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Geschichtlicher Überblick der
Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche

 

Kontaktadresse:

Pfr. Bogdan Puszkar
Dr.-Martinet-Str. 22
96049 Bamberg


Tel: 0951-7002356
Fax: 0951-7002357


E-mail:
bpuszkar@t-online.de



 

Bis zum 10. Jahrhundert war die Kiewer Rus die letzte Bastion des Heidentums in Europa. Erst in den 80er Jahren des 10. Jh., genauer im Jahre 988, wurde das Christentum in diesem Staatsgebilde vom Großfürsten Volodymyr als Staatsreligion anerkannt. Die Taufe der Kiewer Rus bestimmt ihre Zugehörigkeit: Sie steht im Einflussbereich des großen geistlichen byzantinischen Erbes. Die Kiewer Kirche, in der auch die griechisch-katholische Kirche ihren Ursprung hat, entstand in Zeiten, in denen noch die unumwundene Einheit der Kirche herrschte. Leider jedoch kam es später zum Bruch in der Kirche Christi und zu dem großen Schisma zwischen der Kirche in Konstantinopel und Rom. Die Kiewer Rus war zwar immer weit geöffnet, d. h. sie pflegte Beziehungen sowohl zu Rom als auch zu Konstantinopel, übernahm schließlich aber gänzlich das geistliche Erbe Byzanz.

Über die Jahrhunderte lebte die Kiewer Kirche stets im Bewusstsein der Spaltung. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Gedanke an eine Überwindung der Spaltung sehr aktuell, unter den Hierarchen und den Gläubigen gleichermaßen. Diese Bemühungen haben zu einem Unionsvertrag zwischen der Kiewer Kirche (nur teilweise angenommen) und der römischen Kirche geführt. Im Jahre 1596 bemühte sich die Kiewer Metropolie nach der Vereinigung mit Rom weiterhin, die Beziehungen mit anderen Lokalkirchen des Ostens, die mit dem Apostolischen Stuhl nicht in einer communio standen, zu pflegen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jh. fiel ein Großteil der Gebiete der Westukraine den Habsburgern zu. Die anderen Gebiete mit den katholischen Strukturen des byzantinischen Ritus gelangten in den Einflussbereich Russlands und wurden nach und nach zwangsweise in die Russisch-Orthodoxe Kirche eingegliedert. Im Habsburger Kaiserreich hat man die mit Rom vereinten ukrainischen Kirchenstrukturen den Zusatz „griechisch-katholisch“ gegeben, damit man sie besser von den orthodoxen unterscheiden konnte. Diese Bezeichnung überlebte bis heute. Zwischen 1918 und dem Zweiten Weltkrieg, als die Westukraine zu Polen gehörte, wurde die Ukrainische griechisch-katholische Kirche als eine Kirche minderen Rechtes behandelt. Nach der Eingliederung der Westukraine in die Sowjetunion begann eine heftige Verfolgung. An der Pseudosynode von Lwiw (Lemberg) im Jahre 1946 wurden die Union mit Rom für aufgelöst erklärt und die Diözesen in die Russisch-Orthodoxe Kirche inkorporiert. Nur ein Teil der Kleriker und Laien schloss sich dieser Zwangvereinigung an. Die anderen, soweit sie nicht in Vernichtungslagern umkamen, lebten ihren Glauben im Verborgenen und bildeten eine Untergrundkirche, der in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zehn Bischöfe und mehrere hundert Priester, Mönche und Nonnen angehörten.

Als Folge der denkwürdigen Begegnung zwischen Michail Gorbatschow und dem Papst am 1. Dezember 1989 stellte die Sowjetunion die Repressionen gegen die Ukrainisch Griechisch-Katholische Kirche ein und gewährte ihr wieder einen legalen Status. Aktuell zählt die Ukrainisch Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine ca. 5 Millionen Gläubige. Sie ist die größte und bedeutendste der mit Rom unierten Kirchen.

