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Die Errichtung eines Friedhofs in Gaustadt

Der nächste Schritt der Gemeinde bestand in einem Gesuch vom 1837 um Genehmigung eines eigenen Friedhofes. Am 11. Juli 1837 ersucht das Landgericht, heute Landratsamt Bamberg II, das Pfarramt Bischberg, zur Errichtung eines Friedhofes "rücksichtlich der Stolgebühren" Stellung zu nehmen ". Das tut Pfarrer Ott am 24. Juli. Die Antwort in seiner fast unleserlichen Schrift enthält zuerst die Gründe, die gegen die Absicht der Gaustadter sprechen, um dann die Gründe anzuführen, warum nach seiner Ansicht durchaus kein eigener Gottesacker in Gaustadt angelegt werden soll und kann. Er bringt folgendes vor:

1.Es kann wahr sein, dass Michael Reges ein Stück Feld hinter seinem Haus und 50 Gulden zu einem Gottesacker hergeben will; damit aber kann man diesen mit keiner Mauer, Kruzifix und Tor versehen.

2.Es ist nicht richtig, dass damit keinem Unrecht geschehe; denn dadurch werde dem Pfarrer und Kirchner eine neue Last auferlegt.

3.Von Bezahlung der Gänge nach Gaustadt will weder Pfarrer noch Kirchner etwas wissen, indem die meisten Gaustadter nicht imstande sind, die bisherigen Gebühren zu begleichen, da Pfarrer und Kirchner vier Leichen und ebensoviel Kindtaufen seit einem Dreivierteljahr einzunehmen haben. Ganz richtig ist, dass die Gemeinde Bischberg keinen Schaden leidet. Gaustadt wurde ohne Gottesacker der Pfarrei Bischberg einverleibt und soll auch so bleiben. Unwahr ist aber, dass der Gemeinde Gaustadt kein Schaden entsteht. Mit 50 Gulden kann man keinen Gottesacker herstellen; das übrige müsste doch die Gemeinde draufzahlen. Warum wollen sie überhaupt einen eigenen Friedhof? Sie werden doch nicht für die Leiber ihrer Verstorbenen, sondern für deren Seelen beten. Was haben wohl die Gaustadter für die Erweiterung des Bischberger Gottesackers bezahlt? Nur ihren Anteil am Grundstück, das dazu angekauft wurde. Auch wenn eine Epidemie "einreißt", ist der Gottesacker zu Bischberg groß genug. Deswegen hat Gaustadt nicht zu befürchten, dass es durch Zwangsumlagen zur Vergrößerung des Bischberger Friedhofes etwas beitragen müsste.

4.Es ist auch nicht richtig, dass Bug und Tütschengereuth einen eigenen Gottesacker haben und wenn, so ist es mit diesen beiden Orten etwas ganz anderes, indem diese einen äußerst schlechten Weg zu ihrer zeitherigen Begräbnisstätte haben. Bei schlechter Witterung können doch ganz gewiss die Gaustadter mit Mänteln und Tüchern bedeckt eher nach Bischberg als ein alter, gebrechlicher Pfarrer und Kirchner mit Regenschirmen nach Gaustadt gehen, indem bei Stürmen kein Regenschirm gebraucht werden kann. Die aber, die schlechte Kleidung haben, können zu Hause bleiben.

Die Antwort des Pfarrers musste deswegen so ausführlich gebracht werden, weil aus ihr die Gründe der Gaustadter, deren Eingabe nicht erhalten ist, größtenteils erschlossen werden können. Nachdem Pfarrer Ott auf die Eingabe der Gaustadter geantwortet hat, bringt er seine eigene Stellung in folgenden Punkten zur Kenntnis:

Schon aus dem Gesagten ist ersichtlich, dass das Pfarramt Bischberg der Eingabe der Gaustadter um einen eigenen Gottesacker entgegen sein muss.

Umso mehr aus seinen hier folgenden Gründen:

1.Das Pfarramt kann sich unmöglich unnötige Pflichten auflegen lassen. Gaustadt wurde 1805 der Pfarrei Bischberg ohne einen eigenen Gottesacker einverleibt. Mithin muss es auch so bleiben; denn sonst müßte das Pfarramt die Bitte stellen, Gaustadt wieder hinzutun, wo es hergekommen ist.

