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Die Einwohner Gaustadts

Wollen wir die Bewohner Gaustadts in den verschiedenen Zeiten feststellen, dann sind wir bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts auf die Angabe einzelner Personen angewiesen. Diese finden sich vor allem in den Zins und Gerichtsbüchern, auch in Urkunden des Michelsbergs und des Elisabethen Spitals. In den Zinsbüchern fehlen aber die zahlreichen Dienstboten, die wir nur gelegentlich bei Zeugenaussagen und Raufhändeln erfahren. Erst aus dem Jahr 1555 hat sich ein Huldigungsverzeichnis der Gaustadter erhalten. Dazu tritt von 1599 auch das Archiv der Oberen Pfarre zu Bamberg mit seinen Matrikeln. Von da an macht die Erfassung der Gaustadter Einwohner keine Schwierigkeiten mehr. Um es vorweg zu nehmen, Vorstellungen von Jahrhunderte alter Sesshaftigkeit einer Familie auf einem Hof und Haus oder selbst im Dorf sind mindestens selten, so selten, dass sie in Gaustadt sich überhaupt nicht nachweisen lässt. In Stadt und Land trifft man während des ganzen Mittelalters einen steten Wechsel der Bevölkerung, der sich innerhalb eines mehr oder weniger eng begrenzten Raumes durch den Austausch der Familiennamen erkennen lässt. Mit dem Beginn der Neuzeit nimmt dieser Wechsel infolge der politischen, sozialen und religiösen Wirren nur noch zu. Es erübrigt sich daher im Folgenden, die Namen aller Gaustadter Familien der alten Zeit anzuführen; nur solche aus den rund 200 festgestellten Familiennamen bis 1803 sollen besprochen werden, die sprachlich oder ortsgeschichtlich wichtig sind oder in die neueste Zeit hineinreichen. Die ersten Personennamen, die im Zusammenhang mit Gaustadt erwähnt werden, eignen Männern, die kaum oder nicht im Orte selbst ihren Wohnsitz hatten. Es waren Geistliche und Laien, diese meist Adelige, die dort über Eigentum oder Lehen verfügten, auch ein Amt ausübten wie jener Erchanbrecht, der Würzburger Stiftsherr, der Bamberger Kanoniker Ruzilin, die Ministerialen Marquard Slicher und Heinrich von Stetebach, der Klostervogt.

Im Jahre 1335 taucht dann der erste Einwohner Gaustadts auf; er heißt Vogt. Wir dürfen darunter, wie schon erwähnt, keinen Amtsvogt verstehen; dann wäre dieser Titel in der lateinischen Urkunde ebenfalls Lateinisch wiedergegeben worden. Ferner zeigt der Zusatz dictus (genannt) für diese frühe Zeit einen Personennamen an. Er sagt weiter nichts aus, als daß man den Mann so nannte; Vogt muß deshalb aber auch kein erblicher Familienname gewesen sein. Deutlicher wird dies an einem anderen Michelsberger Beispiel: In einer Urkunde des gleichen Tages (Karsamstag 1335) bestätigt Abt Walther den Jahrtag der Gertrudis genannt Münchbergerin von ihren Gütern zu Stübig. Ihr Name war auch in Bamberg gebräuchlich, denn Gertraud Münchbergerin genannt, an dein Sande gesessen, stiftete eine Vikarie zu St. Jakob (17. April 1337). Diese Frau bzw. ihr Mann hieß eben Münchberger, weil sie im Sand, im Stadtgebiet, auf einem Haus des Klosters Münchberg saßen.

