Home | Gaustadt | Bürgerverein | Presse | Vereine | Kirchen | Parteien | Institutionen | Firmen | Kontakt
  Druckversion   Seite versenden

Das Leben im Dorf

Das Leben im Dorf, in der Gemeinde oder, wie es früher hieß, in der Gemein, dem die heute noch lebendige Aussprache "Gämaa" entspricht, in der Vergangenheit darstellen zu wollen, bedeutet eine kleine Kulturgeschichte. Zu einer solchen wären schon einzelne Teile des vorhergehenden Abschnittes zu rechnen, dennoch wäre zu bedenken, dass durch die Beschränkung auf ein einzelnes Dorf nicht alle bäuerlichen Lebensäußerungen in den Quellen erscheinen können, so dass von vorneherein nur ein lückenhaftes Bild entstehen kann, das dann mit Hinzuziehung anderer oberfränkischer Dörfer zu einer Kulturgeschichte des heimatlichen Bauerntums ausgebaut werden müsste, wie es in vorbildlicher Weise Karl S. Kramer in seinem Buch "Bauern und Bürger im nachmittelalterlichen Unterfranken" bereits getan hat. Eine weitere Einschränkung ergibt sich auch daraus, dass wir wie in Unterfranken auch erst seit dem Ende des Mittelalters reicher fließende Quellen zur Verfügung haben. Immerhin dürfen wir bei dem bäuerlichen Beharrungsvermögen annehmen, dass sich das Leben um 1500 nicht wesentlich von dem um 1450 oder noch etwas früher unterschieden hat.

Bauern, Handwerker und Gesinde

Den Mittelpunkt Gaustadts bildete einst der Dorfplatz, heute durch den Bau der Sebastiani Kapelle 1738 stark verkleinert. Aber nicht nur dadurch veränderte sich sein Aussehen. Früher senkte sich die Straße auf beiden Seiten zum Wasserlauf hin und überquerte diesen auf einem Brücklein, das in der Lagebeschreibung der benachbarten Häuser immer wieder erscheint. Statt einer teueren breiten Brücke verrohrte man in neuerer Zeit das Lange Bächlein und gewann durch Aufschüttung eine Höherlegung und Verebnung der Straße. Auch die unübersichtliche Kurve gegenüber der Brauerei Wörner beseitigte man, indem man die beiden Gemeindehäuser abbrach. Dadurch wurde die Geschlossenheit dieses Plätzchens auf dieser Seite zerstört. Heute stehen dort moderne Wohnhäuser, die zusammen mit dem Wörner'schen Neubau die neue Zeit des 20. Jahrhunderts verkörpern.

Für das frühere Aussehen dieses Platzes stehen uns keine bildlichen Quellen zur Verfügung damit steht es für Gaustadt überhaupt schlecht , sondern nur schriftliche und dabei nicht etwa eine Beschreibung, sondern nur spärliche und gelegentliche Angaben. Auf ihn münden am östlichen und westlichen Ende von Süden her zwei Gassen und von Norden her öffnet sich der gemeinsame Ausgang der beiden Klosterhöfe. Diesem Ausgang gegenüber stand der Gemeindebrunnen; wie er aussah, kaum ein Röhren , sondern ein Ziehbrunnen, wissen wir nicht, auch nicht, ob ein Brunnenhäuschen ihn schützte. Martinet sagt zwar: Neben dem Bronnenhause auf der Stelle, wo heut zu Tage die Kapelle steht, . . . befand sich das Bildnis des heil. Sebastian unter freiem Himmel. Damit meint er wohl die sog. Pestsäule von 1652. Welche Unterlagen er für das Bronnenhaus hat, gibt er nicht an. Das aber ist gewiss, dass dort die Dorflinde grünte, zusammen mit Dorfbrunnen das Merkmal der dörflichen Gemeinschaft. Als 1491 Clas Eichelberger am Gemeinbrunnen sein Vieh verbotenerweise tränkte, redete ihn Fritz Ocker, Hofmann genannt, darum an, d. h. er beredete es ihm. Und „do hat Cunz Stüriner der Frau des Heinz Paschart zwischen dem Brunn und einem Garten bei der Linten einen Maulstreich geben" im Jahr 1514 .

Hier versammelte sich nach Martinet die Gemeinde zum gemeinschaftlichen Gebet bis zum Bau der Kapelle, aber nicht wie in anderen Dörfern auch zur Gemeindeversammlung; denn zu der kam man im Kellereihof zusammen. Wohl aber spielten sich auf diesem Platz die Lustbarkeiten bei der Kirchweih ab; die zuletzt im Dorf vorhandenen drei Wirtshäuser lagen ja auch in unmittelbarer Nähe.

Das Leben im Dorf bestimmen und gestalten seine Bewohner. Wenn diese in Gaustadt auch unter drei Herrschaften lebten, so kann man doch nicht von ebenso vielen voneinander geschiedenen Gruppen oder Parteien im Dorf reden, weil der Übergang z. B. vom Spital zu einer im allgemeinen meist größeren Michelsberger Hofstätte durchaus möglich war, audi umgekehrt vorkam, so dass sich keine dauernden herrschaftlichen Gegensätze entwickeln konnten. Vollends verbanden immer wieder die Heiraten die verschiedenen Sippen miteinander, so dass sich schwer rein spitälische oder michelsbergische Familien bilden konnten, zumal wiederum alle Bewohner in der Gemeindeversammlung über Wohl und Wehe des Dorfes berieten und beschlossen. Viel stärker wirkte sich der soziale Unterschied, der Gegensatz zwischen Arm und Reich aus. Die Bevölkerung Gaustadts ernährte sich durch die Landwirtschaft; ihr stand aber nur eine eng begrenzte Flur zur Verfügung.

Wohl bebauten Gaustadter auch in der Bischberger Mark etliche Grundstücke und etwas mehr in der gegen das Kloster zu gelegenen Immunitätsflur, im ganzen war und blieb auch nach den späteren Rodungen die landwirtschaftlich nutzbare Fläche verhältnismäßig klein; dabei ist zu bedenken, dass den Löwenanteil an der Flur die beiden Klosterhöfe besaßen, so dass für die anderen Anwesen sich Besitzmöglichkeit um ebensoviel verringerte.

Nach dem Bericht von C. Ph. Löven wurde der Gaustadter Flurbezirk gegen Bischberg 1723 richtig abgemarkt; wo die Cent Hohen Eich anhebt, da scheiden sich beide Fluren. Aber auch ohne Vermarkung bestanden scharfe Grenzen, besonders gegen die Immunität. Immer wird betont, der Gumbrechtsbrunnen z. B. gehöre nicht zu Gaustadt, sondern zur Immunität. Als im Laufe der Zeit die Bevölkerung zunahm, zwang die Flurnot wohl zu Rodungen, die die Feldmark um ein gutes Stück vergrößerten. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass das Kloster eine Vergrößerung des Dorfes und die Durchführung von Rodungen eher hemmte als förderte, da diese Maßnahmen dem Kloster, das dabei nur in Betracht kam, keine wesentlichen Vorteile gewährte. Die Rodungsflächen waren ja an sich schon Gemeindebesitz, und die Abgaben von den neugebauten Häusern entsprachen denen, die auf der bebauten Fläche ruhten. Daraus erklärt sich auch wohl, dass man sich gezwungen sah, innerhalb des Dorfbereichs zu bleiben, d. h. die Anwesen zu teilen.

