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Die katholische Pfarrei

Wenn zum Schluss die kirchlichen Verhältnisse behandelt werden, so bedeutet das nicht etwa eine Verkennung oder Unterschätzung des Einflusses der Kirche, ihrer Vertreter und Einrichtungen. Die Kirche wirkte damals unvergleichlich mehr als heute durch Gottesdienste, Gebote, Festtage, Prozessionen, Wallfahrten usw. bis in die kleinste Zelle der Gemeinde, die Familie, hinein. im Mittelalter stand sie ebenbürtig neben der weltlichen Macht, man braucht dabei nicht einmal an die Abhängigkeit Gaustadts vom Kloster Michelsberg im Bereich eines geistlichen Fürstentums zu denken. Daran änderte sich auch nicht viel nach der Reformation.

Mit der geistlichen Obrigkeit ist in diesem Zusammenhang nicht etwa der Abt und die Verwaltung des Klosters zu verstehen, sondern die Pfarrzugehörigkeit. Hier gilt es ein grundlegendes Missverständnis zu beseitigen. Obwohl Martinet schon 1845 richtig schreibt: "Soweit die Nachrichten hinauf reichen, gehörte Gaustadt mit dem Biegenhofe nebst dem Gumpertsbrunnen zur Pfarrei U. L. Frau in Bamberg". Der Gumpertsbrunnen freilich gehörte bis 1884 zur Immunität bzw. zur Dompfarrei. Trotzdem findet sich bei Lahner (1889) die unrichtige Angabe "Vor dem Schwedenkrieg pfarrte das Dorf in die Bartholomäuskapelle des Klosters mit den Klosterimmunitäten, mit welchen sie ein Corpus konstituierten; später kamen sie zur Oberen Pfarre. Der Nebensatz mit den beiden Fremdwörtern soll besagen, dass die Angehörigen der Kloster Immunität (Klosterbezirk) und Gaustadt ein Ganzes ausmachten. Für Lahner war die Quelle der "Gründliche Zusammenhang aller . . . Rechten und Gerechtigkeiten . . . der Abtei St. Michelsberg OSB.", eine doppelbändige, weitschweifige Zusammenstellung von Carl Philipp Löven J. U. L., hochfürstlichem Bamberger Hofrat und des Klosters Syndico aus dem Jahre 1748 '. Aber der Herr Hofrat irrte. Gaustadt gehörte nie zur Klosterimmunität weder verwaltungsmäßig noch kirchlich, sondern wurde von jeher wenigstens seit Gründung des Bistums von der Oberen Pfarre betreut. Es lag ja innerhalb jenes Herrschaftsgebietes, das Otto II. 973 dem Vater Kaiser Heinrichs II. geschenkt hatte und das in seiner östlichen Hälfte jene Pfarrei bildete. Wir wissen, dass 1340 Kungund Meurin fünf Unzen und 1360 Heinrich Schwertfeg vier Unzen Bamberger Münze als jährliche Abgabe an den Bau der Oberen Pfarrei zu Bamberg stifteten . Das mag kein zwingender Beweis für die Zugehörigkeit Gaustadts zu dieser Pfarrei sein, aber die Schenkungen beweisen zum mindesten das eine, dass man in Gaustadt die Förderung der damals im Bau befindlichen Kirche wünschte. Aber lange vor Lövens "Tempora suecica", Lahners Schwedenkrieg, sagte Michel Tewerlein 1499, "im winter sei uf unser Lieben Frawen kirchhof . . . Jorg Hartmann zu ihm komen".

