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Gaustadt vor 1350

Wenn man mit der urkundlich nachweisbaren Geschichte Gaustadts beginnen will, steigen, sofern man nicht die ausgetretenen Bamberger Geschichtswege geht d. h. wenn man nicht unbesehen bisherige Annahmen übernimmt, sofort berechtigte Zweifel auf. Im 8. Bericht des Historischen Vereins Bamberg veröffentlichte 1845 H. J. Jäck, kgl. Bibliothekar und Sekretär des Vereins, als erste Beilage Fortsetzung der Auszüge aus Urkunden und gleichzeitigen Chronisten zur Geschichte Bambergs". Darin heißt es: 1136, 7. November, Würzburg, übergibt der Stiftsherr und Priester Erchanbert von Neumünster sein Gut zu Gaustatt für sein Seelenheil dem Kloster Michelsberg. (Schannat vind. 1,23,49.)" Im gleichen Bericht steht die schon erwähnte "lnnere Geschichte des Dorfes Gaustatt" (der langatmige Titel ist gekürzt) von Dr. A. Martinet, kgl. Professor. Darin liest man auf Seite 11 an erster Stelle der Urkundlichen Chronik: 1136, den 7. November übergibt Erchanbrecht, Stiftsherr am Neumünster zu Würzburg sein Landgut in Gaustatt dem Kloster Michelsberg. Schannat Vind. litt. pag. 49, Nr. XXIII«. Beide beziehen sich also auf die gleiche Quelle, auf J. F. Schannats 1723 erschienene "Vindemia , literariae" d. i. zu deutsch "Gelehrte Weinlesen“, wo genau am angegebenen Orte folgender wegen der Wichtigkeit im lateinischen Text angeführter Urkundenauszug steht: "Noscant praesentes et futuri fideles Christi, quod Erchanbreht canonicus et presbiter de Novo Monasterio praedium suum in villa Guhstat pro animae suae remedio tradidit ad altare S. Michaelis in Monte Monachorum, sic tamen, ut pars eius, quae sita est in episcopatu Babenbergensi, in proprium sit tradita, partem vero in episcopatu Wirceburgensi sitam X argenti libris secundum loci illius consuetudinem, si quis repetat, redimere habeat potestatem“.

Das lautet auf deutsch: Alle gegenwärtigen und zukünftigen Christgläubigen sollen wissen, daß Erchanbrecht, Kanoniker und Priester am Neumünster, sein Gut im Dorfe Gaustadt zum Heile seiner Seele auf den Altar des H. Michael auf dem Mönchberg stiftete und zwar so, dass (nur) dessen im Bistum Bamberg liegender Teil als Eigentum übergeben wurde, daß aber, wenn jemand den im Würzburger Bistum liegenden Teil um 10 Pfund Silber nach dem Gewohnheitsrecht jenes Ortes kaufen wolle, er die Möglichkeit dazu habe. Dies und kein Wort mehr liest man bei Schannat.

