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Lehenwesen

Die lehensrechtlichen Verhältnisse, unter denen die Bewohner Gaustadts lebten, unterschieden sich, ob sie nun dem Kloster, dem Spital oder der Dom Vikarie untertan waren, nicht wesentlich von denen im Hochstift Bamberg üblichen. Den meisten Stoff für eine Darstellung des maßgebenden Lehensrechtes bieten die Michelsberger Archivalien, einmal wegen des überwiegenden klösterlichen Besitzes, zum andern wegen der von rund 1370 lückenlos erhaltenen Zins und Lehenbücher sowie zahlreicher einschlägiger Urkunden. Darnach gewinnen wir für das Lehenswesen des Klosters Michelsberg und des Spitals folgendes Bild:

Die ersten erhaltenen zusammenfassenden Aufzeichnungen über den Besitz des Klosters in den einzelnen Orten und über die Lehensinhaber mit ihren Verpflichtungen und Leistungen stammen. wie wir schon wissen, ungefähr aus der Zeit um 1370. Gegenüber diesem mit seiner Einteilung nach Zinsterminen wählte man seit 1451 eine Aufzählung des Grundbesitzes nach Häusern, Feldern, Wiesen, Wald usw..

Alle auf einem Grundstück ruhenden Lasten sind von nun an übersichtlich aufgeführt, die Inhaber verzeichnet, und Änderungen nachgetragen. So hielt man es bis zum Ende des Klosters. Die Anlage dieser Zinsbücher spiegelt das Klosterleben getreulich wieder. Der Bamberger Mönchsberg war, wie andere Benediktinerklöster Deutschlands auch, in seinem Leben durch die Gewohnheiten und Bedingungen der feudalen d. h. ritterlich adeligen Zeit beeinflusst und gefährdet, zuletzt zu einer Versorgungsstätte für eine kleine Anzahl von Adeligen geworden, die kaum mehr als den Namen des hl. Benedikt trugen, von seinem Geiste nichts mehr verspürten. Man konnte kaum mehr von einer Klosterfamilie sprechen, sondern die Insassen hatten, wie eine anklagende Feststellung nach 1450 lautet, "nach der Sitte der Kanoniker an Dom und Kollegiatkirchen alle Güter des Klosters aufgeteilt und fingen an, infolge dieser Verfügungsgewalt alles Maß zu überschreiten'."

Die schlimmen Folgen zeigten sich bald genug. Schon 1295 rief Bischof Arnold zu Almosen für das Kloster auf, das derart schadhafte Mauern, Dächer und Gebäude habe, dass die Mittel des Klosters zu einem Neubau nicht ausreichten. 1311 sprach Bischof Wulfing von einer solchen Minderung der Einkünfte, dass Lebenshaltung und selbst die Kleidung nicht mehr den Ordensvorschriften gemäß gewährleistet.

Zuerst konnte man geneigt sein, diesen äußeren und, wie sich später beschämend auswies, auch inneren Verfall dem Eindringen des Adels zuzuschreiben, der das Kloster zuletzt als eine ihm zustehende Stiftung ansah und es auch nach 1400 ganz beherrschte. Bei der für die Folgezeit so verhängnisvollen Abtswahl von 1435 bestand der Konvent nur aus zwölf Adeligen, ohne die in Stettin als Seelsorger wellenden Johann Fuchs von Dornheim und Andreas Stoßer. Wenn es auch richtig ist, was Lahner schreibt, es lasse sich nicht erweisen, "dass von Anfang an Adelige die Klostergemeinde bildeten", so muss er doch zugeben, dass wenn nicht der erste, so doch der zweite Abt adeliger Herkunft war. Gelegentlich erfahren wir auch die Namen von adeligen Mönchen wie Swiggerus de Mannenheim, Eberhard de Zigenveld und Conradus de Litenberc 1257, Cunradus de Egloffstein, professus S. Mich. 1361, Albertus de Waldenrod hospitalarius (vor 1362) und Otto Fuchs 1362.

In den Kalendaren des Klosters wird unter dem 10. Oktober als Mönch ein Graf Berthold genannt, der ein praedium, ein Gut, dem Kloster stiftete.

Geht man solchen Stiftungen nach, so finden wir einmal Grundstücke, entweder praedium oder mansus (Hube) genannt, und dann Geld- und Wertspenden. Es ist kaum anzunehmen, dass beispielweise nach 1200 Bauern derartige Stiftungen machen konnten. Wer also über ein Gut mit 6, 10 oder gar 60 Huben verfügen oder Mönche wie Marcward 1145 60 Talente nebst anderen Wertsachen, Friedrich 30 Mark und Gold. ein anderer Marcward ein Gut und 12 Talente dem Kloster schenken konnte, der musste ein besitzender Adeliger oder ein Angehöriger eines angesehenen Bamberger Bürgergeschlechts sein wie z. B. der 1311 gewählte Abt Eberhard, ein Zollner vom Brand. Es lassen sich also seit der Gründung des Klosters immer wieder Angehörige des Adels als Insassen des Mönchsbergs nachweisen, wenn auch das zahlenmäßige Verhältnis gegenüber den bürgerlichen Konventualen unklar bleibt.

1435 zählte das Kloster, wie schon erwähnt, nur zwölf adelige Mönche, dazu kamen einige Novizen. Die Einkünfte hätten zwar einen größeren Konvent erlaubt, bei wenigeren Mitgliedern ließ sich's aber besser leben. Nimmt man dazu, daß von diesen zwölfen je einer als Abt, Propst von St. Getreu, Prior, Cellarius, Custos, Camerarius, Oblarius, Cantor, Hospitalarius und Infirmarius über eigene freilich verschiedene Einkünfte verfügte, dann blieben gerade noch zwei ohne, modern ausgedrückt, einträgliches Nebenpöstchen übrig.

Diese Herren droben auf ihrer die Stadt und den Domberg überragenden Klosterburg es blieben auf der Nordseite auch nach dem barocken Umbau noch ein Stück mittelalterlicher Mauer mit rundem Wehrturm erhalten, mochten wohl den Neid und Zorn der in diesem Fall nicht biederen Bamberger Bürger erregen. Hatten diese schon 1420 die in der Stadt gelegenen Häuser und Speicher des Klosters geplündert, so brachen sie 1435 auf dem Höhepunkt des Immunitätenstreites mit bewaffneter Hand ins Kloster ein, ließen ihrer Plünderungs- und Zerstörungswut, nachdem sich ihnen wiederum Gelegenheit dazu bot, freien Lauf und fügten dem Kloster einen Schaden von mehr als 2000 Gulden zu ". Und das in den Zeiten der Hussitenkriege, da das Kloster eine drückende Beihilfe zur Abwehr der Brandschatzung hatte leisten müssen.

Die notwendige Folge waren Verkäufe und Verpfändungen von Gütern und Schulden bei Christen und Juden z. B. in Nürnberg. Als Bischof Anton von Rotenhan zehn Jahre später mit den ersten Maßnahmen zu einer Reform begann, wobei seine Beauftragten nicht gerade viel Einsicht und Klugheit bewiesen, kam es zur Flucht zunächst des Abts und dann von zehn Mönchen. Diese Sprengung der klösterlichen Gemeinschaft, die schließlich Kaiser und Papst behelligte, bedeutet den Tiefpunkt und den Zusammenbruch dieser mönchischen Adelsherrschaft, sie erzwang die Wendung zu einer Neuordnung des Ordenslebens im benediktinischen Geiste ".

Von dem Schicksal des Klosters und von dem Wollen dieser Klosterherren hing im ausgehenden Mittelalter auch das Wohl und Wehe des Dorfes Gaustadt ab. Darum empfahl es sich, die Geschicke des Klosters als Grundlage des Folgenden, da wir das Dorf Gaustadt in seinen Bewohnern und seinem Besitz erkennen können, in seinen wesentlichen Punkten darzulegen.

So wie diese Zeit des ausgehenden Mittelalters auf den Schultern des frühen ruht, so ist auch das Lehenswesen der Spätzeit mit seinen Gewohnheiten, Pflichten und Lasten ein Erbe der Vergangenheit. Die Urkunden und vor allem die erst seit 1370 vorhandenen Zinsbücher ermöglichen es leider nicht, die Entwicklung der Lehensverhältnisse bis zu dieser Zeit d. h. in der Hauptsache die Veränderungen der Zinsen, Gülten und Frondienste der Michelsberger Untertanen, besonders der Bauern zu verfolgen.

Der Besitz des Klosters zu Gaustadt geht auf den von Erchanbrecht geschenkten Gutshof zurück. In der ersten Zeit bewirtschaftete das Kloster diesen Hof im Eigenbau durch seine Brüder und Konversen, Männer, die sich, ohne Mönche zu werden, im Kloster, wir würden sagen, eingekauft hatten. Diese Eigenbewirtschaftung verbürgte ohne Zweifel den günstigsten Ertrag und gewährleistete dem Kloster Eigentum und Nutzen. Dieser Hof war und blieb Mittelpunkt der klösterlichen und später der dörflichen Verwaltung, auch als man, wie sich aus den späteren in den Zinsbüchern ersichtlichen Verhältnissen schließen läßt, das Gut in zwei Höfe aufgeteilt, den einen dem Abt überlassen, den anderen größeren aber dem Konvent vorbehalten hatte, der ihn durch den schon genannten Cellarius verwalten ließ.