Hier ist anzunehmen, dass der Gaustadter Tewerlein seine Pfarrkirche besuchte; denn gerade im Winter macht niemand den weiten Weg ohne Grund zum Kaulberg. im Jahre 1505 fand das Leichenbegängnis "Fritzen Craften Hofmanns Sohn" zu U. L. Frau statt". Da ist das erste klare Zeugnis für die Zugehörigkeit Gaustadts zur Oberen Pfarre. Denn wenn ein Gaustadter auf dem Friedhof der Oberen Pfarre beerdigt wird, dann gehört eben Gaustadt zu dieser Pfarrei. Und am 8. März 1599 befiehlt die Klosterkanzlei: Hansen Stürmers zu Gaustadt Weib und dann Margreth Stürmerin Wittib sollen auf künftilgen Samstag "in der pfahr alhie" (Oberen Pfarre zu Bamberg) beichten und folgenden Sonntag communizieren, auch davon zur Kanzlei einen Schein (Zeugnis, Bescheinigung) von ihrem Beichtvater bringen. Das ist ein schlagender Beweis für die Zugehörigkeit Gaustadts zur Oberen Pfarre, weil man damals in seiner Pfarrkirche die österliche Beichte abzulegen hatte.

Im Real Schematismus der Erzdiözese Bamberg (1, 314) steht als neueste Erkenntnis: 1520 (Gaustadt) zu Bischberg, später zur Oberen Pfarre in Bamberg gehörig, 1806 der Pfarrei Bischberg wieder zugewiesen", aber trotzdem unrichtig.

Dieses unmögliche Jahr 1520 beruht auf dem Verzeichnis der Wohltäter des Bamberger Karmelitenklosters, des sog. Terminationsregisters in der Staatsbibliothek Bamberg. Heinrich Weber hat die Handschrift im 56. Bericht des Historischen Vereins Bamberg für seine Arbeit "Das Bisthum und Erzbisthum Bamberg usw." 1895, man muss sagen, leider, verwertet. In der Einführung zu dessen XI. Abschnitt bemerkt er selbst vorsichtig: Es ist zwar nirgends gesagt, dass die Ecclesiae (Kirchen) von den voranstehenden Parochiae (Pfarreien) abhängig sind; aber die Vergleichung mit der Geschichte der einzelnen Pfarreien beweist, dass mit wenigen Ausnahmen der Pfarrverband eingehalten ist.

Gerade die Parochia Byschoffsperg gehört aber zu diesen Ausnahmen. Mit Recht erweckte sie schon bei Weber Bedenken, die er in einer Fußnote begründete. Er wusste eben, dass Bischberg einst zur Oberpfarrei Walsdorf gehörte, von der sich dieser Ort, wie in der Geschichte von Bischberg nachzulesen ist, infolge der Reformation um 1594 löste, also um 1520 keinesfalls eine selbständige Pfarrei sein konnte. Bei Weber sieht die Stelle so aus:

Parochla Byschoffsperg. Gaustat. Rodhof. Pygenhof. Weypelsdorf. Drossdorf.

Daran ist nicht nur Parochia und Gaustat unrichtig, sondern auch Biegenhof, das zusammen mit Gaustadt zur Oberen Pfarre in Bamberg gehörte.

Beim unbefangenen Lesen und einiger Kenntnis der einschlägigen Pfarreien ergibt sich die keineswegs überraschende Tatsache, dass der terminierende Karmelitenbruder die Orte in der Reihenfolge seiner Sammlertätigkeit aufzeichnete und das bescheidene Kirchlein in Bischberg zu einer Pfarrkirche erhob. Diesem Verfahren entsprechend fehlen denn auch bei Walsdorf die dazu gehörigen Orte Bischberg, Weipelsdorf und Trosdorf.

Damit entfällt jede Beweiskraft für die Behauptung, Gaustadt habe vor 1520 zur "Pfarrei" Bischberg gehört.