Mit Verwunderung aber fragt man sich, wie beide, Jäck und Martinet, ob unabhängig voneinander oder nach Übereinkunft? zu der Datierung 7.November 1136 kamen. Leider gibt Schannat seine Quelle nicht an. Man sucht die Urkunde vergebens im Urkundenbuch des Abts Andreas Lang. E. v. Guttenberg spricht, das ist wohl angesichts der vielen sonst nicht überlieferten Michelsberger Nachrichten Schannats wahrscheinlich, von "einem jetzt verschollenen Michelsberger Codex in Fulda“. Darum wird man auch kein Bedenken tragen, eine echte Urkunde als Unterlage für Schannats durch fehlende Datierung allerdings unzulängliches Regest anzunehmen. Dafür sprechen vor allem die auffälligen Besonderheiten der Kauf und Schenkbestimmungen, die ganz auf das Diözesangrenzgebiet Gaustadt Bischberg zugeschnitten sind. Eine Datierungsmöglichkeit bestünde wenigstens für den Zeitraum eines Menschenlebens, wenn es gelänge, diesen Kanoniker von Neumünster in Würzburg nachzuweisen und wenigstens für ein urkundlich gesichertes Jahr festzulegen. Aber auch das scheint nicht möglich zu sein, denn bis jetzt waren alle derartigen Bemühungen vergeblich. Gerade die Nekrologien des Michelsbergs, die doch bei soviel kleineren Schenkungen die Namen der Wohltäter anführen, versagen in diesem Falle. Da die Hälfte des Gutes im Bamberger Bistum liegt, so kann es sich bei der anderen nur um das an Gaustadt grenzende Bischberg handeln, das am 21. Juni 1013 ausdrücklich mit seiner Kapelle und der des benachbarten Trunstadt von Heinrich II. dem Würzburger Bischof vorbehalten blieb ". Es überschnitten sich also im Raume Bischberg Viereth der weltliche Besitz Bambergs, das oft genannte Praedium von 973, mit der geistlichen Gewalt Würzburgs. Wenn man nun annimmt, wie es oben geschieht, daß dieser Streifen zur Ausstattung des neugegründeten Klosters gehörte, dann mußte den im Kloster auch daran gelegen sein, den darin vorkommenden Streubesitz, den E. v. Guttenberg schon angenommen hatte und den diese Schenkung bestätigt, in seine Hand zu bekommen.

Für diese Zeit (um 1100) bedeutet nach E. v. Guttenberg der, an und für sich farblose Ausdruck praedium" Eigenbesitz ". Offensichtlich liegen aber für den Gaustadter und den Bischberger Teil zwei unterschiedliche Rechtsverhältnisse vor: den ersteren kann Erdianbrecht ohne weiteres verschenken, nicht aber den Würzburger Diözesanteil. Dafür wurde eine Kaufsumme angesetzt, die mit 10 Pfund Silber nicht sehr hoch erscheint, aber in diesem Falle "gewohnheitsrechtlich", wie es ausdrücklich heißt, notwendig war. jedenfalls wies die Angabe der Kaufsumme auf die Möglichkeit des Erwerbs und damit auf die Vereinigung des Guts hin, die dann auch erfolgte, so daß wir den Michelsberger Besitz in Bischberg darauf zurückführen können. Das dürfen wir um so mehr, als wir über den Erwerb dieser Bischberger Güter sonst gar nicht unterrichtet sind.

1013 bleibt also Bischberg geistlich bei Würzburg, später gehört es zum Bamberger Bistum, wo es nach Walsdorf pfarrt, bis es um 1594 selbständige Pfarrei wird. Die Zeit des Diözesanwechsels kennen wir nicht, so daß er ebenfalls nicht zur Datierung der Nachricht herangezogen werden kann.

Nach allem bleibt der Ansatz dieser für Gaustadt wichtigen Nachricht für oder um 1136 vollkommen willkürlich. ja, die auffallende Betonung der Diözesan-Grenze, besonders deren Wirksamkeit als Rechtsgrenze weisen auf eine frühere Zeit hin, wahrscheinlich vor der Regierung Ottos des Heiligen, des großen Gönners des Klosters, mit dem ja auch die Schenkungsurkunden der Sammlung des Abtes Andreas beginnen. - Dieser kannte jedenfalls die Nachricht nicht, sie war also schon damals um 1480 im Kloster unbekannt.

Mit Sicherheit wird man demnach diese erste Erwähnung Gaustadts in die Zeit vor 1100 setzen müssen. Der bedeutsame Hinweis auf die Diözesan-Grenze, die 1013 Gaustadt und Bischberg schied, könnte sogar die Vermutung aufkommen lassen, daß gerade die dadurch erzwungene Teilung des Erchanbrecht'schen Gutes in zwei Diözesen und die damit gewiß hervorgerufenen Spannungen den Würzburger Kanonikus zu seiner Stiftung an das Kloster veranlaßten. Man könnte aber auch vermuten, daß die im Jahr 1015 erfolgte Gründung des Klosters Michelsberg Erchanbrecht veranlaßt habe, seinen Besitz an die neue Stiftung zu verschenken.

