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Rätselhafes Empfangskomietee

Die "Gaustadter Götzen" in der Hofhaltung

Nach vielen Jahren sind sie erstmals wieder im Historischen Museum Bamberg zu sehen: die so genannten Gaustadter Götzen. In der am 9. Juli beginnenden Landesausstellung "Kaiser Heinrich II." empfangen die drei aus Keupersandstein gehauenen Figuren die Besucher gleich am Anfang.

Die zwischen ca. 1,00 und 1,50 m hohen Skulpturen geben bis heute viele Rätsel auf. Umstritten ist nicht nur ihre Entstehungszeit, auch über ihre Bedeutung und Funktion liegen unterschiedliche Interpretationen vor. Die im Jahr 1858 bei Bauarbeiten in Bamberg-Gaustadt aufgefundenen, aus dem Schwemmsand der Regnitz geborgenen Figuren haben recht rohe Gestalt; im Relief wiedergegeben sind die vor dem Leib übereinander eingebogenen Arme, die Gesichtspartien und wulstartige Bänder - es könnten Gewandränder gemeint sein. Bei den zwei höheren Figuren ist jeweils eine waagerecht linierte Schildform in den Rücken eingeritzt.

Die "Gaustadter Götzen" sind sowohl als vorgeschichtliche Bildsteine angesehen worden, werden aber auch in das 1. Jahrtausend n. Chr. datiert. Insbesondere in der älteren Literatur überwiegt die Auslegung als heidnische Kultbilder, auch wurden sie als hallstattzeitliche Grabstelen interpretiert. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Forschung ganz überwiegend für eine jüngere Entstehung der "Gaustadter Götzen" ausgesprochen. Es könnte sich - um den Zeitrahmen weit zu spannen - um Relikte eines attila-zeitlichen Fürstengrabes, bei den Figuren um Herrscher- bzw. Kriegergestalten oder auch um karolingische Grenzsteine handeln.

Ganz neu ist die von Jochen Haberstroh im Katalog zur Heinrichausstellung geäußerte Vermutung. Demnach könnte es sich um steinerne Bilder von Glaubensboten aus vorromanischer Zeit handeln. Die Tätigkeit von Kilian, Totnan und Kolonat in Würzburg im späten 7. Jahrhundert oder des Angelsachsen Willibrord an der Fränkischen Saale (713 / 714) bildet nicht nur legendenhaft die Grundlage kirchlicher Organisation im Maingebiet. So sind bei den linierten Feldern am Rücken der Figuren vielleicht gar keine Schutzschilde gemeint, sondern verzierte Umhänge oder Kapuzen, bei den fußlangen Gewändern könnte es sich um Vorformen der Cappa oder des Pluviales (liturgisches Obergewand des Bischofs oder Priesters) handeln. Die gesichtslose Figur könnte das noch ungläubige Volk vertreten: dem Gesicht fehlt gleichsam die Erkenntnis.

Aus welcher Zeit die drei Steinfiguren auch stammen mögen und welche Bedeutung sie ehemals auch gehabt haben, sicher ist, dass sie zu den bedeutendsten Objekten des Historischen Museums gehören.

Bericht des Fränkischen Tages

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