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Dorfordnungen

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Notariatsurkunde von 1541 als eine Art Vorläuferin der späteren D.O. betrachtet werden muss. Mit ihr beginnend, lässt sich die Entwicklung der DO am Beispiel Gaustadts gut betrachten. Sie führt über die Vorschläge der Gemeinde von 1582 zu der DO des folgenden Jahres 1583, wir lernen die Anregungen und Wünsche der Gemeinde von 1613 und 1625 kennen, die dann in der DO von 1625 verwertet werden. Die Entwicklung findet ihren Abschluss in der letzten und ausführlichsten D.O. von 1724. Es bedeutet einen Ruhmestitel des Klosters Michelsberg, dass es zwar nicht den Anfang mit diesen Ordnungen im Bamberger Land machte, sich aber jedenfalls den jeweiligen Bitten und Vorschlägen der Gemeinde, die auf den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen beruhten, jederzeit geneigt zeigte.

Dorf und Gemeindeordnung zu Gaustadt Anno 1583

1541 war als Grund für die Ausfertigung der Urkunde ausdrücklich etliche Zwiespalt und Irrungen in der Gemeinde wegen ihrer alten Dorf und Gemeinderechte, besonders wegen der "Pfandnehmung" angegeben. Innerhalb von 40 Jahren hatten sich aber wiederum Uneinigkeit und große Unordnung zwischen den Untertanen und Hintersassen des Klosters wegen der Gemeindenutzungen, Rechte und Gerechtigkeiten erhoben, über die Abt Veit als oberster Dorfherr am 24. Juni 1583 entschied. Man war offenbar auf dem Kloster der Gemeinde entgegengekommen und hatte ihr aufgetragen, "etliche notwendige Artikel zur D.O. dienstlich durch die Dorfmeister" vorzuschlagen, die dann mit Genehmigung der Herrschaft der neuen DO einverleibt werden sollten.

Zu Anfang dieser Vorschläge wird betont, dass diese für alle jene gelten sollen, "so eigene Behausung und Güter haben". Damit waren die Beständner wie Dienstboten, natürlich auch alle Ortsfremden ausgeschlossen. Diese Vorbemerkung freilich verhinderte nicht, dass auch deren Belange in der Gemeinde geregelt wurden. Die neuen Vorschläge sollen in die folgende Behandlung der neuen DO einbezogen werden. Sie enthält im ganzen 15 Punkte, deren letzter die Befugnisse des Abts hinsichtlich der Genehmigung und Aufhebung dieser DO festlegt.

Der 1. Punkt betrifft die Wahl der Dorfmeister, die alle zwei Jahre von einer ganzen Gemeinde gewählt werden sollen. Ausdrücklich heißt es, dass man sie wähle "ohne einige Versprechung und Verheißung, ohne Schenkgab und anderes", es solle den Ausschlag geben, welche Männer "dem Nutzen der Gemeinde treulich vorgestanden, denselben gebessert und gefördert«' haben. Die Wahl findet auf der Klosterkanzlei am Andreastag, vor oder nachher statt. 14 Tage vorher sollten die alten Dorfmeister ihre Rechnung der Kanzlei vorlegen, um sie überprüfen zu lassen. Vor der ganzen Gemeinde legten sie dann in Gegenwart des Abts oder seines Vertreters die ordentliche Dorfrechnung für ihre Amtszeit vor. Sie übernahmen von den Abtretenden "den Vorrat der Gemeinde, d. h. den vorhandenen Bestand der Kasse, gelobten den verordneten Beisitzern" anstatt des obersten Dorfherrn der Gemeinde treulich vorzustehen, zwischen Armen und Reichen die "Gelegenheit" zu halten, d. h. keinen Unterschied zu machen. Andererseits soll die ganze Gemeinde den Beisitzern und Dorfmeistern geloben und schwören, diesen in allen Artikeln dieser DO gehorsam und willig zu sein.

