Home | Gaustadt | Bürgerverein | Presse | Vereine | Kirchen | Parteien | Institutionen | Firmen | Kontakt
  Druckversion   Seite versenden

Gründung der Pfarrei Gaustadt

Die Pfarrei Gaustadt verdankt ihre Gründung dem Geistlichen Rat und Lyzealprofessor Dr. Adam Martinet. Er wurde am 12. Januar 1800 zu Höchstadt a. A. als Sohn des Schneidermeisters Georg Martinet und seiner Frau Margareta, geb. Hollfelder geboren. Seine vorzüglichen Anlagen ermöglichten ihm wenn auch unter großen Opfern den Besuch des Gymnasiums und des Lyzeums, der heutigen Theologisch Philosophischen Hochschule, zu Bamberg.

Nach seiner Priesterweihe am 31. Januar 1824 wurde er zunächst Kaplan zu St. Martin in Bamberg, aber schon am 10. Oktober Professor für Logik und Religionslehre in Neuburg a. D. Am 18. Juni 1825 wurde er als Professor der Philosophie nach Bamberg zurückberufen. Neben Philosophie und Theologie beschäftigte er sich mit Kunstgeschichte, die er auf vielen Reisen erarbeitete, besonders aber mit fremden Sprachen wie dem Hebräischen, Arabischen, Syrischen, Italienischen, Spanischen und Portugiesischen. Neben seinen Vorlesungen war er vielfach in der Seelsorge tätig. 1853 ernannte ihn der Erzbischof Bonifaz von Urban zum Geistlichen Rat, und 1854 wählte ihn das Bamberger Domkapitel zum Domkapitular. Diese Würde lehnte er aus Vorliebe zum Lehrfach aber ab.

Wie und warum Martinet dazu kam, seine ganze seelsorgerliche Tätigkeit Gaustadt zuzuwenden, wissen wir heute nicht mehr. Seit Mitte der 1830er Jahre hielt er an den Sonntagen, oft auch an den Werktagen Gottesdienst. Da er eine zum Predigen wenig geeignete Stimme besaß, begleitete ihn meist ein Alumnus, der dann die Ansprache hielt. Eine ganze Generation wurde in Gaustadt von ihm im christlichen Glauben unterrichtet und bestärkt. Er hatte der Gemeinde so viel Zeit, Mühe, Kraft und Opfer gebracht, dass er wünschte, nach seinem Tode möge in Gaustadt eine selbständige Seelsorgerstelle eingerichtet werden, um das kirchliche Leben besser pflegen zu können, als es in Verbindung mit der Pfarrei Bischberg geschah. Ursprünglich hatte er im Sinn aus eigenen Mitteln eine Kuratie zu stiften, dann aber erkannte er, dass es vorteilhafter sei, sofort eine selbständige Pfarrei zu gründen.

Martinet muss mit seiner Schwester Therese (1803 1882) ein sehr sparsames Leben geführt haben. 1840 gab er 300 Gulden zur Anschaffung einer silbernen Monstranz, dann kaufte er um 4500 Gulden (= 7 714,28 M) das Anwesen Martinetstraße 11 und zahlte zum Ausbau nochmals 1300 M. In dem oben angeführten Beschluss der Gemeinde von 1876 heißt es und es ist notwendig, den Anfang wörtlich. anzuführen:

"Der hochwürdige Herr Lyzeal Professor und Geistlicher Rat Dr. Adam Martinet von Bamberg will der Gemeinde ein bleibendes Andenken dadurch hinterlassen, dass er in Gaustadt eine eigene Pfarrei zu gründen und zu dotieren (auszustatten) gedenkt". Am Schluss heißt es: "Wir sind mit der Gründung einer Pfarrei vollkommen einverstanden, können dem hochherzigen Stifter nicht genug danken, werden keine Opfer scheuen, um das große Werk unseres größten Wohltäters zu verwirklichen und nehmen die Schenkung des Anwesens Nr. 46 a, welcher Besitzstand zur künftigen Pfarrwohnung bestimmt ist, nicht nur mit dem größten Dank an, sondern übernehmen auch recht gerne die größere Baulast, insofern der Baufond nicht ausreichen sollte".

Von den geladenen Mitgliedern, im ganzen 129, waren 95 erschienen, die sich sämtlich (mit Ausnahme einer Stimme) einverstanden erklärten. Immerhin waren es nur rund 73 Prozent aller Gaustadter, die diesen Beschluss ausdrücklich billigten, 43 hielten es nicht für notwendig zu kommen oder waren verhindert. Nach, einer Zusammenstellung vom 31. Dezember 1876 betrug das ganze zur Verfügung stehende Vermögen "in runder Summe 40 400 M". Damit war die Grundlage für die Errichtung der Pfarrei Gaustadt geschaffen.