Für die Zeitbestimmung der fraglichen Urkunde kämen wir damit in die ersten Jahrzehnte des neuen Bistums Bamberg, vermutungsweise vor oder nach 1020. Die nächste Nachricht von Gaustadt überliefert uns Abt Andreas, die C. Schweitzer, der Herausgeber dessen Urkundenbuchs, ebenfalls um 1136 ansetzt. Ruzelin, Propst der Alten Kapelle zu Regensburg, auch Bamberger Domkanoniker, schenkt dem Kloster zum Seelenheil seiner Eltern und zu seinem Jahrtag das Dorf Lesen (Lesau) und eine Hube (mansus) zu Guhstat, die (jährlich) ein halbes Talent entrichtet ". Eine Hube umfaßte ein Bauerngut mit der dazu gehörigen Nutzungsfläche, deren Größe nicht einheitlich war; im allgemeinen nimmt man 30 Morgen Land an. Das erscheint aber in diesem Falle bei der, wie sich später zeigen wird, beschränkten Flur Gaustadts entschieden zu groß. C. Schweitier setzt die Urkunde um 1136 an. Wegen des gestifteten Jahrtages darf man wohl an ein Testament Ruzelins denken. Er starb am 22. Januar eines nicht genannten Jahres, jedenfalls vor dem 24. September 1151; an diesem Tag nämlich Urkunden als Zeugen Liupold Propst von St. Stephan und Meginhard Propst der Alten Kapelle, also Ruzelins Nachfolger in beiden Pfründen ". Da aber die Urkunde noch zu Lebzeiten des Abtes Hermann (1147) ausgefertigt wurde, wird man an die Jahre kurz vor dieser Zeit denken müssen.

Lange schweigen nun die Quellen über Gaustadt. Erst im Jahre 1220 ohne genaueres Datum hören wir wieder von einer Schenkung an das Kloster. Marquard Slicharius aus dem Geschlechte derer von Aisch, nach E. v. Guttenberg Marquard I., hatte ein Bamberger Lehen, einen Hof in Gustat mit Ackern, Wald, Zehnten und der Vogtei nach dem Lehenrecht in die Hände Bischofs Eckberts zurückgegeben, das dieser Heinrich und Herdegen von Wiesentawe nach dem Wunsche Slichers als Treuhändern anvertraute, damit sie diesen Gaustadter Hof einer Kirche zum Seelenheile des Schenkers übertrügen . Nachdem aber auch Marquards Frau Gertrud gestorben war und auf dem Michelsberg ihre Ruhestäte gefunden hatte, übergaben die beiden Wiesentauer mit Zustimmung der Söhne Otto und Marquard des verstorbenen Ehepaares den Gaustadter Hof dem Kloster.

Mit dieser Urkunde treten im Gaustadter Bereich mehrere neue Begriffe auf. Vor allem erfahren wir erstmalig, daß in diesem Dorfe der Bamberger Bischof über Lehenbesitz verfügte. Das war zu erwarten. Dann wird der Zehnt erwähnt. Er bestand in der meist jährlichen Abgabe, eben des zehnten Teils aller oder bestimmter auf einem Grundstück gewonnener Erträge z. B. des Getreides, Weines, der Garten oder Baumfrüchte. Diese finden wir später auch in Gaustadt. Die Vogtei oder, persönlich ausgedrückt, der Vogt, lat. Vocatus, Advocatus, bereitete dem Michelsberger Kloster gerade in seiner frühen Zeit schwere Sorgen. Der Vogt hatte die Befugnis, eine Person, Herrschaft oder Stiftung zu vertreten und zu schützen. Die geistlichen Stiftungen Bambergs waren im Besitz der Immunität d. h. dem königlichen Grafen oder dem öffentlichen Richter war das Betreten der geistlichen Gebiete und damit die Ausübung seiner Amtsgewalt verwehrt. Da Geistlichen aber über Leben und Tod Recht zu sprechen, direkt oder indirekt zu töten, untersagt war, bedurften sie eines Stellvertreters im Kriege und eines Trägers der öffentlichen Gewalt, im wesentlichen des Richteramtes. Das war der Vogt, der, mochte er nun Graf Edelfreier oder Ministeriale sein, diese Stellung als erblicher Kirchenvogt oder als einer der zahlreichen Ortsvögte innehatte. Es gehört zu der uns schier unfaßlichen, verwirrenden Vielfalt der mittelalterlichen Regierung oder Verwaltung, daß Vögte gewisse Rechte im Gebiet eines Bistums, ja im Besitze eines Klosters, innerhalb des engen Bereichs eines Dorfes, ja selbst wie im obigen Gaustadter Fall innerhalb eines Bauernhofes ausüben konnten.