Es ist das die Zeit, in der sich gerade die Beinamen zu Familiennamen wandeln, in den Städten früher als auf dem Lande. Die urkundlichen Nachrichten über Gaustadt ermöglichen es uns nicht, das Entstehen der dortigen Bauernnamen um 1350 verfolgen zu können. Was uns im ersten Zinsbuch von ca. 1370 entgegentritt, sind die Namen Tratz, Peterser und Geulch . Der letzte Name ist schwer d. h. nicht zu deuten; eine Geulchin kommt noch 1420 in Gaustadt vor und 1403 im Sand zu Bamberg. Tratz stellt die mhd. Form von Trotz dar und Peterser ist ein Beispiel für die bei uns gar nicht so seltenen sog. Mutternamen. Man bildete zu Petrus, Peter die weiblichen Vornamen Petrissa und Peters. Peterser kann der Mann oder der Sohn einer Peters sein. Später trug man in diesem Zinsbuch die Nachfolger auf deren Höfen ein, die Vollantein, den Eichelberger und den "durr Hoffman". Die Vollant(e)in rechne ich zur Bamberger Familie gleichen Namens, die dort seit 1295 bezeugt ist. Der dürre Hofmann sieht ganz nach einer notwendigen Unterscheidung aus; der sicher vorhandene Vorname konnte das wahrscheinlich nicht, und so finden wir bezeichnenderweise diesen Beinamen, der mit ihm wieder verschwindet. Die Eichelberger sitzen in mehreren Familien zu verschiedenen Zeiten auf dem Abts und Kellerelhof, auf Gr.Nr. 5, 6, 9, 33, 34, 55, 57 und 17, 59, 61, letztere spitälisch. Die Gerhaus Eichelberger besitzt nach dem Tode ihres Mannes 1496 drei Anwesen, den Kellereihof, Gr.Nr. 5 und 37. Das letztgenannte Gut erbt ihre Tochter Magdalena Hartmann, das erste ihr Sohn Jobst. Den Kellereihof verkaufte die Mutter noch bei ihren Lebzeiten (1497) an Conz Linsner und Jorg Lohr. Ein anderer Zweig mit Sebastian und Christina Eichelberger wohnt auf Gr.Nr. 33.

Diesen Hof erbt der Sohn Hans. Eingeschoben sei hier, dass seit 1387 Cunrad und Agnes Eichelberger in der Bamberger Theuerstadt leben, dass von 1432 49 Heinrich und von 1453 61 Clas Eichelberger in Bamberg als Schöffen wirken. Obengenannter Hans Eichelberger zieht von Gaustadt nach Bamberg und siegelt 1616 als Mitglied des Rats und Handelsmann. Sein Schwiegervater ist Hans Sauer in Scheßlitz. Hans muss ein reicher Mann gewesen sein; denn sonst wären die ebenso wahnwitzigen wie habgierigen Hexenrichter, di Doctores Herrnberger, Schwartzconz, Einwag, Vasold und Harsaeus nicht auf ihn aufmerksam geworden, die ihn und seinen gleichnamigen Sohn, vielleicht auch Frau und Tochter, 1629/30 als Hexer töten ließen ". Ein Menschenalter später sterben die Eichelberger 1663 mit dem spitälischen Untertanen Conz in Gaustadt aus.

Gleichzeitig mit den ältesten Eichelbergern leben in Gaustadt die Peier, Persch, Veinpauer, Flade, Volker, Greulicb, Karg, Kaudler, Köstner, Kraus, Schneider, Stretz, Stürmer, Übelein u. a. Auch von diesen spielten einzelne Familien wie die Stretz, die aus Hallstadt Dörfleins stammten, oder die Stürmer schon infolge ihrer starken Vermehrung in Gaustadt eine ziemliche Rolle, überlebten aber nicht den 30jährigen Krieg.

Den altertümlichsten Namen trug indes die Familie Amling, auch Amlung. Da Amlingstadt zu den ältesten Siedlungen unserer Heimat zählt und nach einem Amling benannt ist, darf es uns nicht wundern, wenn dieser Name in den verschiedensten Gegenden Oberfrankens zu Hause ist bzw. war. 1390 lebte ein Amling in Drosendorf (Hollfeld) und um 1420 in Hollfeld selbst, 1403 und 1408 ein VIlein und Merklin in Melkendorf und Seigendorf ". Er breitete sich sogar ins Bayreuthische aus, 1520/21 werden sie in Thurnau bezeugt und 1552 sogar in Wunsiedel. Spät erst seit 1482 finden sie sich in der Stadt Bamberg. 1593 tritt Wolf Amling in Gaustadt in einer Michelsberger Huldigungsliste als letzter seiner dortigen Sippe auf; darum kommen sie in den Matrikeln der Oberen Pfarre nicht mehr vor. Wenn aber 1452 in einer Klagesache Amlung Hofmann zu Gaustadt erscheint, so ist in diesem Falle Amlung nicht etwa ein Vor , sondern ein Familienname, der hier zur Unterscheidung von anderen Amlung als Inhaber des Abtshofes bezeichnet wird.