 

Ukrainisch griechisch-katholische Kirche in Deutschland

 

Die Anfänge der Seelsorge für die in Deutschland lebenden ukrainischen Katholiken des byzantinischen Ritus reichen in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Die diskriminierende Nationalitätenpolitik der nach dem I. Weltkrieg wiedergegründeten polnischen Republik veranlasste viele Ukrainer aus dem galizischen Raum (Westukraine), für immer oder zumindest zu Studienzwecken ihre Heimat zu verlassen und sich in Deutschland niederzulassen.

Auch als Saisonarbeiter kamen Ukrainer nach Schlesien, Bremen, Hamburg und ins Rheinland. Die deutsche Sprache war ihnen nicht ganz fremd, da Galizien mehr als ein Jahrhundert lang dem Habsburger Reich angehört hatte.

So errichtete im Jahre 1927 der damalige Metropolit von Halyc und Erzbischof von Lemberg Andrij Scheptyckyj ein Seelsorgedekanat in Berlin, wo als erster Seelsorger der von kurzem seliggesprochene Priester Petro Werhun wirkte. Werhun wurde schon im Jahre 1940 zum Apostolischen Visitator und Administrator ernannt, also zum Oberhirten der katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland. Er wurde am 22. Juni 1945 von den Sowjets verhaftet, in die UdSSR deportiert und dort zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Prälat Werhun starb als Bekenner an seinem Zwangsaufenthaltsort in Krasnojarsk am 7. Februar 1957. Unter seiner Administration waren um die 10 Priester hauptamtlich in der Ukrainerseelsorge tätig gewesen.

Die 1930 - 1933 in der Ukraine erfolgte Zwangskolchosierung war mit einer starken Verfolgung der Bauern verbunden. Etwa 10 Millionen Ukrainer verloren dabei ihr Leben, viele flohen. Im Rahmen dieser neuen Flüchtlingswelle kamen seit 1930 ukrainische Theologiestudenten nach München, die an dem von Kardinal Michael Faulhaber gegründeten St. Andreas-Kolleg studierten. Deutsche, Weißrussen und Ukrainer bereiteten sich dort für eine eventuelle spätere Tätigkeit vor. Das Kolleg wurde von Pater Chrysostomus Baur OSB geleitet.

Vor dem II. Weltkrieg sollen in Deutschland etwa 50.000 katholische und orthodoxe Ukrainer gelebt haben; während des Krieges ist diese Zahl stark angestiegen auf über 2 Millionen Menschen. Auch im Jahre 1945 flüchteten viele Ukrainer vor den einrückenden Russen nach Deutschland. Im Juni 1945, als Prälat Werhun verhaftet wurde, lebten allein in Berlin ca. 5000 Ukrainer.

Die Aufgaben von Prälat Werhun übernahm am 12. Oktober 1945 H.H. Mykola Wojakowskyj, der die Amtsbezeichnung „Stellvertretender Leiter der Apostolischen Visitatur“ führte. Mit der Neuordnung der Ukrainer-Seelsorge im Ausland durch Papst Pius XII übernahm Erzbischof Iwan Buczko als Apostolischer Visitator in Westeuropa auch die Leitung der Seelsorge für die in Deutschland lebenden katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus. Sein ständiger Vertreter und Generalvikar in Deutschland wurde der spätere Prälat Petro Holynskyj.

In der Nachkriegszeit animierten Kommunisten die in Deutschland lebenden Ukrainer zur Rückkehr in ihre Heimat; dort wurden sie aber als Kollaborateure verurteilt und in Arbeitslagern interniert. Daher wanderten viele Ukrainer in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, Australien oder Argentinien aus.

Die ehemaligen Seelsorgestellen für Ukrainer blieben auch in der Nachkriegszeit erhalten, worauf die heutige Ukrainerseelsorge aufbaute. Es blieben an die 80.000 ukrainische Katholiken und Orthodoxein in den westlichen Bundesländern der Bundesrepublik.