Wenn hier von verordneten Beisitzern die Rede ist, so sind darunter wohl die in der Notariatsurkunde von 1541 erwähnten zehn Mitglieder des "Ausschusses" zu verstehen. ]Über deren Wahl und Befugnisse schweigt sich die DO aus; das wird anscheinend als bekannt und lange geübt vorausgesetzt. Auch über die "Strafe der gesetzten Buße" wegen Ungehorsams gegen die Dorfmeister erfahren wir nichts. Damit werden in beiden Fällen die bisherigen Bestimmungen beibehalten. Wie so oft wiederholt man sie nicht, denn jeder Dorfgenosse kennt sie ja; wir freilich würden sie gerne erfahren. Die Punkte 2 mit 4 regeln das Verhältnis der Einheimischen und hinzuziehenden fremden Personen.

Heiratet z. B. eine verwitwete Gaustadterin einen "Ausländischen" oder heiraten zwei geborene Dorfkinder einander zu Gaustadt, auch wenn sie nur als Beständner (Pächter) daselbst wohnen, so sollen sie "gefreit« sein d. h. das Gemeinderecht ohne Entschädigung besitzen.

Wenn aber zwei Fremde, die in Gaustadt in Diensten stehen, einander heiraten, so müssen sie, um sich darin aufhalten zu können, innerhalb 14 Tagen sechs Gulden bezahlen. Zieht ein Dorfkind nach dem Verkauf seines Gutes aus dem Dorf und will als Beständner zurückkehren, soll er drei Gulden für das halbe Gemeinrecht entrichten. Kauft er aber ein Gut, soll er davon frei sein. Ähnlich wird es mit einem Fremden gehalten, der aus dem Dorfe zieht, Wer einen Fremden beherbergt, der innerhalb 14 Tagen nicht fünf Gulden zahlt oder zahlen kann, muss diese Summe selbst entrichten. Auch muss jeder Fremdling der Herrschaft gemeldet werden.

Diese Bestimmungen haben offensichtlich den Zweck, nicht nur einer Oberfremdung vorzubeugen, sondern vor allem bei den damaligen beschränkten Unterkunftsmöglichkeiten den Zuzug überhaupt zu erschweren.

Nach Punkt 5 muss jeder persönlich bei Strafe von 60 Pfennigen (= 15 Kreuzer ~ 4 Gulden!) an St. Walburgistag zur Gemeindeversammlung erscheinen. Diese Versammlung wird ausgerufen; kommt einer erst "nach dem Schreien", soll er sechzig Pfennige geben, ebenso an Andreastag. Wenn einer an diesem Tag bei Abhörung der Rechnung bei den Sakramenten fluchen, schwören, schimpfen oder sich ungebührlich verhalten sollte, muss er die ganze Zeche zahlen, die damals aufgegangen war. Ausdrücklich wird ein "Unthaycr" genannt, d. h. einer, der sich erbricht. In Punkt 11 wird nachgetragen, dass, wer. aus notwendigen Geschäften nicht zur Gemeinde erscheinen kann, seine Frau schicken kann. Wenn diese aber die "Nachbarn schenden und viel darein reden wollte, soll sie 60 Pfennige zahlen". Man hatte offenbar seine Erfahrungen gemacht!

In den Punkten 6 bis 9 finden sich die Strafen für Leute, die im Gemeindeholz freveln, die "Pant" (Weiden) im Dorfwert abschneiden oder darin hüten. Das wird von Walburgis bis Michaelis für Pferde und Kühe verboten.

Die Punkte 10 und 11 regeln Verkehrsfragen. Das heute aufgelassene Gäßlein zwischen PI.Nr. 17/18 und 19 (Bachstraße 4 und 6) wird für Vieh und Pferde gesperrt. Wichtig war die Überfahrt mit dem Schelch. Wer damit übergefahren war, musste jeden holen, der auch hinüber wollte. Ohne der Dorfmeister Wissen und Willen durfte der Schelch bei 60 Pfennig Strafe nicht vom Jahr" (Oberfahrtplatz) weggeführt werden.

Das Schütteln, Herabschlagen oder Auflesen der Holzbirnen außerhalb der erlaubten Zeit verbietet Punkt 8.

Es soll auch keiner mähen mit der Sensen. Im Text heißt es "Seinsen", woraus das mundartliche"Saaßen" entstand. Darauf folgt die unverständliche Bestimmung: So soll auch keiner auf der Gemein nichts dörren oder trocknen. Auf der Gemein bedeutet "auf Gemeindeeigentum" und damit im Freien.