Dieser Name führt uns zu einer anderen Familie, deren Lebensdauer in Gaustadt nur kurz bemessen war. 1507 sitzt Conz Weicker auf Gr.Nr. 12, die vorher im Besitz der Gerhaus Amlingin, dann ihrer Töchter Else und Christine war. Vielleicht heiratete dieser Weicker eine der Erbinnen. Jedenfalls bemerkt ein Schreiber 1578 noch "Wolf Weicker, sonsten Amling genannt ". Dieser hatte damals den Abtshof inne. Verhältnismäßig oft übernahm ein eingeheirateter Mann den Familiennamen seiner Frau; nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt. An diesem Namen Weicker trat bald ein Schluss-t an, eine bekannte Erscheinung und schließlich wurde aus diesem Weickert der in den Matrikeln der Oberen Pfarre übliche Weick(h)art ".

Dieser Weicker Amling führt uns zu ähnlichen Bildungen, die von Laien manchmal nicht nur von diesen für die Regellosigkeit oder Wandelbarkeit der früheren Familiennamen in Anspruch genommen werden. Da findet sich z. B. 1466 ein Crafft Eberlin zu Gaustadt, der aber 1470 Crafft Eberhart heißt ". Man erkennt leicht, dass beim jungen Angehörigen der Familie Eberhart die Verkleinerung benutzt wurde; so wie man z. B. zum Sohn eines Stang eben Stenglein sagte, so hier statt Eberhart auch Eberl(e)in. Im gleichen Zinsbuch, das dies Beispiel bringt, lesen wir aber auch wenige Blätter vorher "Crafft Hoffman alias (sonst) Eberhart, 1478 nochmals in der gleichen Form". Das wird verständlich, wenn wir wissen, dass 1431 auf dem H o f des Abts ein Heintz Eberhart sitzt, der 1467 als Heintz Hoffman vorkommt. Der Name Eberhart erscheint nach 1478 nicht mehr, ihn verdrängt der Obername Hoffmann. Das heißt, mit anderen Worten ausgedrückt, im Dorfe vergisst man den ursprünglichen Namen; einen gesetzlichen Zwang zur Führung des angestammten Familiennamens kennt eben diese Zeit noch nicht. Als sich im Dorfe der Name Hoffmann vermehrte, kam die klösterliche Verwaltung ohne Beinamen nicht mehr aus. Das zeigte sich auch in anderen Dörfern wie in Ebing und Rattelsdorf, wie man in meinen "Personennamen des Hochstifts Bamberg« nachlesen mag.

Die Kanzlei hielt sich dabei sicher an die schon im Dorfe üblichen Bezeichnungen. Den "dürren Hofman" lernten wir schon kennen. 1470 unterschied man den Hans Hoffman Hinckerlein genannt und 1495 seinen Sohn Clas Hofman Hincker genannt, von Heinz Hoffmann Ocker geheißen ", ohne dass freilich beide Obernamen sich für die Dauer hätten behaupten können.