Am 17. April 1959 errichtete Papst Johannes XXIII für die in Deutschland lebenden katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus eine Apostolische Exarchie mit eigener Jurisdiktion, die direkt dem Papst untersteht. Erster Oberhirte wurde der damalige Kanzler der ukrainischen Metropolitaneparchie in den USA, Dr. Dr. Platon Kornyljak, der am 7. Juli 1959 die Bischofsweihe erhielt.

Die Apostolische Exarchie für die katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien ist eine sowohl territorial – früher zunächst nur für ganz Deutschland,als auch personell, für die Gläubigen des byz. Ritus – umschriebene rechtliche Einrichtung. Im Jahre 1983 wurde ihr auch die Jurisdiktion über die ukrainischen Gläubigen in Skandinavien übertragen. Der Apostolische Exarch ist beratendes Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz.

 Sitz der Apostolischen Exarchie, des Ordinariats der katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus ist München, die Adresse lautet: Schönbergstrasse 9, 81679 München. In München wurde vor mehreren Jahren auch die Bischofskirche errichtet. Das Gotteshaus weist Anklänge an den byzantinischen Stil und eine typische ukrainische Kuppel auf.

Das Gebiet der Bundesrepublikdeutschland ist in 4 Dekanate aufgeteilt. Aktuell besteht die Exarchie aus 18 Pfarreien, 10 Kirchen, mehreren Vereinen, karitativen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Die 18 Priester, die für diesen Raum zu Verfügung stehen, müssen oft weite Strecken zurücklegen, um zu ihren Gläubigen zu gelangen. Darüber hinaus gibt es noch Ordensniederlassungen der Studitinnen, die sich im Kloster St. Andreas in Altenbecken-Buke niedergelassen haben. Die Schwestern feiern das kirchliche Stundengebet gemäß der Ordnung der byzantinischen Kirche.

Am Sitz des Apostolischen Exarchen befinden sich mehrere kulturelle und wissenschaftliche Institute, darunter die früher in Prag ansässige Ukrainische Freie Universität sowie die Zeitung „Christliche Stimme“, die in ganz Europa verbreitet wird.

Mehr als vierzig Jahre besteht nun die Apostolische Exarchie in Deutschland. Die seelsorgerlichen Verhältnisse haben sich durch eine zielbewusste Organisation und Verwaltung gut gefestigt, so dass eine volle Diözesantätigkeit über das gesamte Bundesgebiet mit mehr als 100 Seelsorgezentren besteht, die in Dekanaten aufgeteilt sind. Regelmäßige bischöfliche Visitationen festigen die seelsorgliche Ausrichtung. Wallfahrten, Tagungen und Treffen unter Männern, Frauen und der Jugend vertiefen das in der heimatlichen Liturgie gepflegte religiöse Leben. In den so genannten Samstagschulen werden Kinder in Katechese und ukrainischer Sprache unterrichtet.

Die Ukrainisch griechisch-katholische Kirche war in den Zeiten der Sowjetunion (1946 - 1989) verboten gewesen. Die Bischöfe sind fast alle im Kerker gestorben. Der Patriarch Joseph Slipyj war 18 Jahre in sowjetischen Gefängnissen und Lagern, später wurde er nach Rom entlassen, wovon er die Geschicke der ihn anvertrauten Kirche lenkte.

Zum Überleben der Kirche in der Heimat leisteten viele im Ausland lebende Ukrainer selbstlose Einsätze. So wurde christliche Literatur in die Ukraine geschickt. Radiosendungen, Zeitungen usw. waren die Mittel, die die Verbindung auch über den eisernen Vorhang hinweg aufrecht zu erhalten vermochten. Der Wunsch der Ukrainer nach Stärkung ihrer in der Heimat in den Katakomben lebenden Kirche prägte ihr Leben und stärkte ihr Zusammengehörigkeitsgefühl.

