht, was er im vergangenen Jahr versäumt hatte. Er war schließlich von dem hohen Herrn abhängig, denn die Bestätigung der Qualifikation mußte von diesem Pfarrer erneuert werden. Erst nach dem 1.Weltkrieg -1920 - ist die kirchliche Oberaufsicht in den Volksschulen abgeschafft worden. Das hatte die sozialdemokratische Regierung Hoffmann durchgesetzt, die 1919 von München nach Bamberg geflüchtet war und hier eine Verfassung verabschiedete, die heute noch „Bamberger Verfassung" heißt. Die Lehrer der damaligen Zeit waren nicht akademisch gebildet, sie brauchten für ihre Ausbildung nicht das Abitur. Der Lehrer hatte die mittlere Reife, ging dann auf die Präparandenschule und anschließend auf das Lehrerseminar. Im Seminar lehrte man neben den Grundfächern auch Musik. Jeder Lehrer mußte mindestens Klavier, möglichst Orgel spielen können. Das ehemalige Lehrerseminar in Bamberg ist heute das E.T.A.- Hoffmann - Gymnasium. Ein Geistlicher mußte dagegen das Abitur haben, um sein Studium beginnen zu können. Zu dieser Zeit galt ein Abiturient mehr, als der Lehrer der Grundschule. Die Abiturienten gingen damals häufig in die Banklehre. Sie trugen als „Dienstanzug“ Stehkragen und Röllchenmanschetten. Auch sie galten seinerzeit gesellschaftlich mehr als die Lehrer. Erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde auch der Lehrer der Grundschule an der pädagogischen Hochschule ausgebildet.