Mitten unter diesen Vorbereitungen zog sich Martinet nach einem Besuch in Gaustadt im Winter 1876 durch einen Sturz unbedeutende Verletzungen zu, so schien es, die aber doch seine körperlichen und geistigen Kräfte rasch lähmten. Martinet starb am 11. Oktober 1877 und wurde auf dem Bamberger Friedhof bestattet. An Allerheiligen 1952 wurden seine sterblichen Überreste in dem neu errichteten Priestergrab zu Gaustadt unter Beteiligung des Historischen Vereins Bamberg, dessen Mitbegründer er war, feierlich beigesetzt.

Nun aber erhoben sich Schwierigkeiten. Die Regierung von Oberfranken verfügte, dass die Gemeinde Gaustadt über die Schadloshaltung des Pfarrers und Kirchners wegen Entgangs der Stolgebühren und der Entschädigung der Gemeinde Bischberg wegen Übernahme der Baupflicht an der Kirche und den übrigen Kultusgebäuden in Bischberg zu beraten und zu beschließen habe.

Die beiden Kirchenverwaltungen von Bischberg und Gaustadt beschlossen daraufhin am 17. Mal 1877 folgendes:

1. an den Bischberger Pfarrer sind vom künftigen Gaustadter Pfarrer für die entgangenen Stolgebühren jährlich 250 M zu entrichten,

2. der Bischberger Lehrer als Pfarrmesner soll jährlich mit 120 M entschädigt werden,

3. die Baulast an der Bischberger Kirche soll vorbehaltlich späterer Ablösung unverändert fortdauern.

Nach einem Bericht des Pfarrers Böhm vom 25. Juli 1877 stellte sich das Gaustadter Pfarreinkommen auf insgesamt 1844,72 M, zu dem Dr. Martinet monatlich noch 100 zahlt. Die Gemeinde Gaustadt verpflichtet sich am 25. September 1877, mit ihrem gesamten Gemeindevermögen dafür zu haften, dass dem künftigen Pfarrer ein Einkommen von 1744,29 M verbleibt.

Am 12. Oktober 1877 waren bereits 9257,09 M an gestifteten Gottesdiensten vorhanden.

Nach der Volkszählung von 1875 hatte die Gaustadter Gemeinde 1543 Einwohner einschließlich Cherbonhof und Fischerhof, die damals mit 89 Seelen zur Dompfarrei gehörten.

Unter den verbleibenden 1454 Einwohnern befanden sich 203 Protestanten, so dass sich an Katholiken 1251 ergaben und zwar 543 männliche und 708 weibliche Personen.

Nach dem Tode Dr. Martinets die Ausgaben Gaustadts bei dessen Beerdigung betrugen 25,30 M schenkte seine Schwester Therese Martinet durch notariellen Vertrag vom 12. November 1877 das Anwesen Martinetstraße der Pfarrstiftung und an Geld 26 182,85 M. An Taxen für die Schenkung und an Bauwendungen am zukünftigen Pfarrhaus entstanden

Auslagen von 1 768,72 M, die durch eine bei der Kirchengemeinde Gaustadt vorzunehmende Umlage gedeckt werden sollten. In einer deswegen vom Pfarramt einberufenen Versammlung der Kirchengemeinde konnte "wegen Erregtheit der Gemüter vieler Mitglieder ein Resultat nicht erreicht werden". Nach Bürgermeister Bohrer waren es aber nur 4 - 5 Gemeindeangehörige, also ganz wenige, die aber umso lauter widersprachen.

Begreiflich, daß Pfarrer Böhm von Bischberg sich sagte, die Gaustadter sollten ihre Angelegenheiten selber regeln. Deshalb übertrug er die Leitung der nächsten Versammlung am 2. Pfingstfeiertag (10. Juni) dem Bürgermeister Bohrer. In dieser Versammlung begründeten die Widerspenstigen ihre ablehnende Haltung damit, daß sie nicht genügend über die finanzielle Seite aufgeklärt worden seien.