Wer nach Punkt 12 die Gemeindefron versäumt, zahlt 60 Pfennige; aus "Schwachheit seines Leibes" kann einer einen Stellvertreter schicken. Wer in Geschäften der Gemeinde in die Stadt oder sonst wohin geht, bekommt 24 Pfennige Lohn. Wer Mist zu verkaufen hat, muss ihn zuerst in der Gemeinde anbieten; dann erst darf er nach auswärts verkauft werden. Bei der Weidewirtschaft war der Stallmist rar. Im Dorf sollen fünf Fuder "ungetreten" also nur aufgeladen einen Gulden kosten. Wenn die Bamberger Hirten über die Marter beim Elbischen Sand hüten, sollen sie gepfändet werden.

Nach Punkt 14 dürfen weder Schafe noch Geißen auf die Gemeinde getrieben werden; sie müssen bei Strafe von 60 Pfennigen im Haus behalten werden.

Wenn man den Hirten "anlegt" d. h. seine Bezüge festgelegt, die nach der Anzahl des Viehs berechnet werden, so ist von dem, der ein Hauptziel verschweigt, der Gemeinde "das beste Haupt Vieh verfallen". Zuletzt wird ausdrücklich gemahnt: Wer seine Strafe nicht erstattet, soll deswegen dem alten Gemeindebrauch nach gepfändet und stracks zur Bezahlung gezwungen werden.

Im 15. Punkt behält sich der Abt das Recht vor, diese DO zu mindern, zu bessern oder aufzuheben. Er ließ sie mit seinen Siegel bekräftigen.

Verschiedene Verbote wie z. B. über den Mist, den Hirten, die gesperrten Gäßlein, den Schelch wurden aus den Vorschlägen der Gemeinde von 1541 übernommen; sie sind wohl gewohntes Herkommen. Diese Bestimmungen der DO von 1583 bilden die Grundlage aller später erlassenen Dorfordnungen.

Die Dorfordnung vom 30. November 1625

Mit der Zeit ergab sich die Notwendigkeit oder das Bedürfnis, die gültige DO zu ergänzen. Am Sonntag nach Andreae (l. Dezember) 1613 schlug die Gemeinde dem Kloster vor, folgende Punkte zur Verbesserung der DO gutzuheißen:

1. Wenn ein Fremder ins Dorf ziehen will, muss er "einen ehrlichen Abschied" d. h. eine amtliche Abmeldung seines bisherigen Herrn mit einem Leumundszeugnis vorlegen,

2. nicht wie bisher sechs, sondern zehn Gulden Einzugsgeld bezahlen. Könne er das nicht, so müssten zwei hausgesessene Männer dafür bürgen,

3. wer ohne Vorwissen seiner Herrschaft eine einzelne "Berschon" oder Eheleute aufnimmt, soll das Dorfgeld für sie bezahlen,

4. wenn ein Beständner die Fronwache verweigert oder die Gemeindeversammlungen nicht besucht oder auch "Schulden mit Streichen in der Gemein macht" d. h. wenn er das Geld für gestrichenes Obst, Gras usw. nicht bezahlen kann, solle der Beständner oder der, der ihn aufgenommen, bezahlen. Diese Wünsche wurden von der Kanzlei genehmigt, nicht dagegen das Verlangen, dass eine einheiratende Person die Hälfte d. i. nur fünf Gulden erlegen soll. Der Absatz ist durchstrichen und am Rande bemerkt: Soll bleiben (wie zuvor!).

In einem Schriftstück mit der Rückenbemerkung: "In die Gaustadter Dorfsordnung des Dorfsgelds halber zu bringen«, beschwert sich die Gemeinde am 6. Dezember 1623 beim Kloster wegen der vielen Fremden, die sich im Dorfe häuslich niederlassen wollen. Mit Einwilligung des Herrn Prälaten soll deshalb in Zukunft jede fremde Person zehn Gulden Dorfgeld geben, was zuvor laut der Gemeindeordnung sechs Gulden gewesen. Das war aber doch schon 1613 genehmigt worden! Als zweites wünscht man, dass ein Dorfkind, das nach auswärts heiratet, sich aber dann wieder im Dorf niederlassen will, fünf Gulden entrichten soll.