Manchmal kann man den Ursprung eines solchen Doppelnamens erkennen. 1543 z. B. wird Heinz Mülner, Kerslein genannt, bei einer Klage erwähnt ". Im nächsten Jahre erfahren wir, dass dieser Mülner, übrigens die ursprüngliche Form für unser heutiges Müller, der Stiefbruder des Josef Kerslein ist. Seine Mutter brachte ihn wohl in ihre zweite Ehe mit einem Kerslein; dort wuchs er mit den Kerslein der zweiten Ehe auf und zählte zu ihnen. Das erscheint übrigens als treffendes Beispiel für die Festigkeit" und Wichtigkeit der Familiennamen. Wenn man die Namenbücher z. B. M. Gottschalds "Deutsche Namenkunde“ (S. 72/73) liest im Mittelalter aber war gerade der Vorname der Hauptname und der Familienname nur ein zur Unterscheidung dienender Zusatz . . . Im Mittelalter fragte man weniger: "Wie heißt du?" sondern: "Wie wirst du genannt?", so überrascht gerade dieser Heinz Mülner, Kerslein genannt. Warum, muss man nach Gottschalds Ausführungen fragen, hielt man diesen angeblich so unwichtigen Familiennamen Mülner ausdrücklich im Protokoll fest, nachdem er doch wiederum Kerslein "genannt" wurde? Anders steht es mit Hans Vogels, Hofbauern zu Gaustadt, Frau, die auch des Spiegelbauern Frau heißt. Dieser Vogel war seit 1669 Inhaber des Kellereihofs, daher Hofbauer.

Der Name Spiegelbauer ist in Gaustadt fremd, er kommt nur einmal hier vor. Er erinnert aber an die Spiegelberger und 1681 lebt ein Abraham Spiegelberger als Fuhrknecht im Kloster und 1724 ein Michel gleichen Namens im Maienbrunnen . . Darum vermute ich in diesem Spiegelbauern trotz seines mehrmaligen Vorkommens einen Spiegelberger. Im übrigen ist dieser zweite Name keineswegs notwendig und ebenso schwer seine Beifügung zu erklären wie beim 1507 genannten Conz Lorber, Schorn genannt zu Stübech.

Die Lorber kenne ich seit 1419 mit Hans, Heinz und Cunz als Michelsberger Lehensleute in Stübich, hier aber erst seit 1555 die Schorn, die aus dem oberen Maintal stammen". Mehrere Male tritt in Gaustadt bei nicht immer rühmlichen Gelegenheiten ein Horlender auf. Er diente, da er nicht als Inhaber eines Anwesens vorkommt, wohl als Knecht bei einem Bauern. Es muß schon auffallen, dass er keinen Vornamen trägt; es heißt immer "der Horlender". Nach Gottschald fragt man: "Wie wirst du genannt?" Und tatsächlich wird dieser l,Horlender" genannt. Aber 15 Seiten nach der Erwähnung von 1505 lesen wir: , . . . und er heißt Hans Schmid.. Man weiß also um die Wichtigkeit des Familiennamens und nennt diesen. Horlender ist übrigens ein verderbter Herkunftsname und bedeutet den Hartländer, den aus Hartlanden Stammenden, mit Verdumpfung des a zu o.

Schlimm wurde es, wenn gelegentlich die mundartliche Form eines Namens in der Kanzlei verwendet wurde. Da gibt es den Familiennamen Mann ' in Gaustadt durchgängig in der Verkleinerung mit lein als Mannlein. Zunächst wundert man sich, dass sich nicht Männlein findet; das wäre die zu erwartende grammatische Form. Aber es bleibt die Erinnerung an Mann, mundartlich Moa und so schreibt man Monlein! Eine merkwürdige Wandlung macht der Name Stirner durch. 1642 wird in Gaustadt ein Georg Stirnla, aus Giechkröttendorf stammend, und auf Gr. Nr. 61 (spitälisch) als Gemeindehirt wohnhaft, bezeugt. 1645 aber besitzt ein Georg Stirner das Michelsbergische Anwesen Gr. Nr. 20. Das ist wohl ein und dieselbe Person. Beide haben nämlich auch einen Sohn Hans. Von diesem Namen Stirner wird nun eine Verkleinerung und zwar mit verkürztem Stamm, nämlich Stirnlein gebildet und daraus entsteht dann der übliche Familienname Stierlein, mit dem die Angleichung an Stier vollzogen ist.

