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Gumbrechtsbrunnen oder Fischerhof

Westlich der Straße Bamberg - Schweinfurt liegt kurz nach der Gemeindegrenze Bamberg/Gaustadt der Fischerhof, früher Gumbrechtsbrunnen genannt. Er trägt seinen Namen nach dem Michelsberger Abt Gumpert oder Gumbold (1094 1112), der dort eine Quelle fassen ließ. Die Anlage war im Besitz des Klosters Karl Phil. Löven. J. U. L., Hochfürstlich Bamberger Hofrat und Kloster Syndicus, bemerkt 1748 in seinem "Gründlichen Zusammenhang . . . aller Rechten und Gerechtigkeiten . . . der Abtei St. Michelsberg aber:“ "Der Gomprechtsbronnen, so man gemein den Jungfersbronnen nennet, ist des Closters freieigen, gehört nicht zum Gaustadter Flur, sondern zur Immunität".

J. B. Roppelt schreibt 1801, also unmittelbar vor der Säkularisation, in seiner "Historischen Beschreibung des . . . Fürstenthums Bamberg“ . . . der Weg geht durch das sog. Pfeuffersthor neben dem Wasser bis zum Schön oder Jungfrauenbrunnen; diesen Weg hat das Extra Bau Amt zu unterhalten. Von da bis zum Gumbolds oder Mayenbronn, welchen Weg die Wegstiftung, die Bürgermeister und Rat zu Bamberg besorgt, unterhalten muß. Hinter dem Jungfrauenbronn befindet sich ein bebautes dem Kloster Michelsberg lehnbares Gütlein. Überhaupt ist die Aussicht vom oberen Stock des vorgedachten Wirtshauses . . . ausnehmend schön.- Aus dieser Beschreibung ist nur der Mayenbronn zu streichen, sonst erweist sie sich als richtig.

Diesen Fehler wiederholt Roppelt unter "Gumboldsbronn, auch der Mayenbronn genannt, ein Schlößlein, liegt in einer sehr romantischen Lage an der Gaustadter Straße mit einem Zaun und Allee eingefaßt, dem Kloster Michelsberg gehörig.

Es hat schöne Fischbehälter und Winterungen, welche ihren Zugang (Zufluß) von einer gleich hinter dem Schlößlein aus dem Bergrücken herausfließenden hellen und frischen Wasserquelle erhalten.

Dieser Brunnen und Weiher hatte natürlicherweise einen Ablauf, der die Straße Bamberg - Gaustadt überquerte. Das wird 1769 bezeugt. "Das Brücklein bei dem Jungfersbronnen, als woraus der Wasserabfall durch sotanes Brücklein zu laufen hat". Dieser Ablauf mußte also über diesem Brücklein überschritten werden und lief irgendwie, heute nicht mehr erkennbar, auf und durch die "Heeg" zur Regnitz. In einem Auszug eines Michelsberger Protokolls vom 31. Mai 1720 wird der Streit der Gemeinde Gaustadt gegen Herrn Meißner wegen des Abfalls aus dem Jungfraubrunnen daselbst dahin entschieden, daß Meißner den Abfall vier Tage und Nächte nacheinander, die Gemeinde aber drei Tage und Nächte in der Woche "genießen“ solle . Der Abfall kann demnach nicht gar gering gewesen sein. "Das Brücklein beim klösterlichen Jungfersbronnen war von dem Bamberger Weg und Stegpflegamt 1769 erweitert worden; obwohl in der Michelsberger Immunität gelegen, oblag die Unterhaltung der Stadt Bamberg.

Die Erklärung dafür liegt vielleicht in der Stelle des sog. Hochstiftsurbars A von ca. 1325, die recht, die zu dem zolle gehorent, wo es heißt: "Wer aber über den Sendelbach und über den Rotbach und für den Osterreichersgraben und fur des Gumprechtesprunne ungezollet kümt , der ist der besserunge (Strafe) vorvallen". Diese vier Orte oder Bäche bezeichnen die Zollgrenze der Stadt Bamberg. Heute liegt die Stadtgrenze einige hundert Meter näher an der Stadt beim aufgelassenen Zollhaus.

Beim Gumbrechtsbrunnen hat man zweierlei zu unterscheiden:

1.das sogen.. Seehäuslein, an dessen Stelle 1763 die noch heute stehende, auch Schlößlein genannte Brunnenhalle trat, der heutige Fischerhof,

2.das dahinter stehende Bauerngut, auf dem Beständner, wenigstens in der ältesten Zeit, saßen, der jetzige Cherbonhof. Beide zusammen bildeten Michelsberger Lehen. 1452 verschrieb das Kloster wegen Schulden dem Domkanoniker Grafen Jörg von Löwenstein zu rechtem Leibgeding d. h. auf seine Lebtage den Gumbrechtsbrunnen, nämlich das Seehäuslein, genannt der Gumbrechtsbrunnen mitsamt dem Brunnen, dem Garten und Baumfeld, auch den Fischgraben darumgehend, doch mit der Bedingung, daß er den Besitz nach seinem Wissen und Können wettershalben unterhalten, auf dem Wale, darauf das alte Seehäuslein jetzt stehe, ein neues mit Wohnung bauen, auch den Fischgraben und den Zaun herumunterhalten solle. Nach seinem Tod gehört das Häuslein dem Kloster, die Fische aber, die er im Graben hat, sollen seinen Treuhändern zustehen.