1623 stand man in den Anfangsjahren des 30jährigen Krieges, der sicherlich Unruhe und Bewegung in die betroffene Bevölkerung z. B. des benachbarten Böhmens brachte. Vielleicht suchte man sich durch diese härteren Bestimmungen gegen unerwünschten Zuzug Geflohener oder Vertriebener zu schützen.

Das also wird für die vorgesehene DO vorgemerkt. Diese erlässt dann am Tage Andreae (30. November) 1625 der Abt Johannes Müller (Molitor) als oberster Dorfherr.

Als Anlass dienen üblicherweise die Irrungen, die Uneinigkeit und große Unordnung in der Gemeinde und die Verhütung weiteren Unrats und besorglichen Übels. Die neue Ordnung soll jedes Jahr bei Abhörung der Dorfrechnung der Gemeinde vorgelesen werden. Im Folgenden sollen nur die Änderungen und Unterschiede gegen 1583 aufgenommen werden.

Der erste Artikel bringt schon eine bedeutsame Neuerung bei der Wahl der Dorfmeister: Man wählt sie wie früher am Andreastag, aber so, dass neben unseren Kellereibauer allda, der ein p erp etuierter (beständiger) Dorfmeister" ist, ein neuer tritt. Das zeigt deutlich die Besonderheit der Stellung dieses Hofbauern als des Inhabers des Kellereihofes, in dem ja auch, wie sich unten zeigt, das Dorfgericht tagt.

Die Artikel 2 und 3 ergänzen die früheren Bestimmungen über die Dorfbewohner: Wenn nach einem Todesfall die überlebende Person sich mit einer ausländischen verheiraten würde, so soll das halbe Dorfgeld gezahlt werden, wenn aber zwei Fremde im Dienst zu Gaustadt einander heiraten und sich daselbst niederlassen wollten, sei das ganze Dorfgeld von zehn Gulden innerhalb Monatsfrist fällig.

Ebenso neu und den Zuzug erschwerend ist die Forderung, dass jeder Fremde, der bestandsweise ins Dorf ziehen wolle, nicht nur diese zehn Gulden zahlen, sondern auch "50 Gulden verbürgen", d. h. wenigstens soviel Vermögen besitzen oder nachweisen müsse.

Bei den Strafen für ungebührliches Verhalten bei der Rechnungsablegung wird nur ein Betrag von zwei Pfund zu Gunsten der Gemeinde und die Androhung der Bestrafung durch das Kloster genannt. Die Bezahlung der ganzen Zeche fällt weg. Das wird sich als undurchführbar erwiesen haben.

Ganz allgemein gilt für diese DO, dass die Strafen erhöht wurden z. B. von 60 Pfennigen auf einen Gulden.

Neu ist ferner im 10.Artikel das Verbot, aus Gaustadt Holz nach Bamberg zu verkaufen und feil zu tragen. Das scheint auf eine Holzverknappung im Dorf hinzudeuten.

Eine merkbare Minderung bedeutet die Bestimmung, dass der, der bei Anlegung des Hirten ein Stück Vieh verschweigt, nicht mehr das beste Haupt Vieh abgeben, sondern nur drei Gulden entrichten muss.

Wenn im 14. Artikel der DO von 1583 wegen Ungehorsams gegen die Gemeinde noch die Pfändung möglich war, so tritt 1625 an deren Stelle "die doppelte Buße“ und gegebenenfalls die Bestrafung durch das Kloster. Das zeigt das Bestreben, die altertümliche und mit Mißhelligkeiten verbundene Pfändung durch Geldstrafen zu ersetzen.

Darauf nimmt der 12. und letzte Artikel dieser DO Bezug, in dem die Dorfmeister gemahnt werden, die eingehenden Buß und Strafgelder "nit zu ihrem eigenen Nutzen zu gebrauchen, sondern sie einer Gemeinde in der Rechnung gebührend (wie es sich gebührt) vorzutragen".

