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Hochwasserschutz in Gaustadt

http://www.hapmain.de/assets/hap_main/mods/hap_central/tech/SBA_TH_0002.pdf

Drei Millionen gegen das Hochwasser

(Hochwasserbecken.jpg; 203 kB)

Bamberg - Bis drei Meter unter die Wasseroberfläche des Hafenbeckens bei Gaustadt reicht das Auslaufbauwerk des neuen Hochwasserkanals in Gaustadt. Das gigantische Becken, dessen Fundamente weit unter Straßenniveau liegen, markiert das Ende einer 400 Meter langen Kanalstrecke mit Rohrdurchmessern bis zu 1,60 Metern. Sie dient dem kontroierten Ableiten von Oberflächenwasser bei Starkregen und da nur dem Hochwasserschutz in Gaustadt. Der Entsorgungs- und Baubetrieb investiert drei Millionen Euro allein in den ersten Teil des Projekts, zu dem auch eine Durchpressung der Rohre unter der Gaustadter Hauptstraß gehört. Bauabschnitt 2 und 3 umfassen den Weiterbau des Kanals bis zum Sylvaner See, der aber noch nicht sicher finanziert ist. Wegen der Arbeiten am Ufer und der Baustellenablagerungen sind Behinderungen des Verkehrs auf dem Leinritt derzeit an der Tagesordnung. Trost für alle Bettroffenen: Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Foto: M. Wehner
Fränkischer Tag, 24. Oktober 2007

 

 

Ein Damm für den Ernstfall

 

Hochwasser   Ein neuer Damm am Sylvanersee schützt Gaustadt vor unberechenbaren Fluten aus dem Michelsberger Wald. Inklusive Kanal kostete das Hochwasserprojekt 4,1 Millionen Euro.

 

Vom FT-Redaktionsmitglied Michael Wehner


Bamberg - Peter Röckelein erinnert sich noch genau an die Katastrophe Anfang der 80er Jahre Damals wurde sein Elternhaus unterhalb der Gaustadter Hauptstraße von den Wassermassen verwüstet, die sich über den Damm des Sylvanersees in Richtung Tal ergossen hatten. „Der Schlamm lag 20 Zentimeter hoch. Hatte er sich verfestigt, war er kaum noch zu entfernen“, erzählt Röckelein. Rund 30 Jahre später, im August 2006, hat der Himmel wieder zugeschlagen. In wenigen Minuten fielen bei einem Gewitter im Nordwesten der Stadt 60 Liter Regen auf den Quadratmeter. Die Folge: Im dicht besiedelten Quartier zwischen Gaustadter Hauptstraße und dem Main-Donau-Kanal standen Keller und sogar die Straßen unter Wasser.

 

Ein herbstliches Idyll am Michelsberger Wald: Das Gewässer, das den Sylvanersee speist, neigt bei Starkregen zu verheerenden Hochwassern. Die neue Staumauer vor dem Sylvanersee mit dem abgeflachten Überlauf (rechts im Bild) kann die Folgen 50-jährlicher Hochwasserereignisse abfangen. Die Steganlage links, die den Eindruck eines Badeweihers erweckt, dient dazu, die Technik im Staudamm warten zu können.
Ein herbstliches Idyll am Michelsberger Wald: Das Gewässer, das den Sylvanersee speist, neigt bei Starkregen zu verheerenden Hochwassern. Die neue Staumauer vor dem Sylvanersee mit dem abgeflachten Überlauf (rechts im Bild) kann die Folgen 50-jährlicher Hochwasserereignisse abfangen. Die Steganlage links, die den Eindruck eines Badeweihers erweckt, dient dazu, die Technik im Staudamm warten zu können.

Von der Urgewalt der Elemente war am gestrigen Montag bei der Einweihung des Damms nichts zu spüren. Die strahlende Oktobersonne spiegelte sich im Wasser des Sylvanersees, OB Andreas Starke (SPD) sprach am Rednerpult von einer unendlichen Geschichte, die sich nun dem Ende nähere.