Auch nach der Wende versteht sich die Apostolische Exarchie als ein Teil der Ukrainischen Kirche, die für die im Ausland schon seit langem lebenden Ukrainer wie für die neu angekommenen eine geistige Heimat bieten will. Ihre besondere Aufgabe sieht sie darin, den Menschen, die auf Grund verschiedener Umstände aus ihrer Heimat ausgewandert sind, die christlichen Werte zu vermitteln.

Im November 2000 starb der Apostolischer Exarch Bischof Platon Kornyljak. Seine Arbeit, seinem Einsatz verdankt die Apostolische Exarchie viele Errungenschaften. Zu seinem Nachfolger wurde im Dezember 2000 vom Heiligen Stuhl der Administrator der ukrainischen Diözese Breslau ernannt, der Priester Petro Kryk. Am 4. Februar 2001 wurde er in München zum Bischof geweiht. Mit neuen Impulsen versucht die Exarchie nun die seelsorgliche Betreuung der Ukrainer zu intensivieren und den Ansprüchen der Zeit mit den ihr möglichen Antworten zu entsprechen.

  

Ukrainische Personalpfarrei St. Nikolaus in Bamberg-Gaustadt

 

Die ukrainische Seelsorgestelle in Bamberg bestand ununterbrochen seit Ende des II. Weltkrieges bis 1990. Sie wurde von dem jeweiligen Ukrainerseelsorger, der in Nürnberg wohnte, betreut.

Die regelmäßigen Gottesdienste wurden im Herbst 2001 wieder aufgenommen. Mit der Leitung der Seelsorgestelle wurde ab 1. Juli 2000 Pfarrer Bogdan Puszkar betraut.

Am 15. Juni errichtete der Apostolische Exarch in Bamberg eine ukrainische Personalpfarrei St. Nikolaus und ernannte Bogdan Puszkar zum Pfarrer.

Schwerpunkt der pastoralen Tätigkeit liegt derzeit vorwiegend in der sozialen Arbeit.

Es gilt, die Gemeindemitglieder, die schon seit dem II. Weltkrieg hier leben, zu betreuen, und den Neuankömmlingen zu helfen, sich in Deutschland einzuleben und sie in die Gemeindearbeit einzubeziehen. Der Pfarrer ist oft der einzige Ansprechpartner, den sie anfangs haben und der ihr Vertrauen genießt. Obwohl viele der Gläubigen ohne kirchliche Begleitung aufgewachsen sind, zeigen sie doch ein beachtliches Zugehörigkeitsgefühl zur Kirche.

Die regelmäßigen Gottesdienste werden in der Sebastianikapelle zelebriert. Die festen Gottesdienstzeiten sind:

Sonntags                                                                            8.30 Uhr

Feiertags (nach dem julianischen Kalender)          14.00 Uhr

Pfarrer Bogdan Puszkar

50 000 Kilometer für die Seelsorge

Bogdan Puszkar ist Pfarrer für zwei Diözesen und drei Regierungsbezirke

Wenn die römisch-katholische Kirche das Fest der Heiligen Drei Könige feiert, begeht Pfarrer Bogdan Puszkar mit seiner Gemeinde in Gaustadt den Heiligen Abend: Die ukrainische griechisch-katholische Pfarrei St. Nikolaus feiert das Weihnachtsfest nach dem Julianischen Kalender, also 13 Tage später als andere Katholiken.

von Gertriid Glössner-Möschk

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Auch die Weihnachtsbräuche unterscheiden sich erheblich. So gehören zum Festmahl am Weihnachtsabend zwölf ganz bestimmte Speisen, die ohne tierische Fette und Fleisch zubereitet sein müssen. Nur Fisch ist erlaubt. Zum Auftakt oder Abschluss gibt es Kutia aus gekochtem Weizen mit Honig, Rosinen und Mohn. Serviert wird auf einer Tischdecke, unter der Heu ausgebreitet wurde.