Dies entsprach ganz dem Vorgang, dass man z. B. zwischen Bischof und Domkapitel eine Gütertrennung durchführte, oder auch, dass wiederum das Domkapitel seinem Propst, dem ersten Würdenträger, durch eine Teilung besondere Güter zuwies.

Diese Trennung veranlasste aber zwangsläufig eine doppelte Gutsverwaltung mit neuen Wohnungen, Ställen und Nebengebäuden, aber auch die Verwendung von mehr Arbeitskräften. Wie in anderen Klöstern so wird auch auf dem Michelsberg es durch den mangelnden Nachwuchs an dienenden Brüdern, aber auch durch die eingangs geschilderten selbstzerstörerischen Vorgänge im Kloster und die dadurch hervorgerufene Nachlässigkeit und Bequemlichkeit in der Verwaltung dahin gekommen sein, immer mehr weltliche Hilfskräfte einzustellen. Diese konnte man mit zunehmender Zahl nicht mehr im Hofe selbst unterbringen, sondern musste ihnen außerhalb, am besten daneben, Wohnung und eine kleinere oder größere landwirtschaftliche Nutzungsfläche zuweisen.

Damit begann die Aufteilung des Gutslandes in einzelne bäuerliche Kleingüter mit hörigen Leuten, die zu Fronen und Abgaben in den Verwaltungshof verpflichtet waren. Von diesen ersten "Gaustadtern" des vielleicht 13. Jahrhunderts, unfreien Hintersassen, führt eine gerade Linie zu den späteren Zinsbauern, denen das Bewusstsein einer Unfreiheit völlig fehlte.

Das zeigt sich nicht nur in einer gelegentlich recht deutlichen Unbotmäßigkeit, ja Unverschämtheit eines einzelnen wie einer Gruppe gegenüber Abt und Kloster, wie weiter unten zu lesen ist, sondern auch durch die mit Überzeugung und Selbstbewusstsein vorgetragene Äußerung einer Gaustadterin, der Els Zollnerin, einer Bauersfrau, nicht etwa der Angehörigen der Familie Zollner vom Brand. Als diese 1508, kaum zwei Jahrzehnte vor dem Bauernkrieg, gegen Peter Bodenbach klagte, weil er sie mit einer Kolbarte (Waffe) bedroht und bezichtigt habe, ihm einen Durchschlag und ein Paternoster entwendet zu haben, da sagte sie vor dem Klostervogt Wolf von Pünzendorf als Richter, "sie stee da als eine freyhe Frenckin", darum wolle sie leiden, was recht ist ". Nebenbei: Welche Genugtuung und Begeisterung hätte der Frankenbundführer Peter Schneider über diese Frau und ihre Rede empfunden, wenn er sie gekannt hätte.

Diese Entwicklung zum Zinsbauern bewirkte nicht nur ein anderes rechtliches, viel lockereres Verhältnis zur Herrschaft, sondern war auch mit einem sozialen Aufstieg dieser klösterlichen Untertanen verknüpft der sich freilich wohl mehr in einem persönlichen Gefühl als in einer materiellen Besserstellung äußern konnte; denn im Grund blieben sie mit wenigen Ausnahmen stets sehr bescheidene Leute, allein schon wegen der mäßigen Ausdehnung ihrer Flur. Wenn diese aufgezeigte Entwicklung richtig ist, dann muss um so mehr auffallen, wenn uns in diesem Dorf plötzlich "Fremde" als Inhaber von Grundstücken und Höfen entgegentreten. So besitzt 1314 Cunrad Huttwan Acker auf dem Horb in den Biegen (Biegenhof), 1340 verkauft Kunegund Meurin ihren halben Hof an den Michelsberger Abt, mindestens seit 1337 sitzen die Gundloch auf dem nach ihnen benannten Hof l', 1360 macht Hermann Schwertfeg eine Stiftung an die Obere Pfarre zu Bamberg, uni 1370 haben Hermann Kellner im Bach zu Bamberg und etwas später die Vollant zwei Güter zu Gaustadt und 1430 nimmt Steffan Tockler Zinse vom Abtshof ein. Das sind Angehörige von sieben angesehenen Bamberger Bürgerfamilien, denen obige Höfe, Grundstücke und Zinse Michelsberger Herkunft zustehen. Diese Mitglieder einer städtischen Gesellschaftsschicht, die nach einem auszeichnenden, vielleicht sogar stadtrechtlichen Ausdruck "Müßig gehen", bewirtschafteten ihre Höfe und Acker nicht persönlich, sondern setzten Pächter darauf. Damit wirkten im Dorfe fremdartige Kräfte mit, die man auf die Dauer störend empfinden musste. Es gelang zwar dem Kloster allmählich, diese bürgerlichen Eindringlinge zu beseitigen, aber an ihre Stelle trat eine geistliche und eine Wohlfahrts Stiftung, ein Benefizium und ein Spital, die dauernd die Einheit der dörflichen Verwaltung zerbrachen.

Die klösterlichen Untertanen Gaustadts mussten ihre Frondienste in den Kellereihof leisten, dazu war bezeichnenderweise auch der Inhaber des Abtshofes verpflichtet, ein klares Bekenntnis der einstigen Einheit.

Dieser Hof bewahrte und sicherte sich bis zur Säkularisation seine bevorzugte Stellung. So leistete z. B. Heinz vom Hoff von den Gütern der Krebs(e)in 1424 zwei Dienste mit zwei Pferden oder der Gundlochshof drei Dienste mit einem ganzen Pflug, das Jungfrauenhöflein stellte zwei Schnitter uni drei Dienste mit zwei Pferden, der Hof, den Herman Sneyder baute (Gr. Nr. 37), diente nur mit einem halben Schnitter und einem halben Pferd, alles in den Kellereihof. Der Abt bedarf natürlich auch der Dienste; so heißt es vom Inhaber des Jungfrauenhöfleins: drei Fuder Holz soll er helfen fahren aus des Abts Holz' ".

Der Abt hatte daneben noch andere Einkünfte in Gaustadt, die meisten verständlicherweise vom Abtshof selbst. Aus einer Belehnungsurkunde von 1467 ergibt sich, dass den Hof das "Kloster vorher selbst bebaut hat" `, darauf hatte man den Hof um den halben Bau verlassen; damit hatte sich für den Abt sein diesbezügliches Einkommen um die Hälfte vermindert ". Dann überlässt man den Hof, der "des Klosters freies und lauteres Eigen ist, gegen eine feste Abgabe dem Hans Eychelberger ". Dieser muss auf den St. Michelstag in des Abtes Kasten (Speicher) zu Bamberg geben 11 Scheffel Roggen, je ein Scheffel Weizen und Gerste, fünf Scheffel Habern, 100 Eier, je vier Käse zu Pfingsten und Weihnachten und das übliche Fastnachtshuhn. Dazu liegt auf dem Hof das Hauptrecht. Zur obigen Gült soll er aber für "das Feld, das von altersher in unseren Hof gehört", geben an Gült und Zehnten zwei Scheffel Getreid an Korn und Habern. Doch können sie die zwei Scheffel "in den nächsten zehn Jahren" ablösen je Scheffel mit 20 Gulden .

Auch ist der Fron wegen beredt worden, dass sie jährlich 16 Fron, nämlich alle Quatember vier Fron mit wagen und pferden tun sollen, nur die Hälfte der Fron können sie mit Geld ablösen für eine Fron zwei Pfund Bamberger Währung . Diese Ablösungsbestimmungen verraten, dass man derartige Lasten abzuwälzen suchte.

Schließlich überließ am 13. August 1482 Abt Ulrich dem Craft Hofman und seiner Frau Katharina und ihren Erben den Abtshof, auf dass sie und ihre Erben ihn ewiglich zu Erbrecht innehaben sollten Mit der Überlassung dieses Hofes zu Erbrecht war eine endgültige lehensrechtliche, Änderung eingetreten. Aus dem bisherigen Pachthof wird ein Erbzins1ehen. Damit ist dem Kloster das tatsächliche Verfügungsrecht über den Hof entglitten; er vererbt sich nunmehr in männlicher und weiblicher Linie, kann mit der nicht zu verweigernden Zustimmung des Klosters verkauft, es kann auch ein Pächter darauf gesetzt werden. Ganz billig gab man den Hof nicht ab: An Abgaben, die nun bis in die bayerische Zeit hinein unverändert blieben, sind zu leisten: 9 Scheffel Roggen, je 1 Sch. Gerste u. Weizen, 5 Sch. Haber, 8 Käse, 100 Eier, 1 Fastnachthuhn und 12 Frontage oder 42 Pfennige für einen Tag, Der Hof umfasste damals bei 40 Acker (wohl soviel wie Tagwerk) Baufelder, 10 Tagwerk Wiesen, drei Acker Holz und sechs Lauben Gemeindeholz bei der Verteilung.