Die Pfarrer Diethardt Buchstädt und Matthias Wünsche spendeten dem Bauwerk den kirchlichen Segen. Es hören zu (v.l.): Staatsekretärin Melanie Huml (CSU), Alt-OB Herbert Lauer und OB Andreas Starke (SPD).
Die Pfarrer Diethardt Buchstädt und Matthias Wünsche spendeten dem Bauwerk den kirchlichen Segen. Es hören zu (v.l.): Staatsekretärin Melanie Huml (CSU), Alt-OB Herbert Lauer und OB Andreas Starke (SPD).

Was nach Jahrzehnte langer Planung und einer Reihe von Gutachten entstanden ist, können Besucher des idyllisch am Waldrand gelegenen Sylvanersees bereits seit einigen Monaten anschauen: Der See, der einst rundherum eingewachsen war, erhielt zu den beiden Hochhäusern hin eine stattliche Staumauer; zur Seewiesenstraße hin bilden massige Natursteinblöcke eine etwas niedrigere Schulter.

Das Besondere am Gaustadter Hochwasserschutz: die Zyklopensteine, der Damm, die 1,2 Kilometer lange Rohrleitung bis hin zum Auslaufbecken am Main-Donau-Kanal sichern den Stadtteil vor der unberechenbaren Kraft eines Bächleins, das im Normalfall wenig Wasser führt.

Warum wird der Damm so hoch?

Nicht umsonst haben die Anwohner während der Arbeiten immer wieder gefragt: Warum wird der Damm eigentlich so hoch? Die Antwort: Hochwasserschutz in Gaustadt ist die Absicherung vor dem seltenen Ernstfall. Um die Fluten aufzunehmen, die alle paar Jahrzehnte vom Michelsberger Wald kommend über Gaustadt hereinbrechen, braucht der Sylvanersee ein Fassungsvermögen von über 33 000 Kubikmetern Wasser; so haben es jedenfalls die Hydrogeologen errechnet. Aufgrund ihrer Bemessungsgrundlagen hat der Wall nun eine Höhe von 4,40 Metern. 1,20 Meter davon sind einer DIN-Norm geschuldet, die das Bauwerk zusätzlich gegen Wellenschlag sichern soll.

Mit der Fertigstellung des neuen Damms ist das Schutzniveau in Gaustadt hoch, das heißt aber nicht, dass es künftig keine Hochwasser mehr geben wird: Um den Stadtteil vor 100-jährlichen Starkregen zu schützen, plant der Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) zwei weitere Regenrückhaltebecken am Bachlauf oberhalb: Eines an der Wagnersleite mit 13 000 und ein drittes im Michelsberger Wald mit 33 000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Geschätzte Kosten ohne Grunderwerb: eine Million Euro.

So stellt sich die Perspektive in Richtung Gaustadt dar.
So stellt sich die Perspektive in Richtung Gaustadt dar.

Wer vor dem Sylvanersee steht, erkennt rechts eine abgeflachte Dammseite. Bei dieser Einsattelung handelt es sich um einen Überlauf, einen mit großen Natursteinen bewehrten Einbau für den noch selteneren Extremfall: Dieser Überlauf soll dafür sorgen, dass im Falle eines 1000-jährlichen (!) Starkregens der Damm nicht bricht, sondern das überschüssige Wasser über die Straße abfließen kann.

Für den Bau des neuen Walls wurden im Winter 2009 etliche Ufer-Bäume gefällt. Vom EBB wollten wir wissen, warum auf der Dammkrone kein Ersatz gepflanzt wurde. Die Antwort: Damit der Damm fest bleibt, darf er keine tief wurzelnden Pflanzen tragen. Auf seiner Rückseite wurden allerdings 500 niedrige Sträucher gesetzt.

Das Projekt in Zahlen


Teil 1 Von Juli 2007 bis Juli 2009 baute der städtische Entsorgungs- und Baubetrieb die ca. 1,2 Kilometer lange Kanalstrecke zwischen dem Sylvanersee und dem Auslaufbecken am Main-Donau-Kanal.

 

Teil 2 Im Anschluss wurde der ehemalige Fischteich Sylvanersee ertüchtigt. Der See wurde um einen Meter vertieft, für den Damm wurden 4500 Kubikmeter Material gebraucht. Das Stauraumvolumen: 33 000 Kubikmeter.

Kosten Die Gesamtkosten belaufen sich auf 4,1 Millionen. Der Freistaat beteiligt sich mit 0,7 Millionen Euro.

Fränkischer Tag, 12.10.2010 

www.infranken.de