Nur entlang der Landstraße gegen den Gumbrechtsbrunnen zu gab man einige Bauplätze frei. Die Wohnungsnot ergibt sich deutlich aus einer Klagesache Hans Stretz hatte eine Zeitlang bestandsweise zu Gaustadt gewohnt, war aber in ein Häuslein umgezogen, das ihm Jorg Stretz und Hans Knaus auf einem Feld gebaut, d. h. ihm erlaubt hatten, auf ihrem Feld zu bauen, was aber der Abt 1593 nicht verstattete .

Wir können uns das Leben der damaligen Zeit nicht einfach genug vorstellen sowohl was die Wohnungseinrichtung, die Kost und die Lebenshaltung anlangt. Davon gibt es leider nur gelegentliche Andeutungen. So wenn 1545 zur Magd. Poltzin auf dem Gumbrechtsbrunnen Hans Stürmer, Jörg Eichelsberger mit einer Flasche Wein und Clas Pangratz kamen. Von letzterem heißt es bezeichnet sei "parheibt und parfus gangen", d. h. barhaupt und barfuß. Darum heißt es auch in der 3. Gaustadter Dorfordnung von 1724, dass man sich mit ehrbarem Aufzug bei der Gemeindeversammlung einzufinden habe, nicht ohne Hut und Halstuch, Schuhe und Strümpfe, eben nicht in der gewöhnlichen Arbeitskleidung. Und im gleichen Jahr hatten der Gerichtsknecht Fritz Steffan und Mathes Stürmer in einem Stadel auf dem "Haye" (Heu) gelegen und bis früh gegen den Tag geschlafen . Knechte und Mägde mussten besonders die größeren Höfe einstellen. Damals wie heute kam es vor, dass ein Gesindepaar heiraten wollte oder musste. Im ersten Fall verlangte man von den Eheanwärtern ein bestimmtes Vermögen, je nach Zeiten und Währungsverhältnissen verschieden, im zweiten Fall war man obrigkeitlicherseits beruhigt, wenn der wegen "jornikation", das verschämte Fremdwort für die "schändliche Unzucht oder Hurerei" auf die Klosterkanzlei vorgeladene männliche Teil sich zur Heirat bereit erklärte. Uneheliche Kinder sah man nicht gern in der Gemeinde, vielleicht nicht so sehr aus sittlichen als vielmehr aus finanziellen Gründen, da Mutter und Kind der Gemeinde zur Last fallen konnten, besonders wenn die Mutter als fremde Magd keine helfenden Verwandten zur Seite hatte. Eine uneheliche Mutter bekam ja damals keine Alimente, sondern günstigenfalls eine einmalige Abfindung. Magdalena Eichelbergerin aus Gaustadt klagte 1583 gegen Hans Trummelmeyer auf dem Maienbrunnen, "weil er sie in seines Vettern Brot fleischlich erkannt und eines Kindes geschwängert hätte". Sie verlangt von ihm acht Gulden, das Gericht aber spricht ihr nur fünf zu.

Das Gesinde aus anderen Dörfern konnte man kaum entbehren, dagegen verhielt man sich gegen Beständner vorsichtiger. Immerhin zeigten Kloster und Spital eine verschiedene Übung. Im Michelsberger Bereich hören wir seltener von Beständnern, wenngleich sie manchmal gehäuft auftreten. 1708 finden sich Jeremias Schmid, Hans Zehe, Hans Kraus, Hans jung, Marg. Fuckrin und Maria Zogerin, alle Beständner in Gaustadt, denen die Erbhuldigungspflicht abzulegen und das gewöhnliche Schutzgeld von vier Pfund sechs Pfennigen dem Kloster zu reichen aufgetragen worden. Dagegen waren Beständner auf den wenigen spitälischen Anwesen gang und gäbe; sie zahlten jährlich nur ein Ort ( 1/4 Gulden), also genau soviel wie das klösterliche Schutzgeld. Bei diesen Beständnern handelte es sich meist um Leute, die einen für das Dorf nützlichen oder notwendigen Beruf ausübten, wie um 1580 jener schon genannte Georg Kolmann aus Scheßlitz, seines Zeichens ein Schneider, oder um Georg Schmidt, der 1626 ausdrücklich Schneider und Beständner heißt . Mancher Handwerksmeister erwirbt schließlich auch ein Anwesen wie der Webermeister Claus Günla um 1616 oder der Schneider Fritz Bauer das Haus am Grünbühl, verstümmelt Grintbühl um 1451 ". Dies Haus stand unterhalb des Gumbrechtbrunnens an der Landstraße. Wenn wir unter den Handwerkern auch noch einen Zimmermann und Dachdecker finden und 1452 schon einen Schuster 1636 den Metzger Hans Waltz, dann haben wir die im Dorf notwendigen Handwerker beisammen.

Die Beständner waren mannigfaltigen Beschränkungen unterworfen. So baten 1724 sämtliche Hintersassen zu Gaustadt, "dass sie nebst den erlaubten s. v. Schweinen auch noch ein Stück Vieh halten, dann austreiben dürfen". In den Protokollen findet sich keine Entscheidung darüber. 1725 stellen Schultheiß, Dorfmeister und der Ausschuß der Gemeinde der Klosterverwaltung vor, dass zwar in der Dorfordnung ausdrücklich bestimmt sei, dass niemand zwei Haushalten im Haus haben soll, jedennoch Andreas Hoffmann, Schulmeister und spitälischer Untertan, einen Mann mit Frau und Kindern aufgenommen, die Bandorf' schen Erben in ihrem Gütlein zweierlei Haushalten wie auch Seb. Rauhe den Hans Endres mit seiner Frau, H. Pouffler, spitälischen Lehens, zwei Haushalten haben, unter denen die Letztgenannten Vieh halten, ohne dass sie etwas zu Feld hätten. Solche Leute waren besonders unerwünscht, weil sie sich das Futter auf unredliche Weise verschaffen mussten. Man verlangte zwar, wie das Beispiel Kolmann zeigt, Leumundsbriefe, aber man konnte diesen nicht immer vertrauen. Im Falle Kolmann stellte die Stadt Scheßlitz umso lieber ein gutes Führungszeugnis aus, als man auf diese Weise eine beschwerliche Familie loszubringen hoffte und auch losbrachte.

Nikolaus Zöllner hatte als Beständner des sog. Hemmeter Schustersgütlein zu Gaustadt die beschwerende Anzeige gemacht, dass die Gemeinde allen bisherigen dorfherrschaftlichen Befehlen ohnerachtet ihn gleichwohl nicht aufnehmen wolle. Daher bedeutete die Klosterkanzlei allen Ernstes dem Schultheißen, den gedachten Beständner ohne längeren Anstand umso mehr aufzunehmen, als ihm als Beständner nicht mehr als zwei Ochsen, eine Kuh und ein Schwein zum Hauswesen erlaubt sei.

Dagegen habe derselbe während der Bestandszeit jährlich zwei Gulden der Gemeinde zu reichen. Das verfügte der damalige Klostersyndicus C. P. Löven am 5. Januar 1746.