2.Dadurch würde der Unterricht an der Schule unendlich leiden, weil an den Tagen, wo eine Leiche und dann die Ämter in Gaustadt sind, früh morgens kein Unterricht erteilt werden könnte. Das kann das Jahr hindurch wenigstens 70 bis 80mal geschehen, denn der hiesige Lehrer müsste immer mit nach Gaustadt.

3.Die Gaustadter sind ohnehin liederliche Zahler. Was würde erst geschehen, wenn sie für eine Leiche vier bis fünf Gulden mehr bezahlen müssten. Da müssten Pfarrer und Kirchner beständig beim Landgericht klagen und dasselbe beschäftigen.

4.Die Gaustadter haben gar keinen Grund (Heuchelei und Gleisnerei allein ausgenommen) um einen eigenen Gottesacker anzusuchen; denn es kann kein schönerer und bequemerer Weg gedacht werden als der von Gaustadt nach Bischberg.

5.Es könnte ein Pfarrer zu Bischberg entweder wegen Alters, Gebrechlichkeit oder einer leichten Krankheit nicht nach Gaustadt gehen, wohl aber die Leichen und Ämter in Bischberg abhalten. Wenn er das nicht könnte, würde ihm eine Aushilfe unnötige Auslagen machen, die sein ohnehin schwaches Einkommen noch mehr verkürzen müssten.

Wegen dieser angeführten Gründe bittet das Pfarramt Bischberg, die Gaustadter mit ihrer Bitte um einen eigenen Gottesacker abzuweisen, oder sie wieder dahin zu weisen, woher sie gekommen sind oder eine eigene Kuratie zu bilden, denn Bischberg leistet gerne Verzicht auf Gaustadt.

6.Die Gaustadter Gemeinde sollte vor allem für ein besonderes Schulhaus sorgen; diese Sorge ist eine größere Notwendigkeit, nicht aber ein eigener Gottesacker. Ott Pfarrer

Ein unbefangener Leser wird leicht erkennen, dass nicht alle Gründe des Pfarrers stichhaltig sind, besonders was seine persönlichen Anliegen wie Alter und Krankheit betrifft, vor allem aber lässt sich eine gereizte Haltung, ja Abneigung gegen Gaustadt nicht übersehen. Andrerseits zeigt die Bitte der Gaustadter um einen eigenen Friedhof, dass sie keineswegs mit der Abhängigkeit von der Pfarrei Bischberg zufrieden sind, sondern allmählich die kirchliche Selbständigkeit erstreben.

Unterm 30. September 1837 verständigt das Landgericht Bamberg das Pfarramt Bischberg, dass gemäß eines hohen Beschlusses der k. Regierung des Obermainkreises, Kammer des Innern, auf das von der Gemeinde Gaustadt angebrachte Gesuch auf Errichtung eines eigenen Freudhofes (!) im Orte Gaustadt nicht eingegangen werden kann. Damit war für fast 30 Jahre Ruhe in der Friedhofssache äußerlich wenigstens geschaffen.

Diese "Friedhofsruhe" wurde gestört durch die Notwendigkeit, den Bischberger Friedhof 1865 zu erweitern. Das benützte Gaustadt, um den Antrag auf Errichtung eines besonderen Gottesackers zu erneuern. Die Antwort des k. Bezirksamtes Bamberg II stellt fest, "dass daran im günstigsten Fall nicht vor Eintritt eines Personalwechsels im Bischberger Pfarramt gedacht werden könne".

Das Bedürfnis der Erweiterung des Bischberger Friedhofes habe Gaustadt stillschweigend anerkannt und nur den nach seiner Meinung zu hohen Kaufpreis des notwendigen Grundstückes beanstandet. Beide Gemeinden müßten sich erst gemeinsam über die Angelegenheit benehmen.

Dann schweigen darüber die Akten bis zum 4. April 1866. An diesem Tag benachrichtigt die Gemeindeverwaltung Gaustadt das katholische Pfarramt Bischberg, dass durch Regierungsentschließung vom 8. März d. J. die von der Gemeinde Gaustadt beantragte Errichtung eines eigenen Begräbnisplatzes genehmigt worden sei.

Das Bezirksamt forderte daraufhin die Gemeinde Gaustadt auf, einen angemessenen Platz zu erwerben und über die Deckung der damit verbundenen Kosten zu beschließen.

