Hochwasserschutz in GaustadtDrei Millionen gegen das Hochwasser
Bamberg - Bis drei Meter unter die Wasseroberfläche des Hafenbeckens bei Gaustadt reicht das Auslaufbauwerk des neuen Hochwasserkanals in Gaustadt. Das gigantische Becken, dessen Fundamente weit unter Straßenniveau liegen, markiert das Ende einer 400 Meter langen Kanalstrecke mit Rohrdurchmessern bis zu 1,60 Metern. Sie dient dem kontroierten Ableiten von Oberflächenwasser bei Starkregen und da nur dem Hochwasserschutz in Gaustadt. Der Entsorgungs- und Baubetrieb investiert drei Millionen Euro allein in den ersten Teil des Projekts, zu dem auch eine Durchpressung der Rohre unter der Gaustadter Hauptstraß gehört. Bauabschnitt 2 und 3 umfassen den Weiterbau des Kanals bis zum Sylvaner See, der aber noch nicht sicher finanziert ist. Wegen der Arbeiten am Ufer und der Baustellenablagerungen sind Behinderungen des Verkehrs auf dem Leinritt derzeit an der Tagesordnung. Trost für alle Bettroffenen: Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: M. Wehner Fränkischer Tag, 24. Oktober 2007
Ein Damm für den Ernstfall
Hochwasser Ein neuer Damm am Sylvanersee schützt
Gaustadt vor unberechenbaren Fluten aus dem Michelsberger Wald. Inklusive Kanal
kostete das Hochwasserprojekt 4,1 Millionen Euro.
Vom FT-Redaktionsmitglied Michael Wehner
Bamberg - Peter Röckelein erinnert
sich noch genau an die Katastrophe Anfang der 80er Jahre Damals wurde sein
Elternhaus unterhalb der Gaustadter Hauptstraße von den Wassermassen verwüstet,
die sich über den Damm des Sylvanersees in Richtung Tal ergossen hatten. „Der
Schlamm lag 20 Zentimeter hoch. Hatte er sich verfestigt, war er kaum noch zu
entfernen“, erzählt Röckelein. Rund 30 Jahre später, im August 2006, hat der
Himmel wieder zugeschlagen. In wenigen Minuten fielen bei einem Gewitter im
Nordwesten der Stadt 60 Liter Regen auf den Quadratmeter. Die Folge: Im dicht
besiedelten Quartier zwischen Gaustadter Hauptstraße und dem Main-Donau-Kanal
standen Keller und sogar die Straßen unter Wasser.
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Barbara Herbst  |
| Ein herbstliches Idyll am Michelsberger Wald: Das Gewässer, das den Sylvanersee speist, neigt bei Starkregen zu verheerenden Hochwassern. Die neue Staumauer vor dem Sylvanersee mit dem abgeflachten Überlauf (rechts im Bild) kann die Folgen 50-jährlicher Hochwasserereignisse abfangen. Die Steganlage links, die den Eindruck eines Badeweihers erweckt, dient dazu, die Technik im Staudamm warten zu können. |
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Von der Urgewalt der Elemente war am gestrigen Montag
bei der Einweihung des Damms nichts zu spüren. Die strahlende Oktobersonne
spiegelte sich im Wasser des Sylvanersees, OB Andreas Starke (SPD) sprach am
Rednerpult von einer unendlichen Geschichte, die sich nun dem Ende nähere.
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Barbara Herbst  |
| Die Pfarrer Diethardt Buchstädt und Matthias Wünsche spendeten dem Bauwerk den kirchlichen Segen. Es hören zu (v.l.): Staatsekretärin Melanie Huml (CSU), Alt-OB Herbert Lauer und OB Andreas Starke (SPD). |
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Was nach Jahrzehnte langer Planung und einer Reihe von
Gutachten entstanden ist, können Besucher des idyllisch am Waldrand gelegenen
Sylvanersees bereits seit einigen Monaten anschauen: Der See, der einst
rundherum eingewachsen war, erhielt zu den beiden Hochhäusern hin eine
stattliche Staumauer; zur Seewiesenstraße hin bilden massige Natursteinblöcke
eine etwas niedrigere Schulter.