Gegenüber diesen wenigen Handwerkern bebaute die Mehrzahl der Gaustadter die dörfliche Flur. Die heutige Forschung sieht in der Dreifelderwirtschaft "keine von Anfang der Besiedlung an gegebene Wirtschaftsform". Man betrachtet sie als Ergebnis jahrhundertlanger Bemühungen um Intensivierung der bäuerlichen Wirtschaft. Die überaus reichhaltigen und umfangreichen Quellen des Michelsbergs geben an keiner Stelle irgendeine Andeutung von dem Bestehen dieser Wirtschaftsform im Immunitätsbereich oder in der Gaustadter Flur. Man müsste doch erwarten, dass in diesem verwickelten, nicht gerade einfach durchzuführenden Feldbau irgendwann einmal bei den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten z. B. über Marksteine, Raine, Wege usw. ein Hinweis auf die Dreifelderwirtschaft zu finden wäre. Es findet sich aber nichts dergleichen.

Das ist auch bei Betrachtung der Gaustadter Flurkarte nicht anders zu erwarten. Die Lage und die Gestaltung d. h. das völlig unregelmäßige, wirr durcheinanderliegende Flurbild stellt das gerade Gegenteil einer aus der Dreifelderwirtschaft hervorgegangenen Flur dar, wie sie sich z. B. nordöstlich von Rattelsdorf auf der einstigen Schlammersdorfer Flur mit ihrer deutlichen Gewinneinteilung, den Felderpaketen in Quadrat oder Rechteckform, zeigt. Demnach scheint mir die Gaustadter Flur ein beweisendes Beispiel für die erwähnte junge Entstehung der Dreifelderwirtschaft zu sein. Der große Wirtschaftshof Erchanbrechts, der sicher schon vor 1000 bestand, hat niemals diese Flurform gekannt.

Aber auch die mittelalterlichen ersten Rodungen in der Gaustadter Flur um die (spätere) Ziegelhütte, das sog. Jungkreut, diese Rodungen, die schon vor den Aufzeichnungen der uns erhaltenen Urbare, also vor rd. 1375 liegen, zeigen Streifen oder Reihenäcker, keine Gewanne, erst recht nicht die späteren.

Die bäuerliche Arbeit läuft jahraus jahrein nach den Forderungen und Gegebenheiten von Jahreszeiten und Wetter ab. Die Alltäglichkeiten dieser Arbeiten berühren die Quellen nur am Rande d. h. nur im Zusammenhang mit anderen Vorkommnissen z. B. beim Ackern, Ernten oder Grasen. Wir hören von Kühkäufen und vom Pferdehandel, von Verkauf und Vertauschungen von Häusern und Äckern, oft genug im Wirtshaus meist in nicht mehr nüchternem Zustand der Bauern, so dass die Frauen nachher viel Mühe hatten, einen eigenmächtigen und törichten Handel wieder rückgängig zu machen. Zu solchem unbedachten Tun verführte sicherlich oft die lockende Aussicht, den üblichen Leikauf gleich vertrinken zu können; denn erst der getrunkene Leikauf machte den Handel rechtskräftig.

Als Cunz Stürmer 1536 dem Wolf Weicker seinen Wein am Stock angeboten und dieser ihn um neun Gulden angenommen und gekauft hatte, tranken sie den Leikauf. Als die damit nicht einverstandene Frau des Stürmer klagte, wurde sie abgewiesen. Der gleiche verkaufte im Rausch, wie anerkannt wurde, ein Pferd an Peter Löhr. Die Frau war verzweifelt, das Gesinde schimpfte, weil der Gaul zur Arbeit nötig war. Aber Löhr, der die Trunkenheit Stürmers ausgenützt hatte, verzichtete nicht gutwillig auf das Pferd und konnte es behalten; der Leikauf war getrunken. Dabei verführte der Alkohol auch zu Unredlichkeiten. Adam Muff, Reuß genannt, von Bischberg klagte 1572 gegen Hans Kraft zu Gaustadt, weil er ihm ein Grundstück zu zwei Gulden verkauft habe. Muff hatte "ein Essen (Gericht) Fische zu bringen verwillit, darauf eine Maß Bier, die sie miteinander getrunken hätten«. Für Muff scheint es ein sehr günstiger Kauf gewesen zu sein, denn nicht nur, dass er ein Essen zum Leikauf bewilligte, er stiftete dazu auch das teuere Bier; für gewöhnlich trank man ja Wein. Muff hatte aber das Nachsehen, Hans Krafts Acker war schon verkauft. Muff klagte dann um vier Gulden als Entschädigung .

Aus den Gülten ersehen wir, dass man in Gaustadt die Felder mit dem üblichen Getreide bebaute, auch anscheinend nicht geringen Weinbau trieb. Die meisten Weinberge zogen sich am Rödelbach gegen Bischberg hin. Aber seit rund 1500 nimmt der Weinbau allmählich ab. 1694 sah sich das Kloster gezwungen, an die Pettstatter und Gaustädter die Mahnung zu richten, die Weinberge in besseren Stand zu setzen, da diese "sehr schlecht angebaut werden, auch zum Teil gar öd darniederliegen, so dass der jährlich zu reichende Zehend ziemlich abgekürzt wird" In den nächsten Tagen werde ein Expresser (Eilbote) zur Augenscheineinnahme abgehen. Den Morosen (Säumigen) werden im Herbst die Trauben abgenommen und zum Kloster geführt.

Vielfach ersetzt man den Wein durch den Hopfen, aber noch 1677 haben Martin Endres, Jürgen Roth und Fritz Keck von Gaustadt ihre Weinberge ausgehauen und zu Feldern gemacht".

Am 6. August 1697 gab die Michelsberger Kanzlei an ihren Schultheißen Lorenz Hemmeter zu Gaustadt einen Befehl hinaus, der diesem sicherlich sehr unangenehm war. Die Bamberger Gärtnerzunft, vertreten durch Hans Kautler und Paulus Pathumb, hatte sich mit Unterstützung des Bamberger Unterschultheißen bei der Kanzlei beschwert; obwohl nach der von der Hofratsstube gebilligten Gärtnerordnung allen Bürgern und Bauern verboten sei Enis (Anis ) und Zwifelsamen" bei Verlust der Frucht zu bauen, hatten Nicolaus Weyermann und Conrad Hetzel zu Gaustadt dagegen verstoßen. Der Unterschultheiß stellte fest, dass der gelbe und weiße Rübsamen d, h. der Samen von gelben und weißen Rüben nicht unter das Verbot falle. Dagegen wurde verfügt, dass die Gärtner den beanstandeten Enis zu Gaustadt im Beisein des Klosterschultheißen ausrafen (herausraufen!) sollen".

1704 "bedeutete" der fürstliche Statthalter dem Kloster d. h. machte aufmerksam, wie sich die Gärtner wiederum beschwert hätten, "dass im Hochstift die Untertanen verschiedene Samen bauen und darmit zu praejudiz (Rechtsnachteil) der Gärtner handeln täten, unter welchen auch des Klosters Untertanen zu Gaustadt wären".. Als 1782 der Gaustadter Schultheiß Franz Weltz zu seinem Samenhandel um ein Darlehen von 100 Gulden bat, folgte sofort die Beschwerde. Drei Meilen von der Stadt dürfe niemand mehr Samen bauen, als er zu seiner Haushaltung benötige; darin sei auch der "häufig erbaute weiße und gelbe Rübsamen" begriffen. Die Gaustadter versprechen darauf hin, nur für ihren Bedarf zu sorgen .