Die Vögte leiteten oft diese Befugnisse von dem Vorbehalt des Schutzes her, den ihre Vorfahren oder sie selbst sich. tatsächlich als Stifter oder Wohltäter ausbedungen hatten. So und darum hatte sich z. B. auch das Kloster Michelsberg mit einer Reihe von Vögten abzufinden, die oft, wie das bekannte Beispiel der Grafen von Berchtheim um 1120 zeigte, mehr als Bedrücker denn als Beschützer des Klosters und seiner Untertanen auftraten. Darum verstehen wir das Bestreben des Klosters, die Vogteirechte zu erwerben und damit zu beseitigen.

Um auf die Schenkung des Marquard Slicher zurückzukommen, so wissen wir auch hier nicht, um welchen der späteren Höfe Gaustadts es sich dabei handelte. jedenfalls aber war er ein bischöfliches Lehen gewesen.

Im Jahre 1223 erfahren wir von einem ähnlichen Vorgang. Wiederum überträgt Bischof Eckbert als Lehensherr dem Kloster eine Hofstatt (area), die mit einem Haus bebaut war und 12 Denare zahlte, ferner die Vogtei mit einem Ertrag von neun Schillingen. Das hatte Abt Hartung von Heinrich von Stetibach (Steppach) um 7 Talente zurückgekauft. Unter dieser Hofstatt müssen wir wohl einen von einem großen Hof abgetrennten Teil verstehen das erste Zeugnis für diese später häufige Erscheinung, der mit einem Haus bebaut in den künftigen Zinsbüchern als eine Selde mit seinen Abgaben geführt wird.

Am Gründonnerstag des Jahres 1229 wurde vor dem versammelten Klosterkonvent vom Abt Hartung die Schenkung des Mitbruders Eberhard feierlich bestätigt, wodurch das Kloster neben dem Erbrecht auf eine Mühle in Hallstadt, einen Hof mit Garten und einer Marktbude in Bamberg auch einige bisher verpfändete Acker in Gaustadt erwarb.

Nicht immer freilich ging es bei den Zuwendungen an das Kloster glatt ab. Ein Magister Cunradus Sagittarius, was zu deutsch Schütz heißt, also bürgerlichen und gelehrten Standes, hatte einen Sohn Siboto durch Tod verloren und dem Custos des Klosters Geld für einen Jahrtag gegeben. Er sollte, wie es damals üblich war, dies Geld irgendwie anlegen, damit von den Zinsen der Jahrtag Sibotos gehalten werden könne. Custos hieß in den Stiften und Klöstern der Geistliche, der als Seelsorger den meist kleinen Personenkreis von Laien zu betreuen hatte. Dieser Custos Timo, die Urkunde von 1247 nennt ihn einen vir simplex, einen arglosen Mann, hatte nun, da offenbar Siboto im Kindesalter gestorben war, ein Engelamt gestiftet. Damit war aber der Vater nicht einverstanden, sondern wandte sich nach dem Tode Timos an dessen Nachfolger Heinrich mit der Bitte, den gestifteten Jahrtag zu halten. Die Bereinigung dieser nach unserem Empfinden einfach zu regelnden Angelegenheit ist auf-schlußreich für die Haltung und Denkweise des mittelalterlichen Menschen.