Dem Wesen nach älter ist der Beweis aus den Zehnten, die die Obere Pfarre von Gaustadt bezog. Nach Martinet waren es 1792 an die 22 Sümra Weizen, 48 Sümra Korn, 54 Sümra Gersten, 53 Sümra Haber und 16 Gulden für den Heuzehnt. Martinet gesteht, dass er nicht wisse, wie und wann die Pfarrei zu diesen Zehnten gekommen sei; dabei stellt doch dieser Zehnt nichts anderes dar, als die überall vorkommende Abgabe, den Kirchenzehnt, den die Gläubigen an ihre Pfarrei zu leisten hatten. Er ruhte gewöhnlich auf Grund und Boden; ihn wollten die rebellischen Bauern 1525 als "rechten Zehnt", als Getreidezehnt, "auferlegt im Alten Testament und im Neuen vollkommen erfüllt" gern geben. Der Kirchenzehnt fehlt bezeichnenderweise teilweise im Junggereuth und fast vollständig in den Rodungen des Bauernholzes und Bärenlochs, dagegen nicht auf den Ackern der alten Flur. Martinet vermag auch aus den Gemeinderechnungen viele Einzelheiten aus dem kirchlichen Bereich zu bringen, die Quellen des Klosters und des Spitals sind dagegen sehr wenig ergiebig, Immerhin bieten sie manche Ergänzung. So schreibt Martinet mit sichtlicher Befriedigung, dass alle Leute in Gaustadt von jeher Katholiken waren, "ohne dass das Luthertum nur im geringsten in der Gemeinde eine Seele vom wahren Glauben hätte abfallen gemacht" So schlecht sich hier sein Deutsch liest, ebenso schlecht steht es um die Richtigkeit seiner Behauptung: Am 11. Mai 1602 wurde verfügt: jeter Jeger, Anna und Barbara Weltz Geschwister, Kungund Pöltzin, Michael Poltz, Hans Rapp (Rab) und sein Weib, Georg und Hans Gößwein Gebrüder, Hansen Deubers Frau und Tochter, alle um den Michelsberg, sind darum, dass sie über (trotz) geschehenen Ermahnens und Gebietens sich auf nächste österliche Zeit mit der christlichen Beicht und heiligen Kommunion nit eingestellt, in die Eulen gelegt worden, haben aber versprochen, sich zwischen hier und künftige Pfingsten (26. Mal) einzustellen". Von den genannten wohnten die ersten sieben Personen in Gaustadt. 1625 hatten zwei Michelsberger Förster, die als Büttel dienen mussten, den aus dem Coburgischen stammenden Webergesellen Jakob Resch vor den Klostervogt geführt, weil er mit dem Pangratz Blümlein am zweiten Pfingstfeiertag "Glaubenssadien halber in die Putation (Meinungsverschiedenheit) geraten sei."

Dabei habe Blümlein den Resch nicht. allein "einen lutherischen Buben" sondern auch einen "Geißmacher" (?) gescholten, sei aber von Resch an seiner linken Hand so sehr verletzt worden, dass er den Bader zu St. Jakob aufsuchen musste. Mehr als diese zwei Zeugnisse für das Eindringen reformatorischer Gedanken in Gaustadt waren zwar nicht zu finden, aber bekanntermaßen erscheint nicht alles in actis, quae sunt in mundo; wenn z. B. Resch auf die Beleidigung Blümleins nicht mit dem Messer geantwortet hätte, dann wüssten wir eben von seiner abweichenden religiösen Überzeugung nichts.

In der ersten noch von Martinet eingesehenen Gemeinderechnung vom Jahre 1623 steht, dass Friedrich Kautler und Pankraz Fischer "wegen der Kinderlehre" zwei Pfund Strafe zahlen mussten, d. h. deswegen, weil sie ihre Kinder nicht in die Christenlehre geschickt hatten. Im Jahre 1724 beklagte sich der Alumnus H. Hornung darüber, dass zu Gaustadt die Eltern ihre Kinder nicht zur Christenlehre schickten. Darauf folgte der Erlaß: Wer ohne erhebliche Ursache die Christenlehre versäume, werde bestraft. Der Schultheiß habe durch den Schulmeister nächstkünftigen Sonntag aufschreiben zu lassen, welche Kinder fehlten, und danach die Strafe zu exequieren (einzuheben). Es war gewiss nicht glücklich, diesen Religionsunterricht nicht durch die Pfarrgeistlichkeit, sondern durch einen Alumnus abhalten zu lassen. Das förderte wohl nicht die Disziplin, und der Weg zur Oberen Pfarre war auch für die Erwachsenen recht weit und je nach der Witterung beschwerlich.

