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Das Schulwesen in Gaustadt:

Bildung war uns schon immer wichtig!

Die ersten offiziellen Dokumente, die pädagogische Arbeit in Gaustadt für die Nachwelt festhielten, reichen bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück. Bei einer Trauung in der Oberen Pfarre in Bamberg wird 1722 als Zeuge der "Schulmeister Andreas Hoffman" geführt, der 1725 in Klosterakten wieder auftaucht, wo er um Aufbesserung seiner Bezüge bittet. Hoffmann starb am 17. Juni 1753. Als pädagogische Einrichtung wird in Gaustadt zum ersten Mal 1760 ein "Schul und Hirtenhaus" erwähnt, das vermutlich in der Nähe der Sebastiani-Kapelle stand. Obwohl dieses "Hirtenhaus" schon bald den Anforderungen nicht mehr genügte, dauerte es bis zum Jahre 1839, bis ein neues Schulhaus errichtet werden konnte. Dieses kennen die Gaustadter heute als ehemaliges Rathaus der Gemeinde, in dem sich heutzutage wiederum der offene Jugendtreff "superGAU" befindet.

Neue Probleme tauchten im Zeitalter der Industrialisierung auf. Nach der Gründung der Baumwollspinnerei stiegen die Schülerzahlen sprunghaft an. 1862 saßen "in der Schulstube von 480 Quadratschuh 58 Kinder der Gemeinde und 30 der Fabrikarbeiter", berichtet die Chronik. Da der Raum in der Schule bei weitem nicht ausreichte, beschloss man seitens der Fabrik die Gründung einer eigenen Fabrikschule, der sogenannte "Spinnereischule". Diese Schule der Spinnerei wurde 1864 genehmigt. Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens ließ die Spinnerei nach Auflösung ihrer Fabrikschule 1886 eine neue Schule für alle Kinder errichten und schenkte diese der Gemeinde: den Altbau des heutigen Grundschulgebäudes.

Wachsende Schülerzahlen (1898 betrug die Zahl der Schüler bereits 273) machten neue Schulstellen notwendig: in diesem Jahr wurde in Gaustadt allein an fünf Orten unterrichtet. Wie überall sonst auch gab es auch hier für Knaben und Mädchen unterschiedliche Schulhäuser. In diese Zeit fällt auch die Berufung dreier Elementarschwestern aus der "Kongregation der Töchter vom H. Erlöser" aus Würzburg.

Seit diesen Zeiten hat sich in Gaustadt natürlich viel verändert. So wurde in der aufstrebenden Gemeinde der Wirtschaftswunderjahre schnell wieder einmal ein Schulhausneubau notwendig. Am 6. September 1952 wurde die "Neue Schule" am Anna-Linder-Platz feierlich eingeweiht. Sie beherbergt heute in erster Linie die Grundschule, während die Hauptschüler in der ehemaligen Berufsschule des Landkreises Bamberg an der Heinrich-Semlinger-Straße untergebracht sind. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Singschule Gaustadt, die seitdem mit vielen Beiträgen das Gemeindeleben in Gaustadt bereichert.

In der „Volksschule Gaustadt“ ist „Multikulti“ kein leeres Schlagwort; in dieser Grund- und Hauptschule wird Multi-Kultur gelebt. Die ausländischen Mitschüler kommen aus über 12 verschiedenen Nationen; sie werden von über 30 Lehrkräften in 18 Klassen unterrichtet. Das sorgt zwar manchmal für Spannungen, bietet aber auf der anderen Seite die Möglichkeit, andere Kulturen im täglichen Umfeld kennenzulernen.

Seit 1999 bietet die Gaustadter Grundschule mit der Elterninitiative „Pfiffikus“ auch Mittagsbetreuung an. Die Trägerschaft hierfür hat der Stadtjugendring übernommen. Dadurch kann die Betreuungslücke zwischen Schulschluss und Arbeitsende bei Halbtagsbeschäftigung überbrückt werden – ein unschätzbarer Pluspunkt für berufstätige Eltern. Die Kinder erhalten die Möglichkeit, sich eigenständig zu beschäftigen, z.B. mit Lesen, Malen, Basteln und Spielen. Es werden aber auch gemeinsame, angeleitete Aktionen und Spiele oder aber auch Hausaufgabenbetreuung angeboten. Besonders wichtig sind hier auch Phasen der Ruhe und Entspannung.