Was einmal festgelegt ist, und was die Kirche besitzt, verträgt schwer eine Änderung. Das Engelamt wird nicht aufgehoben, der Vater stiftet aber eine weitere Summe, so daß "de curia Gaustat", vom Hofe Gaustadt, nicht etwa in Gaustad Talent gegeben werden solle, 60 Pfennige für das Engelamt und ebensoviel für einen Jahrtag der Eltern und des Kindes. Welcher Hof gemeint war, bleibt unklar. Aus obiger Berechnung ergibt sich, daß 120 Pfennige (Denare) ein halbes Talent und damit auch ein halbes Pfund ausmachten. Pfund und Talent bedeuten also das gleiche.

Um diese Zeit muß das Kloster in mißlichen Verhältnissen gewesen sein. 1238 vermag es nicht, aus eigenen Mitteln die schweren Schäden an Dächern und Mauern der Kirche zu beheben, so daß Bischof Hermann von Würzburg zu Gunsten der Kirche einen Ablaßbrief erließ. Und 1257 klagt Abt Friedrich, daß das Kloster wegen häufiger Plünderungen und dauernder Räubereien in solche Not geraten sei, daß man einen goldenen Kelch und anderen Schmuck an Juden verpfänden mußte, um den Lebensunterhalt der Mönche sicherzustellen.

Diese Nöte veranlassen das Kloster, Hilfe in Rom zu suchen. Es erwirkte 1249 und 1251 mehrere päpstliche Schutzbriefe, besonders den vom 15. April 1251, durch den Innozenz IV. alle Rechte, Immunitäten und Privilegien des Klosters bestätigte. Unter den rund 64 Besitzungen (villae ~ Dörfer) steht fast genau in der Mitte der Aufzählung zwischen den Dörfern Abtsdorf und Elren (Ellern) der Ortsname Gawstat. Wichtig ist, daß nicht etwa ein Hof, sondern ein Dorf Gaustadt genannt wird. Damit dürfte feststehen, daß dem Kloster Michelsberg das ganze Dorf gehört, so wie es sich dann später auch urkundlich erweisen lässt.

Danach dauert es fast 100 Jahre, bis wir wieder etwas von Gaustadt erfahren. Bald nach seinem Regierungsantritt macht Abt Walther von Stolzenroth (1334 50) sein Testament. Am 15. April 1335 verfügt er unter anderem, daß nach seinem Tod der Prior von zwei Pfund Heller aus den Gütern "dicti Vogt", eines Mannes, den man Vogt nennt, zu Gaustadt und einem Pfund Heller zu Stübig das ewige Licht vor dem Allerheitigsten hinter dem Altar des H. Michael anbringen soll . Der genannte Altar war wohl der Hochaltar, damals noch zu ebener Erde, hinter ihm in der Wand befand sich wie üblich das Sakramentshäuschen. Daß mit "Vogt" nicht der Amtsvogt gemeint war, sondern daß "Vogt" einen Personennamen darstellt, dürfen wir aus dem Zusatz "dictus" genannt schließen. Damit erfahren wir den ersten Familiennamen der Gemeinde Gaustadt. Die nächste Nachricht über Gaustadt überliefert uns eine Gerichtsurkunde vom 25. September 1340. Die Bamberger Bürgerin Frau Kunigund Meur verkauft aus ehafter (gerichtlich anerkannter) Not und Notdurft des Leibes ihren halben Hof zu Gaustadt, dessen andere Hälfte ihr Sohn Friedrich, Chorherr zu St. Stephan in Bamberg, für die Zeit seines Lebens erworben hatte, nach ihrem Tode an das Kloster Michelsberg mit der Auflage, jährlich fünf Unzen Pfennige an die Obere Pfarre zu Bamberg zu geben. Leider findet sich diese Abgabe im ältesten uns erhaltenen Zinsbuch der Oberen Pfarre von 1423 nicht oder nicht mehr; diese fünf Unzen oder Pfund scheint das Kloster bald abgelöst zu haben. Schade denn sonst könnten wir wohl diesen Hof als ersten Gaustadts festlegen. Der Schreiber dieser Urkunde schätzte offenbar einen guten Trunk, denn am Ende der Urkunde lesen wir seine Herzensergießung "In einem guten Herbst"! Herbst bedeutet in der Pfalz heute noch die Weinlese und deren Ertrag.

