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Gundloch Hof

Unter den Michelsberger Archivalien finden sich Abschriften einer Urkunde von 1337, nach der Abt Hermann (1324 ) und der Konvent des Klosters "calendis Junii, hoc fuit in vigilia Pentecostes", also am 1. Juni, das war der Samstag vor Pfingsten, dem Bamberger Bürger Gundloch hinter der Münze, seiner Frau Kunegund und ihren Erben ihren Hof auf dem Berg im Dorfe Gaustadt übergeben, dessen lehenrechtliche Übertragung dem Kloster nach altem Recht zusteht. Diesen Hof kaufte Gundloch von Leupold Tockler, Conrad Ehrenreich (Emerich) und seiner Frau.

Katharina, Elizabeth Rebnin und Agnes mit allen Zugehörungen unter der Bedingung, daß der jeweilige Pächter dem Cellarius des Klosters jährlich 38 Pfennige Martini und Walburgis nebst dem halben Zehnt an Vieh und eine Fastnachthenne reiche. Auch bewilligen sie dem Pächter drei Laubrechte (tres libertates frondium), jedesmal wenn durch den Cellarius den andern Bauern diese Rechte angewiesen werden. Dafür soll der Pächter jährlich drei Tage mit seinem Pfluge dienen. Als Zeugen werden genannt Herman und Friedrich Zollner, Heinrich Sambach, Heinrich Libsberger.

Im allgemeinen hat man bei simplen Lehen und Kaufurkunden eines Dorfes kaum Gelegenheit oder besser Ursache, mißtrauisch zu sein und Kritik zu üben. Hier aber drängen sich doch mannigfache Bedenken auf. Vor allem stimmen die Zeitangaben nicht zusammen. Abt Hermann war 1337 längst tot, er starb am 10. April 1334 . Nach obiger Angabe fiel der 1. Juni 1337 auf den Pfingstsamstag, in Wirklichkeit aber auf den Sonntag Exaudi, den Sonntag vor Pfingsten. Die Datumsangabe der Urkunde wäre in diesem Zeitraum nur für 1308 und 1370 richtig; beide Jahre liegen nicht innerhalb der Regierungszeit Abt Hermanns. Aber auch bezüglich der Personen melden sich Zweifel. Manche Personen leben durchaus in dieser Zeit. Es ist aber doch auffällig, daß Heinrich Libsberger, doch wohl der Bamberger Schultheiß von 1335, nach den Zollnern und Sambach in der Zeugenreihe steht. Für Gundloch hinter der Münze scheint das Jahr 1337 reichlich spät zu sein; in den Schöffenlisten findet er sich 1316 zum letztenmal, auffällig wieder um freilich 1331 genau so mit seiner Frau Kunigunde . Die mehrfache Bezeugung schließt indes jeden Zweifel aus. Eine Els Rebnin, Tochter des Fritz Raben, kommt erst 1412 vor. Ein Leupold Tockler lebte um diese Zeit, er wird 1293, 1305 genannt, aber den Conrad Ehrenreich, nach anderer Lesung Emerich, hat es um 1337 in Bamberg kaum gegeben. Falls ein Ermreicher gemeint sein sollte, 1482 war Hans Ermreicher Vogt auf dem Michelsberg und erst 1450 lebten Ott und Fritz Ermreicher als Tuchscherer in Bamberg; immer passt die Zeit nicht.

Die Namen Rebnin, Leupold Tockler und Ehrenreich erwecken den Eindruck, als ob sie willkürlich Urkunden entnommen wären. Jedenfalls sind die Unstimmigkeiten auf keine Lese- oder Schreibfehler allein zurückzuführen, wie sie sich in den Urkundenabschriften des Abts Andreas so zahlreich finden. Mehr noch gibt der feierliche Eingang und der Inhalt der Urkunde zu denken. Im Namen des Herrn! Amen. Damit nicht die Taten der Menschen wegen der Kürze ihres. Fleißes vom Wurm der Vergessenheit vernichtet werden (deglotiantur, auch degluciantur), ist es dienlich, diese mit der Spitze des Schreibgriffels auch zu unterstützen. Dieser Eingang wirkt bei einer lehenrechtlichen Bestätigung eines Kaufvertrages gesucht und unecht. Wenn wir ferner lesen, daß diese Bestätigung, die ja gar nicht verweigert werden konnte, durch einmütige Zustimmung und Gunst nach gewissenhafter Beratung geschah, und daß das Kloster dann diesen Hof, dessen lehenrechtliche Übertragung (collatio et infeudatio) als zu uns und unserem Kloster nach altem Recht gehörig anerkannt wird, infolge des im genannten Hofe uns getanen Verzichts überträgt, so machen diese mehrfachen Sicherungen und die wiederholte Eigentumsbetonung immerhin stutzig. Nach dieser Urkunde sollen vom Gundlochhofe jährlich dem Cellarius an Martini 38 Pfennige, ebensoviel an Walburgis und der Zehnt an Vieh und ein Fastnachthuhn entrichtet werden. Tatsächlich werden 1424 gereicht 6 Schillinge Heller und 2 Pfennige( 1 Schilling = 3 Pfennige) Walburgis und Martini, 1451 je 19 Pfennige an den beiden Zinstagen. Beide Beträge sind gleich. Am meisten aber befremdet die Erklärung der drei Frontage als Entschädigung für die drei Laub (Wald)rechte, weil diese Lauben Holz die Gemeinde verteilt und nicht das Kloster. Der Abtshof z. B. leistet 12 Frontage und hat sechs Lauben Holz, ähnlich bei anderen Anwesen, ohne daß man eine solche Begründung je liest.