So war es durchaus begreiflich, dass der Bischberger Pfarrer Gallus Sauer, wie Martinet berichtet 1784 der geistlichen Regierung vorschlug, die Gemeinde Gaustadt seiner Pfarrei zuzutellen. Dies aber hatte zur Folge, dass auf Ansuchen des Pfarrverwesers A. A. Schellenberger von der Oberen Pfarre und des Michelsberger Kanzleidirektors sich die Gemeinde in der Wohnung des Schultheißen Franz Weltz versammelte. Es waren 17 Gemeindemitglieder gekommen; das waren noch nicht die Hälfte der 45 Leheninhaber. Man eröffnete diesen, dass laut eines von dem Herrn Pfarrer zu Bischberg an seine hochfürstlichen Gnaden unmittelbar erstatteten Berichts einige unbenannte Gemeindegenossen wünschten, der Pfarrei Bischberg wegen verschiedener bewegender Ursachen einverleibt zu werden. Man darf wohl in den Nichterschienenen die Unbenannten vermuten, die mit der bisherigen Regelung Unzufriedenen.

Der Ausschuss, wie man die siebzehn nannte, möge sich erklären, ob er sich den Antrag zu eigen machen wolle. Diese konnten antworten, dass sie sich mit den übrigen Gemeindegenossen darüber schon vorläufig beredet hätten. Sie betonen, sie hätten gegen ihre löbliche Pfarrei B. M. V. in Bamberg nie die geringste Klage vorzubringen gehabt.

Es wären ihnen bisher die heiligen Sakramente in jeglichem Notfall mit größter Sorgfalt gereicht worden.

Solange sie dächten, sei kein einziger Einwohner Gaustadts ohne vorherige Beicht und Empfang deren einem Sterbenden notwendigen heiligen Geheimnisse aus der Zeitlichkeit gangen. Die Jugend sei auch bis von Resch an seiner linken Hand so sehr verletzt worden, dass er den Bader zu St. Jakob aufsuchen musste. Mehr als diese zwei Zeugnisse für das Eindringen reformatorischer Gedanken in Gaustadt waren zwar nicht zu finden, aber bekanntermaßen erscheint nicht alles in actis, quae sunt in mundo; wenn z. B. Resch auf die Beleidigung Blümleins nicht mit dem Messer geantwortet hätte, dann wüssten wir eben von seiner abweichenden religiösen Überzeugung nichts.

Sie betonen, sie hätten gegen ihre löbliche Pfarrei B. M. V. in Bamberg nie die geringste Klage vorzubringen gehabt. Es wären ihnen bisher die heiligen Sakramente in jeglichem Notfall mit größter Sorgfalt gereicht worden.

Solange sie dächten, sei kein einziger Einwohner Gaustadts ohne vorherige Beicht und Empfang deren einem Sterbenden notwendigen heiligen Geheimnisse aus der Zeitlichkeit gangen. Die Jugend sei auch bisher sowohl im Christentum als im Lesen und Schreiben wohl unterrichtet worden und darum fänden sie auch keine Ursache, sich von ihrer Pfarrkirche trennen zu wollen. Dagegen erhofften sie auch, dass der Herr Pfarrverweser gegen sie keine sonderliche Klage erhebe, anerwogen (zumal) sie ihren geistlichen Herren Vorstehern in jeglichem Fall den gebührenden Gehorsam, Respekt und Liebe erzeigt hätten. Bei solchem "Bewandtsamen" stellen sie den bittlichen Antrag, dass es künftig bei dem alten Herkommen belassen werde.

