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Evang. Luth. Pfarrei St. Matthäus

Mit der Errichtung der Baumwollspinnerei 1858 nahm die schon vorhandene Zahl der Protestanten in Gaustadt zu. Geschah dies langsam, so wurde nach dem zweiten Weltkrieg deren Zahl durch den Flüchtlingsstrom plötzlich und stark vermehrt. Nach den Angaben des katholischen Pfarramtes, die aber nur auf unsicheren Schätzungen beruhen, betrug 1877 die Zahl der nichtkatholischen Einwohner Gaustadts 203, 1930 aber 145, 1950 aber schon 611. Damit stimmt ungefähr überein, dass sie nach Mitteilung des Ev. Luth. Pfarramts 1945 auf ca. 700 gestiegen war. Am 24. Mal 1895 teilte das kgl. Bezirksamt Bamberg II dem kath. Pfarramt Gaustadt betreff "Pfarrpurifikation im protestantischen Dekanatsbezirk Bamberg" mit, dass Gaustadt nebst den übrigen im Dekanat wohnenden Protestanten in die protestantische Pfarre Bamberg eingewiesen wurden.

Über die Entstehung und Entwicklung des evangelischen Gottesdienstes in Gaustadt geben folgende Schriftstücke Aufschluss: Das Ev. Luth. Dekanat Bamberg gez. Dietz Dekan und Kirchenrat schreibt am 15. März 1955 an das kath. Pfarramt Gaustadt betreff "Einsegnung der Konfirmanden von Gaustadt und Umgebung in der alten Kirche von Gaustadt, dass "in entgegenkommender Weise das kath. Pfarramt in einem Schreiben vom 12. Dezember 1949 den ev. luth. Einwohnern von Gaustadt die Benützung der dortigen alten Kirche (der Kapelle!) zweiwöchentlich und zu den Festzeiten" zusagte. "Sowohl das Evang. Luth Dekanat wie das Evang. Luth. Pfarramt St. Stephan Bamberg ist für diese Großzügigkeit und Brüderlichkeit immer wieder von neuem dankbar". Danach dürfen wir als sicher annehmen, dass seit Weihnachten 1949 in der Gaustadter Kapelle evangelischer Gottesdienst gefeiert wurde.

Obiges Schreiben enthält, wie schon der Betreff sagt, die Bitte um erstmalige Genehmigung der Konfirmationsfeier am Palmsonntag den 3. April. Zur Begründung wurde vor allem die weite Entfernung der Orte Gaustadt, Bischberg und Trosdorf von St. Stephan in Bamberg angeführt.

Am 24. März 1955 richtete das Erzbischöfliche Ordinariat an das kath. Pfarramt Gaustadt ein Schreiben des Inhalts, dass "es keinen Einspruch dagegen erhebt, wenn das kath. Pfarramt Gaustadt die alte katholische Kirche der protestantischen St. Stephans Gemeinde noch einen weiteren Sonntag im Jahre zur Verfügung stellt". Diese amtlichen Schreiben beweisen das gute Verhältnis der beiden christlichen Kirchen zueinander, das sich auch darin ausdrückt, dass nach den Akten des kath. Pfarramtes Gaustadt am 3. Oktober 1958 das Ev. Luth. Stadtvicariat St. Stephan ein Schreiben an das katholische Pfarramt richtete, in dem Stadtvicar Ludwig Haffner daran erinnerte, dass die kath. Gemeinde am "5. Oktober die 150jährige Wiederkehr der Weihe ihrer alten Kirche" feiere. Daran nehme "auch in Freude und Dankbarkeit die Evang. Luth. Gemeinde Gaustadt teil, weil sie seit Jahren ihre Gottesdienste in der alten Kirche feiern" dürfe. Herzlichen Dank für alle Hilfe, die wir erfahren haben".

Die engen Verhältnisse der alten Kapelle angesichts der gestiegenen Zahl der Gemeinde Mitglieder ließen bald den Gedanken an eine eigene Gottesdienststätte aufkommen. Am 21. Mai 1960 wurden diese Bestrebungen durch die Gründung eines Evangelischen Kirchbauvereins verwirklicht, nachdem die Familie Gebrüder Wörner den Bauplatz für ein Gemeindezentrum durch Schenkungsurkunde vom 15. September 1959 der evangelischen Gemeinde übereignet hatte Die Grundsteinlegung zum Bau der ev. luth. St. Matthäus Kirche erfolgte am 28. November 1962, das Richtfest am 4. Juli 1963 und die Einweihung am 12. Juli 1964. Die Planung und Durchführung war dem Arch. Dipl.Ing. Franz Gürtner in München übertragen, die Bauaufsicht und Bauleitung dem Architektenbüro Bornhofen Bamberg. Im Bau ist besonders bemerkenswert die Taufkapelle mit dem Taufbrunnen, der lebendiges Wasser aus einer unter der Kirche fließenden Quelle spendet, gestaltet von den akad. Bildhauern Bauer Haderlein in Bamberg und mit dem Mosaikboden von Heidingsfelder Nürnberg.

Ihre Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1967 aus einem Ringtausch unter den sechs evangelischen Kirchengemeinden Bambergs im Zuge der Neuanschaffung einer Schleiforgel in der Bamberger St. Stephanskirche und zwar ist die Gaustadter Orgel der erneuerte Teil der Erlöserkirchenorgel, die 1940 für den Zentralsaal angeschafft wurde.

Am 18. Juli 1965 konnte ein auf das Geläute der kath. St. Josefskirche abgestimmtes Glockengeläute, das von der Firma Karl Czudnowsky, Erding, gegossen wurde, in Gebrauch genommen werden. Die Glocken tragen die Inschriften: 1. "Siehe, ich bin bei euch bis . . .", 2. "Wachet und betet . . .«, 3. "Gehet hin in alle Welt . . .", 4. "Mein Vater, nicht wie ich will, sondern wie Du.Sie tragen folgende Symbole: 1. XP, das Christussymbol, 2. die brennende Lampe, Symbol der Erwartung des kommenden Christus, 3. die Taube, Symbol des Heiligen Geistes, 4. das Kreuz, Zeichen der Überwindung des Todes. Man kann sie als Christusglocke, Gebetsglocke, Taufglocke und Sterbeglocke auffassen. Am 26. Mal 1966 konnte das Richtfest des neuerbauten Pfarrhauses und am 1. Adventssonntag 1966 seine Einweihung gefeiert werden. Die Seelenzahl der Pfarrei stieg von 1000 im Jahre 1965 auf ca. 1170 im Jahr 1968.