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Kloster Michelsberg und Gaustadt

Die Geschichte d. h. die Entwicklung des Dorfes Gaustadt hängt aufs engste mit dem Schicksal des Klosters Michelsberg zusammen. Das zeigt sich am deutlichsten in der Besitzverteilung des Ortes. Bei der Säkularisation waren von den Wohnstätten Gaustadts 36 dem Kloster und nur acht dem Elisabethen Spital in Bamberg untertan; ein Hof gehörte der Domvikarie St. Johannis et Pauli. Von diesem Hof wissen wir bestimmt, daß er aus Michelsberger Besitz stammt. Die Lage der spitälischen Güter macht es wahrscheinlich; von den inmitten des Dorfes gelegenen zwei Höfen behauptet die klösterliche Herkunft sogar noch ein Michelsberger Zinsbuch. Freier oder eigener Besitz war daneben schon seit lan-ger Zeit nicht mehr vorhanden. Das Kloster übte unangefochten die sog. Dorfherrschaft aus, die ihm niemals von irgendeiner Seite, man kann bedauernd sagen, leider! im ganzen oder im einzelnen streitig gemacht wurde, so daß etwaige meist aufschlußreiche Prozeßakten gänzlich mangeln.

Zu Beginn seiner Arbeit über "Die ehemalige Benedictiner Abtei Michelsberg" schreibt A. Lahner: "Neu gegründet hat Kaiser Heinrich II. kein Kloster als dasjenige, dessen Geschichte wir zu schreiben beginnen" , d. h. eben kein anderes als den Michelsberg. Damit setzte Lahner als Michelsberger Hausgeistlicher getreulich die klösterliche Überlieferung fort, die als erster der Michelsberger Mönch und Geschichtsschreiber Frutolf um 1100 uns berichtet. Wir wissen aber heute mit Sicherheit, daß das Kloster auf eine Schenkung des ersten Bamberger Bischofs Eberhard zurückgeht, nach E. v. Guttenberg wahrscheinlich 1015 . Die Gründungsurkunde ist nicht mehr vorhanden; das ist verständlich, hätte sie doch die Behauptung der kaiserlichen Gründung unzweideutig widerlegt. Gewiß stammen die 14 wertvollen Güter, die in der zu Frank-furt ausgestellten Urkunde vom 8. Mai 1017 genannt werden, aus dem Besitz des Kaisers. Dieser aber schenkte sie auf Bitten des Bischofs der Bamberger Kirche und Bischof Eberhard ließ sie durch seinen Vogt dem Kloster aushändigen. Diese Güter liegen z. T. recht weit entfernt, so in den Kreisen Wetzlar, Friedberg, Wiesbaden, Gießen, Mosbach, in Unterfranken bei Ochsenfurt, Schweinfurt und Haßfurt, in Oberfranken einzig Rattelsdorf und Etzelskirchen.

Wenn daneben die gefälschten Urkunden zwar den Besitz von Dörfleins, Ebensfeld, Leiterbach, Elsendorf und Viereth gewährleisten wollen, aber unterlassen, das nächstliegende Gaustadt und das angrenzende Bischberg anzuführen, so geschah das sicherlich nicht ohne Grund.

Zur Aufhellung dieses zunächst unverständlichen Sachverhaltes kann die Grün-dungsgeschichte des Kanonikerstiftes St. Stephan in Bamberg dienen. Auch dieses behauptet, eine kaiserliche Gründung zu sein, zwar nicht des Herrschers selbst, wohl aber seiner Gemahlin Kunigunde. Dabei ist auch diese Kirche eine Stiftung des Bischofs Eberhard.

Die Gründungsurkunde fehlt erwartungsgemäß auch hier, und damit wie beim Michelsberg die Unterlage für die ursprüngliche Ausstattung von St. Stephan. Erst aus dem Jahre 1299 stammt das Diplom mit der Nachricht, "daß sich unter den Schenkungen des Kaiserpaares auch der Wald prope montem, qui peplum dicitur befunden habe" . Da nun E. v. Guttenberg folgert, daß, da Heinrich Il. ja das ganze Praedium 1007 an das Bistum vergabt habe, auch das Peplum S. Cunegundis, das vielgenannte "Hauttuch oder S.Cuneg. Hochzeit Schleyer, später Steph. Mark genannt" ", aus der Hand des Bischofs an das Stift gekommen sein müsse, so läßt sich die Gründung und Ausstattung des Klosters Michelsberg als Gegenstück zu St. Stephan leicht erkennen.

Dieses Peplum erstreckte sich, unmittelbar südlich an die Gebäude des Stifts angrenzend, zwischen Regnitz und der Kaulberger Immunität bis zum Dorfe Bug. Zum Kloster Michelsberg gehörte einst ebenfalls anschließend der ausgedehnte sog. Michelsberger Wald gegen Westen und die Flur bis zur und an der Regnitz entlang mit den darin liegenden Siedlungen Auch dieses Gebiet schloß ja das Praedium von 1007 ein, da dies bis Viereth reichte.

Wenn wir nun die Parallele zu St. Stephan ziehen, dann dürfen wir entsprechend dem dortigen Peplum als erste Ausstattungsgüter die Bischof Eberhard dem Kloster Michelsberg schenkte, den Wald westlich und das Gelände nördlich des Klosters zum mindesten mit Gaustadt, wohl auch mit Bischberg annehmen.

Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft mit dem Kloster mag man dieses, den Wald, Gaustadt und Bischberg als eine Einheit betrachtet und eine besondere Nennung bei der Aufzählung der Güter für überflüssig gehalten haben. Erst spät, im Jahre 1251 finden wir in einer päpstlichen Bestätigungsurkunde unter den Klostergütern bei den Dörfern (villae) auch Gaustadt (Gawstatt) aufgeführt, obwohl es vielleicht schon seit 200 Jahren michelsbergisch war.

Wie sich freilich aus den späteren Besitzveränderungen ergibt, stellte dies Gebiet keinen geschlossenen Eigentumsbereich dar, sondern es umfaßte noch mehrere fremde Streugüter, z. T. bezeichnenderweise als bischöfliche Lehen. Das Bestreben des Klosters ging naturgemäß dahin, seinen Besitz abzurunden und das fremde Eigengut zu erwerben.

Den Wandel in den Besitzverhältnissen z. B. von Gaustadt zwischen Kloster, Spital, Adel, Klerus und Bürgertum könnte man in Anlehnung an Martinets "Innere Geschichte« Gaustadts dessen äußere nennen. Die Erwerbspolitik des Klosters verlief eben nicht geradlinig, sondern wurde durch Mißwirtschaft und Verfall der Klosterdisziplin gehemmt, so daß, wie Lahner sich fast unverständlich gelehrt ausdrückt, die "Dilapidation des Besitzes zunahm". Er meint damit nichts anderes als den Verlust, wohl auch die Verschleuderung der Klostergüter.