Martinet weiß zum Antrag des Bischberger Pfarrers nur zu sagen: "Allein der Antrag blieb ohne Erfolg". Er hätte auch hinzufügen können: Leider siegte das aus der Vergangenheit überkommene Recht über die augenscheinliche Forderung der Gegenwart. Immerhin zeigte sich, dass in der Gemeinde bezüglich einer neuen Pfarreinteilung Gegensätze vorhanden waren.

Über den Gottesdienst in alter Zeit war fast nur aus den kargen Angaben der Gemeinderechnungen einzelnes zu erfahren. Wenn Martinet schreibt, "dass am Tage des Flurumgangs und zugleich der Kirchweihe eine Messe gelesen werden durfte", dann ist zu berichtigen, dass Flurgang und Kirchweih im allgemeinen nicht zusammenfielen. Der erstere wurde zusammen mit der Pfarrei Bischberg am 2. Pfingstfelertag abgehalten, die Kirchweihe dageg en feierte man zusammen mit der Oberen Pfarre am dritten Sonntag im Mai. Martinet berichtet, dass 1693 zum erstenmal die Kirchweihen genannt werde, "welche immer für das Dorf am 2. Pfingsttage abgehalten worden". Das ist zwar nicht richtig, aber im Jahre 1693 hatte sich der ganz seltene Fall ergeben, dass der zweite Sonntag im Mai die Kirchweihe zusammenfiel mit dem ersten Pfingsttag.

Den Flurgang oder, wie er in der ältesten Zeit genannt wurde, den Flurritt begingen die Gaustadter, wie schon oben erwähnt, mit der Pfarrei Bischberg. Vielleicht ist dieser Umstand der Grund dafür, dass man Gaustadt in ältester Zeit der Pfarrei Bischberg zuschrieb. Der leicht einzusehende Grund liegt einzig in der weiten Entfernung von der Oberen Pfarre und der Nähe Bischbergs. Der Flurgang bewegte sich von Bischberg über Gaustadt, Weipelsdorf nach Trosdorf und wieder zurück nach Bischberg. Die Gemeinderechnungen führen die Ausgaben für die Flurreiter auf, auch für das Pulver, das dabei verschossen wurde..

1630 empfing der Bischberger Pfarrer, der den Flurritt besorgte, zur Verehrung an Geld 2 Pfund 7 Pfennig (ungefähr 1/2 Gulden), 8 Pfund 3 Pfennige gab man sonst an Wein und Brot aus. 1683 hatten sich drei Geistliche am Flurritt beteiligt, 1710 begleiteten zwei Kapläne der Oberen Pfarre den Pfarrer von Bischberg dabei.

Die Gaustadter hatten in ihr Gemeindesiegel den heiligen Sebastian gesetzt. Als Pestheiliger fand er hier besondere Verehrung. Nicht nur die sog. Pestmarter an der Kapelle erinnert noch heute daran. In frühester Zeit schon war der Sebastianstag in Gaustadt Feiertag. 1630 herrschte im Land eine pestartige Krankheit. 3 Gulden 2 Pfund gab man "für Büchslein aus, welche aus der Apotheke geholt und in der Gemeinde verteilt" wurden. Pankraz Pöpplein, Kaplan der Oberen Pfarre, führte 1631 an Sebastlani die Gemeinde hinauf zur Oberen Pfarre. Dieser Kaplan hatte sich in dieser schweren Zeit so um die Gemeinde verdient gemacht, dass diese ihm sechs Reichstaler ( 7 1/2 Gulden) verehrte. Nachdem 1729 wiederum eine schädliche Viehseuche das Dorf heimsuchte, versprach man in der Oktav von Sebastiani eine Andacht zu halten. Die Gemeinde besaß auch eine Statue, ein Bildnis, wie es heißt. 1687 erhielten "vier Junggesellen, welche den heiligen Sebastian trugen", 2 Pfund. 1689 gab man den Junggesellen für Trunk und Brot 3 Pfund 15 Pfennige für zwei Kümmelstollen. Im gleichen Jahr kaufte man einen Kranz für die Statue St. Sebastians. Diese Ausgabe kehrt öfters wieder. Das Geld erhielt ein "Schmekkenmacher". Schmecken bedeutete früher auch duften, riechen; der Schmekkenmacher ist also der Mann, der duftende Kränze herstellt. Im Anschluss an die Prozession fand in der Oberen Pfarre ein Gottesdienst statt: 6 Pfund erhielten die beiden Taglöhner und Kirchendiener, das Fest des heiligen Sebastian dort zu feiern . Heute noch bewahrt diese Kirche eine Statue des Heiligen auf. Sehr spät taucht die Verehrung des heiligen Wendelin, des Beschützers des Viechs, auf: Am 22. Oktober 1792 ließ man eine heilige Messe lesen, 1798 ein Amt halten ".

