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Erwerbszweige

Die Bewohner von Gaustadt betrieben bis in die heutige Zeit hinein zum Teil Landwirtschaft, früher auch Weinbau. Wahrscheinlich herrschte früher ein wärmeres Klima. Am Röthelbach sind heute noch die Terrassenwellen zu sehen, die nach Westen gerichtet, Weinstöcke trugen. Auch am Sylvanersee erkennt man noch einen Teil dieser Wälle, die einstmals dem Weinbau dienten. Der Wein war früher billiger als das Bier. Das Bier ist erst im 18. Jahrhundert nach Bamberg gekommen, als der Absatz von Wein nicht mehr so ertragreich war, wie der des Bieres. Außerdem hat zu dieser Zeit der Bischof die Betriebe, die sich mit dem Brauen von Bier befaßten - auch Zulieferer, wie Mälzer, Brauer, Büttner und die Hopfenbauern -, steuerlich stark begünstigt. Um 1750 herum erfolgte um Gaustadt herum ein totaler Wandel vom Wein zum Bier. Die in der Gaustadter Hauptstraße am südlichen Hang sichtbaren Stufen haben allerdings mit dem Weinbau nichts zu tun, sie sind Nordlage. Hier wurde um des Gartenbau willen die Stufung angelegt. Der Weinbau ist außerdem vom Boden abhängig, die Sonnenseite ist nicht immer allein ausschlaggebend. Der Obstanbau, der in unserer Zeit an einigen Stellen Bedeutung erlangte, war im vorigen Jahrhundert unbedeutend. Die Bauern pflanzten auf ihren Feldern hier und da Obstbäume, Obstplantagen gab es hier damals nicht. Nebenbei der Name Häcker, der in Franken häufig ist, weist auf Weinbau hin. So am Kaulberg in Bamberg, der wohl früher mit Weinreben bepflanzt war. Das Hacken war und ist eine der wichtigsten Arbeiten am Weinberg. Ein weiterer bedeutender Erwerbszweig in Gaustadt war der Wald. Es wurde viel gerodet und der Wald mehr und mehr zurückgedrängt. Der Wald reichte früher bis in den Ort hinein. Der Sylvanersee war früher von Wald umgeben, auch die linke Seite des Rothofweges war dicht bewaldet. Noch heute weisen Straßennamen um den Steinberg auf den Wald hin - Jungkreut für junges Gerode. Oder der Tännig, hier standen einmal Tannen. Auch zum Bad hoch war alles bewaldet, der Wald endete wahrscheinlich erst an der heutigen Heßlergasse, In den dreißiger Jahren stand vom ehemaligen Hochwald an der Straße zum Bad eine große Eiche, die auch "Kindleinseiche" genannt wurde. Den Namen "Kindleinseiche" fand man in unserem Forst früher dreimal. Die erste und die dritte Eiche dieses Namens sind heute verschwunden. Nur die "Kindleinseiche“1 steht noch im Michelsberger Wald, an der bekannten Wegkreuzung. Der Name stammt von Bildstöcken her, die das Jesuskindlein darstellten. Das aus dem Wald gewonnene Holz wurde zu Bauholz, die Abfälle zu Brennholz verarbeitet.

Ein weiterer Erwerbszweig war die Fischerei. Allerdings hat sie kaum ihren Mann ernährt. Heute gibt es in Gaustadt noch einige Familien, die Fischerei betreiben, z.B. die Familie Kropf. Eigenartig ist, daß das Recht in einem öffentlichen Gewässer fischen zu dürfen, vom Bischof herkommt, vom Landesfürsten also. Diese Recht stammt aus dem 18. Jahrhundert und bestimmt unter anderem, daß nur männliche, eheliche Nachkommen das Erbe antreten dürfen. Der Gaustadter Fischer "Kropfen-Fritz" gilt als Versager, weil er nur Mädchen, keine Jungen zeugen konnte. Vier Mädchen sind nicht erbberechtigt. Mit dem Ableben des "Kropfen-Fritz" erlischt das Recht für seine Nachkommenschaft in der Regnitz zu fischen. Weder Schwiegersöhne noch Enkel können in dieses Recht eintreten. Das gleiche Recht gilt auch für den Mühlenbesitz, auch ein Wasserrecht. Wer seine Mühle aufgab, hat sein Wasserrecht dem Staat verkauft.

