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Zusammenfassung der Entwicklung des Dorfes

Der Mittelpunkt Gaustadts bis zur Säkularisation blieb verwaltungsmäßig der Abts- und Kellereihof. Beide hatten den größten Grundbesitz unmittelbar hinter den Höfen und verstreut in allen Teilen der Flur. In ihnen dürfen wir unbedenklich das Gut Erchanbrechts erblicken; beide haben, abgesperrt von der Landstraße, den schmalen Eingang in ihre Höfe gemeinsam. Von diesen Höfen aus entwickelte Gaustadt eine eigenartige Siedelungsform, die mit keiner der üblichen Ortspläne verglichen werden kann. Maßgebend dafür zeigten sich die Bedürfnisse des Klosters als Grundherrn. Es gliedert sich zunächst in die zwei Hälften nördlich und südlich der Hauptstraße.

Der nördliche Teil bildet einen ungegliederten Block, den an beiden Seiten zwei bogenförmige zum Fluß führende Wege gewissermaßen umgehen. Zwischen beiden liegen streifenförmig der Kellereihof (39), anschließend Gr.Nr. 36 und dann die einst wohl zusammengehörigen Gr. Nr. 33, 34 und 35; nach den Zinsbüchern werden erst spät im 18. Jahrhundert 33 und 34 getrennt. Als erkennbares Bindeglied darf man die "Dienste" betrachten, die diese Höfe in den Kellereihof leisten mußten; sie weisen auf die einstige Verbundenheit hin. Innerhalb dieser Höfe liegen Rücken an Rücken Gr.Nr. 37 und 38 als deutliche Abtrennungen. Diese erfolgten schon vor den ältesten uns erhaltenen Aufzeichnungen. Dagegen kennen wir die Entstehung von Gr.Nr. 43: Im Jahre 1501 erhielt Fritz Krafft als Zinslehen eine Selde, die mit einem Haus bebaut aus Conzen Linsners Hof kam, wozu ihm sein Vater Craft Hoffman eine Ausfahrt zur Straße gab. Er zinst zunächst eine Fastnachthenne oder 10 Pfennige dafür, später aber einen Gulden und muß das Hauptrecht anerkennen "' Ein anderes Gepräge zeigt die südliche Dorfhälfte: Hier lockern drei Parallelstraßen und mehrere Querverbindungen den Block auf, so daß eine Dreitellung entsteht. Die Achse bildet das sog. Lange Bächlein.

Die Vielzahl der meist kleineren südlichen Anwesen und gelegentliche urkund-liche Nachrichten lassen von vornherein vermuten, daß hier der Ausbaubereich des Dorfes vorliegt, d. h. daß man mit steigender Bevölkerungszahl nicht etwa längs der Landstraße, sondern südlich der beiden Klosterhöfe neue Wohnsitze schuf. Eine Möglichkeit, deren zeitliche Aufgliederung vorzunehmen, bietet eine Untersuchung der Zinse und Abgaben der Siedelstellen.

Die mittelalterliche Münzgeschichte und damit auch die unserer Heimat führt im ganzen gesehen von den Zahlungen in Schillingen (lat. solidi) und Hellern (hallenses) über den Pfennig und deren Zusammenfassung in den nicht geprägten, sondern nur als Rechnungseinheit verwendeten Pfunden zuletzt zu den Gulden, die, wie schon der Name sagt, den Übergang und Abschluß von der Silber zur Goldwährung bezeichnen.

Ganz dieser Entwicklung entsprechend, zahlen die schon behandelten Höfe der Nordseite, die sich wohl als die ältesten an die beiden Klosterhöfe anlehnen, ihre Zinse in Schillingen. Ihre Abtrennungen (Gr.Nr. 37 und 38) und die offensichtlichen Neuanlagen am Westrande (Gr.Nr. 28 30) zahlen mit der jüngeren Einheit der Pfunde. Die jüngste Gründung (Gr.Nr. 43) vom Jahre 1501 fällt schon in die Herrschaft des Guldens und entrichtet von 1524 an einen Gulden.

Dieses Verfahren im Nordteil erprobt, dürfen wir auch auf die Südhälfte anwenden. Als erstes bestätigendes Ergebnis finden wir hier: Jedes Drittel beginnt an der Landstraße mit einem alten Hof, das westliche mit Gr.Nr. 21 und einer Zahlung von jährlich 12 Schillingen, das mittlere mit Gr.Nr. 5, 6, 7 und dem zunächst unbebauten 8 mit Abgaben in Hellern und Schillingen. Ergänzend sei hier angefügt, daß der Besitzer von Gr.Nr. 6, Hans Stürmer, 1424 von einem Acker ob dem Gumbrechtsbrunnen, einer alten Gründung, erwartungsgemäß 10 Schillinge Heller zinst. Als man obige Einheit Gr. Nr. 5, 6, 7 zwischen 1478 und 1498 drittelte, wandelte man diese Abgaben in Pfennige um. Der am Ostrand gelegene Gundloch Hof zahlt ebenso als altes Gut 6 Solidi; die weiter noch fälligen zwei Pfennige stammen sicher von einem dazu geschlagenen "vergeiselten" Äcker.