Das alte Rathaus Gaustadts, in dem sich auch die Mittagsbetreuung von „Pfiffikus“ trifft, ist heute ein Ort der Begegnung für Jugendliche. Seit 1997 befindet sich in der ehemaligen KFZ-Zulassungsstelle der „Offene Jugendtreff superGAU“, der zu einer wichtigen Anlaufstelle für Gaustadter Jugendliche geworden ist. Die Trägerschaft hat auch hier der Stadtjugendring. Neben der Geschäftsstelle des SJR werden die Räume im oberen Stock genutzt für Gruppensitzungen, Gruppenarbeit, als Proberaum für Tanzgruppen und für die Hausaufgabenbetreuung des Jugendtreffs. Im Erdgeschoss befindet sich der eigentliche „offene Bereich“ für die Jugendlichen – mit Thekenbereich, Küche, Billardzimmer, Kicker, Tischtennisraum und Cafeteria-Bereich. „superGAU“ bietet ein reichhaltiges, buntes Programm an, mit monatlichen Discos, Turnieren, Filmabenden und vielem mehr. Im Sommer werden auch kleine Ausflüge mit dem Rad oder erlebnispädagogische Aktionen angeboten. Besonders beliebt ist hier die Sommerfreizeit für Kinder. Durch seinen präventiven, freizeitpädagogischen Ansatz hat „superGAU“ für den Stadtteil Gaustadt eine wichtige soziale Dienstleistungsfunktion.

Die KiGa-Einrichtungen: „klein reinkommen, groß rauskommen!“

Kindergarten St. Sebastian, Anna-Linder-Platz

Kindergarten St. Josef, Ochsenanger

Der erste Kindergarten in Gaustadt ist fast so alt ist wie der Bürgerverein Gaustadt – er wurde 1907 gegründet. Ordensschwestern vom Mutterhaus der Kongregation der Schwestern des Erlösers beaufsichtigten die Kinder der Arbeiterfamilien der Firma "ERBA". 1964/65 wurde ein Kindergartenneubau errichtet, der im November 1965 feierlich eingeweiht wurde. Inzwischen ist in direkter Nachbarschaft des sanierten, zweigruppigen Kindergartens die Ökosiedlung am Ochsenanger entstanden.

Der zweite Kindergarten unter Trägerschaft der Kirchenstiftung ist der Kindergarten St. Sebastian. Im Jahr 1930 wurde er als erster Kindergarten des Orts-Caritasverbandes gegründet und war zunächst in einem privaten Wohnhaus untergebracht. 1931 zog der Kindergarten in das Schützenhaus um. Zu dieser Zeit wurden über 50 Kinder von einer Schwester verwahrt. 1933 ging es in den Volksgarten - einem Wirtshaus. 1951 wurde zum erstenmal ein eigenes Haus gebaut - das heutige Schwesternhaus. Doch schon 10 Jahre später platzte es aus allen Nähten und so wurde 1961 der neue Caritaskindergarten gebaut. 1990 wurde dieses Haus generalsaniert und umgebaut, seither nennt er sich „Kindergarten St.Sebastian“. Derzeit besuchen ihn 100 Kinder, die in vier Gruppen betreut werden.