Oben wurde mehrfach und damit einwandfrei ein Gundloch hinter der Münze mit seiner Frau Kunegund nachgewiesen. Insoweit hätte die Nennung dieser Namen ihre Richtigkeit. Der Gundlochhof hat seinen Namen von der Bamberger Familie gleichen Namens. Es fragt sich aber, wie der oben genannte Mann zu dieser Familie steht. In Gundloch hinter der Münze ist Gundloch sicherlich Vorname und "hinter der Münze" unterscheidender Zusatz, wie es damals, man kann sagen, in Bamberg üblich war. Dann aber gehört dieser Mann nicht zur Familie der Gundloch mit dem weiß rot schwarz geteilten Schild, deren Abstammung wir kennen. Es ergibt sich: Die Verfertiger der Urkunde haben, um den Namen Gundlochhof zu erklären, Tappigerweise den falschen Namen und damit die unrichtige Persönlichkeit erwischt. Diese Urkunde von 1337 ist nach alledem als unecht zu betrachten. Die Fälschung erfolgte offensichtlich zu dem Zweck, den ohne Zweifel rechtmäßigen lehensherrlichen Besitz des Klosters gegenüber den Besitzansprüchen der Familie Gundloch zu sichern, als diese in ihren finanziellen Nöten den Hof zu veräußern suchte. Die erste einwandfreie Nachricht vom Gundlochhof finden wir im Zinsbuch des Jahres 1424. Es zählt die Abgaben auf, die dem Cellarius zu entrichten sind, nennt aber keinen Inhaber des Hofes. Sechs Schillinge Heller und zwei Pfennige an Walburgis und Martini, drei Dienste mit einem ganzen Pflug, ein Fastnachthuhn, den halben Zehnten von Vieh und Früchten. Dieser Hof umfaßte ursprünglich die Gr.Nr. 53, 54, 57 und 58. Am Montag nach Johannstag sunwenden (25. Juni) 1442 bekennt Gerhaus des Herman Cammer-meister sel. Witwe, Bürgerin zu Nürnberg, die Absicht, ihren halben Hof zu Gaustadt, der vor Zeiten der Gundloch gewesen ist, und den sie zu Erblehen von dem Stift auf dem Münchberg bei Bamberg gehabt, zu verkaufen. Damit steht die Teilung des großen Gundlochhofes fest.