Da wir erst seit 1599 pfarramtliche Unterlagen über die Bevölkerungsdichte haben, sind wir vor dieser Zeit auf andere Beobachtungen angewiesen. Bei Erbschaftsangelegenheiten z. B. finden wir Angaben, auf Grund deren wir eine durchschnittliche Kinderzahl von höchstens vier in einer Familie annehmen dürfen. Die überschüssigen Kinder d. h. die kein Anwesen übernehmen oder nicht in ein fremdes einheiraten konnten, standen, wie die Prozessberichte verraten, oft genug beim besitzenden Bruder in Diensten oder aber sie zogen damals schon in die Stadt, namentlich in die Michelsberger Immunität, wie uns ihre dort auftretenden Familiennamen bezeugen. Dabei ist aber nicht zu übersehen, daß sich die Gaustadter Bevölkerung immer wieder auch von auswärts ergänzte, dabei nicht nur aus den nahe gelegenen Dörfern, so dass einer Inzucht in etwa wenigstens vorgebeugt wurde. Ein Zuzug freilich war nicht ohne weiteres möglich; die Dorfordnungen enthalten die nicht geringen, sich stets steigernden Gebühren für die Aufenthaltsberechtigung. Am ehesten konnte das noch durch Einheirat geschehen. Nach der Dorfordnung von 1583 waren beide Eheleute gefreit, schon nach der von 1627 muss ein Teil fünf und zwei Personen 10 Gulden geben. Katharina, die Witwe Otto Weinmanns, heiratete den aus Birgau (Würgau) stammenden Fritz Vilmuth, der 1506 den Erbteil seiner Stieftöchter Magdalena und Ellen am Gut Gr. Nr. 33 erwarb .. Wenn um 1430 Ott Tzollhos in Gaustadt einen Hof besitzt, so kann er nur aus der Gegend um Tiefenpölz, dem Ausgangspunkt dieses seltsamen Namens, nach Gaustadt geheiratet haben". 1586 nimmt der Biegenbauer Hans Sack den aus Schwäbisch Hall stammenden Hans Resch als Beständner in sein ihm gehöriges Anwesen Gr.Nr. 9 auf ". Während des 30jährigen Krieges wird 1638 Fritz Hemmeter in Gaustadt auf Gr. Nr. 4 sesshaft; sein Name ist unserer Heimat völlig fremd. Der oben erwähnte Name Stirner ist im Maintal zwischen Hallstadt und Burgkunstadt zu Hause.

Der Nachfolger des ebengenannten Hemmeter wird Hans Lorber 1685, der sicherlich aus dem Ellerngrund zwischen Memmelsdorf und Scheßlitz stammt". 1517 wird Peter Loher (Löhr), der Schwager Mathes Hasels auf dem Abtshof gebürtig von Oberköst im Steigerwald in Gaustadt aufgenommen3'. Das sind einige Beispiele für Zuzug von vielen möglichen.

Wenn man den Bevölkerungswandel eines Dorfes wie Gaustadt durch die Jahrhunderte verfolgt, er zeigt sich am sinnfälligsten eigentlich nur in der Veränderung der Familiennamen, dann stellt sich die Tatsache heraus, dass nicht nur in den Städten die Familien und die vornehmen Geschlechter aussterben sondern auch in den Dörfern. Im Jahre 1555 mussten die Bamberger Untertanen dem Bischof nach dem erzwungenen Eid an den Bayreuther Markgrafen Albrecht Alciblades neu huldigen. Das darüber aufgenommene Verzeichnis führt die Haushaltungsvorstände, gegebenenfalls auch die Witwen mit ihren männlichen erwachsenen Dienstboten an ". Dabei werden folgende Personen in Gaustadt aufgeführt:

Hinter dem Closter Mönichberg:

Merthein Sturmer Aldt Hans Heldt Hans Kraus Jorg Loher Hans Plumblein Hans Lohe Bastell Hasell Mathes Sturmer Heintz Kautler Barb Merthenin Endres Pleidner Wolff Weickert Claus Step Siman Zeheter Kun Amblingin Kungund Aichelbergerin Hans Marx Katharina Hinckin Hans Stretz Kun Amblingin (Hinkerin) Joseph Kerschla jung Jos. Kerschla Hans Aichelberger Fritz Paulus Hans Vogt Beck Alt Hans Stretz Erhardt Loher Hans Hoffmann Hans Baier Margreth Riglin Cuntz Sturmer Hans Brenlein