Für das Erbrecht musste aber Craft Hofman noch zwe« Lasten übernehmen

1. das Handlohn, eine Abgabe bei jedem Besitzwechsel. Sie betrug 10 % vom Werte des Hofes,

2. das viel drückendere Hauptrecht oder Besthaupt. Wenn der Inhaber, "Manns oder Frauenbild", mit Tod abging, so solle das Hauptrecht verfallen sein, nämlich vom Mann das beste Pferd oder, wo es keines gab, die beste Kuh und von einer Frau auch die beste Kuh oder, wenn sie keine haben, das beste Kleid. Der oder das erstmals von Craft Hofmann zu bezahlende Handlohn betrug 75 Gulden; damit war der Abteihof auf 750 Gulden geschätzt.

Die gleiche Entwicklung sehen wir beim Kellereihof. Zu ihm gehören 100 Acker Felder, 10 Tagwerk Wiesen, 10 Acker Holz. Zuerst wird er verpachtet, meist auf drei, einmal sogar auf 12 Jahre. Dem Craft Hofman, der später den Abtshof übernahm, ließ man 1483 auf drei Jahre den Zehent nach, statt dessen musste er dem Kloster im Sommer ein Rind halten und wenn er abzieht, sollte ihm vom Stroh nicht mehr als sieben Schock folgen.

Am 5. Februar 1487 wurde dem Hans Eichelberger und seiner Frau Gerhaus der Kellerhof zu rechtem Erbrecht geliehen gegen den jährlichen Zins von sieben Scheffel Korn, 1 Schw. Weizen, 1 Sch Gerste, 4 Sch. Hafer, 60 Eier und 1 Fastnachthenne; daneben galt Hauptrecht und Handlohn. Letzerer machte 60 Gulden aus. Damit war er niedriger eingeschätzt als der Abtshof. Was das Hauptrecht oder Besthaupt anlangt, so wirkte es sich als eine Besteuerung der Erben, als Erbschaftssteuer aus, Handlohn als Grunderwerbssteuer.

Darüber wird noch zu reden sein. Das Besthaupt ruhte nur auf den beiden Herrenhöfen und den davon getrennten oder dazu gehörigen Grundstücken so z. B. auf dem sog. Viertel Kellereihof, der erst 1765 vom Kellereihof getrennt wurde (Gr.Nr. 14), ebenso Gr.Nr. 43, welch kleine Selde man 1501 vom Abteihof löste ". Dagegen war Gr.Nr. 55, die 1451 noch eine (unbebaute) Hofstatt war, und die Albr. Lengenfelder 1462 innerhalb drei Jahre mit einem Haus bebauen sollte, von der Leistung des Besthaupts frei, obwohl es einst zum Abtshof gehört hatte. Die Trennung erfolgte eben schon vor der Belastung des Abtshofes durch das Hauptrecht.

Handlohn wurde von jedem Erbzinslehen, bebaut oder nicht, erhoben, wenn das Lehen seinen Besitzer wechselte. Der Besitzwechsel konnte durch Erb , Tauschund Kauffall erfolgen. Die Abgabe betrug 10% vom Wert der Michelsberger und auch der spitälischen Lehen. Bei letzteren trat eine Erhöhung von fünf auf zehn Prozent ein. Das Spital glich sich dem Kloster an. Als am 26. April 1623 Hans Blümlein ein Feld um 200 Gulden kaufte, machte der Handlohn 20 Gulden also 10 Prozent aus.

In der Praxis hatte sich allerdings eine für den Lehensträger günstigere Handhabung des Handlohns entwickelt. Als am 7. April 1670 das Ehepaar Hier und Barbara Tütsch dem Joh. Conr. Gelderer, Landgerichtsassessori (unter diesem anspruchsvollen Titel verbirgt sich ein biederer Schöffe beim Landgericht) und Michelsberger Sekretario das Anwesen Gr.Nr. 33 uni 100 Gulden und 12 Reichstaler Leihkauf verkaufte, heißt es im geschraubten Deutsch dieser Zeit: "Obwohl nun auch die Abtei Mönchsberg sonsten auf vielen seinen Höfen und Gütern das Hauptrecht hergebracht, so ist doch dieses (Gut) gleich anderen Gütern und Sölden mehr im Dorf Gaustadt keineswegs affiziert (belastet), sondern allerdings exemt (befreit) und gibt in Verkauf und Vertauschungsfällen, nicht aber in Erbfäl1en (es müsse dann ein Erbe den anderen etwas herausgeben von 10 Gulden Kaufschilling einen Gulden zu Handlohn« ". Damit ist ausgesprochen: Wenn in einem Erbschaftsfall etwas gezahlt wird, ist Handlohn fällig und umgekehrt. Damit erklären sich die Angaben in den Zinsbüchern über Kauf und Kaufsumme, aber auch, ob es die Witwe oder die Kinder übernommen haben. Erbte bei unmündigen Kindern eine Witwe ein Gut und heiratete wieder, so empfängt der zweite Mann "als Träger« der Frau, die als solche nicht belehnt werden kann, das Lehen "uxoris nomine" (im Namen der Frau) oder Iloco uxoris" (anstatt der Frau). Weil in einem solchen Falle nichts bezahlt wurde, entfiel das Handlohn, Das Pondorfer Gut (Gr.Nr. 5) empfängt 1743 Michel Kraft uxoris nomine, auf ihn folgt sein Sohn Jörg Kraft 1784 "heres unicus filius" (als Erbe der einzige Sohn) 17 . Diese Bemerkung erklärt, daß Jörg kein Handlohn zu entrichten hat, weil nichts ausbezahlt wird. Dies Verfahren wirkte noch in die bayerische Zeit hinein: Als nach dem Tode Joh. Adam Schreyers 1846 seine Tochter Babette Schreyer ihren Vater beerbte (Gr.Nr. 10), heißt es ausdrücklich "als einziges Kind kein Handlohn".

Bei dem häufigen Besitzwechsel war für das Kloster der Handlohn keine geringe Einnahmequelle. Sicherlich hatten gewisse Erfahrungen die Verwaltung veranlasst, für die einzelnen Grundstücke einen bestimmten Wert festzusetzen. So wird man die oft anzutreffende Bemerkung zu deuten haben:" (Der Hof) wird geacht auf so und soviele Gulden, d. h. geschätzt. 1763 wurde Joh. Stierlein als anderer Taxator neben dem 1. Taxator Andr, Ziegler verpflichtet ". Man kann diese bei den einzelnen Höfen angegebene Wertangabe vielleicht mit unserem Grundwert vergleichen. Wenn es beispielsweise 1520 von einem Hof heißt "sonst ungefähr um 120 Gulden geacht" und der Kauf wurde mit 40 Gulden oder vom gleichen Gut 1523 mit 56 Gulden abgeschlossen, dann kam der Unterschied zwischen Schätzung und Kaufpreis sicher auch der Klosterverwaltung zum Bewusstsein und weckte Misstrauen ". So wird auch Paulus Beier "in die Eulen gelegt“, weil er seinen Weinberg um 85 Gulden verkaufte, aber nur 80 Gulden angab (1591) "In die Eulen legen", war ja eine Strafe für die Männer, so wie den Frauen die Geige zudiktiert wurde.

Zu seinen Lebzeiten konnte der Zinsbauer mit Genehmigung des Klosters sein Lehen verkaufen, vertauschen, ja es weiterverleihen. Nach den Lehenbriefen durfte er z. B. seinen Hof "besetzen mit einem redlichen Mann, von dein wir unseres Klosters Zinse, Gülte und Fron haben können".

Das kam besonders in der Zeit um und nach 1700 in Betracht, als wohlhabende Leute Güter in Gaustadt erwarben und einen "Beständner" darauf setzten. So erwarb Herr Perdach diese Städter wurden in den Zinsbüchern mit Herr titutiert, im Folgen den weggelassen 1693 ein Viertel Kellereihof 42; Hofkastner Job. Wilh. Nep. Mehler 1766 Gr.Nr. 57, 1770 um 530 Gulden Gr.Nn 57, 1773 um 4300 Gulden " Kellereihof', denselben Hof hatte Hauptmann Job. Frz. von Möhrlein 1728 um 2200 Gulden gekauft. Kriegsrat Joh. Mich. Neudecker erwarb 1724 Y4 Abtshof um 550 Gulden` und um 500 Gulden Gr. Nr. 3 3 41, die Hofmundschenkin Lieb Gr. Nr. 33 um 1710, Krohe 1722 Gr.Nr. 28, j. Pandorf Gr.Nr. 9, nach ihm Pondorfer Gut genannt ". Hochwürden und Gnaden Fr. E. F. von Greiffenklau verkaufte an Rud. Wilh. Stangenberger, Obrist und Kommandant zu Forchheim, das spitälische Grundstück 17 und derselbe Obrist erwarb um 300 Gulden Gr.Nr. 58 und 1727 auch 59 '. 1699 hatte der Bamberger Bürger und (Hof )Bildhauer Joh. Nicl. Resch das Jungfrauenhöflein gekauft; von ihm erfahren wir einmal seinen Beständner, Andr. Böhnlein, der "zwei Jahre lang des Reschens Bildhauers Schenkstatt bewohnt".

