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Vor- und frühgeschichtliche Siedlungen in der Gemarkung – Gaustadt -

von Dr. Hans Jacob

(gxtzen.jpg; 121 kB)
Die Frage nach den Anfängen der heutigen Siedlungen kann nach moderner Anschauung nur dadurch gelöst werden, daß man nicht nur eine einzige Fundstelle und ihre Siedlungsabfolge betrachtet, sondern alle vor und frühgeschichtlichen Siedlungen innerhalb einer oder mehrerer Gemarkungen miteinander in Beziehung setzt. Der Wechsel von Siedlungen innerhalb eines gewissen Raumes ist eine archäologisch erhärtete Tatsache und nimmt eigentlich nicht Wunder, gehörte doch einst das Haus, welches eingelegt, auf den Karren geladen und andernorts wieder aufgebaut werden konnte, zur "fahrenden Habe“. So ist es verständlich, wenn der Ausgräber wüster Siedlungen nur die Herdstelle und gegebenenfalls Pfostenlöcher als augenfälligste Anzeichen eines einstigen Hauses aufdecken kann. Bodenverfärbungen und Anhäufung von Scherben zeigen dem obertätigen Feldforscher den Standort solcher verschwundener Siedlungen an, die man in jeder Gemarkung finden kann, wenn zur geeigneten Jahreszeit und bei günstigem Feldbestellungs-zustand die Acker planvoll abgesucht werden. Günstige Standortbedingungen und siedlungshinweisende Flurnamen geben dabei wichtige Fingerzeige. Der in der südlichen Gemarkungsflur von Gaustadt archivarisch nachgewiesene Flurname "Elbischer Sand" war Anlaß genug, entsprechende Feldbegehungen durchzuführen, die zur Auffindung von vorzeitlichen Siedlungen der verschiedensten Zeiten führten. Die Fundstellen erstrecken sich von der Höhe 260 270 über den zerlappten Terrassensaum des Michaelsberger Waldes, der vom Mittleren Burgsandstein gebildet wird und von eiszeitlichen Schotter und Sandinseln bedeckt ist. Es handelt sich dabei um die Flurteile Cherbonhof, Gumbrechtsbrunnen, Häfnergrund, der von der Hesselgasse durchschnitten wird, dann westlich des Altwegs Michelsberg Ottobrunnen Gaustadt "Die Amsel" 1470 Amselgeschrey und östlich dieser Altstraße an den Häfnergrund anschließend "Der obere Sand", gleichbedeutend mit dem ebenfalls 1470 bezeugten "Elwischen sant" 1519 "am Amselgeschrei uff Elbischen sant". Gerade dieser Name der weder mit Schwan noch mit Ulme etwas zu tun hat, sondern von Elfen oder Elben kommend aus der germanischen Sagenwelt geprägt ist und diese Örtlichkeit als spukhaft bezeichnet, ist ein eindeutiger volkstümlicher Hinweis für die verschwundenen germanenzeitlichen Gehöfte, vielleicht sogar noch früherer Siedlungen. Auf dem besprochenen Flurteil sowie im benachbarten Häfnersgrund konnte nun im Laufe der Jahre geradezu eine Ballung von Siedlungshinweisen festgestellt werden. Die Terrassensande gaben Silexgeräte frei, von denen einige nach Professor Dr. Zotz Erlangen mittelsteinzeitliches Aussehen besitzen, so ein Mikronucleus und eine Klinge mit retuschierter Schneide, letztere von der Flur Cherbonhof. Der überwiegende Teil der Steinwerkzeuge ist aber sicherlich jungsteinzeitlichen Ursprungs, genau wie einige indifferente bräunliche Scherben. Bemerkenswert sind eine Pfeilspitze aus grau grünbebänderten Plattenjaspis, ferner Klingen und Schaber Kratzer aus kugeligem und plattigem Jurahornstein, also hier auf dem Keuper Handelsware.

Scherben der Urnenfelder und Hallstadtzeit mit Fingertupfenleiste und Kerbschnitten fanden sich vor allem auf den Plannummern 95, 96, 97 und 98 Gaustadt und 3354, 3355, 3356, 3347 und 3348 Bamberg. Etwas weiter davon entfernt lagen auch solche beim Gaustadter Bad und auf der Flur Cherbonhof.

Die Spätlaténezeit konnte eindeutig durch graphithaltige Gefäßreste mit Wulstrand und Kammstrich-verzierung, vor allem auf der Pl. Nr. 3354 Bamberg nachgewiesen werden. Auf dieser fanden sich auch schöne Scherben aus germanischer Zeit. Die leicht gerundeten Ränder, besonders bei einem breithalsigen Stück mit Halskehle, sind wohl am ehesten unter den germanischen Gruppen des 3. bis 4. Jahrhunderts unterzubringen. Das Bruchstück einer Schüssel mit eingezogenem Rand käme wohl mehr für das 1. Jahrhundert in Frage. Schließlich verdient noch besondere Erwähnung ein mit Pünktchenreihen verziertes Bronzebruchstück, nämlich der Fuß einer Fibel des 4. Jahrhunderts. Ein geglimmerter schwärzlicher Scherben mit feinen Rillen stammt aus der Karolingerzeit. Hierher gehört sicherlich auch eine dreifach gerippte, olivenförmige, dunkelblaue Glasperle, wie sie aus Grab 8 Burglengenfeld vorliegt.

Von den bei dem Bau der Spinnerei 1857/58 gehobenen Funden in der Talaue der Regnitz entsprechen eindeutig zwei Hirschhornäxte aus -donauländisch band-keramischem Kulturkreis unserem neolithischen Fundkomplex auf der Terrassenhöhe und die beiden Kupferschilde, von denen P. Reinecke einen im Zentralmuseum Mainz wiederauffinden konnte, sowie die Haftnadeln und gewundenen Drähte sind einwandfrei Überreste eines vergrabenen Schatzes der Urnenfelderzeit, die Dr. Pescheck auch auf dem benachbarten Domberg in Bamberg ergraben konnte. Die Hauptmasse der von A. Haupt beschriebenen Funde auf der Durchlaß Seite des Kanals entstammt dem hohen Mittelalter. Dazu mögen auch die zwei kahnartigen Eichentröge gehören.

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Mikronucletis ~ kleiner Feuersteinknollen Jungsteinzeit (neolithisch, Bandkeramik) ca. 3000 2000 v. Chr. Urnenfelderzeit ca. 1200 800 v. Chr. Hallstadtzeit (Bronze und Eisen) 800 500 v. Chr. Laténezeit (Eisenzeit) 500 0 v. Chr. Germanische Zeit 0 - 300 n. Chr. Völkerwanderungszeit ca. 375 -  700 n. Chr. Karolingerzeit 751 -  911 n. Chr.