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Lage und Name des Ortes Gaustadts

Gaustadt hat seit der Gründung der Mechanischen Baumwollspinnerei i. J. 1858 unmittelbar an der Bamberger Stadtgrenze, aber auf Gaustadter Gemeindeboden völlig sein Aussehen verändert. An die ursprünglich meist um die bescheidene Sebastiani Kapelle herumliegenden Höfe schloß sich in 100 Jahren eine lange Straßenzeile an, die jetzt den einstens allein liegenden Gumbrechtsbrunnen oder Fischerhof einerseits mit den erwähnten Höfen, andrerseits mit Bamberg durch die Schweinfurter Straße verbindet. Daß die "Spinnerei“ wie der Volksmund kurz die Fabrik bezeichnet, auch das wirtschaftliche Gefüge Gaustadts von Grund aus änderte, ja geradezu umkehrte, indem der die Landwirtschaft treibende Teil der Bevölkerung fast ganz hinter der in der Industrie tätigen Arbeiterschaft zurücktreten mußte, sei als notwendige Folge der Industrialisierung gleich zu Anfang vermerkt. Diese Spinnerei veränderte auch noch das Landschaftsbild nicht etwa nur durch ausgedehnte Fabrikgebäude und ragende Schornsteine sondern auch und besonders durch den neuen Werkkanal von rund 1,5 km Länge, der mit der Regnitz eine Flußinsel schuf, auf der sich die Fabrik ausdehnte. Dadurch verlor Gaustadt die unmittelbare Verbindung mit dem Flußufer. Aber damit schnitt man ihm auch die Möglichkeit, sich nach Osten auf die Talebene hinaus auszudehnen, für immer ab.

Das alte Gaustadt selbst liegt auf der Niederterrasse des Flusses dort, wo sich in der flachen Talmulde zu beiden Seiten der von Südwesten her rinnenden zwei Wasserläufe, des sog. Langen Bächleins und des Rudelbaches, ein Dorf mit Ansätzen zu Seitenstraßen bilden konnte, die sich in jüngsterZeit schon weit gegen Süden verlängerten. Die Siedlung bildet ein Glied in der Kette der in fast regelmäßigen Abständen von durchschnittlich zwei Kilometern voneinander entfernten Orten zwischen dem Ufer des Mains und den letzten Höhen des Steigerwaldes von Eltmann bis Bamberg. Diese südliche Siedlungsreihe setzt sich zwar westlich Eltmann mit Limbach, Sand, Knetzgau, Wonfurt usw. fort; es erscheint aber doch auffallend, daß sich die Straße Schweinfurt, Hassfurt, Zeil in Ebelsbach gabelt. Es sieht ganz so aus, als ob dieser Straßenzug von Schweinfurt aus einst auf dem nördlichen Mainufer über Stettfeld, Staffelbach, Haid und Dörfleins auf den alten Königshof Hallstadt zulief, wo er sich, nach Norden ins Maintal, nach Osten auf das Gebirge contra Bocmiam und nach Süden ins Regnitztal wendend, teilte. Als aber seit der Gründung des Bistums Bamberg Burg und Ort Babenberg das wohl schon an Bedeutung gesunkene Hallstadt in den Hintergrund drängte das sichtbare Zeichen bildet die Schenkung des alten Königshofes an die neue Domkirche Babenberg, da verlor auch der nördliche Straßenzug im Maintal an Wichtigkeit und der Personen und Warenverkehr bevorzugte nunmehr die kürzere südliche Strecke über Eltmann, Eschenbach, Dippach, Roßstadt, Trunstadt, Viereth, Bischberg und Gaustadt nach Bamberg. Über das Alter der genannten Orte vermögen uns mit der nötigen Vorsicht bei der Beurteilung die Namen Aufschluß geben. Bei Gaustadt wurde schon der Einfluß der Talmulde des Langen Baches, d. h. die Öffnung gegen den Steigerwald hervorgehoben. Dem entspricht ganz die Beobachtung, daß eine Reihe von Orten nach diesen meist kurzen Bächen benannt ist: Limbach, Dippach; dazu dürfen wir noch Viereth, das Vieh Ried mit dem Viehbach rechnen. Zu diesen als alte Gründungen zu wertenden Orten treten die drei Stadt oder besser Stätte Namen, die abgesehen von Hallstadt, südlich des Mains liegen: Roßstadt, Trunstadt und Gaustadt. Die drei ersten Orte sind einwandfrei nach Personen benannt: Halag, Rati, Truont. Ähnlich wird es sich mit Gaustadt verhalten. Die ältesten bezeugten Formen lauten G u h s t a t , daneben später Gustat.. Als ursprüngliche Namensform ist danach Guhstat anzusetzen. Das schließt mit Sicherheit die übliche Deutung "zur Stätte im Gau" aus.

Nadi Professor E. Schwarz Erlangen geht der Name auf eine Form "Gunthochstat" zurück, dessen -n- vor -th- geschwunden ist, was eine thüringische Eigenart darstelle. Jm Bamberger Raum muß es so gewesen sein, daß die alte dünne Schicht von Thüringern in der Zeit des Landesausbaus durch "Ostfranken“ aus westlicheren Gegenden überdeckt worden ist, so daß man nur Restformen der älteren Aussprache in alten Ortsnamen erwarten darf. Diese auf sprachlichen Erwägungen beruhende Erklärung setzt ein hohes Alter des Ortes Gaustadt voraus. Da das Reich der Thüringer 531 dem Angriff der vereinigten Franken und Sachsen erlag, darf man annehmen, daß um 500 schon der Ort Gaustadt bestand. Es ist auffallend, wie immer wieder solche der ältesten Form Guhstat entsprechende Schreibungen auftauchen, die vielleicht auch der Aussprache nahekommen, z. B. 1498 Contz Amlung, Hirt zu Gauchstat, in Michelsberger Akten, Gauchstadt im Zinsbuch des Elisabethen Spitals von 1483 1549 oder genau so in den Matrikeln der Oberen Pfarre zu Bamberg des 17. Jahrhunderts.