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"Sinnlose Fällaktion im Bad"

GAUSTADTER BAD   Der BV Gaustadt prangert die Stadtwerke wegen der "grundlosen Entfernung" von elf Obstbäumen an. Die Stadtwerke erklären das Abholzen mit der Gefahr durch Insekten.

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Bamberg   Die Chancen für Obstbäume in Bamberg alt zu werden, scheinen in jüngster Zeit nicht gerade gewachsen zu sein. Gleiches gilt für das Vertrauen der Bürger in den rücksichtsvollen Umgang der Verantwortlichen mit der Natur. Nach dem Aufschrei am Michelsberg wegen des Verlusts einer Streuobstwiese ist es nun erstmals ein Bürgerverein, der den Finger in die Wunde legt. Konkret geht es um elf ca. 50 Jahre alte Obstbäume im Gaustadter Bad, die vor wenigen Wochen der Säge zum Opfer gefallen sind.

Dazu muss man wissen, dass die Stadtwerke Bamberg in zwei Bauabschnitten 2,3 Millionen Euro in die Erneuerung der in die Jahre gekommenen Freizeiteinrichtung stecken. Als ein offenbar unvermeidlicher Teil dieser Arbeiten wurden im Januar elf Obstbäume gefällt, die den Besuchern des Bads nicht nur als dicht belaubte Schattenspender in Erinnerung sind. Sie trugen auch reichlich Früchte, was in einem öffentlichen Bad ungewöhnlich, aber durchaus auch liebenswert erscheinen konnte.

Doch für die Stadtwerke als Betreiber des Bads waren die Obstbäume eher das Gegenteil eines Sympathie-Faktors: „Sie verursachten hohen Aufwand. Wir mussten jedes Jahr Totholz ausschneiden", erklärt Christoph Jeromin, Leiter des Sachgebiets Bäder. Dazu kommt ein Problem, das Klaus Rubach, Geschäftsführer der Stadtwerke, als „Gefahr durch Insektenstiche im Barfußbereich" beschreibt.

Dieses in Bamberg bislang noch nicht bekannte Baum-Risiko erklärt sich folgendermaßen: Die Früchte fallen zu Boden, Wespen und Bienen machen sich besonders im Spätsommer darüber. Und in unmittelbarer Nähe laufen Menschen mit unbekleideten Füßen.. .

Daniela Reinfelder, CSU- Stadträtin, und Vorsitzende des Bürgervereins Gaustadt, schüttelt den Kopf über eine „derartige Begründung. „Völlig gesunde Bäume in einem Bad zu fällen", ist für sie, auch wenn man sie hinterher ersetzt, ein Schildbürgerstreich, eine bodenlose Gedankenlosigkeit". „Der Bürgerverein ist entsetzt", schimpft die streitbare Architektin. Weder seien in dem Bad jemals Gäste durch herabfallendes Totholz gefährdet gewesen, „noch wurden Kinder von Wespenschwärmen verfolgt. Statt dessen konnten sich die Kleinen auch einmal einen Apfel greifen und das Obst genießen".

Rauer Gegenwind aus Gaustadt

Diese Zeiten sind in Gaustadt unwiederbringlich vorbei. An Stelle von Kirsche. Apfel, Zwetschge und Mirabelle dominiert künftig die Blutpflaume im Eingangsbereich des Bads. 16 Bäumchen mit einem Stammumfang von 15 Zentimetern Stammumfang wollen die Stadtwerke demnächst als Ersatz pflanzen. Abgesehen davon, dass die Winzlinge in den ersten Jahren keinen Schatten bieten werden, haben sie aber einen entscheidenden Vorteil: Sie tragen kaum Früchte. Die Gefahr, die von diesen Bäumen für Badegäste ausgeht, ist gering.

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Für die Stadtwerke Bamberg, ist der raue Gegenwind aus Gaustadt nichts Neues. Schon einmal hat sich der Bürgerverein mit der GmbH angelegt und u. a. die geplante Verkleinerung der Badeflächen verhindert. Auch für die Rücknahme überteuerter Eintrittspreise ist Reinfelder erfolgreich auf die Barrikaden gegangen.

Für die Bäume allerdings kommt die Hilfe zu spät. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke habe der Planung zugestimmt,verweist Jeromin auf die rechtliche Grundlage. Der Bäder-Boss versteht die Vorwürfe aus dem Bürgerverein nicht: " Es handelt sich doch nur um eine Baumzeile im Eingangsbereich."

Fränkischer Tag, 11.04.2009