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Besitzungen des Elisabethen Spitals

Im Jahre 1330 stiftete der Bamberger Bürger Chunrat der Esler das Elisabethen Spital am Sand ". Im Gründungsbrief finden sich keine Besitzungen des Spitals in Gaustadt, solche können also nur später an das Spital gekommen sein. Nach Roppelt besaß es zur Zeit der Säkularisation dort acht Häuser mit mehreren dazugehörigen Feldstücken.

Der Häuser und Rustikal Steuer Kataster Gaustadts von 1808 bestätigt diese Angaben. Danach waren es die Gr. Nr. 16 und 17, 50 und 51, 59, 61, 62, 63, also wie schon die Nummern zeigen, drei auseinanderliegende Häusergruppen. Mitten zwischen Michelsberger Besitz liegend, lassen sie sich allein dadurch als ehemaliges Klostergut erkennen; besonders deutlich zeigt sich das bei den Gr. Nr. 16 und 17, die mit 18, einem noch Michelsberger Hof, unverkennbar ein Ganzes bildeten.

Die Klosterurkunden melden von keinem Verkauf, Tausch oder irgendeinem anderen Rechtsgeschäft zu Gunsten des Elisabethen Spitals. Immerhin haben wir Kunde von einer Klage des Michelsberger Abtes Johann Fuchs gegen Hans Renner zu Gaustadt (auf Gr. Nr. 18) zu pauers habe vnd gut" d. h. um sein Vermögen und Besitztum, das er vom Kloster zu Leben trägt. Es sei daran erinnert, daß unter diesem Abt jene Zerwürfnisse innerhalb des Konvents begannen, die auch zu einer Schädigung und Minderung des klösterlichen Besitzes führten. In dieser Klage wird Hans Renner bezichtigt, er habe entgegen seinem Lehenseide "einen anderen Herrn über sich genommen ohne sein (des Abtes) Willen" und habe einen Untertanen des Klosters "in ein ander Gericht geführt, denselben von Leben zu Tod zu bringen". Damit kann nur der Versuch gemeint sein, sich unter die Leben und Gerichtsbarkeit des Elisabethen Spitals zu begeben. Wie die späteren Zinsbücher ausweisen, war die Klage de Abtes ergebnislos. Renner behielt seine Lehen, es glückte ihm aber der Versuch eines Herrschaftswechsels auch nicht. Dieser Bericht ist vom 14. Juni 1445 datiert.

Unter den Zinsen, Hand und Pflugfronen, die nach einer Aufzeichnung von 1594 in den Kellereihof zu leisten waren, finden sich die Dienste von je vier Tagen durch Balthasar Hofman (Gr. Nr. 16) und Hans Held (Gr. Nr. 17), beide spitäfisch . Darin zeigt sich noch die frühere Abhängigkeit vom Michelsberger Lehensherrn und seinem Vertreter im Kellereihof. Im Zinsbuch von 1470 steht ferner eine Notiz, die nicht auf den vorhergehenden Urbaren beruht, auch keine Zinsangaben anführt: Clas Volcker (überschrieben: Peter Feinpawer) von einem Gut, stößt oben an meines Herrn Feld und an die Gasse oder den gemeinen Weg, da man vom Dorf zu den Gütern (damit sind Gr. Nr. 12 und 14 gemeint) hinaufgeht, neben gegen das Holz (d. h. gegen Süden) an Clas Antfuß Selden (14) und zu der andern Seiten an Heinzen Amlungs Gut (18) und "soll sein vnd ist des Closters lehen, aber der Spital am Sant hat das ytz ynnen". In den Zinsbüchern von 1424, 1430 u. 1451 werden "Güter" (bona) der Crebsin, darauf Heinz von Hoff, dann Cunz Veinpauer erwähnt, die 5 (7) Schillinge, 3 Fast-nachthühner und zwei Dienste mit zwei Pferden in den Kellereihof reichen bzw. leisten . Das könnten die späteren Spitalhöfe Gr. Nr. 16 und 17 sein, da diese Gülten 1470 und 1478 nicht mehr erscheinen. Damit müßten diese zwei Höfe zwischen 1451 und 1470 dem Kloster entfremdet worden sein. Dafür könnte man jene unruhvollen Zeiten der Klosterreform verantwortlich machen.

Bestimmter als die obige Notiz von 1470 lautet ein Eintrag in einem Kopialbuch des Elisabethen Spitals: "Es ist zu wissen: Die Zinse, die Heintz Ditmar der jüngere zu Gaustadt gehabt hat, hat er für immer gegeben an das Spital am Sand, die sie fürder einnehmen sollen und die jährlich Martini fällig werden. Sie sind alle eigen und geben keinen Zehent. Das ist geschehen an U. L. Frauen Tag Lichtmesse (2. Februar) 1438. Dann folgt die Aufzählung der Grundstücke, von denen die Zinse gezahlt werden sollen:

1. Cunz Veinpawer gibt von seinen zwei Häusern und Stadeln und seinen Ackern, die dazu gehören, jährlich acht Gulden in Gold, eine Fastnachthenne und eine Martinsgans; doch muß Veinpawer dem Abt von 13 Ackern 15 Denare zahlen ohne Sdiaden dem eigenen Herrn.