Anschließend wird auch zum ersten Mal eine Entschädigung für die Dorfmeister festgesetzt "für die Mühewaltung, die aber ein jeder zum Besten der Gemeinde umsonst auf sich nehmen sollte". Es dürfen nicht mehr als vier Pfund (nicht ganz ein halber Gulden) berechnet werden.

Schließlich behält sich der Abt das Recht vor, alle auf dem Gemeindehaus und dem Kellerelhof vorkommenden Frevel und Misshandlungen allein durch seine Person zu bestrafen.

Damit unterstellte man das Dorfgericht und die Gemeindeversammlung dem besonderen Schutz des Klosters und damit einer höheren Bestrafung.

Die 3. Dorfordnung vorn 24. Januar 1724

Die zweite DO hatte fast hundert Jahre Dienst getan. Erst 1724 erließ Abt Christoph Freiherr von Guttenberg mit den gewohnten Worten über Uneinigkeit, Schaden usw. die dritte und letzte Dorfsatzung in weitläufigen Artikeln. Die Änderungen beginnen bereits im ersten Artikel: Von nun an sollte zwar wie bisher die Gemeinderechnung "vor uns oder unserer Kanzlei" d. h. auf dem Kloster abgehört werden, aber dann aus dem Umstand, der bereits auserlesenen zwölf Erfahrensten der Gemeinde, anstatt des älteren abtretenden Dorfmeisters ein neuer gewählt werden. Damit tritt zum ersten Male in einer DO der Name und Begriff Umstand auf. Schon 1541 hatte man ja schon zehn Alteste aus der Gemeinde gewählt, die in der ersten DO als "Beisitzer" erscheinen.

Aber schon 1680 klagte der "Gaustadter Umstand« beim Kloster gegen Georg Roth, der damals auf der Michelsberger Schenkstatt saß, dass er in "billigen (geziemenden) Sachen" niemanden gehorchen, "auch sogar vom Schultheißen und den Dorfmeistern kein Gebot annehmen<' wolle. Im Entscheid des Klosters heißt es: "Weil hierbei nichts anderes als eine Rebellion unter der Gaustadter Gemeinde zu besorgen sei, als ist er anderen zum Exempel mit fünf Gulden unablässiger (nicht nachlassbarer) Strafe angesehen worden«. Hans Kaudler und Hans Stengel waren damals Dorfmeister, Lorenz Hemmeter der Michelsberger Schultheiß.

Es könnte Verwirrung stiften, wenn man weiß, dass die Gemeinde zwar zehn Mann in den Umstand wählt, dass man aber dennoch von einem Zwölfertisch spricht, wie Martinet (S. 60) bezeugt, und schließlich 13 Mann als Beisitzer zählt. Diese dreizehn setzen sich zusammen aus den drei ständigen Mitgliedern, dem Schultheißen und den beiden Dorfmeistern, und den zehn gewählten Männern, von denen wieder der Kellereibauer an erster Stelle steht. Der 25. Artikel, der deswegen hier eingeschaltet sei, bringt Näheres über den Umstand. Jeder, der zum "Zwölfertisch" neu gewählt wird, hat einen "sauberen neuen Stuhl machen zu lassen oder drei Pfund dafür zu zahlen. Übrigens wer davon eines Diebstahls oder sonst einer unehrlichen Tat überwiesen würde, solle vom Tisch abgesondert" werden. Martinet berichtet aus Quellen, wahrscheinlich Gemeinderechnungen, die uns nicht mehr erhalten sind, dass diese 12 Männer im Rathaus über die zu ihrem Tisch gehörigen Fälle und Streitigkeiten mündlich richteten. Offenbar nimmt der Schultheiß an diesem Gericht teil, ohne selbst als Richter mitzureden.