Es gab auch noch andere Bamberger Beschwerden: Die vier Meister des Schneiderhandwerks klagen 1685 gegen die in der Klosterimmunität und in Gaustadt wohnenden "Stöhrer", sie täten dem Handwerk großen Schaden Darum baten 1686 die Bamberger Schneider, dass der auf der Stör" arbeitende Gaustadter Schneider ein Meister werden solle d. h. seine Prüfung mache und zur Zunft bezahle ". Im übrigen lernten die Gaustadter Mädchen auch das Nähen; denn 1557 klagte Frau Anna Theininger unterm Mönchberg gegen Wolflein Kerßleins Hausfrau zu Gaustadt wohnhaft, sie sei ihr noch zwei Gulden schuldig, weil "sie, ehedann sie Hochzeit gehabt, zu ihr ein ½ Jahrs in die Kost gangen und nähen lernen wollen" . Das wird wohl nicht der einzige Fall gewesen sein.

Nach diesem Einschub wieder zurück zur Landwirtschaft. Große Sorgfalt widmete man augenscheinlich der Obstbaumzucht. Schon 1424 wurde dem Herdegen ans Herz gelegt, das verpachtete Feld "in gutem, redlichen Bau" zu halten, er "soll Bäume genug darin setzen und denen wohl warten" Darum unterschied man z. B. von einem Acker am Amselgeschrei gelegen schlechthin das Baumfeld ob dem Hasenbrunn, von dem dann auch der Zehnt unter und auf den Bäumen fällig war ".

Auffallend oft werden Weichsel und Kirschenbäume genannt. 1596 fielen an Weichsel und Kirschenzehnt ums Kloster und Gaustadt ein Gulden und vier Pfund. In den Kellereirechnungen des Klosters erscheint 1579/80 die Ausgabe von einem Ort für eine Maß Weichselsaft". 1593 klagte Michael Hetzer gegen die Söhne des Zieglers zu Gaustadt, "wie sie ihm die Kersen auf den Bäumen abgerissen" Jörg Bock, der ehrbare Bürger und des Rats zu Bamberg, erhob 1542 Klage, er habe auf seinem Felde, beim Schönen Brunnen gelegen, neben anderen Bäumen "einen schönen, jungen, lustigen, geraden Speierlingsbaum gehabt", der ihm über die Mittagszeit ausgegraben und entwendet worden sei. Wem dieses Elsbeer , auch Arlesberbaumes (Sorbus torminalis) gab es mehrere Gerichtssitzungen mit vielen Zeugen. Im Jahre 1500 finden wir eine Klage, weil jemand "die Weichseln und Amerlen (Amarellen),

die dazumal auf den Bäumen in der Hecke gewachsen" waren, abgenommen habe'. 1501 werden auch Spilling, kleinere Pflaumen, erwähnt. Solche eben genannte, auf Rainen, in den Hecken oder auch nahe den Ackergrenzen stehende Bäume verursachten vielen Verdruss und lange Auseinandersetzungen wegen des überhangs eines Baumes. So klagte 1442 der Haffurter gegen den Renner wegen eines solchen Über-hangs. Der Baum wachse über seinem Feld und er schätze seinen Schaden auf 30 Gulden. Schwierig wurde die Sache, weil der Renner in der Acht war der Grund ist nicht angegeben und außer Landes weilte. Ihn vertrat seine Frau. Schließlich setzte man man denke an das oben erwähnte Dorfgericht zwölf Lehensmänner und Urteller nieder, die wegen des Überhangs zu Recht erkennen sollten. Sie sprachen, "dass der Renner soll eine Leiter setzen auf die Mark (Grenze) und an die Bäume anlehnen. Was er mit den Armen "vngeverlich" d. h. ohne Betrug, Hinterlist, erreichen kann, das soll ihm gehören, was er aber nicht erreichen kann, soll des Haßfurters sein" .

Mit diesem Spruch war aber die Sache nicht abgetan. Nach 13 Jahren, als den Acker des Hasfurters bereits ein Stürmer besaß, war ein neuer Spruch notwendig. Am Dienstag vor Simon und Judae, also am 25. Oktober 1457, wurde "von des Überhangs wegen der Bäume zu Recht erkannt, dass der Renner soll eine Leitern "gestracks" (.gerade) anlehnen auf sein Feld und an seinen Baum und was er erlangen mag mit gestracktem Arme auf den Bäumen, aber dass er keinen Ast zu sich ziehen noch biegen soll, das ist sein, was er aber in solcher Art nicht erlangen kann, das ist des Stürmers". Mit diesem Urteil wird deutlich, dass das Wort "vngeverlich" mit gutem Grund im ersten Urteil stand Renner hatte das getan, was im zweiten ausgeschlossen wurde, er hatte die Aste herübergezogen. Was das für Bäume waren, um die es damals ging, wissen wir nicht. Überhaupt werden Apfel, Birnen und Zwetschgen kaum genannt. Nach einer Klagesache fielen 1592 die Ausdrücke "Obst und Soma (Samen)dieb", (vgl. die schon erwähnte Samenzucht) und als Gegenstück "Zwetschgä und Obst Diba" (Diebin) ".

Zu dem Steinobst gehören die 1497 erwähnten Spil(l)ing, eine kleine, gelbe Pflaumenart . Auffällig ist die Aufmerksamkeit, die man den Holzbirnen widmete. Sie werden als einziges Obst in der Dorfordnung genannt und geschützt, übrigens nicht nur in Gaustadt, sondern z. B. auch im benachbarten Trosdorf. Niemand darf sie schütteln, herabschlagen, nicht einmal auflesen, bevor sie nicht von den Dorfmeistern freigegeben sind ". 1668 beklagte sich Hans Handschuh, ihm sei vorgeworfen worden, "vergangenen Sommer die Holzbirn verwahrlost zu haben, indem er selbe, wie ihm als Dorfmeister gebühren sollen, nicht habe aufstreichen (versteigern) lassen ". Demnach wurden die gemeindeeigenen Holzbirnen alljährlich an die Meistbietenden versteigert. Wozu verwendete man diese uns so wertlos erscheinenden Früchte?

Außer den in den Gülten genannten Früchten sei noch die Hirse genannt. 1507 waren Hermann Linßner und Fritz Poltz, offenbar Zehntner, auf des Scherleins Feld gewesen und wollten den "Hirsch“ verzehnten. 1593 beschwert sich Georg Stretz über Hans Kreutzer, dass ihm dessen Sohn die Wicken abgeschnitten, heimgetragen und verfüttert habe .