Heute hat sich in der Kindergartenpädagogik viel verändert: Der Kindergarten ist eine moderne Bildungseinrichtung geworden. Im Konzept stehen die drei Pfeiler pädagogischer Kindergartenarbeit gleichberechtigt und gleich wichtig nebeneinander: „Erziehen / Bilden / Betreuen“. Der ganze Kindergarten ist diesem Konzept folgend gestaltet: es gibt ansprechende Gruppenräume mit ausgewähltem pädagogischen Spielmaterial, außerdem phantasievolle Möglichkeiten zum Rollenspiel, z.B. auf dem großen Schiff sowie Bewegungsmöglichkeiten im eigenen Turnraum. Ein großer Erlebnisspielplatz mit vielen Hecken und Bäumen, mit einem Spielhaus, einer Burganlage zum Klettern, Sand- und Wasserplatz zum Matschen, ein Weidenhäuschen zum Verstecken und ein Sinnesparcour ergänzen das Angebot. Der Zugang zum religiösen Bereich gestaltet sich, indem die Kinder von Gott hören, Geschichten aus dem Leben Jesu erfahren und die Bedeutung der religiösen Feste kennenlernen. Man arbeitet eng mit der Pfarrgemeinde zusammen und gestaltet regelmäßig Kindergottesdienste. Eine Gruppe von Kindern erwandert regelmäßig die umliegende Natur. Im Sommer ziehen einzelne Kindergruppen für zwei Wochen hinaus in den Wald, um dort die Natur hautnah und kindgerecht zu erleben und zu erforschen. Auch eine spezielle Förderung zur Vorbereitung auf die Schule wird geboten. Fertigkeiten wie Schneiden, Malen, Weben, Musizieren, Theater spielen werden gefördert und Fähigkeiten wie Kreativität, Ausdauer und Konzentration gestärkt; Neugierde und Interesse an fremden Dingen wird unterstützt - Ziel ist, die Kinder begeisterungsfähig und selbständig zu machen. Immer wieder werden themenbezogenen Projekte erarbeitet: Naturerlebnisse in unserem Kinder-Gemüsegarten oder auch Sinneserfahrungen zum Riechen und Schmecken mit der Duft- und Kräuterschnecke. Auch Schulkinder der ersten Klassen können den Kindergarten nach Anmeldung im Anschluss an die Schule besuchen.

Kindergarten Sylvanersee

Der 1994 eingeweihte Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt Bamberg liegt in einer familienfreundlichen Wohngegend, nahe des Sylvanersees. Auch hier verleihen grosse, helle Räume mit viel Holz eine freundliche, warme Atmosphäre. Zwei Gruppen (eine Einzel-Integrationsgruppe mit 23 Kindern und eine Gruppe mit 25 Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren) und fünf Nebenräume, ein Büro, eine Küche und ein eigener Turnraum bieten viel Möglichkeit zur Bewegung, Kleingruppenarbeit, Einzelförderung und Schulvorbereitung. Der Gartenbereich ist großflächig angelegt und ermöglicht den Kindern viel Platz zum Bewegen, Spielen und Turnen. Durch unsere Wasserpumpe stehen Wasserspielen und Experimenten im Sommer nichts mehr im Wege. Der alte Baumbestand bietet den Kindern verschiedene Rückzugsmöglichkeiten.

Waldorf-Kindergarten, Rattlerstraße

Ganzheitliche Erziehung nach den Grundsätzen der Waldorfpädagogik bietet seit 1990 der zweigruppige Waldorf-Kindergarten. Dies beinhaltet intensive Förderung der Sinnesentwicklung, der Bewegungsentwicklung und der Phantasie. Intensive Sprachförderung zieht eine Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit nach sich; konzentriertes Spiel dient als Vorbereitung auf die Schule. Besonderer Wert gelegt wird auf das Erüben sozialen Verhaltens - Nachahmung als Lernprinzip. Künstlerische Tätigkeiten werden zur Förderung der Individualität und zum interkulturelles Erleben ermutigt. Das Waldorfkonzept beinhaltet auch eine überkonfessionell christliche Erziehung. Intensive Zusammenarbeit mit den Eltern, regelmäßige Fortbildung der Erzieher und bewusst gesunde Ernährung runden das Konzept ab. Der große Garten am Waldrand wird täglich genutzt und es finden regelmäßig Waldgänge statt.

März 2004, Stadtrat Klaus Zachert
Beitrag zur Festschrift des 100-jährigen Vereinsjubiläum