Das Besondere am Gaustadter Hochwasserschutz: die
Zyklopensteine, der Damm, die 1,2 Kilometer lange Rohrleitung bis hin zum
Auslaufbecken am Main-Donau-Kanal sichern den Stadtteil vor der unberechenbaren
Kraft eines Bächleins, das im Normalfall wenig Wasser führt.
Warum wird
der Damm so hoch?
Nicht umsonst haben die Anwohner während der Arbeiten immer wieder gefragt:
Warum wird der Damm eigentlich so hoch? Die Antwort: Hochwasserschutz in
Gaustadt ist die Absicherung vor dem seltenen Ernstfall. Um die Fluten
aufzunehmen, die alle paar Jahrzehnte vom Michelsberger Wald kommend über
Gaustadt hereinbrechen, braucht der Sylvanersee ein Fassungsvermögen von über
33 000 Kubikmetern Wasser; so haben es jedenfalls die Hydrogeologen errechnet.
Aufgrund ihrer Bemessungsgrundlagen hat der Wall nun eine Höhe von 4,40 Metern.
1,20 Meter davon sind einer DIN-Norm geschuldet, die das Bauwerk zusätzlich
gegen Wellenschlag sichern soll.
Mit der Fertigstellung des neuen Damms ist das
Schutzniveau in Gaustadt hoch, das heißt aber nicht, dass es künftig keine
Hochwasser mehr geben wird: Um den Stadtteil vor 100-jährlichen Starkregen zu
schützen, plant der Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) zwei weitere
Regenrückhaltebecken am Bachlauf oberhalb: Eines an der Wagnersleite mit 13 000
und ein drittes im Michelsberger Wald mit 33 000 Kubikmetern Fassungsvermögen.
Geschätzte Kosten ohne Grunderwerb: eine Million Euro.
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Barbara Herbst  |
| So stellt sich die Perspektive in Richtung Gaustadt dar. |
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Wer vor dem Sylvanersee steht, erkennt rechts eine
abgeflachte Dammseite. Bei dieser Einsattelung handelt es sich um einen
Überlauf, einen mit großen Natursteinen bewehrten Einbau für den noch
selteneren Extremfall: Dieser Überlauf soll dafür sorgen, dass im Falle eines
1000-jährlichen (!) Starkregens der Damm nicht bricht, sondern das
überschüssige Wasser über die Straße abfließen kann.
Für den Bau des neuen Walls wurden im Winter 2009
etliche Ufer-Bäume gefällt. Vom EBB wollten wir wissen, warum auf der Dammkrone
kein Ersatz gepflanzt wurde. Die Antwort: Damit der Damm fest bleibt, darf er
keine tief
wurzelnden Pflanzen tragen. Auf seiner Rückseite wurden allerdings 500 niedrige
Sträucher gesetzt.
Das Projekt in Zahlen
Teil 1 Von Juli 2007 bis Juli 2009
baute der städtische Entsorgungs- und Baubetrieb die ca. 1,2 Kilometer lange Kanalstrecke
zwischen dem Sylvanersee und dem Auslaufbecken am Main-Donau-Kanal.
Teil 2 Im
Anschluss wurde der ehemalige Fischteich Sylvanersee ertüchtigt. Der See wurde
um einen Meter vertieft, für den Damm wurden 4500 Kubikmeter Material
gebraucht. Das Stauraumvolumen: 33 000 Kubikmeter.
Kosten Die
Gesamtkosten belaufen sich auf 4,1 Millionen. Der Freistaat beteiligt sich mit
0,7 Millionen Euro.
Fränkischer Tag, 12.10.2010
www.infranken.de
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