Fast gänzlich fehlen die Nachrichten über das Gemüse. 1481 beschuldigte man eine Gaustadterin, sie habe "vier hatlein krautz" genommen, das sind vier Krautshäupter, so wie der Bamberger heute noch von "Krautshadla" spricht . Als 1787 der Herr Hofkammerrat und Hofkastner j. W. N. Mehler seinen Anteil am Kellereihof an die Maria Marg. Felbinger auf sechs Jahre verpachtete, forderte er außer 150 Gulden noch jährlich 15 Stück wohlgewachsene Pipen (Truthühner) und Anten, 10 Gänse, 24 junge Hühner, 40 Maß Schmalz, sechs Schock Eier, zwei Vierling Erbsen, einen Vierling Linsen, zwei Kornsäcke gute Erdöpfel, vier Holzfuhren. Ferner 200 Stück Weißkraut, eine Fuhre Weiße Rüben, zwei Maß Kümmel, 12 Schütt langes Stroh, ein Hinterviertel Ochsenfleisch und vier Schwein unentgeltlich zu mästen, wozu der Verpachter das Spüllig in seinem Haus und sämtliche Kleie hergebe. Außer diesen Abgaben an den Besitzer musste doch auch für die Pächterin etwas für ihre Arbeit zum Leben übrig bleiben ". Die Kellereirechnungen des Klosters berichten zwar nicht von Gaustadt, aber doch vom Kloster, dass der dortige Koch in Nürnberg ein "Väsle Kümmerling" kaufte, dass in des Herrn Garten "Massaran"' (Majoran) und "Satran" (Safran?) wüchsen und dass man zwei Pfund für Erdbeeren ausgegeben habe ". Was die Viehzucht anlangt, so standen in den Gaustadter Ställen natürlich Kühe und Kälber, Ochsen und Schweine. Dazu zählt auch der Zuchtstier; in Gaustadt gab es deren zwei, wenigstens 1632. Das ist der Klage Mathes Schuberts (Gr.Nr. 54) gegen Pankratz Fischer zu entnehmen. Das Jahr vorher hätten sie, Schubert und Fischer, die Gemeindeochsen zu halten gehabt. Fischer hatte dem Schubert angeboten, er gebe ihm zwei Reichstaler und den Gemeindeanger, wenn er beide Ochsen halte. Schubert ging auf den Handel ein.

Als aber die Feinde, es kommen nur die Schweden in Frage, einen Ochsen weggetrieben hatten, verlangte er von Fischer einen Ersatz; die seltsame Klage wurde abgewiesen. Demnach musste in Gaustadt der Zuchtbulle oder die beiden von den jeweiligen Haltern gestellt werden, nicht etwa von der Gemeinde, auch wenn man von Gemeindeochsen sprach. Das kommt deutlich zum Ausdruck in dem Bericht über die Gemeindeversammlung vom 20. August 1708. Damals hatte Nikolaus Resch den Vaselochsen zu halten gehabt und auch die dazu gehörige Wiese empfangen. Allein er hatte einen solchen schlechten, untauglichen Ochsen gestellt, dass er nicht gesprungen sei. Darum musste Marg. Monlein, die schon den zweiten im Stall hatte, noch den anderen halten.

Sie erhielt dafür die Wiese und zusätzlich fünf Gulden ". Die Gaustadter benutzten auch Pferde. Immer wieder hören wir von Pferdekäufen, und wenn die Erklärung der Koppenäcker als Fohlenäcker richtig ist, dann wäre die Pferdezucht in Gaustadt ohne weiteres bezeugt. Die Dorfordnungen befassen sich nicht mit den Pferden, wohl aber mit den Schafen und Geißen. Nach der ersten Dorfordnung von 1583 war es untersagt, Schafe und Geißen "auf die Gemein" d. h. auf die Gemeindeäcker zu treiben und dort zu hüten; diese Tiere mussten im Stall gehalten werden

Zu einem Bauernhof gehört auch das Federvieh. Am zahlreichsten waren sicherlich die Hühner, schon wegen der Fastnacht , Zehnt , Herbst , Burkhardhühner und der Eierabgabe an Ostern. Wenn man in einer Klageschrift liest: "Des Beklagten Buben haben in des Klägers Hofreit etliche Male mit Steinen nach den dort befindlichen Zibellen geworfen", da bedarf es doch einigen Nachdenkens, um darauf zu kommen, dass das mundartliche "Ziebäla" (Kücken, Hühnchen) gemeint sei ". Die Burkardi Gans (auca Burcardi), die der Kellerelhof zu reichen hatte, bezeugt die Gänsezucht .

Die oben erwähnten "Pipen und Anten" des verpachteten Mehler' schen Hofes ergänzen das Federvieh. Als im großen Gemeindeprozeß 1542 Hans Stretz seinen Viehbestand aufzählte, drei Kühe, drei Pferde, vier Schweine, da gibt er als einziger Tauben an, nämlich sechs Paar '. Im übrigen klagte schon 1456 Hans Eichelberger gegen Hans Amlung, dass er ihm seine Tauben wegfange '. Der Taubenzucht waren in Gaustadt wie in anderen orten wahrscheinlich gewisse Beschränkungen hinsichtlich der Zahl der Tiere auferlegt.

Hier sei auch eingefügt, dass im Jahre 1600 dem Hans Weickert zu Gaustadt die Vogelweid im Laufenholzer Holz, einem Teil des Michelsberger Waldes, abermals überlassen wurde, dass er "diese, so gut er kann, besuchen, in allerhand Weg bestellen, die Vögel aber, soviel er darin fangen werde, das seien gleich Dröschel (Drosseln) oder Crammater (Krammetsvögel), die Püschel umb 20 Pfennige dem Kloster bringen und geben, dagegen er auch je zu Zeiten, do er etwas bringe, seine Mahlzeit habe" Die nicht seltenen Wachszinse besonders von Äckern setzen, auch wenn sie gelegentlich mit Geld abgeleistet wurden, eine eifrige Bienenzucht voraus. 1456 sagte Hans Beyer, wie er aus der Stadt gegen Gaustadt gangen sei, da seien Lengenfelder und die Stirnerin gestanden und haben wollen einen Immen einvahen (einfangen), d. h. wohl einen Schwarrn fangen. 1536 klagte Jorg Rigel gegen Hans Weicker zu Gaustadt, "umb dass er etlich pin (Bienen) erkauft und die bei Weicker umb.halb eingesetzt, deren umb halb zu warten". Der Beklagte habe solche Bienen zwei Jahre gehabt und dem Kläger keine Nutzung davon gegeben. Man muss sich daran erinnern, dass damals die Bienen noch in den Wäldern in natürlichen oder künstlichen Baumhöhlen von den Zeidlern gehalten wurden.

Weicker sollte Riegels Bienenstöcke gegen die Hälfte des Ertrages pflegen. über den Preis eines Bienenvolkes unterrichtet uns die Forderung eines Resch an Erhard Dotterweich zu Harnsbach 1598 von einem halben Gulden für ein Volk . Das war damals viel Geld für einen Bienenstock, und bedeutet zugleich einen Maßstab für die Wertschätzung des Honigs. In dem schon mehrmals erwähnten Pachtvertrag Mehler Felbinger fordert ersterer, dass auf die fünf Bienenstöcke fleißig achtgegeben werden müsse.

Man möge es verzeihen, wenn hier eine Besonderheit des einheimischen Tierlebens, nicht eines Haustiers und auch nicht von Gaustadt, sondern vom benachbarten Viereth festgehalten wird. Vom 1. Juli 1487 ist das Schreiben datiert, das das Kloster an Paulsen von Streitberg richtete, weil dessen Hintersasse Hans Jechlein einen Biber in des Klosters Fischweide geschossen und gefangen habe". Das Kloster nimmt die Sache ernst und schlägt einen Termin zur Bereinigung der Angelegenheit vor. Damit ist das Vorhandensein von Bibern in unseren Flüssen bezeugt.

