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 Erstmalige Erwähnung Gaustadts

Sowohl Dr. Adam Martinet (Lyzealprofessor) als auch Joachim Heinrich Jäck (Kgl. Bibliothekar) vertreten den Standpunkt, dass Gaustadt im Jahre 1136 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Dr. Konrad Arneth (Gymnasiallehrer und Verfasser der Gaustadter Ortschronik) meint, dass dieser Zeitpunkt nicht stimme und eher das Jahr 1015 in Betracht komme.

Alle drei beziehen sich auf eine Stelle in Johann Friedrich Schannats “Vindemiae literariae [’Gelehrte Weinlesen’] I, 23, 49“ aus dem Jahre 1723 – eine Art Urkundenabschrift aus einem „jetzt verschollenen Michelsberger Codex in Fulda“ –, welche lautet: „Noscant Praesentes & Futuri Fideles CHRISTI, quod ERCHANBREHT Canonicus & Presbiter de novo Monasterio, Praedium suum in villa Guhstat pro Animae suae Remidio tradidit ad Altare S. Michaelis in Monte Monachorum, sic tamen, ut pars ejus, quae sita est in Episcopatu Babenbergensi in proprium sit tradita, partem vero in Episcopatu Wirceburgensi sitam, X. argenti Libris, secundum Loci illius consuetudinem, si quis repetat, redimere habeat Potestatem.“ Am Rand steht die von anderer Hand in anderer Schrift später dazugeschriebene mit Fragezeichen versehene Jahreszahl 1136 (1136?).

Daraus wurde bei Dr. Martinet in seiner Abhandlung “Innere Geschichte des Dorfes Gaustatt“ (1845): „1136 übergibt Erchanbrecht, Stiftsherr am Neumünster zu Würzburg, sein Landgut in Gaustatt dem Kloster Michelsberg …“ Jäck kam in seiner “Fortsetzung der Auszüge aus Urkunden und gleichzeitigen Chronisten zur Geschichte Bamberg“ (1845) zu folgendem Ergebnis: „1136, Würzburg, übergibt der Stiftsherr und Priester Erchanbert von Neumünster sein Gut zu Gaustatt für sein Seelenheil dem Kloster Michelsberg …“ Dr. Arneth übersetzte: „Alle gegenwärtigen und zukünftigen Christgläubigen sollen wissen, dass Erchanbrecht, Kanoniker und Priester am Neumünster, sein Gut im Dorfe Gaustadt zum Heile seiner Seele auf den Altar des Hl. Michael auf dem Mönchberg stiftete …“ Nach seiner Auffassung sei die Schenkung wahrscheinlich bei der Gründung des Klosters Michelsberg im Jahre 1015 erfolgt. Eine exakte Datierungsmöglichkeit bestünde nur (so schreibt er wörtlich), „wenn es gelänge, diesen Kanoniker von Neumünster in Würzburg nachzuweisen und wenigstens für ein urkundlich gesichertes Jahr festzulegen, dass aber alle Bemühungen bisher vergeblich gewesen seien und die ’Nekrologien des Michelsberges’ in diesem Falle versagten“. Georg Pfuhlmann (ehemaliger Dritter Bürgermeister), der keine eigenen Forschungen durchführte, sondern seine „Geschichte unseres Heimatdorfes Gaustadt“ 1949 nach Martinets Unterlagen zusammenstellte, übernahm die Jahreszahl 1136.

Bei meiner im Juli 2004 veröffentlichten Arbeit über die Gaustadter Wirtshäuser habe ich als erstmalige Erwähnung Gaustadts die von Martinet, Jäck und Arneth genannten Jahreszahlen übernommen. Da mir diese Zeitangaben jedoch suspekt erschienen (weil von keinem der Herren die entsprechenden Urkunden vorgelegt wurden), habe ich mich dann selber mit dieser Offenen Frage befasst und Licht ins Dunkel zu bringen versucht. Das ist dabei herausgekommen:

Auch mir ist es nicht gelungen, einen Kanoniker und Priester Erchanbrecht an dem von den drei Koryphäen mit “Neumünster“ bzw. “Neumünster in Würzburg“ übersetzten “novo Monasterio“ nachzuweisen. Gefunden habe ich lediglich zwei Erkenberts, einen in Würzburg und einen in Bamberg: Erkenbertus subdiaconus im Jahre 1069 (“Monumenta Boica 37-46 [Urkunden von Bistum und Hochstift Würzburg]“, MB 37, S. 28 f., Nr. 69) und Erkenbertus Presbyter St. Jacobi unter den Gedenktagen vom 30. April im “Necrolog des Klosters Michelsberg“, Seite 77. Beide scheiden nach der bisherigen Definition aber als Stifter aus, da sie keine Chorherren am zwischen 1058 und 1063 gegründeten Kollegiatstift Neumünster gewesen sind.

Aber gemach, gemach! Der Bamberger Erkenbertus war – das ist der springende Punkt – Priester am “novo Monasterio“ in Bamberg, also am neuen Kloster in Bamberg, d. h. am 1071-1072 von Bischof Hermann gegründeten Kollegiatstift St. Jakob. (Am 22. März 1087 wird er auch als Teilnehmer an der Synode der Bamberger Kirche unter dem 7. Bischof Rupert [1075-1102] bzw. als Domherr erwähnt.) Außerdem weist ihn der „Necrolog des Kloster Michelsberg“ als Stifter aus, wie der Vermerk „Hic detit praedium suum“ (= er übergibt sein Gut) beim Erinnerungstag 30. April belegt.

Ich halte daher fest:

  • Stifter war der Priester Erkenbertus vom Kollegiatstift St. Jakob Bamberg (und kein Erchanbrecht vom Neumünster Würzburg).
  • Wessen Sohn der Stifter gewesen ist und von wann bis wann er gelebt hat, ist nicht zu klären gewesen. Gelebt haben dürfte er von 1040 bis 1100.
  •  Gestiftet wurde, wie aus der Urkunde hervorgeht, nur der im Bamberger Bistum (= Gaustadter) und nicht der im Würzburger Bistum liegende (= Bischberger) Teil.
  • Zu datieren ist die Schenkung des Erkenbertguts und damit die erstmalige Erwähnung Gaustadts auf die Zeit 1071/72.

Die in gedruckter Form vorliegende Abhandlung befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Bamberg. Dort, beim Original, finden sich auch die Quellenangaben.

A. Stenglein