Die zunehmende Bevölkerung zwang wie auf der anderen Straßenseite auch hier zu Teilungen. Am klarsten tritt dies im Bereich des ursprünglich weiträumigen Hofes Gr.Nr. 21 hervor. Hier trennte man zunächst Gr.Nr. 24 und 20 ab, und zwar so, daß dem alten Hof noch ein Zugang zu dem westlichen sog. Heldsgäßlein blieb. Beide Höfe zahlen in schöner Übereinstimmung jährlich 3 Pfund, 2 Käse, 1 Henne und 30 (24) bzw. 40 Eier (20). Die Erfahrung zeigt, daß solche auffallende gleichmäßige Abgaben auf gleichzeitige Entstehung schließen lassen. Die größere Zahl der Eier von Gr.Nr. 20 geht wohl auf den weiteren Umfang dieses Hofes zuräck, von dem ja später noch Gr.Nr. 19 abgeteilt wurde. Gegenüber von Gr.Nr. 24 liegt Gr.Nr. 26, eine junge Rand-siedlung. Beide (19 u. 26) entrichten in beweisender Gleichheit jährlich je zwei Gulden, zwei Käse, eine Fastnachthenne, 30 bzw. 60 Eier und den Zehnten zu Dorf und Feld mit Fron und Diensten, dies vermerkt bei den Neugründungen ausdrücklich die Klosterverwaltung, bei den alten war das selbstverständlich. Die größere Zahl der Eier von Gr.Nr. 26 dürfte vom "Acker, der (1466) des Nageleysen gewesen ist, herrühren; 1424 heißt der Acker "Seugraben".

Südlich der heute aufgegebenen Quergasse müssen wir einen Hof annehmen, der die Gr.Nr. 16, 17, 18 umfaßte. Jede der spitälischen Selden reichte jährlich zwei Gulden und eine halbe Fastnachthenne, ein deutliches Zeichen der Trennung. Oben haben wir gehört, daß 1445 Hans Renner versuchte, seinen Teil (Gr.Nr. 18) dem Spital zu überantworten; man kann darin das Bestreben sehen, die drei Teile zu vereinigen und in eine Hand zu bringen. Die südlich angrenzenden Gr.Nr. 15 und 14 müssen in einem anderen Zusammenhang behandelt werden.

Im mittleren Teil liegt gegenüber der Ausfahrt von Abts- und Kellereihof heute durch die Kapelle unterbrochen, wiederum ein altes Gut, das im Laufe der Jahre vielfach zerteilt wurde, die Gr.Nr. 5 1/2, 5, 6, 7 und 8. Von dem Eckgrundstück zusammengefaßt durch Dienste in den Kellereihof, wurde schon früher und die unbebaute Hofreit Gr.Nr. 8 abgetrennt. Gr.Nr. 5 , zahlte jährlich sechs Solidi, Gr.Nr. 8 sogar acht Schillinge . Von der südlich angrenzenden Gr.Nr. 4 lesen wir 1478: Eine Behausung ist zuvor ein Gartenflecklein gewesen, aus Conzen Stürmers Gut (Gr.Nr. 5) kommen. Es zinst in dieses Gut 15 Pfennige und dem Kloster eine Fastnachthenne. Der westlich des Langen Bächleins gelegene Teil des Mittelstücks gehört in einen anderen Zusammenhang.

Der Ausgangspunkt schließlich des östlichen Drittels ist im sog. Gundlochhof zu suchen. 1424 erhielt der Cellarius davon 12 Schilling jährlich. Das sog. Haus und Garten "auf dem Berg bei dem Gundloch" (Gr.Nr. 58) zahlte ebenfalls 12 Solidi hallenses, allerdings dem Custos ". Diese Gleichheit der Zinse bei anein-ander grenzenden Grundstücken läßt auf eine Teilung schließen. Die weiteren gegen Süden sich erstreckenden Anwesen (Gr.Nr. 1, 54, 55, 57) entrichten erwartungsgemäß Pfunde und Pfennige, z. B. Gr.Nr. 55 jährlich 4 Pfund, Gr.Nr. 1 dagegen 4 Pfennige. An den Gundlochhof grenzen östlich die Gr.Nr. 66, 70, 72, die die Verbindung zum Gumbrechtsbrunnen herstellen, von ihnen empfing das Kloster die auf den bebauten Feldern ruhenden Gefälle in Pfunden, Pfennigen oder auch in Wachs ".

Als letztes bleibt noch eine räumlich beieinander liegende Gruppe von Grundstücken zu betrachten, die offensichtlich auch siedlungsgeschichtlich zusammengehören. Sie fallen in dreierlei Hinsicht aus dem üblichen Rahmen:
1. durch das Fehlen von Geldzinsen,
2. durch die Hopfenabgaben,
3. durch einige ungewöhnliche Käsegülten.

