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Geschichte unseres Heimatdorfes Gaustadt

Zusammengestellt und bearbeitet nach den vorhandenen restlichen Unterlagen der Chronik von 3. Bürgermeister Georg Pfuhlmann vom 2.4.1949

1758 - 1855

Im Jahre 1758 hatten preußische Truppen auf ihrem Durchmarsch in der Gemeinde gehaust. und gezecht und nichts bezahlt. Am 5. 6.1758 haben die Preußen bei Jörg Gerner zu Gaustadt Kleider und am 8. 6. bei Johannes Reges eine fette Kuh mitgenommen. Am 8. und 9. 6. Zechten dieselben bei dem Wirte Andreas Steigner und bezahlten nichts.

1760 zählte Gaustadt 202 Einwohner, davon wohnten 10 auf dem Gumbertsbrunnen und 5 auf dem Biegenhof. Ende 1785 wurde Gaustadt neuerdings von einer verheerenden Viehseuche heimgesucht. Am 4. 8. 1796 kamen die ersten Franzosen nach Gaustadt und in demselben Jahr sah sich die Gemeinde zur Aufnahme eines Anlehens von 2537 fl. veranlasst, wovon für Kriegslasten 2412 fl. 31 kr, also fast die ganze Anleihe auf ging.

Auf dem Wege nach Bamberg finden wir heute noch zur rechten Seite im Hintergrund das sogenannte Fischerhofschlößlein. Dies dürfte das älteste noch bestehende Haus Gaustadts sein. Das Grundstück, auf dem dieses Haus steht, gehörte der Abtei Michaelsberg und diente als Ausflugsort, für die geistlichen Herren. Als Abt Gumbers (1094 -1112) die hier entspringende Quelle fassen ließ, wurde zu dessen Erinnerung das Grundstück Gumboltsbrunnen genannt. Abt Gallus Brokard ließ im Jahre 1763 den noch bestehenden See einbauen, in welchem für das Kloster die nötigen Fische aufbewahrt wurden. 1765 ließ derselbe das jetzige Hauptgebäude errichten. Nach einer alten Beschreibung aus dem Jahre 1816 sah das Schlösschen wie folgt aus: "Der Eingang führt durch ein geschmackvolles Gittertor in einen englischen Garten, welcher von den mannigfaltigsten und seltensten Blüten, Stauden und Gewächsen und mehr als sechshundert Bäumen der edelsten Obstsorten prangt. Auf einem Schlangenweg gelangt man unmerklich neben die hinter Pappelbäumen versteckte Pächterwohnung zu dem aus Steinen erbauten Schloss. Verlässt man das sehr schöne Wohnhaus, um die freie Natur zu genießen, so kommt man rückwärts neben dein kühlen FelsenkeIler über eine Reihe kostspielig angelegter Steintreppen in den stillen Hain. Mehrere Wege schlängeln sich bequem von der Höhe in das Tal. Hier gelangt man zu dem freundlichen Dachshaus. Von da führt ein breiter, von Fichten dicht eingeschlossener Gang bis zum Gumbertsbrunnen unter dem Schlosssee hin. Unterhalb befindet sich noch ein Wasserfall mit zwei großen Zungen. Eine neue Kegelbahn bietet Gelegenheit zur gesellschaftlichen Unterhaltung. Der See ist mit 1000 großen Karpfen besetzt. Nach der Säkularisation (1803) ging das Schlösschen in Privathände über und gehörte von da an zu den besuchtesten Vergnügungsplätzen der Bamberger (Besitzer 1816 Gebr. Freiherr von Redwitz. Unter seinen Nachfolgern sind besonders die Familien Th. Viering und Dürschinger zu nennen).

Im Jahre 1802 wurde das Kloster Michaelsberg säkularisiert und damit auch die Gemeinde Gaustadt allen Verpflichtungen gegenüber ihren landesherrlichen, dorfherrlichen und vogteiherrlichen Obrigkeiten entbunden und im Jahre 1805 mit 340 Seelen der Pfarrei Bischberg einverleibt.

Für ganz Deutschland begann nun der Zeitpunkt des wirtschaftlichen Aufstiegs, der sich auch in Gaustadt bemerkbar machte. In der alten Kirche zu Gaustadt ist einem Manne eine Gedenktafel gewidmet, welcher seit 1830 von der Gemeinde als treuer Freund und Gönner verehrt, sich bis auf den heutigen Tag in den Herzen, der Gaustadter ein Denkmal gesetzt hat. Er übernahm ohne Entgelt die seelsorgische Betreuung, indem er den hierfür bestimmten Betrag von 200 fl. der Gemeinde für kirchliche Zwecke wieder zurückerstattete. Jahrzehnte lang opferte Dr. Martinet der Gemeinde Zeit, Mühe, geistige Kraft und geistige Tätigkeit und brachte ihr auch große materielle Opfer. Am 15. 10. 1876 gab er schriftlich die Erklärung ab, durch Dotierung einer Pfarrei sich in Gaustadt Andenken und Fürbitte sichern zu wollen. Dr. Martinet stellte der Gemeinde nach seinem Tode durch seine Schwester Ther. Martinet eine größere Stiftung (12.11.1877) zur Verfügung, die die finanzielle Unterlage zum Bau eines neuen Gotteshauses auf dem "Knock." gab. Die Gemeinde zählte in der Mitte des 19. Jahrhunderts 1370 Seelen.