Die landwirtschaftliche Bevölkerung Gaustadts bezog das zum Leben Notwendige aus dem eigenen Ertrag. Immerhin benötigte sie auch bares Geld für Kleider, Schuhe, für die Entrichtung der Zinse an das Kloster usw. Das kam ins Haus durch den Verkauf von Erzeugnissen wie Kraut und Butter auf dem Markt in Bamberg, von Fleisch bzw. Tieren an den Metzger. Die Beispiele können uns die Rechnungen des Klosters Michelsberg geben:

1/2 fl. Hansen Löhren Kinder Vormünder für 2 Sümra Hopfen 1580

8 1/2 fl. für ein Kalb der alten Pleidnerin

4 ½ fl. für Most dem jungen Lörn

2 fl. für ein Schweinlein zum Gumprechtsbrunn kauft 50 Pf. Cunz Hoffmann für 50 Eier 1582 24 Pf. Barbara Pleidnerin für zwei Käse 2 ½ fl. dem Stürmer für 2 Sümra Korn

5 Pfd. für zwei junge Geißen von Barb. Pleidnerin 1583

6 fl. Balthasar Aichelberger für 4 Eimer Wein 1586

1/2 fl. für Marillen dem Gabriel Poltz 1587

3 Pfd. 4 1/2 Pf. Hans Kraus d. j. für Pfund Wachs

Man verdiente sich auch Geld durch Arbeiten und "Fuhren".

1 fl. 4 Pfd. 12 Pf. für 16 Taglohn in Weinberg zu schneiden 1580

56 fl. dem jungen Lörn für soviel Klafter Scheit zu der Ziegelhütte

9 fl. weniger 18 Pf. dem Wolf Amling für 7Y2Meß Scheit zu der Ziegelhütte zu fahren

10 fl. 6 Pfd. denen von Gaustadt von 30 Klafter Bräuholz hereinzufahren

1 fl. dem Gaustadter für 11 Y2 Taglohn zu 24 Pf., so in der Muldern gehackt 1582

3 fl. Hansen Meister für sechs Butten Zwiebel 1585

1 fl. für 12 Taglohn, die das Grummet auf Biegen "hofdörr" gemacht 1620

10 fl. von dem Dornsee bei der Ziegelhütten ob Gaustadt gelegen den Thomb (Damm!) zu richten und zu säubern 1586

Diese wenigen Beispiele stehen für Hunderte in den Rechnungen. Sie sind lehrreich durch die Art der Erzeugnisse und Arbeiten und die Preise, die dafür gezahlt werden.

Der erste nicht landwirtschaftliche Beruf, der uns 1451 in Gaustadt begegnet, ist der Fährmann; denn in Apel Verg, übergeschriebene Fere, auf Gr.Nr. 33 ist Verg kein Personenname, sondern bedeutet Fährmann. Einige Male findet sich in Gaustadt ein Hans Kraus Fischer genannt, der mit seiner Mutter 1624 das Anwesen Hans Eichelbergers (Gr. Nr. 33) bestandsweise bewohnt 511. 1545 war Jörg Löhr auf den 16. Dez. vor das Pfortengericht gefordert worden. Er entschuldigte sein Ausbleiben: "Warumben er aus seinen Ehaften (rechten Gründen) und Ursachen nicht vor Gericht erscheinen können, dann er zur Unterhaltung seiner Leibesnahrung den vergangenen Herbst im Schiffe gefahren" ". Er war also lange abwesend. 1729 lesen wir von einer Klagesache des bei allhiesiger (Bamberger) Überfahrt wohnhaften Schiffmanns und Bürgers Job. Mich. Greim gegen Michel Stierlein und Consorten. Unter der Überfahrt ist wohl die einst anstelle der heutigen Markusbrücke vorhandene Fähre gemeint. Dort hatte Stierlein mit seinem Bruder Endres Kaufmannswaren zur Beförderung nach Würzburg und Erlangen übernommen. In Sambach welchen merkwürdigen Weg hatten die Fuhrleute eingeschlagen? luden sie das Säcklein gezeichnet j. B. Nr. 4, in dem Kaffeebohnen gewesen sein sollen, von einem Wagen auf den andern um. In Erlangen war es nicht mehr da; Schadenersatzforderung von 25 Reichstalern . Ein Dorf benötigt auch einen Zimmermann; 1588 wird Endres Kellner auf Gr. Nr. 66 als solcher genannt, sein Bruder Adam blies auf Hochzeiten, bei Festen und Tänzen die Sackpfeife'.

Der schon öfters erwähnte Jos, Kerßlein deckte 1546 bei Hans Stürmer das Hausdach. Er hatte anscheinend keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen, so dass dem kleinen Heinz Stürmer ein Dachziegel auf den Kopf fiel. Kerßlein schwur, dass der Ziegel nicht aus seinen Händen gefallen sei, sondern sich irgendwie von einer Latte gelöst habe; "wann der Ziegel nicht mit seinem Willen gefallen ist, sei er nichts schuldig", lautete das Urteil..

In Gaustadt gab es notwendigerweise auch Taglöhner, männliche und weibliche, die sich durch Arbeit bei den Bauern ernährten. 1541 bezeichnete sich so Jobst Linsner, 34 Jahre alt, in einem Bestandhaus wohnend. Die Katharina Hinckerin sagte 1542, sie nähre sich von ihrer harten Arbeit, das sei ihre Nahrung ".

Diese Gelegenheitsarbeiter kamen wohl den Bauern billiger als Knechte und Mägde. 1519 klagte die Magd Els Schützin von Gaustadt gegen Cunz Weicker, bei dem sie gedingt hatte, "um neun Pfund Geld, neun Ellen Tuch und ein Stauchen (Kleidungsstück), ferner um zwei Sümra Korn. Das hab sie dem Beklagten im (Getreide )Schnitt und sonst mit Arbeit aberdingt". Weil sie dies alles nicht ohne Gerichtshilfe bekommen kann, klagte sie. Hans Pfister auf dem Kellereihof zu Gaustadt klagt gegen seine Dienstmagd Ursula und Lorenz Reich allda. Die Magd "wäre ihm auf eine jedoch wohlverschuldet gegebene Mauldaschen sobalden (sofort) ausgetreten und bei gedachtem Reich zu Dienst sich eingelassen, da doch ihr Jahr erst Walburgis 1654 sich endet. Die Magd entschuldigt sich damit, "Pfister habe sie unbillig geschlagen und noch überdies sie in dieses oder jenes Namens (verhüllend für: In Teufels Namen) heißen fortgehen, über welches sie auch ausgetreten". Das Gericht entschied aber, dass sie ihr Jahr bei Pfister aushalten muss ".

Über Dienstbotenlöhne hören wir in der Teuerungszeit des begonnenen 30-jäh-rigen Krieges. Das Ellsabethen Spital musste 1622 die Löhne aufbessern und zwar dem im Spital beschäftigten Bauern von 8 1/2 Gulden um l 1/2 Gulden (17,6%), einen Hausknecht von 5 1/2 Gulden auch um 1/2 Gulden (27,2%), eine Magd von 5 auf 6 Gulden (20ro). Das Spital verfügte über zahlreiches Gesinde. Doch überließ man, wenigstens in den Jahrzehnten vor und nach 1600, einem, sagen wir, Unternehmer den Schnitt von solchem Getreid herten (harten) und waigen (weichen), von allem Getreid über haubt" Sprachlich erklärt sich das zunächst unverständliche "über haubt“ in dem heute noch lebendigen mundartlichen Ausdruck "überhabbs“ d. h. im ganzen, ohne Rücksicht auf Zahl, Dauer usw. Beim Getreide wird das hatte, das sind Gerste, Korn und Weizen und das weiche, nämlich Hafer unterschieden. Nach der Übereinkunft vom 15. Juni 1584 bekommen "der schwarz Hans und der Lantsknecht« mit ihren Leuten für den Schnitt 33 Gulden, vier Laib Brot und vier Käslein. Ausführlicher ist der Vertrag vom 28. Juni 1592, als "alles Getreid im Spital überhaupt abzuschneiden verlassen wurde Hans Wolfram samt dessen Mitconsorten umb 26 Gulden, dass sie dasselb fleißig schneiden, und sollen allweg im Schnitt sieben sein.