Handwerksbetriebe in Gaustadt waren in erster Linie Zimmereien. Es gab im Dorf mehrere Zimmermeister, die vor allem für Fachwerke und Dachstühle das anfallende Holz des Waldes verarbeiteten, es wurden aber auch Treppen und Böden in Häusern, die sogenannten Fehlböden gezimmert. Der Zimmermeister Montag kann seine Firma auf seinen Urgroßvater zurückführen, der seinen Betrieb 1843 gründete. Weiter gab es Metzgereien, Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte einfachster Art. Durch die Ausdehnung Gaustadts vermehrte sich das Handwerk. Die Bäckerei Kreutzer und die Metzgerei Mackert sind beide sehr alt. Solange Gaustadt klein war, haben sehr wenige Handwerksbetrieb ausgereicht, weil Hausschlachtungen vorgenommen wurden, gab es früher viele so-genannte Hausmetzger. Sie standen in hohem Ansehen, denn von ihrem Können hing die Güte der Wurst und der übrigen Fleischprodukte ab. Das hausgeschlachtete Fleisch wurde meist eingesalzen oder, so weit möglich, in Felsenkellern kühl aufbewahrt. Ein weiterer, sehr verbreiteter Handwerksberuf war der des Wagners. Heute gibt es dieses Handwerk nicht mehr. Aber bis in unser Jahrhundert hinein wurden Wagen und Räder aus Holz gefertigt. Die Fabrikarbeiter sind häufig in den Wald holzlesen gegangen. Sie holten sich im Forstamt einen Holz-Leseschein, der 10 Mark kostete, und durften alles Holz einsammeln, das bis zu 10 Zentimeter Durchmesser hatte. Dazu brauchte man natürlich auch Wägen. Also waren Wagner auch deshalb damals noch ein verbreiteter Beruf, Auch Schmiede gab es im Dorf einen "Gemeinde - Schmied" und einen "privaten" Schmied. Beide hatten in Gaustadt ausreichend zu tun, denn sie mußten auf die Holzräder u. A. auch die stählernen Reifen aufziehen. Wagner und Schmied haben stets eng zusammengearbeitet, denn es gab bis in die dreißiger Jahre hinein keinen gummibereiften Wagen. Als der erste Bauer sich einen gummibereiften Wagen kaufte, war das in Gaustadt eine Sensation. Mit diesem Gefährt holte er dann aus dem Wald das Langholz für die Sägemühlen.

Sägemühlen mit Wasserbetrieb waren in Franken, wie auch woanders üblich. Allerdings hatte Gaustadt keine Sägemühle. Nur in Bischberg gab es ein Sägewerk, den "Kröner", der heute noch besteht. Andere Sägewerke standen in Bamberg, wobei viele Mühlen nebenbei ein Sägewerk betrieben. Auch eine Mehlmühle existierte in Gaustadt nicht. In Bamberg gab es allerdings acht Mühlen, die fast alle im Mühlenviertel an der Regnitz entlang standen. Die Geschichte der Mühlen in Bamberg wäre ein besonderes Kapitel. Die schon erwähnten Schmieden lagen in der Nähe des Dorfkerns. Die Gemeindeschmiede war im Hirtenhäuslein untergebracht, also dort, wo heute Anwesen Knoblach-Grimmer ist, gegenüber der "alten" Bürgerbräu. Diese Schmiede brannte um 1936 ab. Daneben lag die alte Brauerei "Wörner", der Bau, der heute eine Zimmerei beherbergt. Gegenüber lag die Mälzerei dieser Brauerei. Die andere Schmiede lag auf dem Kirchberg, an der breiten Kirchentreppe, wo jetzt das Anwesen Hümmer ist, also rechts, wenn man die Kirchentreppe hinaufgeht. Die Schmiede ist heute verschwunden, sie wurde weggerissen. Der Schmied Stäblein hat dann in der Flößergasse - auf der linken Seite, wenn man auf die Regnitz zugeht - eine neue Werkstatt gebaut. Dort haben die Landwirte häufig noch ihre Kühe beschlagen lassen. Die Kühe, die im Gespann gingen, hatten die Gewohnheit ihre Vorderfüße zu drehen. Dadurch wurde der Huf durchgelaufen, weil die steinigen Beläge der Straßen die Hufe stark angriffen. Die Eisen wurden nicht festgenagelt, sondern übergeschoben und umgebogen. Dabei wurden dieser "Schuh" nur an einer Klaue - die Kühe sind ja Paarhufer - befestigt, da sich nur der äußere Huf abnutzte. Kühe, die beim Beschlagen Widerstand leisteten, wurden, wie Pferde auch, in einen Stand geführt dort festgeschnallt und hochgezogen.

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