Unter dem Dach der einen katholischen Kirche, deren Oberhaupt der Papst in Rom ist, haben zwölf verschiedene Glaubenstraditionen Platz, zum Beispiel die koptische, die maronitische und eben auch die ukrainische Kirche als östlicher Zweig. 1596 hat sie sich in der "Union von Brest" unter die Obhut Roms begeben und hält bis heute an ihrer seit mehr als 1000 Jahren überlieferten Liturgie fest. Der jüngste Teil des Gottesdienstes, der Cherubim-Hymnus, stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die drei Sakramente Taufe, Kommunion und Firmung werden in einem gespendet.

Obwohl die ukrainische Kirche seit 1920 in Deutschland pastorale Strukturen besitzt und seit 1945 eine Gemeinde besteht, verfügt sie in Bamberg erst seit letztem Sommer über eine eigene kleine Kirche: Am 19. Juni durfte sie die alte Kapelle des Caritas-Seniorenheims in Gaustadt feierlich in Besitz nehmen. In die Renovierung haben die Gemeindemitglieder - meistens Zuwanderer aus den GUS-Staaten - viel Eigenleistung investiert.

Der augenfälligste Unterschied zum römisch-katholischen Gotteshaus sind die beiden lkonen mit den Darstellungen von Christus und Maria. Das ist das Minimum an lkonen, das der ukrainisch-katholische Ritus fordert.

Genau genommen wird eine komplette lkonostase benötigt: eine Bilderwand mit drei Türen, die das allein für Priester und Diakone reservierte Presbyterium vom Raum der Gläubigen abgrenzt und die Trennlinie zwischen himmlischer und irdischer Welt symbolisiert.

Die Anschaffung einer solchen lkonostase ist das nächste Ziel der Gemeinde, die sich über Spenden dafür sehr freuen würde. 30 bis 40 Gläubige finden sich jeden Sonntag um 8.30 Uhr in Gaustadt zum Gottesdienst ein. Dieser teilt sich in drei Abschnitte: 1. die Vorbereitung der Gaben neben dem Altar. Sie ist den Blicken der Gläubigen entzogen. 2. der Wortgottesdienst mit dem "kleinen Einzug" des Priesters und der Diakone, den Fürbitten, der Lesung und dem Evangelium - beide werden gesungen - sowie der Predigt. 3. der große Einzug, mit dem die Gaben in die Kirche gebracht werden, sowie die Konsekration von Wein und Brot. Die Kommunion wird mit einem kleinen Löffel verteilt, ohne dass die Lippen berührt werden. Das gesäuerte Brot in Form eines Lammes bäckt der Pfarrer selbst.

Nach dem Ende des Gottesdienstes in Bamberg setzt sich Bogdan Puszkar in sein Auto und fährt nach Nürnberg, wo er in St. Willibald um 11.30 Uhr einen zweiten Gottesdienst hält. Zusätzlich reist er zwei Mal im Monat nach Würzburg, um bei den Augustinern die Liturgie zu zelebrieren und die Beichte abzuhalten. Eine Menge Kilometer kommen auf diese Weise im Jahr zusammen. Puszkar hat einmal ausgerechnet, dass das ganze drei Monate seiner Jahresarbeitszeit ausmacht. Sein Gehalt wird übrigens von den beiden Diözesen Bamberg und Würzburg getragen.

Wie notwendig die "Tourneen" durch zwei Diözesen und alle drei Regierungsbezirke Frankens sind, wird deutlich, wenn der Pfarrer schildert, dass er nicht nur als Seelsorger, sondern auch dringend als Ratgeber und Helfer gebraucht wird. Bei allen Problemen, die deutschstämmige Aussiedler und Kontingentflüchtling haben, ist sein Rat gefragt. So hat Puszkar stets das neueste Ausländerrecht griffbereit und ist schon halber Experte in Renten- und Versicherungsfragen. In Nürnberg helfen ihm zwei Ehrenamtliche, wenn es um die leider gar nicht seltenen Fälle geht, in denen Frauen aus Russland von ihren Ehemännern als billige Arbeitskräfte oder Prostituierte ausgebeutet werden.