Im Archiv der Oberen Pfarre liegt eine Urkunde des Bamberger Stadtgerichts vom 17. September 1360 mit anhängendem, ziemlich beschädigtem Stadtsiegel. Friedrich vom Rotenstein, Ritter und Schultheiß (Vorsitzender des Bamberger Schöffengerichts) verurteilt auf die Klage des Kirchenpflegers Konrad des Raben hin den Zentgrafen (Vorsitzender des Zentgerichts) Heinrich Swertfeg, seine Nachkommen und Erben, die den Hof zu Gaustadt gelegen bei dem Bache innehaben, alljährlich vier Unzen Pfennige alter Bamberger Münze halb Martini halb Walburgis an den Bau und an das Werk zu >Unser Frauen Pfarr< zu geben. Der Kirchenpfleger konnte nachweisen, daß den genannten Zins schon des Swertfegen Vater und Mutter gezahlt hatten .

Dieser Hof, der nach der Urkunde am Bache d. h. am sog. Langen Bächlein liegt, läßt sich genau festlegen. Zum ersten nämlich wird die Abgabe von vier Unzen in den Zinsbüchern der oberen Pfarre aufgeführt. Im Register von 1423, das nach dem alten gefertigt wurde, lesen wir: "Irmel Mentlerin gibt aller jar zwey pfunt von dem hoffe zu Gaustat. Hans Koler zu Vihret der gibt aller jar 20 pfennig von dem hoff der Irmel Mentlerin tzu Gaustat" ". Die vier Unzen alter Münze galten also damals nodi zwei Pfund 20 Pfennig. Im Zinsbuch von 1493 heißt es unter den "Zinsen auf dem Land": "Zu Gawstatt Hans Stretz ein Pfund zehn Pfennig, zu Viricht Hans Koler 20 Pfennig" ". 1513 wird die Abgabe wieder kleiner: "Zins zu Gawstat ein Pfund 10 pfennig Contz Stretz alias Hans Stretz"." Das ist genau die Hälfte des Zinses von 1423.

Trotz des klaren Urteils von 1360 mußten die Kirchenpfleger nochmals klagen und zwar gegen Anna Mentlerin, der eben genannten Irmel Mutter. Am 10. Dezember 1442 sprach Michel von Schaumberg, damals Vogt auf dem Mönchsberg, Recht in der Klage der beiden Pfleger Hanns Bernhart und Endres Bühler der Oberen Pfarre gegen Anna Mentlerin, der Witwe Berthold Mentlers zu Bamberg. Diese hatte sich seit 20 Jahren geweigert, die vier Unzen zu zahlen "von dem hofe am bache zu Gaustat, der von dem Herrn von Münchberg zu lehen rührt und vormals auch des Swertfegen gewest ist. Obwohl man "viel und dick" d. h. immer wieder den Zins angefordert, obwohl man am bischöflichen Landgericht "zum andern Mal" d. h. zweimal schon mit Erfolg geklagt hatte, zahlte sie nicht, so daß die Pfleger den erlittenen Schaden auf mehr als 40 Gulden schätzten. Die Beklagte brachte durch ihren Fürsprech d. h. Anwalt vor, daß ihr nach ihres Manns Tod der Hof wäre mit keinen anderen Zinsen verliehen worden als jenen, die sie dem Kloster zu leisten habe.

Von einer Abgabe an die Obere Pfarre habe sie nie etwas gehört, auch nie etwas geleistet. Sie berief sich auf ihre Briefe, wohl Belehnungsurkunden, und auf die Lehenbücher des Klosters. Aber auch die Kläger legten ihre Briefe, Register und Zinsbücher als Zeugnisse vor. Am 10. Dezember sprach das Urteil die Anna Mentlerin schuldig, die vier Unzen der Kirche zu zahlen.