Spital im Sant: Vicarij im Thumstift:

Hans Loher Heintz Kerschla Alt Cuntz Sturmer Hans Heldt

Zwei dieser vor dem 30jährigen Krieg in Gaustadt lebenden Familien haben diesen überstanden: die Eichelberger und die Blümlein. So sieht das Namenbild Gaustadts nach dem großen Krieg völlig anders aus. Das trat natürlich nicht mit einem Schlag ein, die Wandlung beginnt schon in den langen Kriegsjahren und setzt sich darnach fort, so dass am Ende der Hochstiftszeit wiederum eine völlig neue Bevölkerung in Gaustadt lebt.

Seit der Gründung der Spinnerei erfolgte ein Zuzug aus der näheren und weiteren Umgebung. Gleiche Familiennamen können keinesfalls einen blutmässigen Zusammenhang, eine wirkliche Verwandtschaft beweisen. Unter diesem Vorbehalt seien die Familien Gaustadts aufgeführt, die noch in die Zeit vor der Aufhebung des Klosters Michelsberg und des Elisabethenspitals 1802/3 hineinreichen. Es sind wahrscheinlich folgende:

1.Bernreuther, in Gaustadt seit 1785 mit Grundbesitz auf dem Kellereihof". Im Folgenden bedeutet die Jahreszahl stets den Erwerb eines Grundstücks.

2.Brießmann seit 1790 (Gr. Nr. 51),

3.Gerner seit 1747 auf dem Kellereihof,

4.Haßfurter seit 1746 (37) ",

5.Jäck seit 1670 (61), wohl aus Bischberg,

6.Krug seit 1695 (35,57) aus Viereth,

7.Leicht seit 1782 aus Bischberg 12 ,

8.Lorber seit 1685 (4),

9.Ma(r)ckert seit1775 (29),

10.Möhrlein seit 1745,

11.Oppelt seit 1797,

12.Pfo(u)hlmann; seit 1661 sitzt Conrad Fohlman auf 16. Sie wohnten vor 1550 in Stegaurach und Wildensorg".

13.Reges, Regus seit 1724 (9, 38)". Hans Reges jr. erwirbt 1732 Gr.Nr. 70, das sie ungewöhnlich lang, noch 1848, besitzen". Seit 1554/55 sind sie in Frensdorf, Vorra und Abtsdorf, seit 1547 in Bamberg mit dem Permenter (Pergamentmadier) Eberhard Regus in der Klebersgasse nachweisbar`.

14.Reichert, Reichart seit 1734 auf dem Kellereihof

15.Sauer seit 1629 (34)

16.Stengel seit 1667 (14)

17.Zweyer seit 1772 (10) aus Viereth.

Aber schließlich gab es nicht nur Zuzug in Gaustadt sondern auch Abwanderung. Die Sesshaftigkeit der mittelalterlichen Bevölkerung darf nicht überschätzt werden, mit dem Beginn der Neuzeit nahm die Wanderlust sicher noch zu. Man wundert sich, wie weit damals die Menschen kamen und in der Ferne eine neue Heimat fanden. Aus alter Zeit fand ich nur ein Beispiel . 1497 klagt Cunz Vbelein von Brussel gegen Hans Vbelein zu Gaustadt um sein väterliches und mütterliches Erbe. Nach acht Jahren hatte er das noch nicht erhalten können, sondern klagte 1503 um acht Gulden drei Pfund, eine Armbrust und ein Reitschwert. Dabei erfahren wir, dass unter Brussel die Stadt Bruchsal 'in Baden zu verstehen sei ". Ferner muss mitten im 30jährigen Krieg Margaret Seuttlerin von Gaustadt gegen Cunz Eichelberger um sechs Gulden, die er ihr von 15 schuldete, zu ihrer vorhabenden Hochzeit klagen, weil sie sich mit einem Soldaten unter Hauptmann Hans Philipp Lorber verheiraten will (1634) ". 1724 hatte Conrad Handtschuhe von Gaustadt, gewesener "Granadier", seinen Abschied erkauft, um nach Frankreich zu reisen. Für seinen zu erwartenden Erbteil zahlte ihm sein Bruder zunächst zehn Gulden aus.