Sein Theologiestudium hat Pfarrer Puszkar im polnischen Lublin und in Eichstätt absolviert. Er ist verheiratet und Familienvater. Das ist für einen Priester der ukrainisch-katholischen Kirche erlaubt, sofern er vor der Priesterweihe geheiratet hat. Danach muss er sich dem strikten Ein-Ehe-Gebot unterwerfen. Wer vor der Weihe nicht verheiratet ist, muss zölibatär leben.

Wer für die Ikonostase spenden möchte, kann dies auf das Konto Nummer 109028307 bei der Liga-Bank tun; Bankleitzahl 75090300. Bitte den Vermerk "Für lkonostase" beifügen.

Fränkischer Tag, 30. Dezember 2005

Ein Gruß aus der alten Heiat

Ural-Kosaken-Chor in Gaustadt gefeiert - Viele russlanddeutsche Zuhörer

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Mit dem unvermeidlichen "Kalinka" (und stehenden Ovationen) endete das Gastspiel des Ural-Kosaken-Chors in Gaustadt, in der vormaligen Altenheim-Kapelle. Unter den begeisterten Zuhörern waren viele Russlanddeutsche, die über 90 Minuten hinweg wenigstens musikalisch ihrer alten Heimat nahe sein durften.

Zumindest ums Herz wurde einem da warm in der von Weihrauch geschwängerten, nicht geheizten Kapelle. In schwarzen Uniformen, denen einzig ein grünblauer Seitenstreifen und goldene Knöpfe Farbtupfer verliehen, hatte sich der Männerchor im Halbrund vor dem Altar aufgereiht. Mit umwerfender Stimmgewalt schmetterten die zehn Kehlen zunächst russisch-orthodoxe Kirchengesänge in den Raum.

Doch den überwiegend jungen Sängern gelang auch ein zartes Pianissimo, was um so mehr beeindruckte, als es heftigsten Fortissimo-Ausbrüchen häufig unmittelbar auf dem Fuße folgte. Selbst wer des Russischen nicht mächtig ist, vermochte allein auf Grund des ausdrucksvollen Vortrags auf den Liedtext zu schließen. Hier Gottesfurcht und stilles Gebet (auch an die "Macht der Liebe"), dort ausgelassene Tanzrunden und melancholische Anrufung der Landschaft: Groß ist, und weit, die russische Seele, die Steppe nicht minder und auch die Flüsse sind es.

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Die "Abendglocken" weckten mit himmlischem Klang und einem in doppelter Hinsicht strahlenden Tenor Erinnerungen an die Jugendtage im Heimatland, die "Wolgaschlepper" zogen singend am Ufer entlang, während die "Hymne der Ural-Kosaken" die unendliche Weite der Steppe beschwor, wo sie einmal in Freiheit leben konnten.

Es war kein Schaden, dass die Sängerschar noch von zwei Tannenbäumen flankiert wurde, denn auch Weihnachtslieder hatten sich ins winterliche Programm geschmuggelt. Mit "Süßer die Glocken nie klingen" verneigte sich der Chor vor den Gastgebern und sang eine Strophe auf Deutsch.

Neben der störungsfreien Intonation, neben hoher Stimmkultur und homogenem Gesamtklang waren es immer wieder einzelne Solisten, die für ihren inbrünstigen Vortrag Bravo-Rufe ernteten. Nicht erst bei "Kalinka", der dritten und letzten Zugabe.

Armut und Leid gehören noch immer zum Alltag in seiner ehemaligen Heimat. Dass der Ural-Kosaken-Chor durch seine Auftritte die Aktion "Russland in Not" (und hier speziell ein Kinderkrankenhaus) unterstützt, ist ebenso schön wie, leider, dringlich.

Jürgen Gräßer