Zu einer Prozession gehören Kreuz und Fahnen. 1686 werden Fahnenträger genannt. Die Statue des Heiligen musste 1749 "erneuert" werden, 1781 besserte man die Statue wieder aus, 1783 vergoldete man den "Schein" am Bilde des h. Sebastian. 1774 haben die Rechnungen Ausgaben für ein Gehäuse zur Muttergottes. 1 Gulden 6 Kreuzer gibt man den Muttergottesträgerinnen und der Schneiderin zu Bamberg. Die Figur war anscheinend bekleidet, wie es damals üblich war. 1769 werden Andachten erwähnt an den Samstagen, in der Oktav St. Sebastiani, in der Fastenzeit und im Mai.

Es erhebt sich schließlich die Frage nach dem Ort dieser gottesdienstlichen Handlungen. Da die Gemeinderechnungen, die Martinet noch benützen konnte, heute verloren sind, müssen wir uns auf die Angaben Martinets verlassen.

Nach ihm stand bis 1738 "neben dem Bronnenhause auf der Stelle, wo heutzutage die Kapelle steht, eine kleine Kapelle von Holz zur Ehre des heil. Sebastian laut Gern. Rechnung 1732/33. Zwischen der Brunnenstube und dieser Kapelle befand sich das Bildnis des heil. Sebastian unter freiem Himmel". Dieses Bildnis wurde wahrscheinlich 1731/32 errichtet.

Aus einem Gesuch der Gemeinde von 1736 geht hervor, dass in dieser Kapelle nur der Priester und die Ministranten Platz fanden und auf dem Altar keine brennenden Kerzen wegen des Luftzuges zu erhalten waren. Daher dürfen wir in dieser Kapelle das sehen, was wir heute als Feldkapelle bezeichnen. Wenn sie, wie oben steht, aus Holz bestand, so ist daran zu erinnern, dass z. B. die Fachwerkhäuser des Dorfes als hölzerne Bauten bezeichnet werden. Angesichts dieses unwürdigen Zustandes wandte sich die Gemeinde 1736 an die geistliche Regierung in Bamberg mit der Bitte, diese Kapelle auf 20 Fuß Länge und 15 Fuß Breite erweitern zu dürfen. Die alte Kapelle war nur 10 Fuß lang und 8 Fuß breit. Als das abgeschlagen wurde, wandte sich die Gemeinde an den Dorfherren, den Abt Anselm. Er erlaubte, über das Bildnis des h. Sebastian einen Anbau zu fertigen, worin die Christenlehre und die Betstunden gehalten werden könnten. Trotz Einspruchs der Oberen Pfarre zu Bamberg, der man versprach, ihren Rechten keinen Abbruch zu tun, wurde schließlich 1738 die neue Kapelle vollendet. Martinet kann nach den Gemeinde Rechnungen berichten, dass man aus der Marienkapelle der Wunderburg ein Altärchen kaufte, 1741 eine Sakristei anbaute, auch einen Predigtstuhl erwarb und auf das bescheidene Türmchen eine Glocke hängte.