Desgleichen, wann sie die erste Frucht abschneiden, soll ihnen Brot und Käse nach Notdurft gegeben werden und wenn sie allen Schnitt getan, soll ihnen eine gute Mahlzeit gegeben werden. Am 7. Juli 1608 wurde vereinbart, dass wenn die Mäher der Wiesen in allem fertig sind, soll ihnen Klöß und Fleisch samt einem Trunk und soll allweg jeder Person ein Laib Brot und Käse gegeben werden. Am gleichen Tag wurde wiederum zu schneiden verlassen alles Getreide von Korn, Weizen, Gersten, Habern, Erbsen, Linsen, Wicken, Heydel (Buchweizen) und Hirsch (Hirse) und müssen auch alles Getreide, was sie geschnitten, aufsammeln und binden außer der Wintergersten.

Diese Angaben zeigen die Mannigfaltigkeit der Getreidearten d. h. des eigentlichen Getreides wie Korn, Gerste, Weizen und Hafer sowie der sog. Schmalsaat, der Erbsen, Linsen usw. im übrigen darf man unter den obigen Klößen natürlich nur Semmel oder Mehlklöße verstehen, die man zum Bratenfleisch in der Soße aß.

Da im Mittelalter die Stallfütterung wenigstens im Sommer nicht üblich war, und man deswegen das Vieh auf die Weide trieb, benötigte man Hirten für das Großvieh, die Schweine und die Gänse. Der Dienst des Hirten bedeutete eine Vertrauensstellung; von ihm, dem man die Ernährung und zum großen Teil die Pflege der Tiere übertrug, hing fast ebenso wie vom Besitzer der Erfolg der Viehzucht im Dorfe ab. Martinet weiß über den Hirten außer zwei Jahreszahlen und einem seinem Familiennamen nach fragwürdigen Sohn des Hirten Lorenz von 1594 nichts zu berichten Natürlich trieb ein Hirte schon lange vor dieser Zeit in Gaustadt das Vieh aus. Als, wie oben schon erzählt, 1508 das neue Hirtenhaus in Gegenwart des Abtes, des Vogtes, zweier Gerichtsschöffen und des Gerichtskriechtes Hans Storch genehmigt war, nahm am gleichen Tage die Gemeinde den Heinz Basthart zu einem Hirten an, der auch dem Abt gelobt d. h. gehuldigt und zu den Heiligen geschworen, das Vieh getreulich vor Schaden zu bewahren "und ist alsbald zu einem armen Mann und Hintersassen von seinen Gnaden dem Abt aufgenommen worden". Aber schon 1481 klagte der Hirte Clas Newkam gegen Hans Eichelberger "von wegen der ganzen Gemein" d. h. gegen diesen als Vertreter der Gemeinde wohl als Dorfmeister um Entrichtung seines Lidlohnes von 15 Sümra Getreides und um Heu, das sie ihm auf dem Felde haben verderben lassen und nicht entschädigen wollen". Wenn man annimmt, dass wie später im 18. Jahrhundert auch schon damals dem Hirten eine Wiese irn Gemeindeanger, die deswegen Hirtenwiese hieß, zur Nutzung überlassen war, so mag der Hirte zur Erntezeit keinen Bauern gefunden haben, der ihm sein Heu ins Dorf fuhr, so dass es nicht verfüttert werden konnte. Die Gemeinde ließ Newkam antworten, "er hett die S c h ü t t eingenommen und ihnen doch nicht aus edingt"; deshalb glaubten sie ihm nichts schuldig zu sein. Das heißt wohl, er habe nicht das ganze Jahr in seinem Dienst ausgehalten, darum solle er auch, wie es im Urteil hieß, "nach Angabe des Jahres", für die Monate oder Jahre seiner Verpflichtung entschädigt werden

Das Wort "Schütt verlangt eine Erklärung. 1516 klagten Peter Lor (Löhr) und Eberle Knaus als Dorfmeister gegen Hans Weyßheitt zum Gumpreßbrunn, weil er sein Vieh nicht wie anderer in der Gemeinde v e r s c h ü t t e t habe. Dafür verlangten sie fünf Pfund und einen Gulden für Schäden. Weyßheitt wandte ein, seit er zum Gurnbrechtsbrunnen wohne, wäre keiner aus der Gemeinde gekommen, S c h ü t t oder H i r t e n 1 o h n von ihm zu fordern .

Das war freilich eine faule Ausrede, denn diese Forderung konnte er nicht beanspruchen. Die "Verschüttung" ging nämlich anders als durch einen Besuch vor sich. Im Jahre 1500 klagten Hans Vbelein und Vllein Heuser gegen Clas Hincker, sie seien einst zu ihm kommen, "da sie ein S c h ü d t in a 1 gehabt haben und etlich haupt viehs verschwiegen" hätten. Darum sollten sie gestraft werden. Da aber des Heusers Weib und der alte Vbelein wegen der hohen Strafe Gnade begehrt hatten, wurde diese auf zwei Pfund ermäßigt

Der Ausdruck "Schüttmal" beweist klärlich, dass man eine Gemeindeversammlung zu berufen pflegte, bei der jeder die Anzahl seines zur Gemeindeherde pflichtigen Viehs, eben der oben genannten "Häupter des Viehs", angeben mußte. Wegen des Wortes "Mal" in Schüttmal darf man nicht an das Mahl, das Essen, denken, sondern an das damals übliche Wort Mal für Versammlung. So heißt es im Weistum von 1541 z. B., man halte jerlich am tage Andreae ein Hegmal und dinge zu derselben Zeit den hirten<, und weiter "so oft man den hirten anlege und jemand aus der gemein ein haupt vihis verschweige und nit recht sagt, sei der gemein das best ha(u)pt vihes zu pfand verfallen . Dieser letzte Ausdruck bedeutet soviel wie gestraft werden. Die ungewöhnlich hohe Buße des besten Viehs beweist, wie man falschen Angaben zu begegnen suchte.

Dass man nach der Versammlung beieinander blieb, aß und trank, zeigt die folgende Einrede Heusers und Vbeleins (siehe oben!) wegen der zwei Pfund Strafe, sie (die Gaustadter) hätten keine Nacht darüber geschlafen und dannest (sogleich) die Strafe vertrunken .