In ihrer Mitteilung an den Bischberger Pfarrer betont die Gemeinde, dass es nicht in ihrer Absicht lag, dem Pfarramt Bischberg nahe zutreten noch ihren "lieben und hochgeachteten Herrn Pfarrgeistlichen neue Lasten aufzubürden". Sie versichert, dass "Seine Hochwürden Herr Dechant (Philipp Grohe, Bischberger Pfarrer 1858 75) eine Hochachtung und Wertschätzung genieße, wie sie nie einer der hochwürdigen Herrn Vorfahrer (!) genossen hat. Zugleich bat Gaustadt um eine gefällige Zusammenstellung des Durchschnitts der Sterbefälle, die das Bezirksamt forderte. Das scheint auch geschehen zu sein, denn nun folgen rasch aufeinander die notwendigen anderen Genehmigungen. Am 17. August und 15. September 1865 hatte das Erzbischöfliche Ordinariat erklärt, dass es gegen den Gaustadter Friedhof vom kirchlichen Standpunkt aus keine Erinnerungen zu machen habe, wenn,

1. die bisher üblichen Beerdigungskosten bis zum Ableben des derzeitigen Pfarrers oder dessen Versetzung entrichtet werden, wenn

2. bei den Beerdigungen mit Zustimmung des Pfarrers ein besonderer Geistlicher mit eigener Honorierung oder ohne letzteren die übliche Gebühr des Pfarrers in billiger Weise für dessen besonderen Gang erhöht werde. Unter diesen Bedingungen wurde durch Entschließung der Regierung von Oberfranken vom 8. März 1866 die Errichtung eines eigenen Begräbnisplatzes in Gaustadt genehmigt.

Das Bezirksamt wird wohl mit dem angeforderten Bericht über die Verhandlungen wegen eines geeigneten Grundstückes und über die Deckung der anfallenden Kosten zufrieden gewesen sein. Auf dem neuen Friedhof zu Gaustadt wurde am 22. April 1867 ein notgetauftes Kind und am 24. April der ledige Fabrikarbeiter Andreas Ludwig Brand beerdigt.

Der Pfarrer nahm diese Beerdigungen nicht selber vor und forderte nach dem Vertrag die Gebühren für das Kind und Brand, zusammen drei Gulden 48 Kreuzer nebst dem üblichen Opfer bei der Leichenfeier. Am 16. Juni 1867 bestätigt der Gaustadter Ortsvorsteher Bohrer den Empfang der Quittung für die Beerdigungskosten mit der Drohung, die Regelung der Sache beim Ordinariat und der Regierung zu verfolgen. Er fährt fort: "Sollte aber dieses Gesuch fruchtlos sein, so nehme ich Zuflucht (denn ich bin in diesem Fall gezwungen) zur Öffentlichkeit und zwar unter dem Titel Ein Gegenstück zu die (!) Werke der Barmherzigkeit in mehreren Blättern". Kaum hatten also die Gaustadter ihren eigenen Friedhof, so begannen sie in völliger Verkennung der Rechtslage wieder die Streitigkeiten mit der Pfarrei Bischberg wie unter Pfarrer Ott. Aber eine Entschließung der Regierung von Oberfranken, die im Namen Seiner Majestät des Königs erging, machte den Gaustadtern klar, dass sie mit ihrer Meinung auf dem Holzweg waren. Es wurde ihnen nochmals erklärt, es geschah am 27. August 1867 dass

1.der Bischberger Pfarrer nach wie vor das Recht habe, die Beerdigungen in Gaustadt vorzunehmen und dafür eine entsprechende Entschädigung zu verlangen,

2.dass, falls er eine Beerdigung, nicht vornehmen könne oder wolle, die Beteiligten die Beerdigungen an Sonn- und Feiertagen durch den den Gottesdienst besorgenden Geistlichen, an Wochentagen durch einen der Patres des Franziskanerklosters in Bamberg, dessen Guardian die Aushilfe bereits zugesagt habe, "gegen gehöriges Honorar vornehmen lassen können".

Überblickt man das Verhalten der Gaustadter in dieser Friedhofsangelegenheit, so kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass sie mit einer gewissen Hinterhältigkeit, ja Unredlichkeit, die sich auf die sog. Bauernschläue gründete, dem Pfarramt gegenübertraten, man denke nur an die Lobesworte und Drohung gegenüber dem Pfarrer.