Nacheinander kamen schließlich Messgewänder, eine Monstranz, ein heiliges Grab, ein Himmel, ein Orgelein und ein zu Zeiten Martinets noch vorhandener h. Sebastian, gefertigt 1776, hinzu. Diese bescheidene Kapelle wurde 1808 durch die heute noch stehende ersetzt. Am 28. April 1808 wurde der Grundstein gelegt. Die umfangreiche Grundstücksurkunde erzählt, dass es dem Regens und Geistlichen Rat Franz Stapf, ehemals Kaplan an der Oberen Pfarre, und dem Subregens Georg Leicht, einem geborenen Gaustadter, vor allem zu verdanken gewesen sei, dass ein Geistlicher des Seminars in Gaustadt den Gottesdienst für die damaligen 302 Seelen halten konnte.

Einhellig beschlossen sämtliche Einwohner, die Kapelle aus eigenen Mitteln herzustellen. Die Ortsvorsteher waren Johann Stierlein und Johann Eidenbach, Schlossermeister, der Kirchenpfleger war Nikolaus Müller, Schuhmachermeister. Am 28. November 1802 besetzen kurbayerische Truppen die Residenzstadt Bamberg. Der damalige Fürstbischof Christoph Franz von Buseck legte am folgenden Tag die weltliche Regierung nieder, er war nunmehr nur noch Bischof seiner Diözese. Die fremden bayerischen Beamten behandelten unser fränkisches Land wie ein erobertes Gebiet. Wir nennen das die Säkularisation mit der Aufhebung der Klöster, der Ausplünderung von Kirchen und Kapellen, Zerstörung von zum Teil wertvollen Kirchen, Beschlagnahme und Verschleuderung von Kunstschätzen und Bibliotheken und der Einmischung in die kirchlichen Belange vom Glockenläuten bis zur Feier des Gottesdienstes. Diese Säkularisation nahm keinerlei Rücksicht auf geschichtliche Entwicklungen. Sie löste Jahrhunderte alte Bindungen und brachte so auch für Gaustadt man kann in diesem Fall sagen erwünschte Veränderungen . Zum ersten wurde die Zugehörigkeit zum aufgelösten Kloster Michelsberg aufgehoben, an ihre Stelle trat das Kurfürstentum, bald Königreich Bayern, zum zweiten nahm man innerhalb der Stadt Bamberg eine Neuordnung der Pfarreien vor. In deren Vollzug beschränkte man die Obere Pfarre auf die Stadt Bamberg mit dem Dorfe Bug. Am 23. Dezember 1805 wurde Gaustadt der Pfarrei Bischberg einverleibt. Die Bewohner Gaustadts hatten nun nach Bischberg wie bisher nach Bamberg für jeden Beichtzettel einen Kreuzer, und beim Sammeln derselben dem Pfarrer eine Mahlzeit zu geben, auch die üblichen Stolgebühren nach Bischberg zu entrichten. Diese Umpfarrung war in der damaligen Unordnung eine begrüßenswerte Entscheidung und Maßnahme.

Es ist für die damaligen Zustände bezeichnend, dass am 4. Februar 1807 die königliche Landesdirektion in Bamberg, also eine weltliche Behörde verfügte oder bewilligte, dass an Sonn und Feiertagen vormittags ein Gottesdienst mit Predigt und einer Messe gegen Vergütung von einem Gulden gehalten werden durfte. Am 23. Februar des gleichen Jahres genehmigte dann das Ordinariat "das gehorsamste Bittgesuch der Gemeinde Gaustadt vom 24. Nov. 1506, dass an Sonn und Feiertagen ein Geistlicher des Priesterseminars den Frühgottesdienst mit Predigt halten und nachmittags den katechetischen Unterricht (die Christenlehre) erteilen werde. An Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am Dankfeste müsse jedoch die Gemeinde dem Gottesdienst in ihrer Pfarrkirche zu Bischberg beiwohnen.

