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Zinsbuch von ca. 1370

Dieses Zinsbuch ist das erste in der stattlichen Reihe der klösterlichen Besitzverzeichnisse, deren letztes 1741 angelegt wurde. Leider fehlt bei dem Zinsbuch die Angabe des Jahres, in dem es geschrieben wurde. Zwar finden sich einzelne Zeitangaben bei Nachträgen, besonders der späten siebziger Jahre, doch verlangen Beobachtungen, die die Personennamen bieten, eine frühere Zeit. Die meisten Persönlichkeiten tragen schon zwei Namen, das bedeutet für das Land, daß die Jahre nach 1350 in Frage kommen. Vielleicht wird man mit der Angabe um 1370 der Abfassungszeit am meisten gerecht. Dieses Zinsbuch fällt durch die eigenartige Anordnung seines Inhalts auf; es führt nämlich die Zinse nicht wie in späterer Zeit allgemein üblich nach den Orten an, sondern nach den Zinsterminen z. B. Martini, Walburgis, Rerniniscere, Epiphanie, Palmarum, Assumptionis Mariae, Andreae und Michaelis. So finden sich auch die Abgaben Gaustadts an drei verschiedenen Stellen.

Als die ersten und bescheidenen Zinse mögen sie hier Platz finden: Item census in Gawstat Martini" (Es folgen die Zinse in Gaustadt an Martini) Item dictus GewIch Y2 lb. Hll. (der Geulch Y ~ Pfund Heller) Item dictus Peterser 15 sol. hll. de orto. (Peterser durchstrichen dafür Vol.antein) (Der Peterser 15 Schilling Heller vom Garten) Item dictus Tratz 6 sol. hll. (Tratz überschrieben mit Eychelberger) (Der Tratz 6 Schillinge Heller) Item relicta Hermanni Kelner im Bach de domo et orto 7 Y2 sol. hll. Die Witwe Herm. Kelners im Bach von Haus und Garten 7V2 Sch. H. Der Name ist durchstrichen. Dafür "der durr Hofman". Am Rande nachgetragen: 4 sol. hll. minus (weniger) 3 hll.) Item census Walburgis Item dictus GewIch X2 lb. hll. Item dictus Peterser de orto 15 sol. hll. (Vollant übergeschrieben) Item dictus Eydielberger 6 sol. hll. (Auf Rasur nachgetragen!) Item der durr Hofmann de agro ob dem neuen see 30 hll. (Der dürre Hofmann von einem Acker ober dem neuen See 30 Heller) Idem de domo et orto relictae quondam Hermani Kelner im Bach 4 sol. hll. minus 3 hll. (Der gleiche vom Haus und Garten der Witwe Herm. Kelners sel. im Bach 4 Schillinge weniger 3 Heller) Census Michaells Item in Gawstat census ceree(!)

Item dictus Geulch de area et agro, ubi naves operantur . . .(Der Geulch von Hofstatt u. Acker, wo man die Schiffe macht) Item d ... Y2 lb. (Auf Brandlücke "Eychelberger") Item H ... V ~ lb. de agro unum ... ortum et e . . . Item d ... de domo sua 8 sum. Hopphen ( ... von seinem Haus 8 Sümra Hopfen)

Das Pergament ist durch Brand am Rande und in der Mitte beschädigt, daher die Lücken.

Mit Hilfe der angegebenen Zinse, die ja durch die Jahrhunderte meist gleich bleiben, lassen sich die Häuser einwandfrei bestimmen. Das Zinsbuch von 1430 führt an erster Stelle auf Blatt 98 b die Geuldi mit V Pfund an. Das ist die heutige Grundstücksnummer 28 (Flößergasse 1). Dann folgt Joh. Vollant und Ott Tzigler von einem Garten der Peterser selig mit 15* Solidi Zins, heute Gr.Nr. 33 (Flößergasse 6), zuletzt Herm. Volker, einst Herm. Odiß oder Vollant und Tratz mit 6 Solidi Zins, heute Gr.Nr. 21 (Hauptstraße 23). In den Garten der Peters wurde später eine Wohnstätte gebaut. Das Anwesen der Witwe des Herrn. Kelner, das der dürre Hofman später innehatte, zahlte den berichtigten Zins von 4 Solidi weniger 3 Heller. Da 1 Solidus gleich 3 Heller ist, ergibt eine einfache Rechnung 12 3 = 9 Heller. Diese zahlt um 1430 Hans Eychelberger von seinem Haus und Garten, heute Gr.Nr. 5 (Dr. Martinetstraße 4).

Dem Haus mit unbekannten Besitzer, das acht Sümra Hopfen entrichtet, entspricht der Eintrag von 1430: Ott Tzolhoß von einer Hofstatt einst des Cunz Hofman oder Ulrich Schetz acht Sümra Hopfen, heute Gr.Nr. 9 (Bachstraße 1). Die Wachszinse werden von Ackern gegeben. Geuldi (vgl. oben Gr.Nr. 28) 9:bt jährlich 1 Pfund Wachs von der Hofstatt und dem Acker, wo man die Schiffe baut. Das Zinsbuch von 1451 hat den Eintrag: "Hans Kappas von einem Acker (nachgetragen: und Hofstatt), da man die Schiffe macht etwan Geulchen 1 Pfund Wachs". Dazu am Rande: j468 wird mit Eberhard Kappas (wohl der Sohn) vereinbart, daß er zu den angegebenen Zinsen noch 1 Pfund geben muß, weil er innerhalb eines Jahres nicht zum Bau (eines Hauses) veranlaßt werden konnte"Hofstätte oder Hofstatt bezeichnet also den Platz, wo ein Haus einmal stand oder auch stehen konnte. 1470 heißt es von der Selde des Peter Schol etwan des Hans Kappas, daß sie oben an den Fußsteig in das Wasser gehend" stößt. Dieser Fußsteig ist die heutige Flößergasse, die einst zur Überfahrt ging. Heute wurde das ganze Gelände am Fluß durch den Kanal und durch die Großschifffahrtstraße völlig verändert. Auf dem Wege zur Überfahrt lag auch der Schiffbauplatz. Schließlich wäre noch zu klären, wo der erwähnte "neue See" gesucht werden muß. Es ist kaum anzunehmen, daß in diesem Fall an den Gegensatz zu einem alten, vorhandenen See zu denken ist, sondern daß ein "neu angelegter See" darunter zu verstehen ist. Bei der Betrachtung der Flur d. h. ihrer Auswei-tung wird sich herausstellen, daß nur der heutige Karpfenweiher bei der sog. alten Ziegelhütte, der Silvana See gemeint sein kann. Bis dorthin reichte zu dieser frühen Zeit der Michelsberger Wald. Bezüglich der Besitzer möge die Tatsache bemerkt werden, daß der genannte Herman Kelner im Bach zu Bamberg wohnte; er ist neben dem Schwertfeg und Meur der dritte Bamberger im Dorfe. Diese Güter stehen dem jeweiligen Abt zu. Dadurch, daß nur sie genannt werden, entsteht der Eindruck, daß sie die einzigen Besitzungen des Klosters in Gaustadt darstellten. Daß dem aber nicht so ist, lehrt das folgende Zinsbuch. Sicherlich gab es neben den Aufzeichnungen der Abtsgüter von ca. 1370 auch solche der anderen Klosterämter, die uns leider verloren gingen.