Aus diesem Umstand also, das ist das Neue, sollen in Zukunft die Dorfmeister genommen werden. Artikel 2 und 3 sprechen Schultheißen und Dorfmeistern das Recht zu, gegen Ungehorsame Strafen bis zu zwei Gulden, im Wiederholungsfall bis vier Gulden zu verhängen. Sollte das nicht verfangen, so sei freilich nur mit Genehmigung des Klosters eine Pfändung möglich, wobei ausdrücklich betont wird, das Pfand "sei lebendig oder ein anderes«. Von den Geldstrafen fallen ein Drittel dem Kloster, die übrigen zwei Drittel der Gemeinde zu. Artikel 4 und 5 beziehen sich auf die Dorfnutzungen. Wer z. B. nicht mitfront, dem werden sie gesperrt. Sie sollen auf dem Rathaus "Ohne eigenes Interesse oder Schmiralien " an den Meistbietenden vergeben werden, jedoch nur an solche, deren Zahlung nicht gefährdet sei.

Artikel 6 bis 12 regelt den Zuzug. Fremde müssen wenigstens 60 fl., früher 50 fl., Besitz nachweisen. Das Einzugsgeld beträgt nun für jede erwachsene Person 8, früher 5 Gulden.

Neu ist auch folgendes: Wenn ein Dorfkind außer dem Dorf Hochzeit hält, aber ins Dorf bestandsweise ziehen wolle, müsse es gleich nach der Trauung die erste Nacht um Einzug bitten; dann sei es vom Dorfgeld befreit. Wer im Dorf Haus und Hof verkauft, gilt fortan als Fremder. Ohne Zustimmung des Klosters darf überhaupt niemand mehr aufgenommen werden; also nicht mehr die Dorfbehörden entscheiden über den Zuzug, sondern die Kanzlei des Klosters. Wer liederliche Leute aufnimmt, gewärtigt Strafe. Beides also, das Aufnehmen und die Liederlichkeit kamen vor!

Artikel 13 und 14 verpflichten die Gemeinde, einen Gemeindeknecht und Flurer" zu halten; es sollte wohl heißen "oder Flurer", denn es handelt sich nur um eine Person mit den verschiedensten Aufgaben: Er muss die Nachtwache halten, das "viele Stehlen auf dem Feld« verhüten und nachts die Uhr ausschreien. Man fragt sich, wann dieser Mann zum Schlafen kommt. Neben seiner Bestallung, die nicht angeführt wird, weil sie anscheinend dem Dorf überlassen bleibt, hat der Gemeindeknecht Anteil an den Strafen. Er genießt auch einen besonderen Schutz; wer ihn auf der Gemeinde "Schilt, schmäht oder einen Büttel heißt, verwirkt zwei Pfund Strafe. Er vertritt also die Polizei in der Gemeinde, genießt offenbar aber kein besonderes Ansehen.

Artikel 15 und 16 beziehen sich auf den Schutz der Holzbirnen und das Hüten auf den Wiesen der Gaustadter Flur.

In Artikel 19 wird die Anlage des Hirten wie in früheren Zeiten geregelt. Auffällig ist die Erwähnung von zwei Hirten, der eine für Großvieh, der andere für die Gänse.

Das ergibt sich aus dem 22. Artikel, nach dem "der Gänsehirt" oder diejenige, so die Gänse austreiben, nicht weiter treiben darf, als bis zum Schönen Brunnen auf dem Bamberger Weg, unter dem Dorf auf dem Bischberger Weg bis an den Knock, einer Straßensteigung, die heute verschwunden ist, und außer dem Dorf bis an die Ziegelhütte. Die fällige Buße von zwei Pfund für die Gemeinde und einem Pfund für den Gemeindeknecht gilt auch für jeden, der im Dorffremde Gänse um Geld oder "um Halb", die Hälfte der aufgezogenen Gänse, annimmt. Ein Beständner darf "kein Vieh oder Gänse« halten, außer ein oder zwei Schweine.

Die Artikel 24 und 25 beziehen sich auf die Gemeindeversammlungen, Wer eine halbe Stunde nach dem Läuten der Gemeindeglocke bei der Versammlung erscheint, zahlt zwei Pfund, dem Gemeindeknecht ein halbes. Wer überhaupt fehlt, wird ums Doppelte gestraft. "Weibsbilder und Buben« dürfen nicht geschickt werden.