Aus diesen beiden Prozessen ergibt sich für den Hof folgendes: Das erste Urteil gegen den zahlungssäumigen Heinrich Swertfeg erging vor dem Stadtgericht Bamberg, da der Beklagte Bamberger Bürger war. 1360 wird demnach der Hof noch Lehenbesitz des Swertfegen gewesen sein. Schon dessen Eltern hatten den Zins gereicht. Wenn man berücksichtigt, daß am 23. März 1321 ein Heinrich Swertfeg in der Au und seine Frau Elsbeth nach ihrem Tod dem Bamberger Katharinen Spital 7 ½ Schilling Pfennige Zins anweisen, wenn Henricus Gladiator, was obigen Swertfegen meint, und seine Frau am 15. Mai 1316 den halben Zehnten des Dorfes Watzendorf auch nach ihrem Tod stifteten, und wenn wir die Stiftung zu Gaustadt, die in die gleiche Zeit fallen muß, noch daneben-stellen, dann wird es sich wohl um das gleiche Ehepaar handeln, das mit diesen Werken sein Seelenheil fördern wollte ". Dieselbe Zeit um 1320 ergibt sich aus der Überlegung, daß Heinrich Swertfeg der jüngere um 1360 Zentgraf ist, also eine maßgebende Stellung im Bamberger Gerichtswesen einnimmt; damit darf man wohl für ihn ein Alter von 50 bis 60 Jahren ansetzen. Er müßte demnach um 1300 geboren sein, und die oben genannten Stifter könnten des Zentgrafen Eltern sein. Für die Bestimmung dieses Hofes ist der Eintrag im Michelsberger Zinsbuch von 1451 maßgebend: Irmell Mentlerin von der Junckfrawn Höflein dicto olim Swertfegers hoflin" ".

Aus der bis zum heutigen Tag lückenlosen Besitzerliste ersieht man, daß dieser Hof die jetzige Brauerei Wörner ist. Die Bezeichnung Aer Jungfrauen Höflein" weist auf den oder die nach Swertfeg folgenden Besitzer hin. Welche Jungfrauen gemeint sind, dürfte sich aus dem Eintrag des Michelsberger Zinsbuches von 1470 ergeben, nach dem seit 1467 Jobst Melber als ein (Leben ) Träger der Jungfrauen zum heiligen Grab« in Bamberg für ihrenBesitz in Dörfleins auftritt und ebenda Fritz Stretzens Selde an "der Junckfrauen gutlein" grenzt. Von einem Besitz dieses Hofes durch die Nonnen wissen wir freilich nichts; er müßte in die Zeit zwischen dem Swertfeg (1360) und dem Berthold Mentler (1420) fallen. Die Lückenhaftigkeit unserer Kenntnisse ersehen wir auch aus der Urkunde vom 2. April 1343. Sie überliefert die Tatsache, daß das Kloster Langheim an diesem Tage neben einer Reihe von Gütern und Einkünften z. B. in Kirchschletten und Stegaurach auch von einem Gute in Gaustadt ein Scheffel und ein halbes Sürnra Korn nebst zwei Schillingen jährlichen Zinses gegen abgelegene Besitzungen des Michelsberges im Frankenwald eintauscht. Diese Abgaben ruhten auf dem Gute, "das einst Otto, Bigner genannt, bebaute".

"Dieser Otto besaß, nach seinem Namen zu schließen, den Biegenhof. Auch später tragen Biegenbauern noch einen zweiten Hof in Gaustadt zu Lehen. Der Biegenhof liegt heute wüst; an ihn erinnert der Flurteil gleichen Namens östlich der Regnitz gegen Hallstadt zu gelegen. Damit tritt zum erstenmal der Biegenhof auf.

Er gehörte einst kirchlich zur Oberen Pfarre in Bamberg, was mit Sicherheit darauf schließen läßt, daß er früher links der Regnitz lag". Der Fluß hat nicht nur durch Eingriffe der Menschen, wie vor hundert Jahren durch den Bau des Werkkanals und den Durchstich für den Großschiffahrtsweg in unseren Tagen sondern auch nach Überflutungen seinen Lauf mehrfach verändert, wodurch in alter Zeit langwierige Rechtsstreitigkeiten entstanden. Der Biegenhof war Lehenbesitz des Domkapitels zu Bamberg ". Durch den obigen Tausch suchte der Michelsberg seinen Besitz in Gaustadt abzurunden.