2. Heinz Hoffman gibt von seinem Haus und Garten jährlich 22 ½ Pfennige, sechs Käse, 60 Eier und zwei Fastnachthühner.

3. Vllin Horn gibt jährlich von seinem Haus 5 Pfund und eine Fastnachthenne.

Der Besitz Cunz Veinpawers mit zwei Häusern wird später in die Gr. Nr. 16 und 17 geteilt. Der ungewöhnlich hohe Zins wird auch auf die Hälfte für jedes Haus zwei Gulden und eine halbe Fastnachthenne unter Wegfall der Martinsgans ermäßigt.

Das Haus des Heinz Hoffman mit 22V2 Pfennigen Zins erscheint später mit dem Zins von 23 Pfennigen auf Gr. Nr. 59.

Das dritte Haus eines sonst nicht genannten Vllin (Ullein) Horn steht auf Gr. Nr. 50. Im Jahre 1470 besitzt dies Haus Fritz Hofman. Nach dem Michelsberger Zinsbuch von 1470 aber hat derselbe Fritz Hofman ein Gut, das stößt hinten und oben an den Abtshof, unten an den Hofweg, der in die Höfe (des Abts und des Kellners!) geht und vorn an die Landstraße. Damit ist genau die Lage des spitälischen Hauses Gr. Nr. 50 bezeichnet. In einem Nachtrag heißt es: Literae sunt deletae d. h. die Urkunden (über das Haus) gingen verloren; der Inhaber des Hofes habe versprochen, den Zins von drei Pfund sieben Pfennigen zu zahlen, habe es aber nicht gehalten. 1499 besitzt das Anwesen Hans Rigel zum Bären am Sand in Bamberg, der es 1504 mit Zustimmung des Spitalpflegers mit einem Mann auf ein Jahr besetzen soll. 1552 treffen die Brüder Hans und Mathes Stürmer über dies Haus die Vereinbarung, daß Mathes darin bleiben soll, Hans aber möge sich im Stadel, so gut er kann, behelfen auf drei Jahre, auch einen Zaun zwischen ihren Wohnungen aufrichten " . 1728 besitzt es Joh. Laux, damals spitälischer Wirt genannt. Es ist das sog. Obere Wirtshaus.

Noch 1498 wird in der "Ordnung des Gerichts zu Gaustadt" bestimmt, daß der Abt des Michelsberges zu richten hat, "vber alle guter doselbst, ausgenomen des Spitals guter, der sind d r e y ".. Die Vogtei d. h. die niedere Gerichtsbarkeit nimmt also das Spital wahr.

Durch Teilung dieser drei Grundstücke, auf denen dann Häuser gebaut wurden, entstehen die acht Lehen des Spitals.rätselhaft bleibt ja immer, wie diese Anwesen inmitten des Dorfes in den Besitz des Schenkers Ditmar kommen konnten, der sie sogar als freies Eigen bezeichnete. Besonders muß jener schmale Streifen von 65 m Länge und rund 15 m Tiefe auffallen, der unzweifelhaft aus dem Abtshof stammt und diesen Hof von der Straße abdrängt, so daß nur ein schmaler Zugang blieb. Auf dem Haus Gr. Nr. 50 ruhte die Schankgerechtigkeit des Spitals. Nebenan erbaute man später das Eckhaus Gr. Nr. 51 und erst im 19. Jahrhundert Gr. Nr. 49 und 51.

Aus dem Grundstück und Haus Nr. 59 entwickelte sich durch Teilungen eine ganze Häusergruppe. Der Zins dieses Anwesens mit 22 Pfennigen, sechs Käsen, 30 Eiern und von zwei Fastnachthennen läßt schon darauf schließen, dass zum Haus noch ein größerer Grundbesitz gehörte, der sich rückwärts auf die Fläche des heutigen Schulhauses und der neuen Kirche erstreckte. Auf Gr. Nr. 59 entstanden bis zur Säkularisation neben 59 die Häuser 591X4, 61, 62, 63. Im Haus 59, gehörte der untere Stock 1838, bestehend aus Hausplatz, Wohnstube mit Kammer, Küche, Stall, die Hälfte des Kellers und der Hofreit dem Job. Bayer, der obere Stock aber mit Hausplatz, Wohnstube mit Kammer, Nebenzimmer, Küche, ganzem Boden, der Hälfte von Keller und Hofreit, aber ohne Gemeinderecht dem Georg Müller. Im Zinsbuch von 1761 wird noch die Obstdarre genannt, zum untern Stock gehörig, das Darrhaus aber zum oberen Stock". Geteilt wurde schließlich noch Gr. Nr. 63, da der Schustermeister Joh. Hofmann von Weizendorf, der das Haus 1806 um 800 Gulden gekauft hatte, seinem Sohn Georg 1828 einen Teil 36 x 24 Schuh groß übergab.