Zwischen 1670 und 1693 kaufte Gg. Ernst von Wildenstein das spitälische kleine Anwesen Gr.Nr. 61 und Job. Mich. Voment, Chyrurgus zu Bamberg die Gr.Nr. 59. Vielleicht darf man es als Bestreben der Gemeinde betrachten, diese Überfremdung Gaustadts einzudämmen, wenn sie 1724 drei Teile des maß gebenden Kellereihofes auf sechs Jahre um die erkleckliche Summe von 2000 Gulden erwarb, um Gemeindeangehörige darauf zu setzen. Ein Erfolg aber war jedenfalls nicht zu verspüren. Diese Erwerbungen ländlicher Grundstücke durch Städter wird man in dem von steten Kriegen erfüllten 18. Jahrhundert nur als Sicherungs- und Angstkäufe betrachten müssen. Die Ähnlichkeit mit Erscheinungen unserer Tage liegt auf der Hand.

Starb ein Zinsbauer, so vererbte sich das Lehen ganz wie ein Privateigentum. Der Witwe, ob sie nun allein stand oder Kinder hatte, überkam das Lehen, im zweiten Fall allerdings zu gleichen Teilen mit den Kindern. War eine erbberechtigte Tochter bereits verstorben, dann trat an ihre Stelle der Mann bzw. ihre Kinder, also der Eidam oder die Enkel des Erblassers. So übernimmt bis zur Volljährigkeit eines Kindes 1527 nach dem Tode von Adam Kraus seine Frau Els die Selde (Gr.Nr. 18). Als sie sie 1541 übergibt, erhält Hans Kraus 1/3 für sich als Erbe und erkauft die restigen 2/3 von Mutter und Bruder um 76 Gulden ". Hans Weber hatte 1607 die Selde Gr. Nr. 66 um 200 Gulden gekauft. Nach seinem Tode erbte sie seine Frau Anna, die 1617 Pangr. Vischer heiratete, der die Selde loco uxoris übernahm. Anna Vischerin wurde 1640 wieder Witwe und nun beerbte sie Fritz Theinhart, der Eidam ".

Blieben Kinder als Waisen zurück, z. B. als Hans Stürmer 1609 gestorben war, so konnten die Vormünder die Behausung (Gr. Nr. 4) verwalten, bis der Sohn Wolf Stürmer zu seinen Jahren gekommen d. h. mündig geworden war .

In anderen Fällen aber wurde das Erbe verkauft, so das der Linhard Weicker'schen Kinder 1615 um 530 Gulden an Pangr. Castner (Gr. Nr. 5) '.

Manchmal wurden vielleicht die Erben nicht einig, vielleicht spielten auch andere, heute nicht mehr erkennbare Gründe herein, jedenfalls kam es vor, dass z. B. nach dem Tode Wolf Weickers 1600 Georg Weicker, der Sohn, und Pangr. Seidtla (= Seidlein, der Eidam) auf drei Jahre n £it Gr. Nr. 26 belehnt wurden. Die Frist wurde noch um ein Jahr verlängert, "die Teile sollen in einem Jahr in eine Hand kommen". Ebenso wurde dem Conz Stretz und Paul Helmitz 1601 je eine Hälfte des Jungfrauenhöfleins geliehen auf drei Jahre, indem sie einander abkaufen« ". Das Kloster schätzte offensichtlich solchen gemeinsamen Besitz nicht. Es ließ sich aber doch nicht ganz vermeiden, daß z. B. Geschwister einen gemeinsamen Acker besaßen. So zeigte am 9. August 1713 Andreas Steigner zu Weipelsdorf, Förster des Elisabethenspitals, dessen Verwaltung an, dass er sich mit seiner Schwester "wegen des zu schneidenden Getreides« geeinigt habe, die Garben auf dem Felde zu teilen. Das sei dann auch durch Halmziehen geschehen. Es sei ihm das Glück zugefallen, dass er jederzeit die erste Garbe aufladen konnte, die andere aber seinem Schwager liegen liess.

Freilich gelang es nicht jedes Mal, einen Hof in einer Hand und in seinem vollen Umfang zu erhalten. Wenn die Hinterlassenschaft umfangreich genug war, konnte es zu Teilungen kommen. Wir erfahren nichts über die sicher zwischen der Verwaltung und den Erben stattgefundenen Verhandlungen und Vereinbarungen, wir kennen nur deren Ergebnisse. Für das Kloster stand selbstverständlich die Frage im Vordergrund, wie die bisher auf dem Leben liegenden Lasten ohne Schaden geregelt würden. Als der Kammermeisterhof zertrümmert wird, wir erkennen dabei keinerlei Verwandtschaft der Beteiligten teilte man die ursprünglichen Abgaben von 10 Pfund, 6 Käsen, 6 Fastnachthennen und 200 Eiern so auf, dass Pangr. Rewße auf Gr. Nr. 54 jährlich 2 Pfund, 4 Käse, 1 Henne und 100 Eier, Hans Linßner auf Gr. Nr. 57 jährlich 4 Pfund, 4 Käse, 2/ , Fastnachthennen und 100 Eier, Gerhaus Schillerin auf Gr. Nr. 58 aber 6 Pfund, 4 Käse, 2 Fastnachthennen und ebenfalls 100 Eier entrichtete

Das Kloster empfing also im Jahre 2 Pfund und 6 Käse mehr. Bei solchen Teilungen findet sich stets die Bestimmung, daß, wenn ein Teil feil wird, er wieder von einem anderen dazu gekauft werden soll.

Anders verhält es sich, wenn ein Teil abgetreten wird. Als Hans Blümlein von Conz Stürmer ein Gartenflecklein erwarb, um ein Haus dar auf zu bauen, zahlte er dein Besitzer Stürmer jährlich 15 Pfennige, dem Kloster die übliche Fastnachthenne (Gr. Nr. 4) als Anerkenntnis des Lehens ". Hans Keck kaufte um 1478 eine Hofstatt mit einem Stadel bebaut aus der Selde Gr. Nr. 11 und entrichtete zunächst für Gr. Nr. 10 nur eine Henne, offensichtlich so lange, wie das Wohnhaus noch nicht gebaut, oder bis die bei Neuanlagen übliche Wartezeit noch nicht verstrichen war.

1580 war die Hofstatt eine Selde geworden und nun waren auch die Abgaben vom ursprünglichen Lehen in beiden Anwesen zu gleichen Teilen zu bezahlen.

Eine Besitzveränderung konnte auch durch eine Schenkung unter Lebenden eintreten; so erhielt 1702 Michel Endreß via donationis Gr. Nr. 10. Häufiger sind Fälle, daß durch ein Testament ein Lehen in andere Hände überging, so 1631 Gr. Nr. 18 von Hans Eberth an Georg Kauer 12. Weil der Lehensinhaber in Schulden gerät und seine Zinse nicht bezahlen kann, überließ die Kanzlei 1650 gegen drei Reichstaler für hinterständige Zinsen Gr. Nr. 11 dem Hans Han(d)schuh ". Das Kloster schenkte sogar Gr. Nr. 21 dem Georg Blümlein 1638, "weil es sonst einfallen wollen".

Auch Austräge kamen vor: 1513 empfing Hans Basthard Gr. Nr. 7, "welche ihm Ell Stürmerin, seine Schwieger(mutter), um ihre Leibesnahrung, sie ihr Leben lang mit Essen und Trinken zu versehen" übergab ".

Eingehender sind die Bestimmungen und Forderungen Herman Sneyders. Er vermacht sein Gut (Gr. Nr. 37) dem ehrsamen Hans Eichelberger und seiner Frau Anna am Palmsonntag 1435. "Dafür sollen sie ihn getreulich nach seinem Alter und seiner Notdurft versorgen und versehen mit Essen und Trinken, Kleidung, Bettgewand, Herberg und allen anderen guten Handlungen ziemlich (= wie es sich geziemt) nach Vermögen, solange er lebt. Auch sollen sie ihm vergönnen, acht Gulden rheinisch zu geben an das Reiche Almosen zu Bamberg.

Martinet vermag aus den Gemeinderechnungen viel von Martin 0t t und seiner Hilfe für Kranke in der Pestzeit zu erzählen. Wenn er aber schreibt, Martin Otts Besitz sei den Gemeindegütern einverleibt und so das Andenken dieses Mannes in der Gemeinde vergessen worden, so belehrt uns das Zinsbuch von 1617 darüber, dass 1632 Hans Stretz das Besitztum Otts (Gr. Nr. 20) von der Gemeinde und Georg Nuß, die es via testamenti 1630 geerbt hatten, um 170 Gulden gekauft hatten .