Wenn übrigens die Cammermeisterin von ihrem halben Hof spricht, so meint sie den halben Gundlochhof; so sehr hat sie das Bewußtsein der Zugehörigkeit ihres Teils zum Ganzen. Wann die Teilung erfolgte, wissen wir nicht genau, jedenfalls zwischen 1430, da Heinz Hofmann noch den ganzen Hof besaß, und 1442. Als Gerhaus ihren Teil damals mit Ackern, Weingärten, Wiesen, Häusern, Hofstätten und all seiner Zugehörigkeit an Hans Reiter, Fleischmann (Metzger) und Bürger zu Bamberg, um 150 rheinische Gulden verkaufen wollte, übte Abt Johannes sein Vorkaufsrecht aus und bezahlte die 150 Gulden. Wichtig ist, daß hier die klösterliche Lehensabhängigkeit ausdrücklich anerkannt wurde, nicht nur durch die urkundliche Feststellung sondern auch durch das Vorkaufsrecht des Abtes Diesen Kauf schloß Abt Johannes aus dem in zahlreiche Linien gespaltenen Ministerialengeschlecht der Fuchs ab, der als Abt von 1435 bis 1446 regierte . Damals war das Kloster schon ganz unter die Herrschaft des Adels geraten d.h. es hatte fast nur noch Adelige als Angehörige. Die zahlreichen Verkäufe klösterlichen Besitzes unter ihm und schon unter seinen Vorgängern machten die mißliche finanzielle Lage des Klosters deutlich sichtbar. Die adeligen Insassen fast scheut man sich, für sie den Namen Mönche zu gebrauchen mögen wohl auch standesgemäße Ansprüche in der Lebenshaltung erhoben haben. Die Zinsbücher z. B. lassen erkennen, daß die Zinsen und Abgaben von und nach den verschiedenen Klosterämtern eingezogen wurden, so daß in diesem Kloster nicht einmal eine vita communis ein gemeinsames Leben verwirklicht war. Das ergibt sich aus den Forderungen zur Zeit der Klosterreform nach einem ungeteilten Besitztum des Abtes und des Konvents. Die Klosterherrn scheinen sogar eigene, wenn auch bescheidene Wohnstätten gehabt zu haben. Zu diesem inneren Verfall kamen schwere finanzielle Belas-tungen z. B. durch die 1421 auferlegte Hussitensteuer und vor allem durch die Plünderung des Klosters im Immunitätenstreit 1435 durch die Bamberger Bürger, die Getreide, Vieh, Bier, Wein und Hausgerät als begehrte Beute weg-trugen. die Obstbäume umhieben und zuletzt in der Kirche wie Bilderstürmer bausten . Man kann das als die Rache der Bürger gegenüber dem pflichtvergessenen Adelskloster auffassen. Darauf folgte die Suspendierung des Abts Johannes, seine Haft und schließliche Flucht, sein Tod 1450 in Wien und zuletzt die fast völlige Auflösung der Klostergemeinschaft durch die Flucht von zehn Mönchen, nachdem sie die Wertsachen und Kleinodien des Klosters an sich genommen d. h. geraubt hatten . In diese unheilvolle Zeit innerer Zersetzung also fiel der Ankauf des Gundlochhofs d. h. eigentlich nur zweier Drittel um die nicht unbedeutende Summe von 150 Gulden. Das konnte sicher nur dadurch geschehen, daß man andere Güter veräußerte, wie es tatsächlich die Urkunden bezeugen. Das zeigt aber auch, welchen Wert man auf den Besitz der benach-barten Gaustadter Höfe legte. Trotzdem kann aber das Kloster den Hof nicht halten und verkauft ihn 1446 um die gleiche Summe von 150 Gulden an den Bamberger Bürger Thomas Schaller mit dem Recht des Wiederkaufs innerhalb zwanzig Jahre. Knapp vor der Verfallszeit erwirbt am 18. Juli 1464 der Reformabt Eberhard den Hof zurück, wobei ausdrücklich die Mitwirkung des Bischofs Georg von Schaumberg vermerkt ist, der ja selbst die Reform des Klosters veranlaßt hatte. Das Kloster hatte also durch diesen Kauf die heutigen Gr. Nr. 54, 57 und 58 wieder in seinen Besitz gebracht. Dagegen konnte es seine ebenso berechtigten Ansprüche auf Gr. Nr. 53 nicht durchsetzen. Die Gundloch behaupteten ihren Besitztitel ungeschoren bis zum Jahre 1475. Am 20. November dieses Jahres verkauften Heinz Gundloch, seine Frau Barbara und seine Muhme Alheid Tucherin der Erbschaft halber von ihrem Vater sel. ihren freieigenen Hof zu Gaustadt, den Albrecht Lengenfelder baute. Der Käufer war der Domdechant Hertnid von Stein, der damit hauptsächlich das Benefizium St. Johannis et Pauli am Domstift zu Bamberg ausstattete, das die päpstliche Bestätigung am 22. Mai 1480 erhielt. Trotz des Verkaufs des Gundlochhofes führen die Michelsberger Zinsbücher z. B. das des Jahres 1498 die Nachfolger Albrecht Lengenfelders nämlich Heinz Streyt, Marx Alber, Eberlein Wolf, bis 1617 den Endres Bleidtner als Inhaber dieses Hofes an . Es hat so den Anschein, als ob diese den Zins an das Kloster entrichtet hätten, der aber in Wirklichkeit an das domkapitelsche Rezeptorat (Einnahmestelle) bezahlt wird. Hier wie in ähnlichen Fällen handelt es sich tatsächlich nur um einen aus den früheren Büchern übernommenen und man kann nie wissen, wozu gut, fortgeführten Eintrag, der hier wirklich nur auf dem Papier stand. Ober der weiteren Geschichte dieses nunmehr domkapitelschen Hofes liegt bei dem Mangel an Unterlagen ein sicher wenig verhüllendes Dunkel, das nur ganz gelegentlich durch Bemerkungen aus anderen, meist Michelsberger Akten aufgehellt wird. So muß 1625 der Inhaber dieses Lehens an Zinsen und Gülten geben: 16 Sümra Korn Jakobi, 2 Sümra Weizen, ebensoviel Gerste, 10 Sümra Habern, 60 Eier, 3 Käse Pfingsten, 1 Fastnachthenne, 1 Herbsthenne und leistet zwei Fuhren mit Pferden und Wagen im Jahr. Die Geschichte des der Cammer-meisterin abgekauften Hofes gestaltet sich dagegen recht wechselvoll. Das Zinsbuch von 1451 bringt unter den Gütern , die der Cammermeisterin gewesen sind, deren Inhaber Hans Kraus ist, der jährlich 10 Pfund Zins, 6 Käse, 200 Eier, 6 Fastnachthühner entrichten und die übliche Fron und Dienste leisten muß . Zu diesen Gütern gehörte auch ein Haus und Garten "auf dem perg bey dem Gundloch", wovon dem Custos jährlich 12 Schillinge, 2 Fastnachthühner und der Zehnt, dem Cellarius aber 2 Schillinge und ein Fastnachthuhn zukamen.

