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Kriege, Nöte und Krankheiten

Gaustadt hat in der Verbundenheit mit seiner engeren und weiteren Umgebung und schließlich mit dem Frankenland auch deren Nöte aller Zeiten durchleben müssen; freilich kennen wir sie bei dem Mangel der Überlieferung nur zum geringsten Teile.

Unsere bisherige Betrachtung ergab, dass in Gaustadt niemals ein bäuerlicher Reichtum zu finden war, Die Inhaber der beiden größten Höfe, des Abts und des Kellereihofes, waren wohlhabend nur im Verhältnis zu den vielen Kleinbauern und wenigen Handwerkern. Aber sie konnten immerhin in ruhiger Sicherheit leben, das Kloster vor allem erwies sich als ein milder Herr und so konnten und durften sich die Pfleger des Spitals nicht anders verhalten.

In der Einleitung zum Lehenswesen war auf die Folgen der adeligen Misswirtschaft des Klosters Michelsberg hingewiesen worden. Sie erreichte mit dem Abte Johann aus der ritterlichen Familie Fuchs Höhepunkte und beschämendes Ende. Er und die aus dem Kloster entwichenen Mönche suchten und fanden Hilfe zunächst bei der großen Sippe der Fuchs und schließlich beim ganzen fränkischen Adel. Noch lange nach den 1450 erfolgten Tode des abgesetzten Abtes führte Heinz Fuchs, auf der Wallburg bei Eltmana gesessen, seine Fehde gegen das Kloster fort. Noch 1466 wird in der Angelegenheit des inzwischen mit dem Kirchenbann belegten Heinz Fuchs verhandelt. Dieser hatte den entlaufenen Mönchen verhältnismäßig viel Geld vorgestreckt, das zu bezahlen das Kloster sich weigerte.

Wenn er es aber nicht einbüßen wollte, konnte er sich nur an den unschuldigen Klosteruntertanen schadlos halten. Dafür kamen natürlich die Eltmann zunächst gelegenen Klosterorte Trosdorf, Viereth, Bischberg und Gaustadt in Betracht.

Darauf bezieht sich Cunz Lengenfelder 1. J. 1500, wenn er sagt, er "gedenke ungefehrlich bei 30 Jahren, do war in des Fuchs Krieg Kilian Volkers Stadel angebrannt".

Legt man zu den 30 Jahren noch einige hinzu, dann kommt man in die 1460er Jahre. Volker hatte Gr.Nr. 21 inne. Vom Anwesen Gr.Nr, 9 heißt es 1471, dass es in vergangenen Kriegsläuften verbrannt und verwüstet worden und letztlich lange Zeit unbebaut gewest und noch sei". Und bei Gr.Nr. 11 waren die Zinsen 1490 liegen geblieben, d. h. es waren keine gezahlt worden; es hatte "sich der (Zinsen) niemand wollen annehmen" d. h. niemand wollte das Anwesen und die rückständigen Zinsen übernehmen .

Diese drei aneinander grenzenden Höfe, Gr.Nr. 10 war erst um 1550 abgetrennt worden, waren also in diesem Fuchsischen "Krieg" zu Grunde gegangen. Größer erwiesen sich natürlich die Zerstörungen des 30jährigen Krieges. 1635 heißt es vom Kellereihof, er sei im schwedischen Unwesen unvererbt d. h. ohne Erben, ohne Besitzer gewesen und jast gar verellert worden".

Unter Ellern verstand man unfruchtbares Land, das wüst liegt. Gr.Nr. 15 verkaufte die Klosterkanzlei 1650 an Els Grünwald um ganze fünf Gulden. Dies Anwesen war also auch herrenlos geworden. 1645 übernahm Georg Stirner Gr.Nr. 20 um die rückständigen Zinsen vom Kloster. Das Nachbarhaus Gr.Nr. 21, dessen Stadel schon um 1470 abgebrannt war, schenkte das Kloster 1638 dem Georg Blümlein, "weil es sonst einfallen wollen". Dabei war es 1622 um 180 Gulden erkauft worden, so war es heruntergekommen. Von den spitälischen Häusern war Gr.Nr. 16 1648 "zu Grund gegangen und eine bloße Hofstatt" d. h. ohne Haus. Nicht viel anders stand es mit Gr.Nr. 51; diese Hofstatt oder Hofreit, die viele Jahre öd gewesen war, schenkte das Spital 1686 dem Georg Prechtlein zu Bischberg. Seit 1639 war davon kein Zins gezahlt worden ". Gr.Nr. 61 lag 1642 "allbereit 12 oder 13 Jahre öth, wüst und von des Stürmers Erben ganz in Abwesen kommen und beliegen blieben". Wie anderswo kam es auch in Gaustadt dem Kloster und Spital darauf an, zunächst wieder Leute zu finden, die diese Anwesen wieder übernahmen, in Stand setzten und die Abgaben entrichteten.