Aus Frankreich scheint aber nichts geworden zu sein, denn 1729 steht Conrad Handtschug als Unteroffizier in preußischen Diensten und zwar in Magdeburg in General Loschardie's Regiment.

Auf Gr. Nr. 15 wohnte in Gaustadt und 1750 Paul Hartig. Seine Tochter Sophia Hardiging weilte damals bei ihrem Vetter Joh. Gg. Rünagel in (Buda )Pest, der dort als Graf Hardeggischer Wirtschafter lebte. Da Sophia Hartig sich mit Anton Lang, Schreinermeister in der kaiserlichen Freistadt Gran, zu verheiraten gedachte, verlangte Rünagel von dem Vater der Heiratslustigen ihren Erbteil ".

Wie mag Rünagel nach Budapest gekommen sein? Vielleicht als Soldat? Die Rünagel sind in der Gegend um Reuth, Pinzberg, Reifenberg daheim. Sie tauchen erst 1698 in Gaustadt auf, als Georg Rünagel die Witwe des Hans Prandel ehelichte

Am tollsten aber liest sich die Geschichte des Hans Nickel aus Bamberg, die sich beinahe zu einer tragischen Moritat entwickelt hätte, wenn nicht eine Gaustadterin leidenschaftslos und überlegt gehandelt hätte. Um ihrer Willen, die dann besagter Nickel schändlich hinterging, seien dessen Schlechtigkeiten der Vergangenheit entrissen und mit den Worten des Berichts von 1538 wiedergegeben: Es sei ungefähr fünf Jahre her, da hab Hans Nickel den Bamberger Gärtnern Süßholz abgekauft, davon er zu Nürnberg 50 Gulden (damals eine Menge Geld) von Hier. Scheuber eingenommen, dazu er noch bei 250 Gulden gemacht. Mit diesen rund 300 Gulden hat er sich darnach einen Anhang oder Huren an sich gehängt, war dann aus dem Lande bis gegen Straßburg gezogen und hatte sich zu Thormitz (das aber auf keiner Karte zu finden ist) hinter die Herren von Straßburg mit seinem Anhang häuslich gesetzt, indem er den Anhang für sein Eheweib ausgab.. Seine Gläubiger aber verklagten ihn zu Bamberg vor Rate und Gericht auf alle seine Habe und Güter, um zu ihrem Geld zu kommen. Seine Frau und Gläubiger aber erfuhren, wo er sich aufhielt.

Da machte die Frau sich mit Briefen und Siegeln vom Stadtgericht zu Bamberg in Begleitung eines Boten auf "gegen Thormitz drei meil von Straßburg gelegen", und ließ zu Straßburg ihren Hauswirt vor Gericht fordern. Als dieser erschien und sich rechtfertigen wollte, da legte seine Frau die Urkunden über seine Schulden zu Bamberg vor. Darauf sagten die Herren von Straßburg: "Du hast angegeben, die, so du bei dir hast, sei deine) eheliche Hausfrau. Und da findet sich eine andere. Du hast uns kein wahres Wort gesagt". (Dieses Verhör fand offenbar zu Thormitz statt.) Darauf haben die andere Nacht die Herren von Straßburg den Nickel samt Anhang von Thormitz mit 12 Pferden (das war eine starke Bedeckung und Sicherung) gefänglich gegen Straßburg führen lassen und zunächst den Nickel 14 Tage, den Anhang acht Tage gefangen gesetzt. Darauf ließen sie ihn gefänglich vor Gericht führen und seiner Frau vorgehalten: Do stehe ihr Hauswirt, der sie angelogen und der übel gehandelt.