Wird zweimal geläutet, "so ist es Sturm", wozu alle mit Gewehr erscheinen müssen. Sollte man aber mit der Glocke "stummen", d. h. immer wieder kurz anschlagen, so bedeutet es Feuer; dazu muss jeder "mit Schäff, Stützen und anderem Wassergeschirr« antreten.

Zur Gemeindeversammlung hat jeder im ehrbaren Anzug zu erscheinen. Dieser besteht aus Hut und Halstuch, dem Vorläufer unserer Kravatte, Schuhen und Strümpfen. Schreien und auf den Tisch Schlagen wird bestraft.

Nach dem 26. Artikel wird das Versetzen, Verhehlen, Herausreißen und Verschweigen von Marksteinen mit fünf Gulden und herrschaftlicher Ahndung bestraft. Man beachte, wie genau man die einzelnen Verfehlungen aufführt.

Wer nach dem 27. Artikel einem anderen "einiges Federvieh abfinge oder entfremdete, und dessen glaubwürdig überwiesen wurde, soll mit Flederwischen behängt und an den Brunnen zu Gaustadt gestellt werden". Er muss Schadenersatz leisten und zwei Gulden das ist viel Buße geben. Schultheiß und Dorfmeister haben das Recht, jede verdächtige Person, die mit Butten oder anderem auf Bamberg usw. geht, durch den Flurer anhalten zu lassen. Leider steht nicht dabei, was man bei diesem Schleichhandel verhindern will.

Weil Klagen einliefen, dass Junge Burschen nachts über die Gasse schreien, fluchen, sakramentieren, so soll jeder, der nachts im Dorf mit oder ohne Gewehr (Waffe) betreten wird, auch verbotene Gotteslästerungen hören lässt, besonders Blutsakrament flucht", jedes Mal acht Pfund (fast einen Gulden!) bezahlen, die für Kerzen zum Kruzifix im Rathaus verwendet werden sollen.

Weiter darf nichts z. B. Mist oder Stupfel aus dem Dorf verkauft werden, ohne dass es im Dorf angeboten wurde. Wenn ein Gut im Dorfe an Auswärtige verkauft würde, so hat jeder Gaustadter auf sechs Wochen den "Abtrieb", d. h. innerhalb dieser Frist kann er das Gut um den gleichen Preis wie der Fremde annehmen. Die Fronarbeit bei "Besserung von Weg und Steg" regelt der 32. Artikel. jeder mit und ohne Gemeinderecht ist dazu verpflichtet. Die Stellvertretung kann Schultheiß und Dorfmeister erlauben, aber durch kein Weibsbild, ausgenommen die Witwen, und keine Ledigen unter 20 Jahren.

Die folgenden Punkte bis Nr. 40 bringen Einzelheiten: die Säuberung der Hecken und Bäume zur rechten Zeit vom "Raupen Geschmeiß", das Halten der Gemeindeochsen, die von einer schönen roten Farbe und groß sein sollen, das Stehlen von fremdem Obst, das Oberfahren mit dem Schelch, das Sauberhalten des Brunnens, den Schutz des Gemeindeholzes.

Der 41. Artikel gesteht dem Schultheißen für seine Bemühungen außer bei Soldatenmärschen und Prozessen (die also besonders berechnet werden) und dem älteren Dorfmeister zwei Gulden, dem jüngeren einen Gulden zu.

Diese DO erfüllten eine zweifache Aufgabe: 1. Gebieten und ordnen sie an z. B. die Wahl der Dorfmeister und ihre Befugnisse, den Zuzug von Fremden usw., 2. verbieten sie unter Strafandrohung. Die Liste dieser Verbote wird immer länger, die Strafen höher. Letzteres hängt vielleicht mit zunehmender Geldentwertung zusammen. Nicht nur unsere Polizeibehörden klagen, sondern auch die DO von 1724 klagt über ungehöriges Benehmen der Jugend; die angedrohten Strafen für das Entwenden und Stehlen von Federvieh, Obst, Gras, Holz lassen erkennen; dass diese Vergehen oft genug vorkamen. In diesen DO dürfen wir ebenso sehr Beispiele der damaligen Verwaltung eines Dorfes wie auch glaubwürdige Zeugnisse der jeweiligen öffentlichen und sittlichen Haltung seiner Bewohner sehen.