Auch die Gemeinde war Lehensträgerin des Klosters und zwar für Acker samt dem Gemeindehaus, bzw. den Gemeindehäusern. Oben wurde schon darauf hingewiesen, dass das sog. Jakobsgut (Gr. Nr. 9) vorne gegen die Landstraße zu an das Hirtenhaus stößt. Dies wird zuletzt 1617 erwähnt; über sein Verschwinden erfahren wir nichts.

Im Jahre 1596 das Schriftstück trägt zwar kein Datum, aber im Zusammenhang mit den anderen gehört es in dieses Jahr, richteten Hans Plümlein Schultheiß, Georg Löhr und Georg Plümlein, beide Dorfmeister, dann Hans Weickhard und Balthasar Hofmann für sich und eine ganze Gemeinde zu Gaustadt an die Klosterverwaltung eine Eingabe des Inhalts: Caspar Beheim, (Mitglied) des Rats und Bürger zu Bamberg, will ein Haus zu Gaustadt (Gr. Nr. 37) mit sämtlichen darin gehörigen Stücken, Feldern und Wiesen verkaufen...

"Sintemalen ein ganze Gemein im wenigsten, es sei Sommers oder Winterszeit, im Regen und Ungewitter kein Unterhalt oder Haus, darinnen wir Gemein halten, sondern allewegen unter offenem Himmel solches vollenden müssen"; deswegen bitten sie, das Haus, "darinnen jährlich die Rechnung und andere Gemeinsachen zur Notdurft verrichtet werden mag", kaufen zu dürfen.

Das Anwesen, an das man dachte, war günstig gelegen am Dorfplatz, wo sonst die Gemeinde zusammen kam. Es wurde aber nichts aus dem Vorschlag und Kauf; warum, ist nicht zu ersehen. Das Haus ist später im Besitz von Hans Löhr, der es um 400 Gulden erwarb. Im Jahr 1617 aber treten Hans und Wolf Blümlein auf als Träger der Gemeinde von einem Haus, so vor diesem ihr "Hürthenheußlein" gewesen und mit Bewilligung des Abts Johann zu einem Gemeindehaus verändert und erbaut worden ". Dies veränderte Hirtenhäuschen kann nicht das vor dem Jakobsgut gewesen sein. Denn es stößt vorne auf die Straße gegen Bischberg, hinten auf Balthasar Kraus, oben gegen das Brücklein zu an Claus Güla und hinten an Hans Ott. Darauf hat das Kloster die Vogtei und Botmäßigkeit wie auf dem Kellereihof. Im Lehenbrief vom 24. Sept. 1618 heißt es genauer, dass dazu gehört "eine gar geringe Ecken, so etwa (einst) aus Clasen Güla Hofreit kommen und zinst jährlich zur Bekenntnis des Lehens eine Fastnadi thennt". Bei der Lagebeschreibung muss auffallen, dass dies Gemeindehaus zweimal "hinten" anstößt, an Hans Ott und Balth. Kraus. Der letztere bewohnte ein Nebenhäuslein, das er von Michael Tröster 1610 eingetauscht hatte und das mit gnädiger Bewilligung um 1580 von Gr. Nr. 21 getrennt worden war. Es ist heute nicht mehr vorhanden, so wenig wie die zwei Gemeindehäuser, die jüngst einer Straßenverbreiterung weichen mussten. Zwei Gemeindehäuser? ja, denn im Lehenbrief vom 28. Juli 1745 lesen wir: Michel Stierlein und Andr. Sauer haben empfangen "ein zwei Stockwerk hohes Geineindehaus , worinnen eine Schmitten (Schmiede) samt gleich gegen-überstehenden "Hirtenhäuslein", stößt im Osten und Süden an Hans Kotschauers Selden und Hofreit, im Westen an Hans Hollens Selde, gegen Norden an die Straße«. Zu zahlen hatte die Gemeinde zwei Gulden Handlohn, fünf Taler Taxe, je einen Taler Schreib und Siegelgeld ". Gegenüber dem Handlohn waren die Kanzleigebühren recht hoch, den Taler zu zwei Gulden gerechnet. Der Lehenbrief von 1760 spricht vom Gemeindehaus janit gleich gegenüber stehenden Schul und Hirtenhaus".

Zwischen 1618 und 1745, sicher näher an letztes Jahr, muss also das zweite der Gemeinde gehörige Haus gebaut worden sein, das offenbar jenes oben erwähnte Nebenhäuslein verdrängte. Nach dem Häuser und Rustikal Steuer Kataster von 1808 wohnte in dem Haus Gr. Nr. 221/2 der Schullehrer und Flurer, während im zweistöckigen Haus unten die Gemeindeschmiede und oben der Raum für die Gemeindeversammlungen zu suchen ist. Im übrigen dürften die Gaustadter vor dem Besitz des Gemeindehauses keine eigene Schmiede gehabt haben; denn am 7. Nov. 1708 richtete die ganze Gemeinde an den Abt die Bitte, "ihnen in Ansehung ihrer Notdurft die Aufrichtung einer Gemein Schmieden allda gleich anderen Dorfschaften zu gestatten". Darauf kam der Bescheid, der ein bezeichnendes Licht auf die damaligen Zunftverhältnisse wirft, dass, wenn das Bamberger Schmiedehandwerk nichts dagegen habe, "auf ihr (der Gaustadter) Ungemach und Gefahr willfahrt werden" könne ". Die Bamberger Schmiede waren natürlich dagegen, mit dem neuen Gemeindehaus kam aber die Schmiede doch. Johann Bapt. Ette erhielt 1715 die Gaustadter Schmiede auf ein Jahr.

Auf dem Rathaus wurden die Gemeindeversammlungen abgehalten. Wie es dabei oder richtiger danach zuging, zeigt eine Beschwerde von Schultheiß Lorenz Hemmeter (8) und beider Bürgermeister vom 26. Februar 1689. Eine ganze Gemeinde habe am Sonntag (20 Febr.) acht Tage nach abgelegter Gemeinderechnung wie bräuchlich einen Trunk mit Brot auf dem Gemeindehaus gehabt.

Es seien aber sechs Männer bis gegen sechs Uhr über die Zeit geblieben und hätten, da nur noch wenig Bier, dazu ganz trüb, im Fäßlein gewesen, von dem Wirt mehr begehrt. Als dieser erklärte, es sei nichts mehr vorhanden, seien sie damit nicht zufrieden gewesen, sondern sich unterstanden, den Kloben herauszuziehen (welchen? woraus?), auch noch eine zweite Eigenschaft kennzeichnet seine besondere Stellung: Hat der Abt ihn als Schultheißen bestellt, dann verwaltet er dieses Amt sein Leben lang. Gerade diese Ausnahmestellung sicherte ihm Ansehen, Gehorsam und auch Sicherheit. Kloster und Schultheiß waren aufeinander angewiesen und so konnte ein tätiger Schultheiß des Schutzes durch das Kloster gewiss sein. Es ist leicht einzusehen, dass ihm bei gewissenhafter Ausübung seines Amtes unangenehme Auseinandersetzungen mit seinen Dorfgenossen nicht erspart blieben, wenn es nicht gelang, deren Belange und Wünsche mit dem Wohl des Klosters in Einklang zu bringen. So beklagen sich 1676 Schultheiß und Dorfmeister über die Gemeinde, dass sie ihnen nicht parieren wolle, sondern sich aufs höchste widersetze. Darum bäten sie um gerichtlichen Beistand. Darauf erging folgende aufschlussreiche Verfügung, der wir auch den Grund der Unzufriedenheit entnehmen können: Weil die Dorfordnung will, dass zwischen Armen und Reichen soll eine Gleichheit getroffen werden, so soll der Reichste zweimal soviel zu dem verfertigten Schelch geben als der Arme, weil der Reiche ihn auch mehr gebraucht. Im übrigen soll die Gemeinde dem Schultheißen und den Bürgermeistern in billigen Fällen parieren; wer dagegen handelt, soll rechtmäßig gestraft werden. Der obige weise Erlass hatte auch die Wirkung, dass sich die spitälischen Untertanen bereit erklärten, alle Lasten und Beschwerungen mitzutragen 77a. Dieser neue Schelch diente zur "Überfahrt". Als man 1683 wegen der "alternierenden Wasserfahrt - wahrscheinlich war damit die unter den Dorfgenossen wechselnde Verpflichtung zum Überfahren gemeint auf dem Gemeindehaus beriet, soll Gg. Roth gesagt haben, der Teufel solle ihn holen, wenn er fahre, und Hansen Lorenzen Frau wird der Rede beschuldigt: "Wenn ihr Mann fahren soll, solle der Schultheiß selber fahren" und sie habe diesem den Fahrbaum ins Haus geschickt. Als 1604 der Schultheiß Hans Blümlein auf Anordnung des Abts eine Grundteilung unter den Erben des Hans Stretz in Ruhe und Frieden vorgenommen hatte, mischte sich der völlig unbeteiligte spitälische Untertan Hans Kraus ein und beleidigte den Schultheißen, so dass dieser ihn beim Abt verklagte.