Auf Löwenstein folgte der Domherr Marschalk 1466 141; 1541 empfing Pauls Weishaubt als Lehensträger seines Bruders Moritz, Kanonikers bei St. Gangolf, den Gumbrechtsbrunnen. Um 1683 besitzt ihn die Familie von Pölnitz. Das Michelsberger Kanzleibuch dieses Jahres enthält den Eintrag, daß der Herr Baron von Pölnitz beim Abt schriftlich vorbrachte daß er "de anno 1570 bei Lebzeiten Abt Veiten her" erweisen könne, da niemand einen Kauf viel weniger einen Erbhandlohn von seinen innehabenden Gütern zum Gumpo1tsbrunn gefordert oder gegeben habe. Deshalb wolle er gebeten haben, ihn als einen Vasallen mit Erbhandlohn auch nicht zu beschweren Der neben dem Seehäuslein gelegene Bauernhof war ein Lehen des Klosters. 1478 wird er Hans Trapp als Beständner für fünf Jahre von Lichtmeß 1482 bis ebendorthin 1487 übertragen. Er zinst 1 1/2 , fl. Martini . Wegen ihres nicht alltäglichen Namens sei die Els Smithirnin zum Gumbrechtsbrunnen erwähnt, ihr Mann Hans Smithirn hatte damals das Gut 5/4 Jahre innegehabt und war dann nach Gaustadt gezogen. 1533 und 1538 werden als Pächter Adam und Magdalena Poltz genannt. Aus dem Pachtgut scheint aber ein Erbzinslehen geworden zu sein; denn Magdalena zinst 1 fl. Martini und Walburgis, 1 Käse Pfingsten und Weihnachten, 1 Fastnachthuhn, 1 Burkhardhuhn, 30 Eier Ostern, dazu den Zehnt von allen Früchten. 1598 sitzt Hans Bottenbach auf dem Schönbrunnen, das kann kein anderer als unser Gumbrechtsbrunnen sein. Von ihm heißt es nämlich, daß er "darum zwen Tage in die Eilen (Eulen) gelegt und seiner Frauen die Pfeufen angelegt worden, daß (weil) sie unserem Fürsten und Herrn von Bamberg etliches Obst aus dero Garten bei dem Schönbrunnen entwendet, dieses auf den Gumbrechtsbrunnen geschleift und daselbst ihr stehendes Ochslein gemäst haben".

Wenn Bottenbach auf dem Schönbrunnen sitzt, so muß es der Gurnbrechtsbrunnen sein, denn vom Pfeifertor (am Fuß des Maienbrunnens) bis zum Gumbrechtsbrunnen gab es damals keine Behausung. Die Zinsbücher des Klosters verwenden fast nur den Namen Gumbrechtsbrunnen.

In den Kanzleibüchern aber treten wie hier bei der Bestrafung des Bottenbach andere Bezeichnungen auf. inzwischen hatte sich im Volksmund entsprechend einem möglichen Übergang von –g- zu –j- wie in gäh und jäh der Gumbrechtsbrunnen zum Jungfers oder hochdeutsch. Jungfrauenbrunnen gewandelt. So heißt es 1740 "beim Jungfersbronn", 1587 erscheint Wolf Weinmann "als Schemeister (Seemeister) zum Jungfersbrunnen", während 1601 Hans Gabriel Poltz, des Closters schemeister auf dem Gumbrechtsbrunnen "etlicher erheblicher Ursachen halber entlassen" wurde. 1684 wohnt Hans Lorber auf dem Junkfrauenprunnen, im gleichen Jahr wird die Rote Marter beim Jungfrauenbrunnen genannt. Mit der Aufhebung des Klosters 1803 verschwand der Name Gumbrechtsbrunnen, an seine Stelle trat der Fischerhof.

So findet sich nach 1806 "der Fischerhof oder das Seehaus bei Gaustadt". Dieser Fischerhof hat die reale Gast- und Schankgerechtigkeit als Wirtshaus, das sog. Schlößchen genannt. Die Wirtschaft betrieb z. B. J. B. Jäck und seine Witwe Susanne. Das landwirtschaftliche Anwesen besaß seit 1782 Michel Cherbon, von dem der Hof den Namen empfing.