Zunächst sei festgestellt, daß Gr.Nr. 9, später das sog. Jakobsgut, nach dem Zinsbuch von 1470, übrigens auch später noch, "vorn" d. h. gegen die Landstraße an das Hirtenhaus grenzte ". Dieses kann aber nicht unter der "neuerbauten Behausung, so vor diesem ein Hirtenhäuslein gewesen", verstanden werden; denn das hier gemeinte Hirtenhäuslein lag auf Gr.Nr. 21, wie unten bei der Gemeinde gezeigt wird. Weiter ist zu beachten, daß Gr.Nr. 10 "etwo ein Stadel", von Gr.Nr. 11 getrennt wurde.

Wie üblich bei einem Neuoder Umbau gewährt das Kloster eine Zinserleichterung; der Inhaber Hans Keck zahlte 1554 nur eine Fastnachthenne, Wolf Kautler aber 1580, nachdem ein Haus gebaut war, jährlich drei Käse, 2 Fastnachthenne, 25 Eier und ein Sümra Hopfen . Ferner wurde um 1580 Gr. Nr. 15 "in des Hans Castners (Gr. Nr. 14) Garten" gebaut von dem Georg Reinhardt eine Fastnachthenne und zwei Sümra Hopfen entrichtete . Man knüpft also bei diesen späten Gründungen an die Hopfenabgaben der Ursprungsanwesen an. Während im allgemeinen die Zinsen und Gülten durch die Jahrhunderte gleich blieben, ändern sich die des Hopfens.

So entrichtet z. B. Gr.Nr. 9 zuerst neun Sümra; weil aber "diese Hofreit in vergangenen Kriegsläuften verbrannt, verwüstet und lange Zeit unbebaut gewesen", sollen von 1471 ab sie auf der Inhaber Bitten "für der zu ewigen Zeiten nicht mehr dann vier Sümer Hopfen und ein Fastnacht.huhn geben.

Die sechs Sümra Hopfen auf Gr.Nr. 12 wurden schon 1451 um die Hälfte verkleinert. Die Verminderung der sechs Sümra von Gr. Nr. 14 um 2 Sümra beruht darauf, daß der Neubau von Gr.Nr. 15 diese ersetzte. Außerhalb dieser Häusergruppe gab nur noch das Anwesen Gr.Nr. 36 ein Sümer Hopfen 137. Da aber dessen Inhaber statt der üblichen Fastnachthenne drei reichen mußte, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die überschüssigen Hühner und der Hopfen von Ackern und Hopfengärten stammten die mit dem Hof vereinigt wurden.

Zuletzt könnte man fragen: Warum immer nur Teilungen? Denn nur gegen den Gumbrechtsbrunnen zu legte man außerhalb des Dorfes einige neue Wohn-stätten an. Das liegt wohl allgemein an der Eigenart des mittelalterlichen Dorfes, das gewöhnlich der Dorfzaun, der sog. Etter, umgab. Wenn man also im Bereich und Schutz des Dorfes bleiben wollte mußte man meist teilen. Die wenigen Häuser außerhalb gegen Bamberg zu lagen an der Landstraße; das mochte Anreiz oder Schutz genug sein.

Der Zaun bestand aus einer lebenden Hecke oder einer Einfriedung aus Pfählen und Stecken, an die sich oft wilder Hopfen emporrankte. Er umfaßte rückwärts alle Gehöfte und trennte diese von der Flur.

Dieser Dorfzaun ist zwar in den Quellen für Gaustadt nicht direkt zu finden, wohl aber die dazu gehörige Einrichtung, die Stigeln. Das sind aus Brettern hergestellte schmale Treppen oder Stiegen zum übersteigen des Zauns bei einem Fußpfad oder einer Sperre bei einer Fuhre oder Straße. Sie sollen das Vieh abhalten. 1496 heißt es bei der Grenzbeschreibung eines Feldes "gegen Mitternacht an die Stigeln gegen dem Dor (Tor) im Hefnersgrund". Da, wo die Hesselgasse aus dem Hefnersgrund auf die Schweinfurter Straße stößt, schloß ein Tor mit Stigeln die Flur ab. Und 1504 sagte eine Zeugin aus: "Der Stürmer sei über die Stygel gestigen, do im der Horlender nachgelaufen“.

Als Zusammenfassung dürfen wir sagen: Ausgangspunkt des Dorfes Gaustadt ist der Hof Erchanbrechts. An ihn lehnen sich zunächst die den Hintersassen des Klosters überlassenen Höfe an, erst unmittelbar daran auf der Nordseite, dann die drei Anwesen der Südseite. Durch Teilungen von der Frühzeit bis ins 16. Jahrhundert entstehen schließlich die kleinen Selden überall im Dorfe.