Dem Schultheißen als Vertreter der Gemeinde blieb es auch nicht erspart, für diese leiden oder büßen zu müssen. Franz Weltz machte als solcher am 9. August 1763, also unmittelbar nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges, bei der Klosterkanzlei die beschwerende Anzeige, dass der Herr Hauptmann Baron von Ottkoleck vom kaiserlichen Roth Würzburger Regiment ihn anfänglich in der Stadt, als er zum Hauptmann auf Anordnung des Herrn Feldpredigers gehen wollte, dreimal auf den Kopf, mehr denn sechsmal auf die Arme geschlagen habe, wie es die Male noch zeigen müssen, mit dem Beifügen, dass er dem Schultheiß heute noch mehr dergleichen geben wolle was er denn auch befolgte, indem der Hauptmann ihn nachgehends so misshandelte, dass er seinen Stock an ihm zerschlagen und einen Korporalstock ergriff, den er an ihm, dem Schultheißen, auch zerschlagen habe. Als nun der Schultheiß sich mit Worten so ausgelassen: Der Donner solle es erschlagen, wenn man einem, der eine Pflicht tue, so begegnen wolle. Dafür habe der Hauptmann seinen Korporalen befohlen: Schlagt die Canaille tot! Die drei Korporale hätten so auf ihn zugeschlagen, bis ihre Stöcke zersprangen und er davon geloffen. Was konnte die Kanzlei mehr tun, als dem Geprügelten versprechen, man werde der Sache nachgehen! Gelegentlich gab es auch einen Schultheißen, der die Pflichten seines Amtes zu leicht nahm, oder anders ausgedrückt, der den Wünschen seiner Dorfgenossen entgegen seinen Pflichten zu sehr nachkam. Im November 1602, so vermerkt das Urfehdebuch des Klosters, wurde der Schultheiß Hans Blümlein seines Unfleißes halber und besonders darum, dass er etliche getroffene Käufe, auch andere vorgefallene Ungelegenheiten, ja Frevel seinen Pflichten gemäß nicht auf der Kanzlei angezeigt, in Verstrickung genommen und drei Tage in der Hofstuben behalten. Nachdem er angelobt, sich fürderhin in seinem anbefohlenen Amt fleißig zu verhalten, entließ man ihn.

Wenn der Schultheiß Käufe verheimlichte, so ging dem Kloster der Handlohn verloren, den andererseits sein Dorfgenosse nicht zu entrichten brauchte. Immerhin sperrte man den straffällig gewordenen Schultheißen nicht wie sonst in die Fronfeste, sondern behielt ihn in der "Hofstuben", wohl um sein Ansehen nicht zu mindern.

Angesichts solch vielfacher Unannehmlichkeiten und Angriffe billigte man dem Schultheißen auch gewisse Rechte zu. Neben des Abtes besonderem Schutz und Schirm und der "Autorität mit dem Vorrecht für (vor) anderen im Dorfe" empfing er jährlich vom Kloster sechs Sümra Korn und von der Gemeinde zwei Gulden, an Amtsgefällen von jeder Teilung einen Taler, desgleichen von einem Kauf unter 100 Gulden und von 50 Gulden 24 Kreuzer, 16 Kreuzer von jeder Besichtigung und Markung. Außerdem war er von jeder Wache und Fron befreit Ild. Auch zeigte das Kloster sich ihm bei Gelegenheit im familiären Bereich erkenntlich: Als 1579 des eben genannten Schultheißen Blümlein Tochter Hochzeit hielt, überreichte man ihr von Klosters wegen drei Taler als Geschenk; nebenbei: der Brautvater hatte aus dem Klosterkeller für die Hochzeit fünf Eimer Wein gekauft, Preis 15 Gulden. Diese fünf Eimer hielten an die drei Hektoliter! Er besaß damals Gr. Nr. 57, das heutige Pfarrhaus.

Es kam natürlich auch vor, dass der Lehenseid entweder leichtfertig unterlassen oder bösartig verweigert wurde. Es war auch Aufgabe des Schultheißen, der Kanzlei zu melden, welche Untertanen mündig oder großjährig geworden waren, um sie zur Huldigung auffordern zu können. So stellt die Kanzlei fest, Jörg und Sebastian Stretz, Gebrüder, Hans und Linhard die Weickhalt Gebrüder, Hans Stürmer, Hans Keck und Ott Klöber, alle junge Gesellen zu Gaustadt, sind 1583 nicht erschienen, um die Erbhuldigung zu leisten.

Welche Folgen das haben konnte, zeigt die Anordnung vom 21. Okt. 1583 . Hans Stretz und seine beiden Söhne wurden zur Leistung ihrer Huldigung wie andere junge Gesellen und Dienstknechte mehrmals in die Kanzlei gefordert, waren aber jedes Mal ungehorsam ausgeblieben. Sie gaben weder auf Gebot noch Verbot irgendetwas, sondern unterstanden sich überdies, dem Abt die vogteiliche Obrigkeit (niedere Gerichtsbarkeit) streitig zu machen. Sie wollten einen Vikar im Domstift (wohl den Inhaber des Gundlochhofes) als ihren Lehensherrn anerkennen. Darum wurde dem Hans Stretz und seinen Söhnen auferlegt, innerhalb von zwei Monaten Lehen und Güter des Michelsbergs zu verkaufen.

Während des 30jährigen Krieges und besonders während des schwedischen Unwesens. so nannte man die Zeit der schwedischen Besetzung war das Lehenswesen in seinem ganzen Getriebe ins Stocken geraten, ja sogar eingeschlafen. Von 1631 bis 1651 gab es auch kein Pfortengericht mehr, das für die Klosteruntertanen zuständig war. Als man es wieder besetzte, da war anscheinend seine erste Aufgabe, das Lehenswesen wieder in Gang zu bringen. So wandelte es sich zum Lehensgericht, das säumige Lehensträger vorlud. Josef Monlein zu Gaustadt z. B. gestand 1699, also 50 Jahre nach dem Kriege, er habe sein Gült seit langen Jahren nicht bezahlt und Hans Fuchs legte seine Armut und Bedrängnis dar, flehentlich bittend, weil er von dem Lehensempfang sein Lebtag keine Wissenschaft gehabt und also sein Seldengütlein (Gr. Nr. 36) nicht empfangen, ihn jetzt damit zu belehnen. Mag auch die Begründung, das Unwissen, eine Ausrede sein, die Tatsache bleibt bestehen.

Gerade in der Vielfalt der Verpflichtungen im ganzen wie in den jeweils verschiedenen Leistungen des einzelnen, in der Unübersichtlichkeit und zeitlichen Verschiedenheit der Zinstermine könnte man ein äußerliches Merkmal der bäuerlichen Lehensverhältnisse sehen.

Bezüglich des Getreides erfahren wir aus einer Belehnungsurkunde, wie es abgeliefert werden musste: Gutes, lauteres (von Unkrautsamen freies) Getreide, schön gesackt und Kaufmannsgut, das man sofort verkaufen konnte. Hopfen war anscheinend immer teuer, darum bemühten sich die Hopfenzinser, diese Abgabe zu beseitigen oder wenigstens zu vermindern. Bei keiner anderen Abgabe trat ein so häufiger Wedisel ein wie bei ihm 12. Dabei lastete in Gaustadt nur auf sechs Anwesen ein Hopfenzins. Als 1649 Han(d)schuch Gr. Nr. 11 um ganze drei Reichstaler von der Kanzlei kaufte, kam man mit dem Käufer in Ansehung, daß dieses zugehörige Haus in der schwedischen Unruhe ganz zu Grund ruiniert worden", überein, dass er jährlich statt ein Sümra Hopfen ebensoviel Korn geben solle ". Dabei war dies eine Sümra schon eine Erleichterung, da die Gült früher z. B. 1424 zwei Sümra betrug ". Von dem sog. Jakobsgut mußte Ott Tzolhoß 1430 acht Sümra Hopfen abliefern. 1471 wird im Lehenbrief festgestellt, dass, da die Hofreit in den vergangenen Kriegsläuften abgebrannt und bisher unbebaut sei, fürder nicht mehr als 4 Sümra, also die Hälfte, zinsen solle ".

Und seit 1580 sind auch diese durch Korn ersetzt worden. Es ist das gleiche Jahr, in dem die zwei Sümra Hopfen auf Gr. Nr. 11 auf ein Sümra ermäßigt wurde. Das vom Viertel Kellereihof (Gr. Nr. 14) kurz vor 1580 abgetrennte Nebenhäuslein (Gr. Nr. 15) war mit zwei Sümra Hopfen belastet; 1696 heißt es: Weil Hans Prandel dieses Hofstättlelin wieder bebaut und die Unmöglichkeit der darauf (an)gestauten schweren Zinsen remonstrieret (nachgewiesen) hat, so sind ihm solche Zinsen bis auf fünf Pfund jährlich moderiert (ermäßigt).

Die Selde Gr. Nr. 12 entrichtete 1424 an Michaelis sechs Sra. Hopfen. Im Zinsbudi von 1461 finden wir noch drei Sra., dafür erscheinen neu ein Herbsthuhn und der Zehnt von aller Frucht.

