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Das Gaustadter Brauereiwesen

Nach gängiger Meinung gab es in Gaustadt zwischen 1400 und 1500 bei rund 40 Haushaltungen drei Wirtshäuser, die dem Kloster Michelsberg, dem Elisabethenspital und dem Domkapitel lehnspflichtig waren: Das „Untere Wirtshaus“, das „Obere Wirtshaus auf dem Knock“ und das „Wirtshaus zum Hirschen“. Die Frage, ab wann sie Bier brauten, ist genauso wenig zuverlässig beantwortet wie die Frage, ab wann in der Stadt Bamberg erstmals Bier gebraut und ausgeschenkt wurde.

Ich habe deshalb versucht, Licht ins Dunkel dieser Sache zu bringen. Dienlich war mir dabei das „Klag- und Konzeptbuch des Michelsberger Klosters“ (im Bestand des Staatsarchivs Bamberg [StAB] unter B 110, Nr. 165). Das ist das Ergebnis:

Am 12. März 1718 (es war ein Samstag) machte sich der Michelsberger Lehnsnehmer Hans Georg Morg aus Gaustadt auf den Weg, um im Kloster ein Darlehen von 70 Gulden zu erbitten, „weilen er ohnentbehrlich eine scheuern und stall zur fordführung seiner wirthschaft bauen müsse“. (1) Diesem Ansuchen wurde „zu Vermehr und Besserung der Closter Lehen und in Beförderung des Supplicanten [= Bittstellers] wohlfahrt nach Closters gebrauch willfahren“.

Der Bittsteller scheint nun aber nicht eine Scheune und einen Stall im herkömmlichen Sinne, sondern etwas anderes gebaut zu haben, weil sich sonst der domkapitelsche Wirt Heinrich Röckelein vom „Wirtshaus zum Hirschen“, dem heutigen Oberen Wirtshaus in der Hauptstraße 31 (siehe „Das Gaustadter obere Wirtshaus“), nicht darüber erregt und sich am 14. Oktober 1718 (Freitag) im Kloster beschwert hätte. Ihm passte es nicht, dass das Kloster „ein Brawhaus dhaselbst aufrichten lasse“, wozu es „ohne landts-fürstliche Consentz [= Genehmigung] nicht berechtiget wehre“.

Das Kloster beschied den Petenten, dass es aufgrund der „oberdorffsgemeindherrschaft sambt der Vogteylichkeit zu gaustat hergebracht berechtiget seye, das Schenck- und Brawrecht tamquam effectus juris Vogtetici [= gleichsam aufgrund Vogtei’schen Rechts] zu vergeben undt zuzulassen ohne Consens eines Landtsfürsten, wie dan würcklichen geschehen“. Basta!

Aus der Antwort des Klosters auf die Beschwerde vom 14. Oktober 1718 wird verschiedentlich „die Erlaubnis, ein Brauhaus einzurichten“ bzw. das Jahr 1718 als Gründungsjahr der Brauerei abgeleitet, obwohl es eine Urkunde, die explizit das Braurecht gewährt, nicht gibt. Diese Ansicht teile ich bestenfalls bei wohlwollender Auslegung und in Verbindung mit einer anderen Begebenheit, die ich kurz darstelle:

Morg, der mit seinem Bau den domkapitelschen Wirt Röckelein zur Weißglut gebracht hatte, geriet ein paar Jahre später wegen einer ähnlichen Geschichte in Rage, weswegen er am 8. April 1722 in der Klosterkanzlei vorstellig wurde „und stellet [gemeint: brachte] vor, wie [= ob] einer löbl[ichen] Cantzley bekannt seye, daß Georg Grohe hochfürstlich-bambergischer Mundschenk dahier deß Georg Krugs Behausung gekaufet und dieselbe anjezo zu [be]bauen gemeinet seye (2), so thäte er sich befürchten, es möge der Mundschenck heute oder morgen Bier und Wein auszappfen, zumahlen der Bau dem ansehen nach dahin[gehend] eingerichtet würde, derweilen ihme das Brawrecht viel gekostet und auff solche weiß ihme seine nahrung nothwendig abgehen würde und er ins Verderben gerathen müsste.“ Der Mundschenk versicherte, „daß er nicht gesinnet sey, ein wirthshauß aufzubauen umb Bier und Wein zu zapffen“, wodurch die Sache ihr Bewenden hatte (B 110, Nr. 169 bei StAB).

Wenn also das Jahr 1718 als Gründungsjahr ins Spiel gebracht wird, dann könnte unter Umständen Morgs Äußerung, dass „ihme das Brawrecht viel gekostet [habe]“, als eine Art Beweis dienen, weil die bedeuten könnte, dass das Braurecht erstmals neu erworben wurde und vorher nicht - allenfalls ohne Genehmigung - gebraut worden ist. Das hieße konsequenterweise, dass das Bier woandersher – z. B. vom Kloster oder gar vom domkapitelschen Wirtshaus – bezogen wurde und nur gezapft worden ist, was die Geschichte der Gaustadter Wirtshäuser in einem anderen Licht erscheinen ließe.

Kurzfassung für Bürgerverein Gaustadt. Ausführlich ist die Sache in meiner Abhandlung über " Das Gaustadter Brauereiwesen " behandelt.

A. Stenglein

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(1) Eine Scheune und einen Stall braucht man eigentlich nicht zur Fortführung einer Gastwirtschaft, sondern zum Fortbestand einer Landwirtschaft, was mit „wirthschaft“ auch gemeint sein dürfte. Es handelt sich um das sog. Jungfrauenhöflein (mit der heutigen Straßenbezeichnung Hauptstraße 26), das, ehe es Besitz des Klosters Michelsberg geworden ist, den „Jungfrauen zum heiligen Grab in Bamberg“ gehört hatte (daher der Name).

(2) 1726 wird Grohe, der in Bamberg das Gast- und Brauhaus mit der späteren Bezeichnung „Zum Wilden Mann“ in der Unteren Sandstraße 9 besaß, in Gaustadt auf Nummer 28 ½ (heute Hauptstraße 24, also direkt neben dem Jungfrauenhöflein) genannt. Die Vorbesitzer hießen aber Kraus, nicht Krug.