Dieses "Haus auf dem Berg", wozu übrigens noch ein "Acker bei der Rednitz" gehörte, ist nicht festzustellen; es wird in den Büchern noch eine geraume Zeit nütgeführt, bis es schließlich verschwindet. In dem schon genannten Zinsbuch von 1451 steht bei dem Hof des Hans Kraus die Bemerkung "ista curla est divisa tribus possessoribus", dieser Hof wurde unter drei Besitzer aufgeteilt. Diese "Besitzer" sind natürlich nur Lehensinhaber; immerhin erkennt das Kloster damit den tatsächlichen Besitz der Inhaber an. Dann folgt als Nachtrag die Aufteilung des Hofes mit den Zinsen und Gülten:

1. Pangratz Reuß de domo prope selden (vom Haus bei der Selden) Gr. Nr. 54 je 1 Pfund Walburgis und Martini, 2 Käse Pfingsten und Weihnachten, 1 Fastnachtshuhn;

2. Haws Schilerin de area (von einer Hofstatt) 2 Pfund Walburgis, Gr. Nr. 5 8, 5 7 1/ 4 Pfund Martini, je 2 Käse Pfingsten und Weihnach 57% ten, 100 Eier Ostern, 2 Fastnachthühner;

3. Albrecht Schiler 2 Pfund an Martini und Walburgis, 2 Käse Pfingsten Gr. Nr. 57 und Weihnachten. Nach dem Zinsbuch von 1470 waren bald Änderungen eingetreten . An die Stelle Albrecht Schilers trat Hans Linsner, der zum obigen Zins noch 2 Hühner und 100 Eier entrichten muß. Der Zins der Haus (Gerhaus) Schilerin wird um 6 Pfennige und 1 Huhn vergrößert; das ist genau die Abgabe vom "Haus auf dem Berg" an den Cellarius, den Schilling wie auf dem Michelsberg üblich zu drei Pfennigen gerechnet

Im Jahre 1770 wurde das ehemalige Besitztum der Haus Schilerin (Gr. Nr, 58, 57 1/2, ) geteilt. Zu dem im südlichen Teil gelegenen Haus "gehört nichts als ein zum Eingang und Einfuhr nötiges Plätzlein, dann der gemeinsame Genuß des Kettenbrunnens. An diesem Teil blieben auch die sechs Pfennige und das Fastnachthuhn des "Hauses auf dem Berg" haften. "Der Weg den Berg hinauf zu den Häusern", heute der Aufgang zur Kirche von der Martinetstraße aus, gehörte teilweise der Gerhaus Schilerin. Daher rührt der nach Westen vorspringende schmale Eingang. Das ist die Geschichte der Auflösung eines früheren großen Wirtschaftshofes, die mit dem finanziellen Zusammenbruch der alten Bamberger Familie Gundloch zusammenhängt. Nach fast 500 Jahren haben sich Lage und Aufteilung der Grundstücke kaum verändert, dagegen trat eine Wandlung in der Bestimmung zweier Anwesen ein. Das eine wurde noch in alter Zeit ein Gasthaus, das ist das domkapitel'sche, heute das sog. obere Wirtshaus, das andere erwarb Dr. Martinet als Pfarrhaus.