Im ganzen können die Geldzinsen nicht hoch bezeichnet werden. Dazu kommt, dass in wirklicher Notlage und bei zu schwerer Belastung des Bauern sich die Klosterverwaltung stets einsichtig zeigte und die Abgaben ermäßigte oder wenigstens für einige Zeit nachließ. Im 18. Jahrhundert ermöglichte man es, diese Naturalabgaben in Geld abzugleichen. Im Zinsbuch von 1741 wird mit Ausnahme des Getreides der Betrag für die einzelnen Abgaben vermerkt, mit dem sie abgelöst werden können. Es waren da z. B. zu zahlen für eine Herbst, Zehnt und Burkardshenne 21 Pfennige, dagegen für eine Fastnachthenne ein Pfund 12 Pfennige; das sind 42 Pfennige, also das Doppelte. Den Grund brauche ich nicht zu erläutern. Ein Käse, dessen Größe anderswo zu 4 Pfund angegeben wird, war mit 12 Pfennige, ein Schock Eier mit 2Pfund (= 60 Pfennige) abzulösen; das Ei kam also auf einen Pfennig, der aber kaum mit dem unseren gleichzusetzen ist. Ein Pfund Wachs kam auf drei Pfund 10 Pfennige, und das Sümra Hopfen gar auf fünf Pfund. Daher erklärt sich das Bestreben, diese Hopfengült zu vermindern.

Im einzelnen lässt sich über die verschiedenen Leistungen folgendes sagen: Eine Urkunde von 1594 führt z. B. alle Zinse, Hand und Pflugfronen an, die in den Kellereihof zu leisten waren: Paul Lößlein in der Wunderburg von seinem Acker am Biegenhof 4 Pfund Geld, Hans Klöber (Gr. Nr. 29) von einem Acker im Knock 2 Pfund, Kath. Wengin (Gr. Nr. 10) vier Frontage mit der Hand, Balth. Hofman (Gr. Nr. 16) und Hans Held (Gr. Nr. 17), beide spitälisch, je 4 Tage und noch weitere 14v , Tage. Diese Tage hat eine Person im Korn und Haberschnitt mit der Hand zu tun, wogegen die Fröner jedes Mal mit dem gebräuchlichen Essen und Trinken zu versehen seien. Ferner leisteten Dienste mit dem Pflug Hans Stretz l42 Tage und mit der Sichel 1 Tag, Georg Stretz 42 Tag mit dem Pflug und 1 Tag mit der Sichel ". Auch Holzfuhren waren, wie wir schon wissen, zu leisten".

Im Zinsbuch von 1741 sind bei den einzelnen Höfen die Naturalabgaben nach ihrem Geldwert berechnet und zu den Zinsgeldern geschlagen. Dabei treten gerade bei den größten Besitzungen unwahrscheinlich niedrige Summen auf.

So muss vom Kellereihof mit zwei Häusern und zwei Stadeki nebst den Feldern und Wiesen im ganzen 3 Pfund 11 Pfennige ~ 25 Kreuzer, also nicht einmal ein halber Gulden gezahlt werden. Das Jungfrauenhöflein (Brauerei Wörner) kaufte 1796 David Leicht um 2380 Gulden und gab davon dem Kloster jährlich 2 Pfund 16 Pfennige ~ 19 Kreuzer,

Das Pondorfer Gut (Gr. Nr. 5), zu dem außer dem Hof noch 10 Acker Feld, 2 Tagwerk Wiesen und Y2 Acker Holz gehörten, entrichtete 2 Pfund 13 Pfennige ~ 18 Kreuzer. Die Abgaben von Gr. Nr. 57, das Jörg Zenck 1795 um 3870 Gulden erworben hatte, beliefen sich auf 1 Gulden 8 Pfund 10 Pfennige ~ 2 Gulden oder 0,05% des Kaufpreises.

Alle oben angeführten Geldzinse, Naturalabgaben und Fronen oder Dienste mussten die Lehensleute des Michelsbergs in Gaustadt leisten. Wenn hier fast nur von den klösterlichen Untertanen die Rede war, so liegt es daran, dass die spitälische Verwaltung nicht entfernt so genau und ausführlich, man kann sagen, Buch führte und die sachlichen wie persönlichen Veränderungen recht oberflächlich festlegte. Erst 1489 beginnen lückenhafte Besitzerreihen der spitälischen Häuser, so von Gr. Nr. 16 mit Hans Heldt, auf den 1503 die Margreth Guldeln, Feynbewrin genannt, mit ihren Söhnen Kilian und Hans Guldein folgt ". Da der Zins jährlich zwei Gulden und eine halbe Fastnachthenne betrug, war das Gut schon geteilt.

Peter Franck, Hansen Francken sel. Sohn, gab den halben Teil seines väterlichen Erbgutes (Gr. Nr. 17) seiner Schwester Anna um 18 Gulden zu kaufen. Der Spitalverwalter bemerkt: "Doch also, wo sie sich verheiraten würde, daß sie ihren Mann ans Spital bringe und Pflicht tun lasse". Dabei wird der Handlohn mit 10 Gulden von 100 angegeben". Vom Hof des Benefiziums (Gr. Nr. 53) scheinen sich überhaupt keine Verwaltungs- oder Lehenakten erhalten zu haben. Die Abgaben blieben im allgemeinen durch die Jahrhunderte gleich, eher wurden sie, wie wir gesehen haben, vermindert. Es lässt sich nur eine durchgehende Lastenvermehrung feststellen, die allerdings erträglich war. Im Zinsbuch von 1451 steht folgende Nota: Jedes Gut zu Gaustadt das Rauch hat, gibt ein Huhn Burkardi (14. Oktober), genannt die Schülershühner, die einst zur Schule gehörten"'. jedes Haus, das bewohnt ist, muss also dieses Huhn entrichten. 1431 kommt dieses Burkardhuhn erstmals auf den Häusern Gr. Nr. 11, 18, 34 vor". 1424 findet man es noch nicht. Es ist die letzte Neuerung auf dem Gebiet der vielfältigen Zinse. Wenn auch eine Henne als Abgabe damals für einen Bauern keine spürbare Belastung bedeutete, so scheint es Widerstände gegen das Burkhardhuhn gegeben zu haben. Als 1462 die "jungen Herren in der Schul" sich über Hans Übelein beklagt hatten, dass er kein Burkardhuhn gebe erbot sich der Genannte freiwillig, den jungen Herren Genüge zu tun; auch Clas Volcker will das Huhn geben, wie es altes Herkommen sei. Mit Jungen Herren" werden die adeligen Klosterschüler tituliert.

Der Grund für die Benennung nach Burkard, dem Würzburger Heiligen, bleibt dunkel. Diese Steuer kommt in den übrigen Michelsberger Orten nicht vor, wenigstens nicht unter diesem Namen. Wenn auch nicht gesagt ist, für welche Schule das Huhn bestimmt ist, so kommt doch nur die Klosterschule selbst in Frage. Gelegentlich findet sich dieses Huhn auch als Abgabe von einem Acker; der Kellereihof reichte als Besonderheit schon 1430 eine Burkardigans.

Zuletzt ist noch der Zehnt zu behandeln. Diese Abgabe beträgt, wie schon der Name sagt, den zehnten Teil eines Ertrags und zwar in Gaustadt gewöhnlich nur von Feldern und Gärten. Eine Ausnahme bildete der Gundlochshof, von dem 1424 der halbe Zehnt vom Vieh und von den Früchten erhoben wurde". Diese Bestimmung kehrt gewohnheitsmäßig in den klösterlichen Zinsbüchern immer wieder bis 1617, obwohl der Hof seit 1480 domkapitelisch. war. Mit dem Übergang an das Benefizium verschwindet dieser Viehzehnt, auch Blutzehnt geheißen. Praktisch konnte er wohl nur in Geld entrichtet werden. Von den Höfen und Selden des Dorfes war im allgemeinen der "Zehnt zu Dorf und Feld" fällig, der auch wechselweise "mit allen Früchten" genannt wird ". Gelegentlich findet sich ein Sonderzehnt, so bei Gr. Nr. 14 der halbe Zehnt "aller Frucht der Bäume" ". In den späten Zinsbüchern fehlen Zehntverrnerke, offenbar, weil sie selbstverständlich und darum überflüssig waren. Der Flurzehnt war eine wichtige Einnahmequelle des Klosters.