Wenn sie es begehre, so wollten sie ihm den Kopf abschlagen lassen, denn er hab es wohl verdient. Darauf antwortete die Frau: Sie begehre ihn nicht umzubringen denn sie sei auch derohalben nicht nach daher kommen. Sie begehre allein, dass er mit ihr anheims gein Bamberg ziehe und seine Glaubwürdigen (Gläubiger) vergnüge (befriedige), denn sie könne keine Stunde vor diesen (den Gläubigern) Ruhe haben.

Das alles sagte Nickel zu und war solches den Herren von Straßburg handheißig geworden, dem also nachzukommen. Zu seiner Frau aber sagte er: Barb, zeuch du heim, ich will meine Sachen in Ordnung brini ehe du heimkommst, will ich daheim sein. Kann ich aber ja nicht kommen, so will ich doch meine Vollmacht schicken, damit du das untere Feld verkaufen und davon die einztliche (einzelnen) Schulden zum Teil zahlen kannst". Darauf sei die Frau anheims gangen und auf Nickel von Martini (11. November) bis auf Mittfasten (Mitte März) gewartet. Als er weder Vollmacht schickte noch kam, wurde vom Stadtgericht der Frau erlaubt, zur Befriedigung der Gläubiger das untere Feld an einen Gaustadter zu verkaufen.

Als die Frau (vor 1538) gestorben war, da geschah das Unglaubliche: Der Bösewicht lässt durch seinen Anwalt vor dem Bamberger Stadtgericht gegen Stürmer, den Käufer des Feldes, auf Herausgabe des Feldes klagen". Er sei mit dem Verkauf nicht einverstanden gewesen. Schließlich gibt Stürmer das Feld gegen Erstattung der Kaufsumme heraus!

Zum Schluss dieses Abschnittes noch etwas Negatives: Juden waren in Gaustadt niemals ansässig gewesen.

Aber diese mussten, wenn sie z. B. von Bischberg, wo es zahlreiche Juden gab, nach Bamberg wollten, ja Gaustadt passieren. Dabei waren sie vielfältigen Belästigungen ausgesetzt. So brachte Jud Jakob zu Bischberg vor, als er 1679 mit einigen anderen Glaubensgenossen zu ihrem sicheren Fortkommen nach Bamberg gangen, habe Hans Kraus einem vor ihm hergehenden Juden eine Maultaschen geben". Der gleiche "habe ihm den bei sich gehabten Degen genommen, ihn (den Jakob) zu Boden geworfen und also heftig geschlagen, endlich auch ein Fläschlein von seinem bei sich gehabten Waren von ly , Pfund« genommen. Die Michelsberger Kanzlei rügt: Nachdem vor etzlichen Wochen einem fremden durchreisenden Juden von Hansen Handschuchs jüngsten Sohn Konrad auf offener Straße angegriffen worden und unerachtet er Jud ihm anfangs zur Begütigung einen Toback, nach der Hand (~ später) Geld für ein Maß Wein gegeben, hat derselbige gleichwohl mit einer Schlüsselpützen (?) nach ihm geschossen und neben anderen jungen Porschen denselben mit Schlägen traktiert (1685) ". Und 1717 sieht sich die Kanzlei zu folgender Drohung veranlasst: Gaustadt, Bischberg und Viereth wird verwarnt. Dass keiner nächtlicher Weil nach 9 Uhr von denen jungen Burschen auf der Gassen herumstreichen, noch viel weniger die vorbei passierenden Juden, wie beschehen, mit Steinen werfen noch Tätlichkeiten an ihnen verüben, widrigenfalls der Täter nicht allein am Leibe gezüchtigt, dessen Eltern auch mit 10 Rth. bestraft werden sollen`. Ein Erlaß an Ebing spricht 1712 davon, "dass bereits auch. von losem Gesind ein zusammengeschworener Aufstand gegen die Juden sich offenbar gemachet" ".

In Gaustadt waren es die jungen Burschen, die den Unfug gegen die Juden anstellten und sich anscheinend wichtig machen wollten, nicht viel anders als heutzutage. Bei A. Eckstein "Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg" kann man Veranlassung und Ausdehnung der damaligen ausgebreiteten antisemitischen Ausschreitungen nachlesen.