Nach Martinet soll der Hochaltar mit Tabernakel aus dem heutzutage ganz verschwundenen Clarissenkloster Bamberg (nahe dem Schillerplatz) und der Predigtstuhl aus dem aufgehobenen Karmelitenkloster stammen. Die Kapelle wurde durch den Geistlichen Rat Stapf zu Ehren des heiligen Josef, nicht mehr St. Sebastians benediziert. Im Pfarrarchiv Gaustadt liegt eine Beschwerde des Lehrers Paul Weisenberger vom 23. Aug. 1825, aus der hervorgeht, dass bis 1818 ein Geistlicher des Priesterseminars, von da an der Exkonventual von Banz P. Anselm Reusdiel den Gottesdienst versah.

Im gleichen Jahr richtete die Gemeinde an den Erzbischof Bamberg war 1818 Erzbistum geworden die Bitte, einen Tag für die Anbetung in Gaustadt zu bestimmen. Damals wurde der Gemeinde eröffnet, dass man dabei sei überhaupt eine neue Einteilung für die zehnstündige Anbetung zu treffen, so dass jetzt die Bitte nicht erfüllt werden könne. Aber bereits am 14. Juli 1831 teilte das erzbischöfliche Ordinariat dem Bischberger Pfarrer Schmitt mit, dass der Gemeinde Gaustadt der 25. Julius als Anbetungstag bestimmt wurde, "welchen sie ganz von früh sieben Uhr bis nachmittags fünf Uhr dem Gebete widmen kann«.

Der Pfarrer berichtete am 19. Juli 1831 der Gemeinde, wie dieser Anbetungstag gehalten werden soll: Ein viertelstündiges Läuten am Vorabend und früh am Tage, Anfang und Beschluss wie allgemein bekannt; bei letzterem sei "Großer Gott, wir loben Dich« zu singen. Mit der Anbetung sei Beicht und Kommunion zu verbinden, zu jeder Betstunde seien drei Männer zu bestimmen. Diese pfarramtliche Anordnung unterschreiben als empfangen Nik. Reichert, Vorsteher, J. B. Leicht, J. Pfister und Linhard Häfner.

Die neue Kirche

Durch die Gründung der Mechanischen Baumwollenspinnerei und Weberei auf Gaustadter Boden nahm die Bevölkerung des Ortes rasch zu. Als Erzbischof Josef von Schork anlässlich einer Firmung die Menge des Volkes sah, die außerhalb der Kapelle neben der verkehrsreichen Staatsstraße dem Gottesdienste beiwohnte, rief er die Worte des Evangelisten aus: Misereor super turbam d. h. mich erbarmt das Volk. Unter dem Pfarrer Rattler ging man daran, eine größere Kirche zu bauen, indem man 1888 einen Kirchenbauverein gründete. Den Bauvertrag zur neuen Kirche unterschrieben Pfarrer Rattler, Bürgermeister Leicht, Andreas Briesmann, Johann Rädlein, Michael Haßfurter und Johann Knoblach. Den Grundstein legte am 17. Juli 1899 Erzbischof Josef von Schorck. Nach dem Plan und unter Leitung des Architekten Hofbauer stellte die Firma D. Fuchs in Bamberg die Kirche 1902 fertig.

Sie hat eine größte Länge von 58 in, eine Breite von 20,8 in, eine Höhe bis zum First von 20 in, die Höhe des Turms bis zur Kugel beträgt 60,8 in.

Die Mittel zum Bau kamen

1. vom Kirchenbauverein mit jährlich rd. 2 000 M, bis 1908 40 000 M

2. von Staatszuschüssen 31400 M

3. von Kollekten 26193,69 M

4. von zwei Spenden der Fabrik 20000 M

5. von Gaben

a) Mich. Steinheimer 10000 M

b) Ungenannt zur Kanzel 2200 M

c) Sammelstelle Bamberg 4400 M