Vom Tage dieser Versammlung, dem 10. Juni 1878, ist eine Eingabe an das Pfarramt Bischberg datiert, unterschrieben von Jakob Kötzner, Ferd. Bohrer, Joh. Neukam, Jos. Häfner, Joh. Karl Leicht und B. Neuhäuser, Schuhmachermeister. In einem etwas unbeholfenen Deutsch sprechen sie darin von "mutwilligen", soll wohl heißen überflüssigen Baulasten und "mehrerer Posten". Sie seien der Meinung, dass nur diejenigen, die 1876 ihre "Einstimmung« zu einer selbständigen Pfarrei gegeben hätten, zur Deckung des Defizits herangezogen werden könnten. Da es aber "wegen tumultarischen (tumultuarischen) Auftritts" den Unterzeichnern nicht möglich gewesen sei, wie 1876 so auch jetzt ihre Verwahrung zu Protokoll zu geben, so erklärten sie hiermit, dass durchaus kein Bedürfnis bestehe, in Gaustadt eine selbständige Pfarrei zu errichten, umso mehr da die Gemeindebehörde und eine Kirchenverwaltung sich stets hartnäckig weigere, bekannt zu geben, unter welchen Bedingungen Gaustadt von Bischberg getrennt werden soll und was hinsichtlich der Stolgebühren vertragsmäßig abgemacht worden sei. Der Pfarrer leitete diese Eingabe an das Bezirksamt weiter, das am 28. Juni entschied, daß "dem Antrag der Beschwerdeführer auf Bekanntgabe der betreffenden Verhältnisse stattzugeben" sei. Das scheint auch geschehen zu sein, auch wird man die sechs Beschwerdeführer über die Unrichtigkeit ihres Standpunktes aufgeklärt haben.

Nachdem noch auf Anfrage des erzbischöflichen Ordinariats vom 24. Oktober 1878 Pfarrer Böhm die finanzielle Lage dargestellt hatte, wurde endlich am 6. Mal 1878 die Errichtung der katholischen Pfarrei in Gaustadt durch Erlaß des Königs Ludwig II. genehmigt. Darauf heißt es unter II: Die Dotation der neuen Pfarrei gründet sich auf den Beitrag der Kirchenstiftung Gaustadt mit jährlich 366 M, auf die von dem Lyzealrektor Dr. Martinet in Bamberg gestifteten Kapitalien im Gesamtbetrag von 29 625,71 M, auf den Wohnungsanschlag mit 85,71 M, auf die Erträgnisse von Grundstücken im Anschlage zu jährlich 5,14 M, auf den Anschlag des Gemeinderechts an den noch unverteilten Gemeindegründen mit jährlich 32 M, auf den Einnahmen aus gestifteten Gottesdiensten mit 117,70 M, aus Stolgefällen mit 290,70 M jährlich, endlich auf den Anfall aus herkömmlichen Gaben und Sammlungen im Anschlag zu jährlich 50 M.

Die auf der Pfründe haftenden Lasten betragen einschließlich der dem jeweiligen Pfarrer in Bischberg zu leistenden jährlichen Entschädigung von 250 M und des dem dermaligen Pfarrmesner in Bischberg auf Dienstdauer zu leistenden Betrages von jährlich 120 M.

Der nach definitiver Feststellung der Fassion sich ergebende Ausfall am minimalen Einkommen zu jährlich 1800 M (monatlich 150 M) wird von der Kirchengemeinde Gaustadt zur Deckung übernommen.

Bei der katholischen Pfarrei Gaustadt tritt die libera collatio des Diözesanbischofs in Geltung, jedoch wird für den ersten Besetzungsfall der Mitstifterin Therese Martinet in Bamberg ein Präsentationsrecht eingeräumt.

Im Auftrag des Pfarrers Böhm fand am 25. Mai nachmittags 3 Uhr auf dem Rathaus eine von fünfzig Mitgliedern der Kirchengemeinde besuchte Versammlung statt, in der die Errichtung der Pfarrei Gaustadt bekannt gegeben werden sollte. Das Bezirksamt stellte dazu fest, dass bei 50 Stimmberechtigten weniger als zwei Drittel Mitglieder zugegen waren, denn Frauen seien nicht stimmberechtigt.

Darum sei schleunigst eine neue zweite Versammlung einzuberufen. Diese fand bald darauf statt. Die erschienenen 76 Mitglieder der Kirchengemeinde vernahmen die Entschließung vom 6. Mai 1879 und beschlossen, die Garantieleistung und die übernommenen Verpflichtungen zu genehmigen.

Das königliche Bezirksamt lud schließlich zu der am Samstag den 14. September 1879 vormittags stattfindenden Installation des ersten Gaustadter Pfarrer Gottfried Arnold, ernannt am 2. August 1879, auch Pfarrer Böhm von Bischberg ein, der freilich wegen dienstlicher Verhinderung absagte. Pfarrer Arnold war vorher Kuratus am Städtischen Krankenhaus in Bamberg gewesen und übernahm am 5. Sept. 1887 die Pfarrei Kemmern. Seine Nachfolger waren Rattler Frz. Jos. (1887 1903), Johann Mäusbacher (1903 12), M. Dötzer (1912 16), H. Madlener (1916 30), M. Drummer (1930 35), Gg. Mann (1935 50), Frdr. Eberle (1950 60), Rud. Schnappauf seit 1960.

Durch Regierungs-entschließung vom 22. Juli 1889 wurde die an die Pfarrei Bischberg zu zahlende Entschädigung von jährlich 200 M für Entgang der Stolgebühren abgelöst.