Feinde kamen erst wieder im Siebenjährigen Krieg nach Gaustadt, als die Preußen ihre Raubzüge nach Franken unternahmen. Dabei blieb auch das Dorf nicht ungeschoren. Einzelheiten lernen wir nicht kennen, aber die Gemeinde kam 1759 in Schulden, weil sie Geld aufnehmen musste, um z. B. Joh. Stierlein für seine ihm weggenommenen Paar Ochsen mit 70 Gulden zu entschädigen. Später half der Gemeinde der Hofrat Lorber von Störchen mit 300 Gulden aus.

Dazwischen gab es militärische Durchzüge und Einquartierungen, die immer eine drückende Last bedeuteten. So waren während des Spanischen Erbfolgekrieges 1713 Preußen in Gaustadt einquartiert. Der preußische Obristleutnant wohnte beim Nikolaus Resch im Unteren Wirtshaus und musste dort auch verpflegt werden. Diese Einquartierungskosten wurden auf alle Dorfgenossen gleichmäßig verteilt, man zog sogar die Weipelsdorfer dazu heran ". Ganz schlimm wurde es, als seit 1796 die Franzosen ins Land kamen. Als der General Jourdan sich 1796 vor dem Erzherzog Karl zurückziehen musste, hatten kaiserliche Truppen ihr Lager offenbar auf der Heeg aufgeschlagen; denn der Hirte beschwerte sich, dass er nicht austreiben könne. Es kamen zahlreiche Klagen wegen entwendeten Holzes, wegen der Verpflegung z. B. Branntwein, wegen Wägen und Vorspannvieh, die die Soldaten begleiten mussten und nicht mehr zurück kamen ".

Die Gemeinde zeigte damals dem Kloster an, wie durch die "unausgesetzte Erpressung der im Land befindlichen französischen Truppen, wogegen keine Hilfe gestattet sei", die Gemeinde keine Zahlungsmittel mehr habe, um die täglichen Kleider und Magazins Requisitions-Lieferungen zu berichtigen.` Gaustadt schlug ja damals, wie schon berichtet, seinen letzten größeren Waldbestand ab.

Kriegszeiten bringen immer Not, Hunger und Angst mit sich. Als 1553 der wilde Markgraf Albrecht Alchlades von Bayreuth die Stadt Bamberg besetzt hatte, vergrub der furchtsame Endres Bleidner von Gaustadt seine beste Habe, die ihm trotzdem zum Teil gestohlen wurde. Er hatte wohl beim Vergraben nicht die nötige Vorsicht walten lassen. Nach Looshorn herrschte schon 1571 im Lande große Teuerung. Das Kloster klagte, das es 1576 schon seit einer Reihe von Jahren aus mehreren Dörfern wie Trosdorf, Hallstadt, Dörfleins, Ebensfeld keine Zahlungen erhaIten habe, Heinz Stürmer war damals schon sieben Jahre seine Abgaben schuldig geblieben. Er entschuldigte sich, er könne "wegen der geschwinden Teuerung" nicht zahlen". Wir hörten schon, dass "in Ansehung dieser itzt (1622) schwebenden hohen und teueren Zeiten" den Knechten und Mägden des Spitals die Löhne aufgebessert wurden. Zur gleichen Zeit 1623 hatte Mathes Stürmer von Gaustadt ein Haus bei St. Jakob gekauft, hat sich aber, "dieweil das Geld so hoch (!) gefallen ist, barer Zahlung beschwert," d. h. er brachte wegen der Teuerung das bare Geld nicht mehr auf. Und der Gaustadter Hans Löhr hatte Weihnachten 1621 hundert Gulden aufgenommen und 1623 mit "schlechtem Geld" zurückgezahlt. Der Schuldner wehrte sich dagegen.

Das sind Erscheinungen, die wir ja zur Genüge kennen. In den Kriegen treten immer auch Krankheiten und Seuchen auf. Aus älterer Zeit fehlen uns darüber Zeugnisse. Aber seit 1600, mit dem Beginn der Pfarrmatrikeln zu U. L. Frau in Bamberg können wir die Epidemien in den Verzeichnissen der Verstorbenen verfolgen. Schon 1603, also vor dem 30jährigen Krieg, starb z. B. in Gaustadt der Pangratz Hemmer, seine Frau und seine Kinder innerhalb von acht Tagen nacheinander "an der abscheulichen Krankheit der Pest . Martinet berichtet ausführlich nach den Gemeinderechnungen über die 1630 auch in Gaustadt wütende "Pest".

Solche Epidemien traten noch mehrmals in unserer Heimat auf; damals nannte man sie Pest. Sie mögen ihren Charakter und ihren Namen im Laufe der Zeit geändert haben, heute wenigstens haben sie bei uns ihren Schrecken verloren. Dafür erlebt die Menschheit in unseren Tagen andere Formen körperlicher und seelischer Bedrängnis und Nöte. Die Menschheit erkauft den sog. Fortschritt auf jeden Gebieten nur durch entsprechende Opfer; beides hält sich die Waage.