Im Jahre 1599 bezichtigte Michel Tröster die beiden Hans Lohr und Paulus Helmrich, ihre Schweine nicht zur rechten Zeit "geschüpt" zu haben Demnach, wurden, was von vorneherein anzunehmen war, die Schweine zur Eichelmast in den Michelsberger Wald getrieben, der ja damals noch Eichenbestand hatte. Es bleibt nur unklar, ob man einen eigenen Schweinehirten "anlegte"; die Quellen sprechen davon nicht. Den Hirten standen als Weideplätze zunächst der ausgedehnte Gemeindeanger und dann die Heeg zur Verfügung. Dazu kamen die Brachäcker und der Wald. Darüber hören wir aus der Entscheidung des Abts Johann von 1593 in einem Streit zwischen Gemeinde und dem Kellerelhofbauern Jorg Lohr. Danach darf der Hirte über die Brachäcker Löhrs und in seine langen und alten Hölzer treiben. Die jungen Schläge sind ihm verschlossen.

Zum Ausgleich soll der Hirte das Vieh auf des Löhr Acker ruhen lassen, damit ihm "die Düngung wieder zugute komme . Es traf sich aber auch, dass der Hirte seine Vertrauensstellung missbrauchte. So hatte man Grund, sich 1780 über den Hirten Fritz Gerner zu beklagen, weil er die Kühe so schlage, dass sie einige Tage nichts fräßen und mit einem Bein "gehunken" hätten.

1787 bringt der Schultheiß Christoph Mackart vor, dass der Gemeindegenosse und spitälische Untertan Mich. Müller die gewöhnliche Hirtenpfründe (Abgabe) zu 1/2 Metzen dem Hirten nicht verabreichen wolle.

Zum Schluss dieses Abschnittes einige bemerkenswerte Beobachtungen land-wirtschaftlicher Art. Vor dem 30jährigen Krieg waren mehrfach zwei oder drei Anwesen in Gaustadt in einer Hand. So besaß Hans Sack, auf dem Biegenhof gesessen, 1571 auch Gr. Nr. 19 und Hans Hoffmann, Biegenbauer, 1604 das gleiche Anwesen, Hans Vollant 1424 (nach Hans Eichelberger) Gr. Nr. 5 und 34, Hans Stretz 1430 den Kellerelhof und das Jungfrauenhöflein, Hans Eichelberger um 1480 den Kellereihof, Gr. Nr. 5 und 37. Von diesen drei Gütern bekam nach dem Tode von Eidielbergers Witwe 1506 der Sohn Jobst Gr.Nr. 5, die Tochter Magdalena, verehelichte Hartmännin Gr.Nr. 37. Den Kellereihof hatte die Witwe schon 1497 an Cunz Linsner und Hans Koch vom Hofe veräußert.

Verständlich wären diese Vereinigungen noch, wenn es sich dabei um kleine Anwesen handelte, die einzeln kaum den Unterhalt einer Familie sicher stellten. Hier sind es aber gerade die großen Höfe, so dass doch wohl das Gegenteil in Betracht kommt, dass nämlich ein wohlhabender Bauer für seine Kinder mehrere Anwesen aufkauft. Diese Erscheinung trifft man auch sonst in Franken und man hat sich viel Mühe gegeben, Voraussetzungen und Veranlassung zu ergründen. Dafür war ein eigener Fachausdruck gebräuchlich, den ich zwar nicht für Gaustadt, aber für Michelsberger Klostergüter in Kütz (Oberküps) belegen kann. Von Hans Grae (Grob) heißt es 1496, dass er eine bebaute Hofreit und ein halbes Reutlehen zu Kleucka (Kleukheim) "zu Hantroß" und mit fremden Leuten bezogen habe . Das Wort ist wohl so zu erklären: So wie ein auf dem Sattelpferd Reitender neben sich das Handpferd (Handroß) hat, so besitzt oder verpachtet obiger Grae neben seinem von ihm bebauten Anwesen ein zweites. Es ist heute recht schwer, d. h. es hängt von der Zufälligkeit eines Fundes ab, das Vermögen eines Bauern vor Jahrhunderten zu schätzen, zumal in einer verhältnismäßig und durchschnittlich ärmlichen Gemeinde wie Gaustadt. Als 1506 Els Amling gestorben war, wurde in der Erbteilung ihr hinterlassenes Gut und Vermögen gegen die Ansprüche ihrer Schwester Christina Amling aufgezählt. Els besaß demnach 1. das Anwesen Gr.Nr. 12, einen mittelgroßen Hof, an ausstehendem Geld 145 Gulden in Gaustadt, Melkendorf, Pödeldorf und Bamberg, 3. zwei Wiesen und zwei Ackerlein im Werte von 94 Gulden, zusammen 239 Gulden nebst einer Kuh, auf 26 Pfund rd. 3 Gulden geschätzt,

und der fahrenden Habe im Haus und Lebensmitteln wie Käse und Butter, und anderes, das verkauft wurde, so dass den Erben außer dem Hof noch rund 250 Gulden zur Verfügung standen ". Das war für Gaustadt kein geringes Vermögen. Man vergleiche dazu die Angaben, die die "reichen“ Gaustadter über ihr Vermögen machen, wonach z. B. Hans Weicker 300 und der Kellereihofbesitzer Gg. Löhr 200 Gulden besitzen wollen. Und sie haben sicher nicht zu wenig bei ihrer Zeugenvernehmung zu Protokoll gegeben. übertreibt vielleicht der arme Bauer seine Not, so pflegt umgekehrt der vermögende Bauer seinen Besitz groß herauszustellen.

Aufschlussreich erscheint auch der Vertrag vom 31. August 1672 also nach dem Großen Kriege, in dem die endlichen (endgültigen) Abhandlungspunkte zwischen dem Kloster und Jacob Löhren mit seiner Hausfrau Margareth urkundlich festgelegt wurden:

1. J. Löhr übergibt dem Kloster per viam donationis inter vivos (durch eine Schenkung zwischen Lebenden) alle ihre Güter mit allen Zugehörungen, ein Haus samt einem Höfchen daran, worauf eine Marter steht (damit ist Gr.Nr. 9, das sog. Jakobsgut bestimmt), dann ein neuer Stadel, Äcker und Wiesen. 2. Das Kloster verspricht dem Löhr und seiner Hausfrau im Dienst zu behalten nämlich den Donatoren als einen Hofmeister über Fuhrknechte, Bauerei und das Wagenwerk, sie Donatorin aber als eine Hofmeisterin im Viehhaus dergestalt zu haben, dass sowohl itzo als auch, dass sie beide hohen Alters und entgangener Kräfte wie auch sonst Krankheit halber nicht mehr arbeiten noch schaffen können, sie zu alimentieren und zu unterhalten und Speis und Trank, als ob sie noch arbeiten täten, geben zu lassen, gestaltsam (nämlich) ihnen beiden dann täglich zu ihrer mit dem Gesinde habender Speise zwo Maß Bier, zwei Laiblein Brot, wöchentlich eine Maß Wein, zu ihrer jährlichen Kleidung 15 Gulden an Geld, dem Hofmeister (Löhr) zwei und der Hofmeisterin ein Paar Schuhe vom Kloster gehandreicht werden sollen. Dafür übernimmt 3. das Kloster 46 Gulden Schulden. Margareth Löhr ist im nächsten Jahr bereits Witwe und der Schultheiß Hans Roth kauft das Gut um 150 Gulden vom Kloster. Wenn dieser Preis als recht gering erscheint, dann muss man erwägen, dass der Preis und damit der jeweilige Wert eines Hofes großen Schwankungen unterworfen war.

Es ergibt sich ein hoher Güterpreis um 1600 und nach der Napoleonischen Zeit, am Ende des 30jährigen Krieges infolge des Geldmangels eine Unterbewertung.