An der Stadtgrenze Bamberg Gaustadt steht die sog. Schöne Marter, die nach Heinrich Mayer in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts gehört. Am 15. Mai 1477 machte der Bamberger Bürger Heinrich Kungsberger oder Königsberger eine Stiftung zur Ausstattung dreier Bamberger Jungfrauen; daneben bestimmte er jährlich einen Gulden "zu nutze und notdurft des prunnens bey der Schönen Marter, als man gein Gauchstat geet, den ich von neuem gepawet habe". Dieser Brunnen stand vor der Marter. J S. Schramms "Aurifodina" überliefert uns dessen freilich schon renoviertes Aussehen. Im 19. Jahrhundert wurde der Brunnen aufgelassen und seine Leitung in die Martersäule verlegt, so daß aus der Schönen Marter der Schöne Brunnen und schließlich der heutige Gumbrechtsbrunnen wurde.

Mathes Stürmer klagte 1545 vor Gericht: Als er am Palmsonntag (6. April) nach Sonnenuntergang aus der Stadt heim nach Gaustadt habe gehen wollen, seien drei Gaustadter bei der "Plechleinsmarter unter dem Schönbrunn gesessen". Er habe ihnen einen guten Abend gegeben, aber sie hätten nicht gedankt, und als die Beklagten zum Gumprechtsbrunn kamen, hätten sie ihn heftig mit Worten angetastet". Deutlicher sagt ein Zeuge aus: Auf dem Wege beim Neuen Bau (Pfeufertor) sei er zu den Angeklagten gekommen und mit ihnen bis zum Schönbrunnen gangen.

Als sie schier zur Plechleinsmarter kamen, sei auf "kaiserlich freier Straße "die Schlägerei angegangen "'. Hier sind die beiden Brunnen, wie sich's gehört, einwandfrei getrennt. Zuerst kommt die Schöne Marter, unter = unterhalb von ihr stand die Plechleinsmarter und dann folgt der Gumbrechtsbrunnen. Beim letzteren stand aber nach einem Zinsbuch des ElisabethenSpitals 1615 "bei der Roten Marter beim Jungfrauenbrunnen".

Rote Marter befand sich nach Martinet "vor dem Dorfe", war ihm aber nicht mehr bekannt. Kein Wunder, denn als man 1660 wegen Reparierung des Wegs vom Schönen Brunnen an bis zur Roten Marter den Augenschein einnahm, konnte man bei aller fleißigen Besichtigung schon nicht feststellen, "wo eigentlich die Rote Marter müsse gestanden sein". Die Gaustadter behaupteten, es sei der in ihrem Dorf nahe bei dem Bronnen zur linken Hand (dem Gumprechtsbrunnen!) gesetzte steinerne Bildstock, der Bamberger Pfleger aber widersprach, sehr zu Unrecht, wie wir wissen. In einem weiteren Zinsbuch des genannten Spitals liest man zu 1626 "Bey der Schönen oder Roten Marter ober dem jungfrauenbrunn an der Gaustadter Straße"'. Hier scheint nun die Verwechslung zu beginnen; denn die Rote Marter beim Gumbrechtsbrunnen heißt nie Schöne Marter. Fassen wir zusammen: Der Gumbrechtsbrunnen heißt auch gelegentlich der Schöne Brunnen; von der Schönen Marter war es nicht weit zum Schönen Brun nen. Als dann schließlich der Gumbrechtsbrunnen in Fischerhof umgetauft wurde, übertrug man den herrenlosen Namen auf den Schönen Brunnen beim Zollhaus. Als man dann gar von der Stiftung des Heinrich Königsberger für die drei Bamberger Jungfrauen erfuhr, lag es in der Luft, einen Zusammenhang zwischen dem alten Jngfersbrunnen – Gumprechsbrunnen an der Schönen Marter herzustellen. Diese Entwicklung und die dadurch hervorgerufene Verwirrung spiegelt sich in den heirnatkundlichen Werken des beginnenden 19. Jahrhunderts getreulich wieder. So schreibt wie schon gesagt z. B. J B. Roppelt in seiner "Historischen . Beschreibung des . . . Fürstenthums Bamberg« 1801 unter Gaustadt: "Der Weg geht durch das sog. Pfeufferstor neben dem Wasser bis zum Schön- oder Jungfernbronnen . . von da bis zum Gumbolds oder Mayenbronn Hinter dein Jungfern Bronn befindet sich noch ein bebautes dem Kloster Michelsberg lehnbares Gütlein." Mit letzterem kann nur der heutige Cherbonhof gemeint sein. Joseph Heller spricht in seinem "Taschenbuch von Bamberg" (1831) unter Fischerhof in älterer Zeit Gumpoltsbrunnen genannt" unterscheidend in der Nähe der Straße Bamberg zu liegt der sogenannte Jungferbrunnen, der ein sehr stark fließendes Quellwasser hat«. Der Archivar P. Östereicher schreibt 1832 an den Magistrat der Stadt Bamberg: " . . . Unterzeichneter hat vernommen, daß für Erhaltung des Gumbrechts-brunnen, den man unrichtig Jungfernbrunnen heißt, eine besondere Stiftung bestehe". Hier ist die Verwirrung vollkommen. Übrigens fährt er fort: . .Nachdem dieser Brunnen in die daneben gestandene Martersäule geleitet worden ist. Das scheint bei der Renovierung 1825 geschehen zu sein.