Auf den Feldern zählten die Zehntner z. B. beim Getreide nach Garben, bei Rüben, Zwiebeln und Ähnlichem nach Beeten, bei Heu und Grummet nach Schobern ab. Es wird niemand wundern, wenn es über die Handhabung des Zehnten Klagen gibt. So heißt es 1563, Hans Hellt, (Held) wäre ein ,“ Zehetter" gewesen und hätte einem oftmals zuviel genommen. Andererseits konnte man auch schwer einsehen, warum ein Bauer seine Dorfgenossen wegen des dem Kloster zukommenden Zehnten übervorteilen sollte, wenn man nicht weiß, daß es die Einrichtung des "Zehntbeständners" d. b. des Zehntpächters gab, vergleichbar dem römischen Steuerpächter. Wie diese werden auch die klösterlichen Zehntner versucht haben, in ihre Taschen zu wirtschaften. So klagen 1650 Georg Pickh und Fritz Günter, beide klösterliche Immunitäts-Untertanen zu Bamberg, wider Hans Endres und Hans Hantschuch, beide Zehentbeständner zu Gaustadt, um ausgezehnter "Zwifel" willen. Diese hätten ihrem Bedünken nach ohne ihr Vorwissen und Beisein zuviel abgezehntet. Daraus ist übrigens zu entnehmen, dass ohne den Zehntpflichtigen die Zehntner nicht ihres Amtes walten durften. Die Kehrseite dieser Beschwerde soll nicht fehlen, wenn sie auch nur mittelbar mit dem Zehnt zusammenhängt. Die obigen beklagten Beständner sind zwar geständig, ohne Wissen der Kläger ausgezehntet zu haben, aber mit ihrem guten Gewissen könnten sie sagen, "keinen Vorteil gebraucht zu haben"; sie hätten nur genommen, was ihnen gebührte. Hingegen beschweren jetzt sie sich, gegen Georg Pickh, er habe sich vernehmen lassen, dass sie ausgezehntet hätten "wie die Dieb und Schelm", so dass ihre Mitgesellen ihnen nicht mehr helfen wollen, den Zehnt mit ihnen einzusammeln, "sie seien denn wieder redlich gesprochen worden«. Sie bäten daher gleichmäßig um Wiederherstellung ihres ehrlichen Namens. Darauf wurde dem beklagten Pickh auferlegt, den Beständnern eine öffentliche Abbitte zu leisten. Daraus erklärt sich auch die Klage Hans Blümleins des jüngeren wider Hans Zehe, der ihn auf der Bierbank beim Mundschenken einen "Nachtzehenter" geheißen habe, d. h. einen, der bei Nacht und Nebel den Zehnten holt. Abgesehen vom Nachtzehenter ist diese Notiz deswegen bemerkenswert, weil hier die Gaustadter einmal beim Bier und nicht beim üblichen Wein sitzen (1692).

Die Streitigkeiten wegen des Zehnts reißen in den Gerichtsbüchern nicht ab. 1546 klagte Jos. Kerßlein gegen Cunz Stürmer, wie in nächstvergangener Zeit Stürmer den Kläger bezichtigte, er habe seinen Herrn, den Grafen von Henneberg, unrecht gezehet und "vmb den zehet (mit züchten zu melden) beschissen«. Oder 1539 klagt Hans Stürmer gegen Hans Blümlein. Dieser sagt, dass sein Vater Schnitter gehabt und "er habe aufgebunden (die Garben)". Da sei der Kläger als Zehender kommen und ausgezehet und zu des Blümleins Maid (Magd) gesagt: "Dass euch Potz wunder schent! Wie geht es zu, dass mir die kleinst Garb allweg zu teil wird.

Ich glaube, ihr habt abgezählt, und von der Maid gelassen und an den Beklagten kommen und abermals gesagt, "dass dich Potz Marter schend", du bündest (bindst) allemalen die zehet Garben kleiner dann die anderen und bescheist mich um den Zehet" loia.

Um einer Besonderheit willen sei hier folgendes angeführt. Der spitälische Ziegler Hans Linsner zu Tütschengreuth gab an, dass die spitälische Wirtin zu Gaustadt mit ihrer Schnur 1712 so spät erhielt sich dies Wort für Schwiegertochter von einem Betrunkenen in die Stubenecke getrieben war. Als man den Übeltäter hinausgeworfen hatte, nannte er dies Wirtshaus "Mördergrube und Hurenhaus"; es wäre besser, es zu verbrennen. Von der Gemeinde seien, da die zwei rabiaten Tütschengreuther alles kurz und klein geschlagen hätten, zwar viele auf der Straße gestanden, um das Schauspiel zu genießen, aber außer dem Andreas Krug, so mit dem Zehendtstecken in die Stuben kommen", sei keiner darin gewesen.

Das ist der einzige Beleg, dazu noch aus so später Zeit, für dieses Amtszeichen; als solches ist es doch wohl aufzufassen. Kam einer mit diesem Zehentstecken auf die Felder, so musste jeder wissen, er kam amtlich, berechtigt, den Zehnten einzuheben.

Der Zehnt wurde auch von einem Wald erhoben, der Lehensgut war. 1496 empfing Hans Rigel zu Gaustadt Holz, Wiesen und Baumfeld, alles an einem Stück, von dem er zwei Fuder Holz und den Zehnten geben muss. Auch von den Weinbergen nahm das Kloster den Zehnten und als Gegenstück zu den eben genannten Holzfuhren auch hier eine besondere Abgabe. Hören wir:

Hans Herdegen am Maienbrunnen hatte 1517 einen Weingarten am Kalenpuhel (Kahlenbühl) als Zinslehen empfangen, den er um 3734 Gulden kaufte. Davon mußte er dem Kloster geben den fünften Teil "vorm Bieth in der Kaltern und den Zehet im Felde"'. Genauso heißt es 1521, daß Hans Blümlein zu Gaustadt von einem Weinberg gibt einen fünften Teil "in der Kalterung vorm Bieth".

Schon die verwirrende Schreibung "Bietht, biettli, piet" zeigt, daß dies Wort dem Schreiber wohl nicht weniger Schwierigkeiten machte und vielleicht ebenso unbekannt war wie uns. Nach J. A. Schmellers Bayerischem Wörterbuch, dem Helfer in solchen Nöten, bedeutet es die Kelter. Die Inhaber obiger Weinberge gaben also

1.den zehnten Teil der Trauben "im Felde", im Weingarten, und

2.im Kelterhaus den fünften Teil des Mostes. Das waren rund ein Drittel des Ertrages.

Betrachtet man zusammenfassend die klösterliche Verwaltung, so muss man feststellen, dass auch, hier gilt, unter dem Krummstab war gut leben. Die Zinsen und Gülten hielten sich in erträglichen Grenzen und wurden durch Geldentwertungen und Währungsänderungen immer geringer.

In Notzeiten und bei Unglücksfällen finden wir eine wohltuende Rücksichtnahme, mochte sie auch der Absicht entspringen, dem Lehensmann zu helfen, um mit ihm seine Abgaben für die Zukunft zu sichern. Es ist ja bezeichnend, dass im Aurachgrund jenseits des Michelsberger Waldes, in Stegaurach und Wildensorg, das vielfache Berührung mit Gaustadt durch verwandtschaftliche Bindungen hatte, sich die Bauern im sog. Bauernkrieg 1525 austobten, z. B. in Stegaurach das Schlößchen der Camerarier, die man keineswegs als drückende Herrschaft bezeichnen konnte, in reiner Freude am Zerstören plünderten und verbrannten, dass aber die zahlreich erhaltenen Quellen von solchen Ausschreitungen in Gaustadt kein Sterbenswörtchen zu berichten wissen". Die Gaustadter blieben demnach im allgemeinen Trubel ruhige, vernünftige Untertanen, die wie bisher auch fernerhin ihre Abgaben entrichteten. Nicht die jährlichen Lehenszinse und Naturalien dürften für das Kloster die Haupteinnahme gewesen sein, sondern der Zehnt und vor allem die außergewöhnlich anfallenden Leistungen, das Hauptrecht und der Handlohn, wenn sich auch hier Milderungen z. T. Befreiungen herausgebildet hatten.

Wenn man versucht, die jährlichen Einnahmen des Klosters aus Gaustadt festzustellen, darin ergibt sich eine Summe von 64/2 Pfund Geld, 11 Pfennigen, 36 Hellern, 6 Gulden, 73 Käsen, 104 Hühnern, 960 Eiern, 12 Sümra Hopfen, 4 Pfund Wachs und eine Gans. Man kommt, alles in Geld umgerechnet, auf eine Summe von 68 Gulden 2 Pfund. Der ja stets wechselnde Zehnt und das Hauptrecht mit Handlohn sind darin nicht enthalten.

Als im Jahre 1802/3 das Kloster Michelsberg und das Elisabethen Spital aufgehoben wurden, konnten die kurfürstlich pfälzisch bayerischen Beamten nur auf der Grundlage der bisherigen Verwaltung weiter regieren. Zwar wurden die derzeitigen Lehensinhaber nunmehr auch rechtliche Eigentümer ihrer bisherigen Lehen, aber sonst änderte sich für die Gaustadter zunächst nur der Name der Herrschaft. Die Schultheißen walteten weiter ihres Amtes, denn die Bauern mussten weiter ihre Zinsen und Abgaben leisten und den Handlohn entrichten, wenn auch an eine andere Stelle. Im 19. Jahrhundert verschwanden dann nach und nach die Überreste des Lehenswesens durch die Gesetzgebung und die Einführung des modernen Steuerwesens. Mit der Sache oder der Einrichtung verschwanden auch Namen und Worte, deren sich Lehensherrn und Untertanen zu bedienen pflegten.