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Gaustadt eröffnet sein ideales Schwimmbad
Visitenkarte einer fortschrittlichen Gemeinde

Bericht aus dem Fränkischen Tag vom Samstag, 30. Juni 1956

Als Bamberger - und der Schreiber dieses Berichts ist einer - muß man sagen: Respekt vor dieser Gemeinde Gaustadt! Respekt vor diesem Gaustadt,das zwar nicht die moderne Bezeichnung "Stadt" führt,dafür aber eine neue Schule besitzt, eine dem modernen Verkehr in etwa entsprechende Ortsdurchfahrt hat, Wohnungen baut, kanalisiert und nunmehr am Samstag sein neues Schwimmbad einweihen kann - ein Nonplusultra sozusagen, das seinesgleichen weit und breit suchen muß und es vielleicht erst wieder in Bad Kissingen  findet. Wem diese Respektsbezeichnung zu aufgeblasen klingt, zu pathetisch und zu anerkennend,der fahre oder laufe hinaus nach Gaustadt, zweige nach der Pfarrkirche links ab, lasse die neue Schule auf der gleichen Seite liegen und bleibe dann am Beginn der bereits ausgebauten Zufahrt zum neuen Schwimmbad stehen. Von hieraus wird er dann recht geben: Der Berichter hat nicht übertrieben!
Der erste Eindruck vom neuen Gaustadter Schwimmbad ist zugleich der beste, er wird aber nicht gemindert durch die nähere Bekanntschaft, die jeder Badefreund bald mit Gaustadts letzter Errungenschaft schließen sollte. Man muß das näher umschreiben: Das neue Gaustadter Schwimmbad liegt nicht brettereben am Rande der Ortsbebauung, es steigt vielmehr in vier Terrassen elegant am Hang zum Michaelsberger Wald hoch, dessen Bäume seinen westlichen Rand begrenzen. Die unterste Terrasse -  zum größten Teil schon begrünt, im nächsten Jahr aber bestimmt noch schöner als jetzt zur Einweihung, ist als Liegewiese ausgewiesen. Außerdem liegen hier das Planschbecken für die kleinsten Besucher, eine ausbetonierte Sandgrube, Spielgeräte, Bänke zum Ausruhen und der Eingang zum Filterhaus, das sich völlig harmonisch bereits in der zweiten Terrasse einfügt und niemals als störender Fremdkörper empfunden werden kann. Die zweite Terrasse ist dem Nichtschwimmerbecken vorbehalten. Es ist 50 m lang und zwölf Meter breit und hat an seiner nördlichen Kopfseite eine elegante Wasserrutschbahn und eine Tiefe von 1,40 m auf 0,70 m. Das Wasser ist glasklar und himmelblau, das heißt, eigentlich ist es farblos, es erhält jedoch durch den blauen Anstrich des Beckenbodens und der Beckenwände seine einladend blaue Farbe. Das Pentunia-Umwälzverfahren garantiert, daß diese Farbe durch Algenbildung nicht "verwässert" wird. Rings um das Becken - ebenso wie um das auf der dritten Terrasse gelegene Schwimmerbecken - laufen Fußwaschrinnen mit großen Bogen-Brausen.
Dem 1,5 Meter höher gelegenen Becken für die "Großen" gibt ein schmissig gebauter Beton-Sprungturm den beherrschenden Akzent.
Startblöcke für vier Sportbahnen lassen das Becken für sportliche Wettkämpfe empfehlen, dazu das Drei-Meter-Brett und zwei kleinere Ein-Meter-Bretter. Gefüllt werden beide Becken mit rund 1.800 Kubikmeter Wasser, das in 11,5 Stunden nach dem Petunia-Verfahren umgewälzt wird. Das Wasser muß nur vom Filterhaus hinauf auf die dritte Terrasse gepumpt werden und läuft durch einen Überlaufschacht in das Nichtschwimmerbecken und von hieraus wieder durch die Filter. Ganz oben - auf der vierten Terrasse liegen die Wirtschafts- und Kabinenräume. Am besten gefällt wohl die Gaststätte: Ein moderner Bau mit Flachdach, in bunten Farben gehalten und mit einer Sitzterrasse, von der aus sich das gesamte Bad überschauen läßt. Dahinter stehen die Kabinenanlagen (Wechselkabinen mit gesonderter Kleideraufbewahrung, Räume für Vereine, Bademeister-Wohnung). Sie sind zweckmäßig und zugleich hübsch geplant, von ihnen  aus gehen Wege mit roten Makadam-Decken hinunter zu den einzelnen Terrassen und zu den großzügigen Liegewiesen. Es ist Platz im Gaustadter Schwimmbad für rund 2.000 Menschen, die sich hier ausgezeichnet erholen können. Nicht zu vergessen, daß sich von der hoch am Hang des Michaelsberger Waldes gelegenen Anlage das ganze Regnitz- und Maintal bis zur Giechburg und dem Staffelberg überschauen läßt. Von Gaustadt sieht man nur den Kirchturm und den Industrieschlot. Trotzdem läßt es sich über die neue Straße leicht erreichen. Ausreichender Parkraum steht zur Verfügung.
Das Gaustadter Bad wurde im April 1955 begonnen, drei Monate allerdings mußten wegen des strengen Winters die Arbeiten ruhen. So schön die Terrassenanlage anmutet, sie brachte für die Bauleute erhebliche Schwierigkeiten, mußten doch 20.000 Kubikmeter Erdbewegungen ausgeführt werden, davon 2.500 Kubikmeter am anstehenden Fels. Verarbeitet wurden 35 Tonnen Stahl, 1.800 Kubikmeter Beton und 200 Kubikmeter Natursteine. Verantwortlich für die Planung war die Petunia GmbH Grötzingen bei Karlsruhe, nach deren Prinzip bereits 900 Bäder in aller Welt arbeiten. Daß alle angefallenen Arbeiten korrekt und solide ausgeführt wurden, dafür sorgte zusammen mit den Firmen Ing. Friedrich Weckel,ein typischer Badenser, dem die Arbeit in Gaustadt jedoch großen Spaß gemacht hat. Im Übrigen stellt das Bad, wie es nun eröffnet und von der Gaustadter Jugend, sicher ab von den "westlichen Bambergern" okkupiert werden wird, allen Firmen, den Planern und last not least der Gemeinde Gaustadt das beste Zeugnis aus. Wir schließen wie begonnen: Respekt vor diesem Gaustadt!